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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-04-05 · Heft 14 (5.4.1907) · p. Seite 164

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 14 (5.4.1907)
Date
1907-04-05
Page
Seite 164 (sequence 8)
Language
German
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bekommen. Aber viele, die an den Berliner Rabbbiner-! bildungsanstalten oder an der dortigen Universität ihren Studien oblagen, wurden auch seine Schüler, die reiche Belehrung und Anregung von ihm empfingen. Irl der einzigen Publikation jener Lehranstalt, den im Jahre 1862 erschienenen „Wissenschaftlichen Blättern", veröffentlichte Steinschneider seine Schrift: „Zur pseudepigraphischen Literatur, insbesondere der geheimen Schriften. Aus hebräischen und arabischen Quellen." Von da an tritt die Verwertung seiner arabischen Sprach- und Literaturkenntnis, von der namentlich viele Artikel der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (seit 1849) Zeugnis gaben, in Steinschneiders Publikationeil immer »lehr in den Vordergrund. Im Jahre 1869 erschien aus den Denkschriften der Kaiserlichen Russischen Akademie der Wissenschaften sein Werk: „Alfarabis, des arabischen Philosophen Leben und Schriften, mit besonderer Rücksicht auf die Geschichte der griechischen Wissenschaft unter den Arabern. Nebst Anhängen (zum Teil hebräisch)." Besonders hervorzuheben ist das im Jahre 1877 erschienene Werk: „Polemische und apologetische Literatur in arabischer Sprache zwischen Muslimen, Christen und Juden, nebst Anhängen verwandten Inhaltes." Dieses zum Teil schon 1868 verfaßte Werk (456 Seiten stark) ging aus der seit seiner Jugendzeit ihm vorschwebenden Aufgabe hervor, „die Beziehungen zwischen Judentum und Islam nach allen Richtuilgen zu erforschen, wozu natürlich auch die gegenseitige Poleniik gehört". In der Folge stellte er sich die zum Teile erweiterte, zum Teile enger begrenzte Aufgabe, die polemische Literatur in arabischer Sprache zwischen allen drei monotheistischen Religionen zu sammeln. Den Hauptteil des Werkes, der aber nur etwa ein Drittel desselben bildet, nennt Steinschneider einen „bibliographischen Versuch",; er bietet darin ein teils nach den Titeln, teils nach den Autoren geordnetes Verzeichnis der in Betracht kommenden, aus den Katalogen der verschiedensten Bibliotheken, zum Teile mit Benutzung der Handschriften selbst, ermittelten polemischen Werke. Von den sieben Nummern des Anhangs ist die umfangreichste (S. 299 bis 388) auch die bedeutendste. . Sie enthält eine Darstellung der „jüdischen Polemik gegen den Islam", in der ein außerordentlich reiches Material in systematisch lichtvoller Weise zusammengetragen ist. Aus dem Vorwort sei es mir gestattet, zwei Stellen anzuführen, von denen die eine den Inhalt, die andere die Form des interessanten Werkes betrifft. „Ich darf nicht erst versichern, daß meine Arbeit jeder theologischen Tendenz fern steht, daß ich nicht neuen Bekehrungsversuchen alte Rüstkammern öffnen wollte — während ich dies schreibe, rüsten sich Vertreter der herrschenden Religionen in wirksamerer Weise', — aus der polemischen Literatur sollte man vor allein ihre Wirkungslosigkeit lernen, wie vom Kriege die unberechenbar traurige Wirkung. Wenn ich meiner Arbeit einen Erfolg wünsche, so ist es die Anregung unbefangener und kritischer Kenner zu weiterer Forschung." Und dann: „Eine Zusammenstellung wie die gegenwärtige wird nur vonr Buchbinder abgeschlossen. Solange mau setzt und druckt, bringt jeder Tag neuen Stoff von außen, in meinem Falle auch aus vernachlässigten eigenen Notizen, und man entschließt sich schwer, die Nachlese einem anderen Orte zu überweisen." IV. Die französische Akademie stellte im Jahre 1880 die Preisaufgabe einer vollständigen Bibliographie der hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters, ferner im Jahre 1886 eine andere Preisaufgabe über die arabischen Uebersetzungen aus dem ') Er meint die Vorbereitungen zu in Kriege zwischen Rußland und