Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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"• Mrea"s Nr-,s- Der Orinrinbebore. ner,i"' |2-Aprii mi Vellage zur „Allgemeinen Leitung üe§ Judentums. SorrrlponÄrnrrn und Mschrichtrn. Deutschland. s. Berlin, 8. April. Wir berichteten bereits von der Einweihung er in allen ihren Räumen renovierten, mit elektrischer Beleuchtung nd Ventilation versehenen Tiergarten-Synagoge an der Potsdamer Brücke. In ihrer Leistungsfähigkeit bekannte Firmen, oie Joseph Fraenkel, M. I. Bodenstein, I. Salomonis, Ferd. Paul 'rüger haben einen künstlerisch und intim wirkenden Tempelraum eschaffen, der allen modernen Ansprüchen in hygienischer und sichereitspolizeilicher Beziehung genügt; Herr Berthold Israel hat ihn nt Teppichen ausgestattet. Der Tempelraum selbst hat 400 Plätze mb ist überall hell. Zwei große Vorderräume sind für einen mit em beginnenden Sommersemester neu gegründeten Religionsschnlzirkel estimmt. Anmeldungen dazu von Schülern und Schülerinnen, auch on seiten von Nichtmitgliedern, nimmt , der Leiter, Herr Rabbiner Dr. Petuchowski, Steinmehstraße 3 entgegen. Wir hören, daß in der Synagoge fortab auch Trauungen (mit zur Verfügung stehendem 'hör) sowie Barmizwah-Feiern vorgenommen werden können. Auch oegen Jahrzeiten, für die besondere Gedächtnislichte eingerichtet sind, rteilt der Vorstand Auskunft. 8. Berlin, 7. April. Der hiesige Verein für jüdische tränke «Pflegerinnen, dessen 13. Jahresbericht soeben erschienen st, befindet sich in gesunder Fortentwicklung. Zu Beginn dieses Wahres zählte der Verein 66 Schwestern und 16 Schülerinnen. Durch Lösung des Vertrages mit dem Nürnberger Verein sind im Raufe des vorigen Jahres fünf Schwestern und eine Oberschwester ausgeschieden. Drei Schwestern wurden wiederunl dem jüdischen Kurhospital in Kolberg, eine der israelitischen Kinderheilslütte in K isstngen and eine dem jüdischen Genesungsheim in Lehnitz überwiesen. Die Nachfrage nach Schwestern für auswärtige Institutionen ist eine sehr zroße; derartige Anträge wurden aber fast stets aus Rücksicht auf )ie Pflichten gegenüber dem hiesigen jüdischen Krankenhanse und den Gemeindemitgliedern abgelehnt. Es wurden aus geübt P^rivatpflegen n Berlin: vollbezahlte 213 in 4236 Tagen, ermäßigte 74 in 1973 lagen, unentgeltliche 65 in 1668 Tagen; im Krankenhause Stationschwestern 6 in 2190 Tagen, Operationsschwester 1 in 365 Tagen, in Kuranstalten usw. in 2402 Tagen, mithin im ganzen 12834 Tage, üerin sind die Arbeitstage der in auswärtigen Vereinen wirkenden Schwestern sowie der Logenschwestern nicht einbegriffen. Gelegentlich -es Chanukafestes, das in Anwesenheit von etwa 50 Schwestern und Schülerinnen im Kreise des Vorstandes und der Freunde des Vereins eierlich begangen wurde, konnte einer Schwester die goldene Brosche ür zehnjährige Dienste überreicht werden, während 10 Schwestern das §ereinsabzeichen und 10 Schwestern das Vereinsdiplom nach Absolierung ihrer drei Pflichtjahre empfingen. Den Vereinseinnahmen in ^öhevon 71 903,97 Mark stehen Ausgaben in Höhe von 58369,01 Mark '.egenüber, so daß dem Pensionsfonds der Betrag von 13534,96 Mark ugeführt werden konnte. Der Verein ist unablässig bemüht für die rhebliche Stärkung dieses Fonds, um den in absehbarer Zeit zu rwartenden großen Anforderungen auch vollauf genügen zu können. Mge es dem rührigen und segensreichen Verein auch in Zukunft licht an der opferwilligen, allseitigen Unterstützung fehlen, welche er licht entbehren kann, wenn er sein Ziel, möglichst viele Mädchen md Frauen dem schönen Berufe der Krankenpflege zuzuführen, erreichen will! m. Berlin, 9. April. Wiederum ist in der Reihe der Wohlahrtsanstalten unserer Gemeinde ein neues Institut ins Leben gebeten, welches kranken, schwächlichen Kindern armer Eltern zum oegen gereichen wird. Das jüdische Kindergenesungsheim im ooolbad Elmen ist am 8. d. M. vergrößert worden, und die erste (bteilung der kleinen Pfleglinge wurde unter Aufsicht der Oberin Fräulein Berg dem neuen Heim zugeführt. Wenngleich schon mehrere