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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-04-19 · Heft 16 (19.4.1907) · p. Seite 189

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 189 (sequence 9)
Language
German
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18'J;ii weit geführt hat; man kann konstatieren, daß der Autor, vie es z. B. in dem Artikel Geiger der Fall ist, in Jahresahlen, daß er bei anderen in den Namen usw. sich irrte; die Zenutzung der hebräischen Quellen mag, obgleich sich der Herausgeber dabei der Hilfe von Hebraisten bediente, manche leinen und großen Fehler veranlaßt haben — aber ein solcher rster Versuch, ein so umfangreiches Werk muß, wenn es licht die Lebensarbeit eines wirklichen Meisters ist, an gewissen lnvollkommenheiten leiden. Wir aber wollen diese mit inniger Liebe zu dem Gegenwand, mit außerordentlichem Fleiß, mit stannenswürdigem Scharfsinn, mit rühmenswerter Unparteilichkeit begonnene und mrchgesührte Studie mit herzlicher Freude begrüßen; daß ein inzelner, noch dazu einem anderen Glaubensbekenntnisse anwhörend, ohne sede Unterstützung von Behörden oder Vereinen, chne Beihilfe zahlungsfähiger Gönner eine solche Arbeit mternimmt, jahrelang seine Kräfte daransetzt und sie schließlich n einer würdigen, geradezu prächtigen Form dem Publikum ibergibt, das ist aller Anerkennung, ja Bewunderung wert. Lduard Kulke, der mährische Ghetto-Ooet. r ist längst nicht so bekannt >vic seine verwandten landsmännischen Brüder vom Parnaß: der treffliche und 'riginelle Eduard Kulte. Sogar von jüdischen autoritativen vachmänuern läßt ihn Gustav Karpeles (Geschichte der jüdischen 'iteratur, II, 1185 f.), obwohl Mähre wie er und derselben Generation, wenn auch ihrer jüngeren Schicht, angehörig, »erkwürdig zu kurz kommen, ja, Wilhelm Eöldbaums sachundiger Aufsatz „Ghetto-Poeten" in seinen geistvollen Literarischen Physiognomien" (1884), Seite 168—216, ganz inerwähnt. So ist denn Adolf Kohnt wohl der einzige Glaubensgenosse, welcher Eduard Knlkes Bedeutung literaristorisch gerecht zu werden versucht hat: in seinen „Berühmten üaelitischen Männern und Frauen" (II, 86). Jedoch stützen ch seine Angaben ersichtlich durchweg ans den anonymen iachruf eines wohl persönlichen Kenners in der Wiener „Neuen vrcien Presse", Nr. II 708 vom 22. März 1897, Abendblatt, lnthentisch muten die Daten und Notizen in Franz Brümmers Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des in. Jahrunderts" (5. Auflage, II, 886 und 578) an, desgleichen die esonders bibliographisch sorgfältige Aufnahme in L. Eisenbergs Geistigem Wien" (I, 1898, S. 294). Dagegen haben die Konversationslexika und ähnlichen Nachschlagewerke ihm den intritt verweigert, mit Ausnahme der grandiosen „Jewish ncyclopedia", die ihm (VII, 582 83) 1904 ans B. B.'s Feder men knappen Artikel auf Grund jenes Wiener Zeitungsekrologs gewidmet hat. Endlich schrieb „L.", d. i. Ludwig aiftner, der ausgezeichnete Dichter und Literatursorscher, über ulke noch bei dessen Lebzeiten eine kurze, aber um so wärmere iographisch-kritische Skizze vor dem Neudruck der Novelle Der Kunstenmacher" im „Neuen Deutschen Novellenschatz", »d nun hat das gewaltige Nationälwerk der „Allgemeinen rutschen Biographie" Knlke mit Band 51 (1906, S. 486 88) ewürdigt, in diesem geschichtlichen Ehrentempel des deutschen Lölkes ein dauerndes Denkmal zu erhalten. Hier das Fazit aus diesen meistens nur andeutenden Mitteilungen zu ziehen und formell zu einem einigermaßen mdrucksvollen Bilde abzurunden, dünkt dem Verdienst Eduard »lkes angemessen. Es ist ihm keineswegs leicht gemacht erden, literarisch emporzusteigen. Am 28. Mai 1881 zu Nikvlsburg als Sohn eines gelehrten Rabbiners geboren und dadurch schon auf das jüdischmährische Volksleben hingewiesen, kam er 1888 mit den Eltern nach dem nahen Kostet itnb erhielt da bis ins 14. Jahr- Privatunterricht, freilich fast nur hebräischen und theologischen. Dann wechselte er die Gymnasien zu Nikolsburg, Prag, Brünn, Znaim, Wien; ein seltsames Umherschütteln des jugendlichen Schicksals. 