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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-04-19 · Heft 16 (19.4.1907) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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185 n it Chamberlainscher und Gobineauscher „wissenschaftlicher" Unterst ltzung das „dekomponierende" Judentum. Toleranz und objektives rständnis kann man von diesen Leuten natürlich nicht verlangen, d heiternd aber wirkt es, wenn man einmal ihre Konsequenz und i V gik auf die Nieren Prüft. Und da möchte ich der „Kreuzzeitung" > \v-m Zwecke der Selbstkritik einen Artikel ins Gedächtnis zurückrusen, j d it sie im März 1904 gegen die Bewucherung der Hereros durch! n äße Händler losließ. Hier heißt es: „Man hat es gewissenlosen! Händlern gestattet, die Unerfahrenheit und den Leichtsinn der Hereros j n iszubeuten.. . Die Verschuldung der Hereros bei den tuetjseit I V indlern war in den letzten Jahren ins Ungeheure gewachsen;; g nze Dörser waren mit all ihrem Vieh und ihrem Grundbesitze bei i i! een Gläubigern verschuldet. Wenn das so weiter fortging, müßte d s ganze Volk in kürzester Frist zu einen: besitzlosen Proletariat h rabsigken, unfähig, sich selbst zu erhalten, ungeeignet, zur Erst ließung des Landes brauchbare Dienste zu leisten." Diese Händler er waren Arier. Vielleicht löst die „Kreuzzeitung" die Diskrepanz in ii reu Ansichten mit der Behauptung auf, daß hier nicht die ausi vowerten Hereros das „Wirtsvolk" * waren, sondern die arischen m ilturträger. Deren Hunnentum dient ja bekanntlich kulturellen i st. 'ecken, und wenn sie kolonisieren, so ist das Naubrittertum aus u alen Gründen gestattet. Wie schön und erhaben gab sich der! or teutonicus, als er das „burenknechtende" England Moral lehren ii 'llte, dasselbe England, dessen politische Vertreter (Sir Henry j mpbell-Banuerman, Sir William Harcourt, Sir Asguith) in: Jahre i >2 „von Herzen in den Protest einstimmteu, der fast in jedem ile der Welt gegen die Behandlung der Juden in Rumänien eri den wird". Wirtschaftlicher Unverstand, Rassenhaß auf der einen, v gik aus der anderen Seite, sind eben Dinge, die sich nicht verl igen. * Aus Rußland kommen Mitteilungen über ein Nachspiel, i;* die Ermordung des früheren Duina-Abgeordneten Chefi dakteurs Dr. Georg Jollos in der Duma gehabt hat. enn bei allen Parteien unterliegt es jetzt keinem Zweifel >.? h r, daß derselbe ein Opfer des „Berbandes der russischen ute" geworden ist. Interessant ist dabei, daß deren Organ . lußkoie Snamja" und die „Nowoje Wremja" den äußerst l fen Eindruck, den die Ermordung des Dr. Jollos all- ' tig gemacht hat, dadurch abzuschwächeu suchen, daß sie bei i eil Lesern den Verdacht wachrufen, sie sei ebenso wie die i mordung Herzensteins nicht von dem Verband des russischen st sttkes, sondern von Juden ausgesührt worden, um einer- ' 's den Verband bloßzustellen und andererseits beide Abi innige los zu werden! Daß Jollos nicht einmal vom i üschen Glauben abtrünnig geworden war, kümmert beide st itter nicht im geringsten; das letztere brachte sogar in der i chsten Nummer die Notiz, daß das Leichenbegängnis des st mnes am 1. d. M. aus dem jüdischen Friedhofe in Moskau i ttgefunden, daß der dortige Rabbiner am Grabe eine i auerrede gehalten und daß nach ihm noch dreißig Redner ' Trauer um den Toten Ausdruck gegeben haben. Jni übrigen erwartet und befürchtet man im lieben Rußl id wieder an allen Ecken und Enden Pogrome. Mögen '' » lveder die Befürchtungen der Einen noch die Erwartungen * Andern erfüllen! * Zur Regelung der jüdischen Einwanderung in Argenl neu sind jetzt wichtige Maßnahmen getroffen worden. Herr st bbiner Dr. Hofmann schreibt uns darüber: Buenos Aires, 1. März 1907. Die von Tag zu Tag zunehmende israelitische Einwanderung in sti wntinien hat es notwendig gemacht, eine Zentralstelle für Ausl’ Ute und Arbeitsnachweis an hiesigem Platze zu schaffen. Aus u nnigfachen Gründen ist eine solche Institution unabweisbar nötig, " ens, weil die meisten Eimvanderer aus osteuropäischen