Kinderheime existieren, so war doch eine Anstalt, wo kranke Kinder das ganze Jahr hindurch, auch während der Winterszeit, neben kräftiger Verpflegung, vorzügliche Soolbäder erhalten, noch nicht vorhanden. Das für diese Zwecke von Herrn Baurat Duvigneau neu erbaute Haus ist mit allen hygienischen Erfahrungen der neuesten Zeit ausgestattet. Ein schöner Garten, Turn- und Spielplatz ist eingerichtet. Bei der am Sonntag Vormittag vom Potsdamer Bahnhof erfolgten Abfahrt wurden die Kinder von den armen Müttern der Obhut der anwesenden Oberin übergeben. Mehrere Damen und Herren des Komitees waren zugegen. Tränen der Dankbarkeit und Trennungstränen sah man in den Augen der armen Kinder und der Mütter glänzen. In besonders wohlwollender Weise hatte sich auch das Bahnhofspersonal erwiesen, indem die Kinder in reservierten Coupes untergebracht wurden. Rührend war die allgemeine Teilnahme für die Pfleglinge seitens des mitsahrenden Publikums. Möge das neue Kindergenesungsheim auch ebenso sich der Teilnahme der Mitglieder unserer Gemeinde erfreuen und segensreich sich weiter entfalten! s. Berlin, 9. April. Der Fürsorgeverein für hilflose jüdische Kinder E. V. hatte am 23. v. M. seine Generalversammlung im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde. Das abgelaufene Geschäftsjahr war für die Entwicklung des Vereins günstig. Es wurden 6000 Mark für die Unterstützung hilfloser Kinder ausgegeben; für dieses Jahr stehen bis jetzt 4000 Mark an laufenden Jahresbeiträgen und größere einmalige Beträge zur Verfügung. Der Verein sorgt für diejenigen jüdischen Kinder, für welche die elterliche Fürsorge fehlt und weder die Wohlfahrtseinrichtungen der jüdischen Gemeinde, noch diejenigen privater jüdischer Wohltätigkeitseinrichtungen Hilfe gewähren. Bisher beschränkte er sich daraus, hilfsbedürftige Eltern zu unterstützen oder Kinder auf seine Kosten in Pflegestellen zu bringen und zu überwachen. Seit deur 1. Januar d. I. besitzt er ein eigenes Kinderheim in der Artilleriestraße 36b, das für zehn Säuglinge und sechs ältere Kinder eingerichtet ist und unter Leitung eines Kinderarztes steht. Beiträge für den Verein nimmt entgegen der Schatzmeister Bankier Gustav Gumpert (in Firma Gumpert & Rosenberg), Berlin 0., Königstraße 23. G. Berlin, 5. April. Am 27. v. M. vereinigten sich die Mitglieder des Hilss Vereins der Ra witsch er zur 35. Generalversamlnlung im „Altstädter Hof". Der erste Vorsitzende, Herr Levy Badt, war durch eine Reise verhindert, die Erschienenen zu begrüßen und den Rechenschaftsbericht abznstatten. Der Schatzmeister, Herr Bankier Jakob Pasch, hieß die zahlreich Erschienenen herzlich willkommen und verlas den Geschäftsbericht. Der Verein der Rawitscher geht jetzt in das zweite Hundert. Im Zeitalter fürsorglicher Bestrebungen sind auch die partikularistischen Tendenzen, deren Wohl auf bestimmte Städte-Einwohner sich erstreckt, von Bedeutung. Im fleinen Bilde kennt man aber alles besser und die Benefizien kommen zuverlässiger an den Bestimmungsort. Herr Pasch sprach den Wunsch aus, daß man bei festlichen und freudigen Gelegenheiten durch Spezial- Stiftungen den Fonds stärkt; leuchtende Vorbilder waren die Herren I. Nothstein und Siegsr. Brann (sel. Andenkens). In den Vorstand wiedergewählt wurden die Herren: Dozent Dr. Rothstein, L. Friedenau, Carl Gutherz und S. Blaß. Der Sprecher des Vereins, Herr Ad. Cohn, gab nun in längerem Vortrage Bilder aus der Vergangenheit und Ausblicke in die Zukunft. Er gedachte aut Schlüsse der Toten in der Heimat, in deren Attdenkett wir die Verbindung mit der Vaterstadt rege aufrecht erhalten, und schloß mit den Worten: „Haltet das Bild der Würdigen fest, denn sie glänzen wie Sterne tu dem unendlichen Raume." 8. Berlin, 4. April. Am 1. d. M. ist hier im 62. Lebensjahre Geh. Sanitätsrat Dr Max Alt mann gestorben. Er war im Jahre 1869 approbiert und übte in Berlin W. seine Praxis aus, wo er zu den gesuchtesten und beliebtesten Aerzten gehörte. Lange Jahre hat er unentgeltlich in dem Kinderheim Zionshilfe in Schöneberg ärztliche