Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
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177 - tzt wohnt. Grodno spielt in ihren Erzählungen unter dem / amen „Ongrod" eine bedeutende Rolle. Ihre zweite Ehe mit i :ttem Rechtsanwalt Nahorski war gleichfalls nur von kurzer datier, da sie bald wieder verwitwete. Längere Zeit leitete s e einen Verlag in Wilna, der fast ausschließlich Bücher für je Jugend herausgab. Ihre erste literarische Arbeit erschien! n Jahre 1866. Elise Orzeszko ist in ihrem Heimatlande nicht! ur als bedeutende Schriftstellerin, sondern auch als große Wohltäterin bekannt. Es mag noch erwähnt sein, daß sie - uch eine Reihe von sozialpolitischen Essays veröffentlicht hat. Lin Mschruk. Mitgeteilt von Rechnungsrat Mendelssohn. or mehr als hundert Jahren, am 13. November 1804, starb zu Festenberg i. Schlesien der daselbst allseitig beebte und hochgeachtete Pastor Senior Bockshammer. Aus em untenstehenden Nachruf, welchen die Schlesischen Provinzlätter des Jahres 1804 brachten, ersehen wir. in welcher Eincacht die verschiedenen Konfessionen damals miteinander Men, aber auch, wie ein jüdischer Handelsmann schon zur amaligen Zeit die deutsche Sprache beherrschte. Die Persönlichkeit des Verfassers dieses Nachrufs ist aber uch in anderer Hinsicht interessant. Er war der Großvater es in Bonn verstorbenen Professors Dr. Julius Baron (Panektenbaron), welcher testamentarisch sein Vermögen zur Beründung eines vegetarischen Kinderheims hinterließ, und der rgroßvater des gleichfalls schon verstorbenen Kolonialdirektors, läteren Reichsgerichts-Senatspräsidenten Dr. Paul Kahser. Nachruf! Wenn ein sehr rechtschaffener Mann, der 70 Jahre lang tadellos ienieden gewandelt und seine bereits vollendete Bahn nur mit Wohlrten und Tugend bezeictmete, endlich von dem nichts schonenden Tode ingerafft wird, sollte dieses nicht eine finstere Wolke neben unseren Freuden aufgehen lassen? Doch betrachten wir den Tod als den Ueberang zu einem besseren ewigen Leben, wo alle unsere Taten gerichtet, ie guten belohnt und die nicht guten bestraft werden, so ist keines- >egs der Verschiedene, sondern nur wir, die Zurückgelassenen, zn beugen. Nein! Dem wahren Freunde, der den Freund nicht aus eigenem nteresse liebt, muß es wahrlich ein sehr trostvoller Gedanke sein: lein Freund hat seine irdische Hülle nun abgelegt, ist hinüberewandelt zu höherem Wesen, als wir, und empfängt vielleicht schon tzt den Lohn für sein musterhaftes, tadellos vollbrachtes Leben. Und um so größer muß die Freude sein, je mehr der Verblichene nserem uns ewig verehrungswürdigen Pastor sel. Herrn Senior ockshammer an Tugend und Rechtschaffenheit gleichgekommen. Ja, auch er ist den Weg der Ewigkeit gegangen. Er, der seiner 'edlichkeit, Toleranz und Liebe wegen, auch gegen Nichtchristen, uns uvergeßlich bleiben wird. Er ist jetzt glücklich und daher nicht zu edauern, und wir sind es, denen sein unersetzlicher Verlust eine | nheilbare Wunde geschlagen. Durch sein Amt Vater einer Ehristengemeinde, nahm er auch ns unter seine Schafe ans gleich den Christen, gab er auch dem edrängten, hilflosen Juden Trost und half selbst aus eigenen titteln. Wie viel sind durch ihn verwaist, wie vieler nahm er sich nicht n, wie vielen half er, wo er nur helfen konnte? Und war er zu ywach allein, die nötige Unterstützung zu geben, nur donnerst sprach - öffentlich um Mithilfe an, und von jedermann geliebt, tat er uch nie eine Fehlbitte. Erst letzt verwitwete eine Frau, namens