Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
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Görkitz (0,75), Liegnitz (1 Prozent), Tilsit (1,65), Memel (2,25) und Stolp in Pommern (2,3 Prozent). Nach der Einkonimensteuer wird die Knltussteuer in 21 Gemeinden mit mehr als 1000 und in 37 Gemeinden mit 500 bis 1000 Juden erhoben. In letzteren ist der Kultnssteuersatz durchschnittlich höher als in den ersteren. Ohne Anlehnung an die Staatssteuer und auf Grund besonderer Einschätzung wirddie Kultussteuer (mit Ausnahme von Altona, Hanau und Trier) nur in nichtpreußischen Gemeinden erhoben, und zwar in München,. Fürth, Würzburg, Augsburg, Bamberg, Landau, Kaiserslautern, Regensburg, Ludwigshafen und Speyer, ferner in Mainz. Worms und Bingen; in Stuttgart, Heilbronn und Ulm; in Bremen und Bruchsal. Was den Kultussteuersatz anbetrifft, so zeigt sich eine große Verschiedenheit zwischen großen und kleinen Gemeinden, indem er in den letzteren ganz erheblich höher ist. Während in den Gemeinden mit über 1000 Juden der höchste Steuersatz 65 Prozent der staatlichen Einkommensteuer betrug und unter den Gemeinden mit 500 bis 1000 Juden nur vier 100 bis 120 Prozent hatten, sind in den kleinen Gemeinden die hohen Steuersätze ganz überwiegend. Eine Besteuerung mit weniger als 25 Prozent kommt nur ganz vereinzelt vor (in 2,5 Prozent aller nach der Einkommensteuer besteuernden Gemeinden), dagegen sind die ganz hohen Steuersätze recht häufig. So beträgt die Kultussteuer über 150 Prozent der Einkommensteuer in 17,3 Prozent aller Gemeinden, und unter diesen sind ziemlich viele mit 200, 300 und 400 Prozent, in denen also die Kultussteuer zwei-, drei- und viermal so groß ist als die staatliche Einkommensteuer. Die übrigen Steuersätze verteilen sich folgendermaßen: 25— 50° o beträgt die Kultussteuer in 13,4"/,, aller Gemeinden 60 t o ,, „ „ „ ,, 2o,o „ „ ,, 75-100,, „ „ „ „ 14,2 „ „ 100-150 . 29,1 „ „ „ j Gemeinden, deren Kultussteuersatz 200 bis 300 Prozent der staatlichen Einkounuenstener ausmacht, gibt es in: Hannover 12, Ostpreußen 10, Hessen-Nassau 9, Posen 6, Westfalen 6, Bayern 5, Rheinprovinz 3, Schlesien 2, Großherzogtnm Hessen 2, Westpreußen 1, Pommern 1. 300 Prozent beträgt die Kultnssteuer in: 1. Tütz in Westprenßen (mit 2113 Einwohnern und 54 Inden), 2. Bärwalde in Pommern (mit 2338 Einlvohnern und 82 Juden), 3. Bomst in Posen (mit 2135 Einwohnern und 90 Juden), 4. Meppen in Hannover (mit 4402 Einivohnern und 76 Juden), 5. Flieden in Hessen-Nassau (mit 1453 Einwohnern und 86 Juden), 6. Rosenthal in Hessen-Nassau (mit 1028 Einwohnern und 46 Juden), 7. Gemünd (Eifel) in der Rheinprovinz (mit 1901 Einwohnern und 63 Juden), 8. Hagenbach in Bayern (mit 230 Einwohnern und 29 Juden), 9. Maßbach in Bayern (mit 1241 Einwohnern und 83 Juden), 10. Biblis im Großherzogtum Hessen (mit 2558 Einwohnern und 114 Juden). Einen noch höheren Kultussteuersatz haben folgende Orte: 1. Gütersloh in Westfalen (mit 7100 Einwohnern und 83 Juden) 325 Prozent, 2. Borek in Posen (mit 1986 Einwohnern und 117 Juden) 370 Prozent, 3. Friedrichstadt in Schleswig- Holstein (mit 2401 Einwohnern und 109 Juden) 400 Prozent. Dilrchschnittlich trägt in den kleinen deutschen Gemeinden (mit weniger als 500 Juden) jeder Jude (ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht) 12,51 Mark zur