Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1907)
- Date
- 1907-04-05
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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161 tut Mt ‘ 18 ttegkl ii x d )t i wo in u fei ft m (r rn s .i o reich rfahr ni lle e i. »or, ic osse ii östc M g niiit!äubi e er dc 5 eicherd n, dos; könn.'. zrkräs e cht dor lß von Mt sili — a ihier u an Me x nit it dies ii Her ii st a l r es M> r Ve.- ednetr komi c eeichc i, Berl ii zelisoe : Leh-.'- rinn' ii ährei d Beschwerde vom 25. v. M., daß Juden in einzelnen Provinzen j n cht zu Schöffen gewählt werden, folgenden Bescheid! erhalten: >;>1 ichs-Justizamt. Berlin, IV. 9. den 15. März 1907, Boßstraße Nr. 4. j Euer Hochwohlgebvren haben in der Eingabe vom 25. v. M. der % rffassung Ansdruck gegeben, daß in einzelnen Teilen des Reichs L aatsangehörige jüdischen Glaubens wegen ihres Glaubens vom c Höffen- und Geschworenendienste ausgeschlossen würden. Wenn-; gleich Ihre Anführungen mich nicht davon überzeugt haben, daß in ht Tat eine grundsätzliche Zurücksetzung von Juden bei der Auswahl der Schöffen- und Geschworenen stattfmdet, so nehme ich doch! Ic neu Anstand, zu sagen, daß nach meiner Meinung ein solches VeriiUjreit mit dem Geiste der bestehenden Gesetze nicht im Einklänge sein irürde. Im übrigen ist die Auswahl der Schöffen und der Ge- , st worenen in das pflichtmäßige Ermessen der hierzu berufenen Ausu -üffe gestellt, denen eine bindende Anweisung über die Grundsätze, ii lche sie zu befolgen haben, von keiner Seite erteilt werden kann, s oweit etwa eine Einwirkung auf ihre Entschließungen durch unverd rdliche Belehrungen oder Empfehlungen in Frage kommen sollte, f; nnte sie jedenfalls nur von den Landesjustizverwaltungeu ausgehen. (Mier Hochwohtgeboren muß ich deshalb anheim geben, sich mit Ihren 1 wsteltungen, sofern Sie die Angelegenheit weiter verfolgen wollen,! o die Justizverwaltungen derjenigen Bundesstaaten zu wenden, k M)ß Sie bei Ihren Beschwerden im Auge haben. Der Staatssekretär gez. N i e b e r d i u g. Der Verband der Deutschen Inden hat sofort Erhebungen l ranlaßt, um mit den Ministerien der Einzelstaaten in Verladung zu treten und ihnen das Material zil liefern, welches e gibt, daß in gewissen Landesteilen eine grundsätzliche Zurücki tzung der Juden bei der Auswahl der Schöffen und Gei zworenen in der Tat stattstndet. Es ist zu erwarten, daß i ie einzelstaatlichen Ministerien, wie der Staatssekretär es für ' llüssig hält, durch unverbindliche Belehrungen und Empfehlungen diesen Zuständen nach Möglichkeit abzuhelfen suchen. . n gleicher Weise wird vielleicht auch eine Belehrung und l mpfehlung von zuständiger Seite dem Mangel eines geeigneten < chöffenmaterials abhelfen, von dem der preußische Minister i seinem Berichte an das Reichsjustizamt gesprochen hat. NNlll!! Zahl ii en M'i';en ,c jede igt: >rd» ic sind ii m, i io mim!• iliscli ii and> i. it sc i, sich l> lit ii it tu it s3 it in L >- >d v r, b li ■ >3 itreo iitem u it v> li Vir- F ci;H' Ueber die jüdische Reformbewegnng in Frankreich haben > ir seit der Zeit der Auflösung der Konsistorialverfassnng und i t Bildung freier Assoziationen nichts gehört. Jetzt wird aus '= rris berichtet, daß die Verwaltung und das Konsistorium t iselbst einstimmig beschlossen haben, das Gesuch der Union I erale um Ueberlassnng einer der Gemeindesynagogen für einen i gelmäßigen Sonntagsgottesdienst abzulehnen. Aber dabei i nicht etwa cm einen Akt von Fanatismus seitens jener Organe zu denken. Die Union liberale wollte einen Sonntagsa sitesdienst in hebräischer und französischer Sprache, eine iedigt von einem hierfür gewählten Rabbiner oder von r lem Gemeindemitgliede, und Lieder in französischer Sprache. - agegen wäre an sich nichts einzuwenden gewesen. Aber das 1 ' msistorimn erklärte seinerseits mit Recht, daß es eine Auf- I ht und Kontrolle, gesetzlich wie moralisch, über