der Türkei (den Vertretern des Christentums und des Islams). Griechischen. Steinschneider löste beide Aufgaben und vei öffentlichte beide Preisschriften in deutscher Bearbeitung. Di zweite erschien vom Jahre 1889 an abteilungsweise an ver schiedenen Orten; aus der ersten wurde das große. Werk, da ma»l als die bedeutendste Leistung des Meisters betrachte, kann und das mehr als eine andere seiner Arbeiten al Lebeilsarbeit gelten kann. Er selbstsagt zu Begiun seiner Vorrede „Das vorliegende Werk bildet einen Teil einer ulnfassenderen Alls gäbe, die mir vor einem halben Jahrhundert vorschwebte." Di Aufgabe betraf, um Steinschneiders eigene Worte in derselbe, Vorrede zu zitieren: „Wechselwirkung jüdischer und arabische Bildung in Schrift, Sprache, Jdeengang und Brauch", „die Be deutung der Juden als Vermittler arabischen Wissens für di Christen", aber auch „die Teilnahme der Juden an christlicher Lite ratur auf dem Gebiete der Philosophie, Medizin. Mathematik uni Volksliteratur". Der Titel des im Jahre 1893 erschienene, Werkes lautet: „Die hebräischen Uebersetzungen des Mittel alters und die Juden als Dolmetscher. Ein Beitrag zu, Literaturgeschichte des Mittelalters, meist nach ungedruckte, Quellen." Es ist ein starker Band von XXXIV und 107) Seiten. „Die hier behandelten Uebersetzniigen des Mittel alters schließell keinerlei Stoff alls; sie gehet, ungefäh, bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, weil die Ueberwindung des Mittelalters iti jüdischen Kreisen sich noch langsamer voll zog als in christlichen." „Das Material besteht hauptsächlich aus bio- und bibliographischen Nachrichten über die Autoren. Gleiches Material für die Uebersetzer war großenteils auch aus den Uebersetzungen selbst zu schöpfen, von denen nur ein unbedeutender Prozentsatz gedruckt ist." „Alles ist mitgeteilt, was auf Geschichte und Charakter der Uebersetzungen Bezug hat namentlich auf Sprache und Stil, so daß das hebräisch, Wortregister einen reichen Beitrag bietet zu einem Gloffar dewiffenschaftlichen Hebraismus." „Auch für das Verhältnis zu bei europäischen Sprachen ist einiges angedeutet, was ein künftige, Spezialforscher weiter zu verfolgen hätte." Nach diesen de, Inhalt des Werkes kennzeichnenden Worten der Vorrede se, kurz angegeben, wie der Inhalt gruppiert ist. Nach einem einleitenden Abschnitt, der „Allgemeines" (über Enzyklopädien. Einteilungen der Wissenschaften, Anleitungen zum Studium) enthält, folgt der erste, fast die Hälfte des Buches einnehmende Abschnitt Philosophie; der zweite Abschnitt hat die Mathematik. | der dritte die Medizin zum Gegenstände. Jeder dieser drei Abschnitte zerfällt in vier Kapitel, nach der Einteilung der übersetzten Schriften in Werke von Griechen, Arabern, Juden und Christen. Ein vierter Abschnitt. (Verschiedenes) behandelt mit derselben Einteilung vorzugsweise Schriften, die „hebräische Sprachkunde, Poesie (Volksliteratur) und Aberglauben, der sich in wissenschaftliche Form kleidet", zum Gegenstände haben. Aus den dem Schluß der Vorrede beigegebenen allgemeinen Bemerkungen, und zwar aus den „über die Tendenz dieses Buches", seien folgende für Steinschneider besonders charakteristische Sätze herausgehoben: „Ich habe meine Forschungen zunächst für mich selbst angestellt; es hat stets Männer gegeben, welche das Forschen zu den selbstzwecklichen Tätigkeiten zählten, wie andere Menschen andere Genüsse . . . Ich schreibe über Juden, aber nicht für sie, nicht pro domo. Judenfeinde belehrt matt nicht, an, wenigsten durch Geschichte . . . . Die Kultur der alten Jllden für das Recht der jetzigen in Anschlag zu bringen, wäre Verrat an dem unveräußerlichen Menschenrecht, das aus angeblichen Zweckmäßigkeitsgründen von einer Majorität vergewaltigt, aber niemals gesetzlich beseitigt werden kann. Unrecht wird auch durch unparteiische Geschichte nicht verhütet, und wer schreibt sie? Die Geschichte der Töchterreligionen ist eine von unausgesetzten Mordanfällen

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