Kultussteuer bei. Sehen wir von Hohenzollern und dem Königreich Sachsen ab, in denen nur ein resp. zwei solcher Orte in Betracht kommen und die deshalb nicht zum Vergleich heran gezogen werden können, so betrug der durchschnittlich auf de, Kopf der jüdischen Bevölkerung entfallende Steuerbetrug an meisten in der Provinz Brandenburg (ohne Berliner Vororte> nämlich 25,30 Mark und am wenigsten in Elsaß-Lothringe, 6,49 Mark. Nach der Höhe dieses durchschnittlichen Betrage ordnen sich die Provinzen und Staaten folgendermaßen 1. Brandenburg 25.30, 2. Hohenzollern 24,01, 3. Königreil! Sachsen 22,34, 4. Schlesien 19,82, 5. Ostpreußen 17,82 6. Hannover 17,36, 7. Pommern 16,50, 8. Westfalen 15,64 9. Provinz Sachsen 15,36, 10. Württemberg 13,82, 11. Bayer: 12,61, 12. Schleswig-Holstein 13,29, 13. Westpreußen 12,34 14. Großherzogtum Hessen 11,75, 15. Hessen-Nassau 10,39, 16. Großherzogtum Baden 10,51, 17. Rheinprovinz 9,1» 18. Posen 8,29, 19. Elsaß-Lothringen 6,44 Mark. Was die Höhe des Etats im Verhältnis zur Kultus (teuer betrifft, so haben einen mehr als zweimal höheren Eta Schleswig-Holstein und Hohenzollern, fast zweimal so groß is; er in Posen und Elsaß-Lothringen, um zirka ein Drittel größerü Westpreußen, Hannover, Westfalen, Rheinprovinz, Hessen-Nassa: und Schlesien. Es ergibt sich somit ans der Höhe des Etats, daß einige Gebiete mit verhältnismäßig geringer Kultussteuer wie zunächst Posen und Elsaß-Lothringen, anderweitige höher: Einnahmen haben. Es hängt dies übrigens auch mit de» relativen Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung zusammen, da bei größerer Konglomeration die Kultusbedürfnisse mit verhältnismäßig viel geringeren Mitteln befriedigt werde: können. Relativ am geringsten ist die Zahl der Zensiten in Elsaß Lothringen und Posen und dies ist gewiß der wichtigste Grünt für ihren kleinen Kultussteuerertrag; verhältnismäßig an meisten Steuerzahler gibt es in Westfalen, im Königreiä Sachsen, in Brandenburg und Hohenzollern, die ja auch ein: sehr ergiebige Kultussteuer haben. Eine folgende Tabelle unterrichtet über die Finanz Verhältnisse sämtlicher Gemeinden, soweit sie die betreffende: Fragen beantwortet haben. Sehen wir von Berlin ab, so beziehen sich die Angabe: der Tabelle auf 75,7 Prozent der gesamten jüdischen Be völkerung in Preußen und 71,8 Prozent aller Juden i: Deutschland. Unter der Annahme, daß auf die noch fehlend: jüdische Bevölkerung die Kültussteucr, der Etat und die Zen fiten nach demselben Verhältnisse sich verteilen, würde: in g a n z P r e uß e n d i e K ul tu s st eu er e i n n ah m e: ungefähr 512 Millionen, der Gesamtetat fast 12" Millionen betragen, in ganz Deutschland dagegen di: Kultussteuereinnahmen 7‘/3 Millionen und de: Gesamtetat 15",4 bis 16 Millionen Mark. Betrachten wir die Gesamtsumme der in Deutschland aus gebrachten jüdischen Kultusstenern als eine Masse und fragen, in welchem Maße die einzelnen Gemeindegruppen (nach ihre' Größe geordnet) an der Gesamtsumme beteiligt sind, so er halten wir folgende Zusammenstellung: Es brachten an Kultussteuern auf: absolut in Prozent de in Mark Gesanttsumrin 1. Berlin. 2. Städte mit mehr als 10 000 1 372 208 21,9 Juden (Frankfurt a. M., Breslau Hamburg).. 653 635 10,4 3. Städte mit 5000 bis 10 000 Juden (Köln, München, Leipzig, Posen, Nürnberg, Hamburg) 507 669 8,1