alle Anstalten i t Gemeinde haben müsse, die seiner Verantwortung unteri ’ hen. Es fanden deshalb lange Unterhandlungen statt. \ schließlich wollte jedoch die Union liberale ihr Werk einer 1 > lchen Kontrolle des Konsistoriums nicht unterwerfen. Daran |! geiterten die Verhandlungen, und nun erfolgte die einstimmige i dlehnung des Gesuches, die wohl ziemlich sicher die Bildung! euer besonderen jüdischen Reformgemeinde in Paris zur Folge > eben wird. * ■ 1 Ob die Bauernunruhen in Rumänien endlich nachzulassen beginnen, erscheint noch sehr fraglich. Jedenfalls hat man jetzt erst Gelegenheit, den kolossalen Schaden zu berechnen, den sisie angestiftet. Der Finanzminister Costineseu berechnet denselben ans 100 Millionen Franken. Was die Juden dabei gelitten, werden wir wohl erst später von anderer Seite erfahren. In jedem Falle ist die Erbschaft, die das neue, sozusagen liberale Ministerium von seinen konservativen Vorgängern übernimmt, eine schreckliche. Zehn von den 32 Distrikten des Landes befanden sich in vollem Aufruhr. Die empörten Bauern zogen sengend, plündernd und mordend von Ort zu Ort, steckten die Gutshöfe und Getreidevorräte in Brand und verübten unbeschreibliche Greuel. Zahlreiche Städte und Dörfer sind vernichtet, Millionenwerte zerstört, der Piehstand in vielen Gegenden gänzlich vernichtet, und Tausende von friedlichen Bewohnern um ihr Hab und Gut gebracht. Die Bewegung hat .ihren anfänglich rein antisemitischen Charakter bereits verloren, die Wut der Aufrührer ist gegen alle Besitzenden gerichtet. Die rumänischen Gutsbesitzer werden von den Bauern ebenso ausgeraubt und mißhandelt, wie die jüdischen Pächter und Kaufleute. Ein unendliches Maß des Hasses und der Wut muß sich in den Herzen dieser rumänischen Bauern angesammelt haben. Trotz aller formellen Besitzgleichheit waren diese Bauern tatsächlich außerhalb des Gesetzes gestellt, und es war niemand da, der ihnen zu ihren Rechten verholfen Hütte. Daß sie sich zuerst gegen dieJuden mit ihrem Haß wendeten, ist eine psychologisch mir zu begreifliche Erscheinung, auch wenn nicht antisemitische Hetzer sie dazu direkt aufgereizt hätten. Wird nun die Regierung diesen Hetzern das Handwerk legen? Wir glauben nicht. Was das Hilsswerk anbetrisst, so ist die Arbeit unserer großen Institutionen, der deutschen und österreichischen Alliance, sowie des Hilfsvereins der deutschen Inden, in vollem Gange. Das amerikanische jüdische Komitee, das sich vor kurzem zur sofortigen Unterstützung von Juden besonders in Rußland gebildet hat, hat beschlossen, einen gerade in der Kasse befindlichen Betrag von 200 000 Dollar für die notleidenden Inden in Rumänien zu verwenden. Es ist aber auch Hilfe dringend notwendig. Ein Aufruf, der uns aus Jassy zugeht und von den Notabilitäten der Gemeinde unterzeichnet ist, schildert das Elend unter den Juden Rumäniens in geradezu herzzerreißender Weise! Auf Veranlassung des in Bukarest weilenden Tr. Paul Nathan ist dort ein Zentralkomitee für Rumänien unter dem Vorsitz des Predigers Dr. Beck gebildet worden, welches die jüdische Hilfsaktion zentralisieren soll. Dir drutlchm Iudm und die Aeichstggswrchl. Von Rechtsanwalt Dr. Cohn, M. l>. y. in Dessau. letzte Wort über die Aussichten des Antisemitismus wird ans dem Boden der Politik gesprochen werden. Denn der Antisemitismus bekämpft in erster Linie die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden, kann also sein Ziel nur mit politischen Machtmitteln erreichen. Und soviel Mandate die Reichstagswahlen in die Hände von Antisemiten spielen, um soviel vergrößern sich die Aussichten des Antisemitismus. So bedauerlich nun es auch ist, daß die Januarwahl infolge der — notwendigen — Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die bürgerlichen Parteien die Reichstagssitze der ausgesprochenen Antisemiten bis auf annähernd 60 an Zahl anwachsen ließ, so ist doch durch die gesamte