Ländern! keine andere Sprache als ihre heimische Mundart, geschweige denn spanisch sprechen; es ist dies ein Haupthindernis, welches den jüdischen Einwanderern im Wege zur Arbeiterlangung steht, da vor allen Dingen die Berständigung mit den Arbeitgebern unbedingt erforderlich ist, sollen die Arbeitnehmer eine halbwegs annehnibare Löhnung erzielen. Zweitens kann die Taxierung der Arbeitskräfte, für welche Branche sie sich eignen, unter Umständen dazu .führen, daß der richtige Mann nicht auf den richtigen Platz kommt, welche Verschiebung sich in den meisten Fällen in Mißerfolgen kundgibt, die nicht nur für die Betreffenden von bedeutendem Nachteil sind, sondern auch falsche Rückschlüsse auf die jüdischen Arbeiter überhaupt veranlassen. Wenn ein jüdischer Goldarbeiter in einer Eisenschmiede und ein Schuhmacher in einem Juweliergeschäft deplaziert wird, dann freilich erweisen sich beide als untauglich. Der nichts ahnende Arbeitgeber, in dem guten Glauben, einen Fachmann beschäftigt zu haben, fällt sodann auf Grund seiner gemachten traurigen Erfahrungen ein allgemeines abfälliges Urteil über in Wirklichkeit für bestimmte Berufe geeignete Arbeiter, und so wird die jüdische Arbeitskraft diskreditiert. Nicht zuletzt mußte rechtzeitig dafür vorgesorgt werden, daß ungebetene Wohltäter sich selbst berufen, den jüdischen Eimvanderern für geringe Entschädigungen gute Arbeit zu verschaffen, die in Wirklichkeit aber nicht das Wohl der armen Einwanderer, sondern einen besseren Egoismus befolgen, auf Unkosten fremder Arbeitskräfte sich zu bereichern. Auch die Bagagesendungen der Einwanderer machen uns alltäglich ungeheure Schwierigkeiten; der weitaus größte Teil der Einwanderer besitzt hierzulande keine sichere Adresse und hat große Schwierigkeiten, seine Habseligkeiten zu erlangen, da sie weder der Landessprache, noch der Umgangsformen mit den Gepäckabfertigungsbehörden kundig sind. Nicht selten geschieht es, daß in Ermanglung einer vertrauenswürdigen Adresse ihr Gepäck entweder ganz verloren geht oder zum großen Teil beschädigt, infolge von Verlagerung auf den Gepäckabsertigungsstellen, in ihren Besitz gelangt. Außerdem werden sie von den hiesigen Speditionsgesellschaften geradezu ausgebeutet, so daß es den armen Einwanderern beinah unerschwinglich ist, die großen Gebühren in kurzer Zeit aufzubringen. Sie sind demnach verurteilt, ihre Bagage teilweise zu veräilßertt, um für den Erlös den Rest der Sachen wieder erreichen zu können. Ferner sind alleinrcisende Damen bei der Landung hier mannigfachen Belästigungen ausgesetzt, wenn sie keine Adresse haben, an die sie sich vertrauensvoll wenden können. Um allen diesen Uebeln abzuhelfeu, haben wir ein israelitisches Einwandernngs-, Austunsts- und Arbeitsnachweisbureau eröffnet, ivelches es sich zur Aufgabe macht, den einwandernden Glaubensgenossen unentgeltlich Auskünfte über Arbeitsgelegenheit zu erteilen, sowie bei ihrer Landung im hiesigen Hafen preiswürdiges Logis und Unterkunft nachzuweisen. Das Bureau, ivelches den Namen „Kosmos" führt und in der calle Uruguay Nr. 494 belegen ist, ist täglich von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends geöffnet, und stehen wir diesem Amte persönlich vor, woselbst wir täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags, mit Ausnahme der israelitischen Ruhetage, für jeden israelitischen Einwanderer zu sprechen sind. Da das Bureau mit den Landesbehördeu in Verbindung steht, können und werden wir den Einwanderern auch TvT ihren Angelegenheiten Rechtshilfe verschaffen. Nur in Gemeindeangelegenheiten sind wir in unserem Amte, Cangallo 2560, zu sprechen. Vorlelunsskurle kür akademisch gebildete Lrligirmslehrer. Berlin, 12. April, ie hohe Bedeutung, die heutzutage besonders von staatlicher Seite der religiösen Unterweisung in der Schule beigemessen wird, kommt — ob gewollt, mag dahin gestellt bleiben — auch dem jüdischen Religionsunterricht zugute. Den Lesern dieses Blattes ist aus zahlreichen Berichten bekannt, was

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