1858 bezog er das Polytechnikum in letztgenannter Stadt, 1854 das zu Prag, und zwar trieb er da fleißig Mathematik und Physik. Nach dem Abschlüsse dieses Studiums bereitete er sich, schon mannigfach unterrichtlich tätig, weitere zwei Jahre ans das Lehramt dieser beiden Fächer und der deutschen Sprache vor. So übernahm er denn, nach dem 1857 für Unter-Realschulen abgelegten Examen, 1858 eine Supplentenstelle an der israelitischen Hauptschule zu Fünfkirchen in Ungarn. Doch ging er nach knapp einem Jahre mit kurzem Entschlüsse nach dein Reichs- und Bildungszentrum Wien und machte einen Schnitt durch sein Dasein: er trat in die literarische Laufbahn ein. Diese verfolgte er nun seitdem mit größtem Ernst und Eifer, hat sich allerdings znnächst wesentlich mit den ihn stets fesselnden ästhetischen, besonders musikalischen Fragen befaßt, bald aber sich als Erzähler auf einem fest umgrenzten Stoffgebiet und als Kritiker rasch die Sporen verdient. In dieser Toppebvirksamkeit errang er sich einen angesehenen Namen, versuchte sich sodann auch, nicht ohne Geschick, als Dramatiker tieferer Intention. Fast seit Beginn seiner Wiener Schriftstellerei war Knlke journalistisch viel beschäftigt, für belletristische und wissenschaftliche Zeitschriften (auch spezifisch jüdische — stolz hebt „The Jewish Encyclopedia'1 hervor: also a diligent eontributor to Jewish pei-iodicals) — namentlich aber als Musikreferent. Letzteres zuerst für das „Fremdenblatt" in Wien, 1865 bis 1882 für das klerikalkonservative Hauptorgan „Vaterland", seitdem für die „Wiener- Signale". Bald ein glühender Verehrer der Richard Wagnerschen Kunst, natürlich nicht ihrer theoretisch teut omanisch-antisemitischen Auswüchse, geworden, vertrat er sie auch publizistisch als überzeugter Anhänger energisch. Als aber die Wagner-Gemeinde, über ihres Götzen Ansprüche hinaus, neben ihm keinen Komponisten dulden wollte, trennte sich Knlke von ihr und brachte die-Z iu Vorträgen und Schriften zum deutlichen Ausdruck. Dahin gehören, auf dem Grunde gediegener ästhetischer Bildung und feinen musikalischen Urteils erwachsen: „Richard Wagner. Seine Anhänger und seine Gegner. Mit besonderer Berücksichtigung des Fundamental-Motivs im .Ring der Nibelungen'. Mit 8<> Nvtenbeispiclen," 1884 mitten im ersten Ansichtskampfe nach des Meisters Tod ausgegangen; „Richard Wagner und Friedrich Nietzsche" (1890); dahin gehört auch die Broschüre „lieber die Umbildung der Melodie. Ein Beitrag zur Entwicklungslehre" (1884). Der erwähnte Nachruf der „Neuen Freien Presse" äußerte über Kulke unmittelbar beim Tode, welcher nach längerer Krankheit im 66. Lebensjahre am 2o. Mürz 1897 zu Wien erfolgte: „In den letzten Jahren hielt Kulke, der sich stets mit philosophischen Studien eingehend befaßt hatte, in verschiedenen literarischen und wissenschaftlichen Vereinen Vorträge." Eine große Anzahl von Freunden und Verehrern betrauert in dem Verblichenen den Verlust eines ebenso gemütsreichen als gesiunungstreuen Menschen, der sich Zeit seines Lebens über den Mangel an Glücksgütern mit philosophischem Gleichmut hiuwegsetzte und unverdrossen nur ideale Bestrebungen verfolgte." Bei dem zahlreich besuchten Begräbnisse am 23. Mürz feierte Ferdinand Groß, der feine Feuilletonist, als Präsident der ersten Wiener Literaten-Gesellschaft „Concordia",

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