Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Hilfe geleistet. Der ärztliche Standesverein des Westens, dem er angehörte, machte ihn zum Mitgliede seines Ehrenrats und entsandte ihn in den gemeinsamen Ehrenrat des Geschästsausschnsses der Standesvereine. Seit Bestehen der Aerztekammer gehörte Altmann dieser an. Seine Vaterstadt Gr. Wartenberg in Schlesien hatte ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannt, eine Auszeichnung, die schon seinem Vater zuteil geworden war, der dort Kreisphysikus war. Die letzten Monate war Geheimrat Altmann durch schwere Krankheit heimgesucht. In diesen Tagen schwerer Heimsuchung hatte er noch die Freude, daß ihm der Note Adlerorden 4. Klasse verliehen wurde. 8. Berlin, 7. April. Nachdem das Projekt der jüdischen Gemeinde, in der Nahe von Lankwitz ein größeres Gelände für die Anlage eines neuen Friedhofes anzukaufen, gescheitert ist, hat man mit der Gemeinde Stahnsdorf Verhandlungen angeknüpft, um sich dort in der Nähe des Berliner Zentralsriedhofes ein größeres Terrain zu sichern. Ein umfangreiches Gelände ist der jüdischen Gemeinde in Stahnsdorf bereits zur Verfügung gestellt worden; die Entscheidung über die Annahme der Offerte soll bis zum 1. Juli 311 erfolgen haben. s, Berlin, 2. April. Ein Rückblick auf das verflossene Semester gewährt ein recht erfreuliches Bild über den außerordentlichen Aufschwung, den zu nehmen der Vereinigung jüdischer Akademiker im Bund jüdischer Akademiker beschieden war. Zunächst zeigte sich dieses innere Erstarken des Vereinslebens an der regen Arbeit sämtlicher Mitglieder auf geistigem Gebiete. Von der Annahme ausgehend, daß für den gesetzestreuen jüdischen Studenten in der heutigen Zeit die Behandlung wichtiger Fragen der Gegenwart von besonderer Bedeutung ist. hat der Verein seinen Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, in freier Aussprache modern-wissenschaftliche Fragen im Lichte jüdischer Weltanschauung zu beleuchten. Dies ergibt sich aus der Art und Zahl der Vorträge, die im Lause des Winters im Verein gehalten wurden. Es sprachen die Herren : Dozent Dr. Wohlgemuth über „M. CH. Luzatto", G. Hildesheimer über „Jüdische Politiker früherer Zeiten", sind. jur. I. Möller über „Gesetzestreues Judentum und moderne Wissenschaft", Dr. Auerbach über „Betätigung des Judentums im Leben der Gegenwart", stud. Phil. Apt über „Salomon b. Gabirol", stud. jur. I. Breuer über „Symbolik des Himmels", stud. chem. Halberstadt über „Das erste Kapitel des Jesaja". Rabbiner Dr. E. Munk über „Moderne Sittlichkeitspostulate und antike Religionsgesetze", Tr. Auerbach über „Geschichte der jüdischen Tradition", stud. jur. B. Kahn über „Die Messiasidee", stud. jur. I. Breuer über „Judentum und Weltenschmerz". An sämtliche Referate schloß sich eine lebhafte Diskussion. Neben dieser Beschäftigung mit wissenschaftlichen Fragen Pflegt der Verein auch Geselligkeit. Er vermittelt nicht nur den freundschaftlichen Verkehr der Mitglieder untereinander, sondern unterhält diese auch bei gemeinsamen gemütlichen Zusammenkünften. Mitte Dezember vorigen Jahres fand das dritte Stiftungsfest der Vereinigung statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Die stattliche Anzahl von 43 aktiven Mitgliedern beweist, daß man den Zielen und Zwecken des Vereins immer mehr Verständnis entgegenbringt. Der für das Sommersemester gewählte Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren: stud. Phil. Rubin, erster Vorsitzender; Rabbiner Dr. E. Munk, zweiter Vorsitzender; stud. Phil. Apt, erster Schriftführer; stud. Phil. G. Straus, zweiter Schriftführer, stud. math. M. Munk, Kassenwart. Möge der Verein auch weiterhin wachsen, blühen und gedeihen! & ** Danzig, 4. April. Dem sechsten Jahresbericht über den jüdischen Religionsunterricht in unserer Gemeinde geht ein wertvolles Referat des Lehrers Moritz Friedländer voran über das Thema: „Das Hebräische in der Behandlung der modernen Pädagogik." Es folgt eine Uebersicht über den im Schuljahre behandelten Lehrstoff, erstattet von dem Dirigenten Rabbiner Dr. Freudenthal. Der Unterricht wird in der Religionsschule und an den höheren Lehranstalten erteilt. Die Schule zählt 167 Schüler, 83 Knaben und 84 Mädchen, der Unterricht wird erteilt von dem Dirigenten und den Lehrern Schreiber, Friedländer, Meifel und von Fräulein Berg. ff. Posen, 4. April. Anstelle des Herrn Kantor Ziegelrot, welcher eine Reihe von Jahren im „Tempel-Verein der wohltätigen Freunde" hier gewirkt und nach Berlin übergesiedelt ist, wurde Herr