chendel, sie blieb mit acht Kindern verlassen und allein, sie, eine üdin, ging zum christlichen Seelenhirten und fand Hilfe, wofür ich - im hier im Namen der Menschheit den heißesten Dank zolle. Auch ich, wie sehr vermisse ich ihn, o wie oft fteuie im voraus ich mich, wenn ich nur hoffen konnte, ihn zu sehen und mit ihm zu reden, wie gütig war er dann. Doch er ist nicht mehr. Er hat vollendet, auch wir werden einst vollenden, und waren wir hieniden an Tugend ihm gleich, dann, o freut Euch des seligen Wiedersehens! Festenberg 1804. Moses Baron, ein jüdischer Handelsmann. Die Juden in Nbrlünien. Von Albert Katz. IV. ie vielfach in den Ländern des Orients, sind auch in Abessinien die Inden die einzigen Handwerker, und zwar werden sämtliche Handwerke, auch die schwierigsten, von ihnen betrieben. Infolgedessen ist ihre soziale Lage eine ziemlich günstige. Zum großen Teil aber verdanken die Juden ihre angesehene Stellung der Achtung, welche die übrige Bevölkerung, Christen, Mohammedaner und Heiden, ihrer Abstammung zollen. Man führt ihre Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit ans die altererbte „Weisheit des Königs Salomo" zurück und schätzt sie wegen ihrer ehrwürdigen Abstammung von Abraham, Isaak und Jakob." Der Bericht des Dr. Faitlowitsch deckt sich so ziemlich mit den von uns voransgeschickten Mitteilungen; nur in bezug auf die Zahl der Falascha weichen seine Angaben von der unserigen ab. Er schätzt ihre Seeleitzahl auf nur 100 060, aber das rührt davon her, weil in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, nach seinen Angaben, etwa 40 000 der Wühlarbeit der Mission zum Opfer gefallen und zum Christentum übergetreten sind. Das ist eine sehr bedauerliche Erscheinung, um so bedauerlicher, da seit einiger Zeit die Zahl der Lehrer und der Bibelkun.digen unter den Falascha abnimmt, und die Jugend, die in vielen Orten ohne jegliche Unterweisung aufwächst, den Lockungen' der Missionare zn widerstehen nicht mehr die moralische Kraft besitzt. Es ist daher, nach Ansicht des Dr. Faitlowitsch, dringende Notwendigkeit, „hier so schleunig wie möglich mit tatkräftiger Hand einzugreifen; es ist eine Ehrenpflicht der Judenheit des Abendlandes, die Sehnsucht der Falaschas nach einem Wiederanschluß an ihre Glaubensgenossen, nach genauer Vertrautheit mit den Satzungen und Bräuchen der angestammten Religion, an der sie in allen Stürmen nnd Nöten so heroisch festgehalten haben, zu erfüllen." Wie wir hören, hat sich in Italien unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Margulies-Florenz bereits ein Komitee für die Falascha gebildet; auch in Wien soll ein gleiches Komitee in Bildung begriffen sein, und sicherlich werden auch die Inden Deutschlands das ihrige zur Erhaltung und Kultivierung jenes sich selbst überlassenen Bruderstammes beitragen. Zum Schluß wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß Herr Dr. Faitlowitsch nicht bloß die wirtschaftlichen Verhältnisse nnd das religiöse Leben der Falascha zum Gegenstand seiner Beobachtung und Erforschung gemacht hat, sondern er hat auch, wie er mir persönlich mitteilte, reichhaltiges Material mitgebracht, das ganz besonders über die Literatur der Falascha helles Licht verbreitet und somit für alle Zwerge der jüdischen Geschichte von unschätzbarem Wert ist. Mit seiner gütigen Erlaubnis sei hier die von ihm in hebräischer und französischer Sprache veröffentlichte Sage der Falascha über den Tod Moses') wiedergegeben: }) La. Mort de Moise, Paris 1900.