Kantor Joseph Feldmann in Preußisch-Holland einstimmig gewählt. Derselbe tritt am 1. Mai d. I. sein neues Amt hier n. Auch die hiesige Hauptgemeinde hat die Stelle eines Kantors für ne neuerbaute Synagoge ausgeschrieben. Im August d. I. soll die Estweihung des Tempels stattfinden. — Für Herrn Lehrer Hopp ut der jüdischen Volksschule in Schrimm, welcher vom 1. April d. z. ab von dort nach Wilda bei Posen versetzt ist, hat die König!i Regierung Herrn Lehrer Speyer in Gesthn ernannt. In der St ot Posen wirken an öffentlichen Volksschulen vier jüdische Lehrer. - Die jüdische Volksschule in Schmiegel, welche nur noch wen'qe schulpflichtige Kinder aufweist, wird zum 1. April d. I. seitens er Königlichen Regierung aufgelöst. Die noch vorhandenen Schulkind er sollen der dortigen evangelischen Stadtschule einverleibt werden, ui letzterer Zeit sind vielfach Schulen kleiner jüdischer Gemeinden in unserer Provinz wegen zu geringer Schülerzahl gänzlich geschlos ui oder in ihrer Klasseuzahl vermindert worden. Noch andere Schu u werden bereits genannt, die binnen kurzer Frist ebenfalls ihre Se? ständigkeit verlieren werden. ----- Breslau, 9. April. Den „Oberschlesischen Anzeiger" zufo^ wird durch die Verhaftung des Mörders Liberka in Beuthen a\d) der Mord an dem Gymnasiasten Winter in Könitz wieder in (rinnerung gebracht. Die Tat selbst und die Auffindung der Leiche iteile ähneln in Beuthen wie in Könitz einander so vollkommen, d .(>, der Gedanke naheliegt, der Täter sei hier wie dort ein und diese! e Person. Zu den Verdachtsmomenten kommt noch hinzu, daß Liber a zur Zeit des Mordes an Winter in Könitz bei einem Fleischermeiser beschäftigt gewesen sein soll. Die Untersuchung ist nach die 1 Richtung eingeleitet worden; aber es hat sich noch nichts Bestimm * ergeben. Es steht noch nicht fest, ob Liberka zur Zeit des Konst 1 Mordes tatsächlich in Könitz geweilt hat, andererseits weichenA er er die Angaben über seinen Aufenthalt um jene Zeit erheblich w 1einander ab. Die amtlichen Ermittelungen der Staatsanwaltsch it in Könitz über Liberkas Aufenthalt daselbst sind auf Anordnung i er Oberstaatsanwaltschaft in Marienwerder angestellt worden. Die Ob rstaatsanwaltschaft hatte die Wiederaufnahme der Untersuchung Antrag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaube * beschlossen. Neustadt (O.-L.), 2. April. Am 31. v. M. vollendete H. 1 Kommerzienrat Albert Fränkel, der Mitinhaber der hiesig n bedeutenden Leinen- und Damastfabriken, sein 70. Lebensjahr. 2 1 Genannte erfreut sich wegen seiner hervorragenden Eigenschaften n-d seines wohltätigen Wirkens der größten Beliebtheit. Um den ik n zugedachten Ovationen sich zu entziehen, war der Jubilar m it Meran gereist. Der Vorstand der Synagogengemeinde, dessen 2st « sitz derselbe seit dem Hinscheiden seines älteren Bruders übernomni 11 und in vortrefflicher Weise weitergeführt, hatte es sich aber ni ü nehmen lassen, das Jubiläum schon tags zuvor im Gottesha. e festlich zu begehen. Der Sitz des Jubilars war mit einer herrlick n Blumenspende geschmückt. Im Anschluß an die Festpredigt feie e der Religionslehrer und Prediger der Gemeinde, Herr Löwenstei i, den Jubilar in zu Herzen gehender Rede, indem er ganz besonde > hervorhob, daß derselbe, obwohl Besitzer eines der größten Fabr > Unternehmens seiner Branche, stets seine regste. Tätigkeit in d u Dienst seiner Stadt und seiner Glaubensgemeinde gestellt ha! , gleichsam auch als geistiger Erbe seines seligen Vaters, des 2. gründers der hiesigen herrlichen Synagoge. Sichtbar gerührt, dau e der Jubilar nach beendigtem Gottesdienste allen Gratulanten. B c wir soeben erfahren, hat Kommerzienrat Fränkel zirka 200000 Ml ek für die verschiedensten Wohlfahrts- und Wohltütigkeitseinrichtun^ n der Stadt und der Religionsgemeinde gespendet. Möge es fc>.« trefflichen Manne noch lange zum Wähle der Stadt und Gemeir e beschieden sein, in Gesundheit und Kraft rüstig zu wirken! 4k Hannover, 6. April. Der Jahresbericht über dieReligioi schule der Synagogengemeinde hat diesmal eine über das Lot le hinausgehende Bedeutung. Er gibt zunächst dem Bedauern darü :r Ausdruck, daß in dem letzten Jahre von mancher Seite der allerdii bisher erfolglos gebliebene Versuch gemacht worden ist, sich i n gesetzlichen Verpflichtungen durch Anrufung der Gerichte zu entziehe. Die Entscheidungen sind durch alle Blätter gegangen. Demgegenü? er gibt der Bericht zu bedenken, daß gerade die jüdischen Gemeind n unserer Provinz sich schon seit mehr als einem halben Jahrhund t