Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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zustand wat trotz der vielfach herrschenden Krankheiten befriedigend' Die Leistungen der Zöglinge in der Schute und bei den Lehrherren waren allgemein zufriedenstellend. — Der finanzielle Teil des Berichts zeigt, entsprechend den allgemein erhöhten Preisen aller Lebensbedürfnisse, gegenüber den Vorjahren höhere Ausgaben, während gleichzeitig die Zinserträge des Vermögens infolge seiner Verminderung durch die Tilgung der Bauschuld einen Rückgang aufweisen. Die Anstalt bedarf daher zu ihrer Erhaltung und weiteren Entwicklung dauernd der gütigen Teilnahme edler Menschenfreunde. Lp. Aus der Provinz Posen, im März. Der jüdische Brüderverein in Bromberg hat die Errichtung eines jüdischen Männerheims beschlossen. Die Kosten hierfür sollen meist durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden. Kaufmann Robert Aron zeichnete sofort 1000 Mark für diesen Zweck. Die Zeichnungen von anderen Mitgliedern ergaben an demselben Abend 3000 Mark. — Der aus Pakosch stammende, vor kurzem in Koblenz verstorbene Arzt Dr. Samelsohn hat seiner Vaterstadt 1500 Mark vermacht, deren Zinsen am Sterbetage seinern Eltern ohne Unterschied der Konfession verteilt werden sollen. — Kaufmann Samuel Liebes in Berlin hat anläßlich seiner Silberhochzeit jüngst der Synagogengemeinde seiner Heimatstadt Ostrowo 100 Mark zur Verteilung an Arme übersandt. — Die verwitwete Frau Rittergutsbesitzer Ro hr iit Langguhle hat eine größere Summe zum Bau eines neuen städtischen Krankenhauses in Bojanowo gespendet. — Der israelitische Frauenverein in Ostrowo hat neulich eine ausgedehnte Wohltätigkeitsvorstellung veranstaltet, zu der sich aus allen Konfessionen zahlreiche Teilnehmer eingefunden hatten und die der Vereinskasse einen Ertrag von zirka 600 Mark brachte. — Kaufmann Sally Pottlitzer in Freystadt ist zum Beigeordneten daselbst gewählt und bestätigt worden. — Der israelitische Frauenverein in Schneidemühl beging neulich das Jubiläum seines 60jährigen Bestehens. Der Verein besitzt ein Vermögen von 6700 Mark. — Die Vertreter der jüdischen Schulgemeinde in Koschmin haben beschlossen, das Gehalt des jüdischen Volksschullehrers daselbst von 1100 Mark auf 1200 Mark und die Mietsentschädigung von 250 Mark auf 350 Mark zu erhöhen. — Herr Beigeordneter und Stadtältester Alexander Cohn in Crone a. Br. feierte am 19. März seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurden dem Geburtstagskinde von seiten der städtischen Vertreter und der Synagogengemeinde reiche Ehrrurgen zuteil. — Bnnzlan, 26. März. Dem Vorstände der Synagogengemeinde ist am 21. d. M. vom Regierungspräsidenten zu Liegnitz folgende Verfügung zugegangen: Auf die an den Herrn Minister des Innern gerichtete und an mich gelangte Eingabe vom 18. November v. I. gereicht dem Vorstande zum Bescheide, daß die Polizeiverwaltung daselbst veranlaßt worden ist, die unterm 31. Oktober v. I. erlassene Ortspolizeiverordnung betreffend das Verbot des Schächtens aufzuheben. n. Breslau, 18. März. Am 17. d. M. veranstaltete der neugegründete Verein für jüdische Kunst seinen ersten Abend: „Das jüdische Volkslied". Al.s Mitwirkende waren Herr Leo Gollanin und Fräulein Vera Goldberg gewonnen worden. Herr Dr. Zepler hatte die künstlerische Leitung. Der erste Abend des jungen Vereins hat einen glänzenden Verlauf genommen. Viele meldeten ihren Beitritt an. Hoffentlich gelingt es dem jungen Verein, sich durch seine weiteren Veranstaltungen die Beliebtheit, die er sich so schnell errungen hat, zu erhalten und weiter auszugestalten. — Soeben erscheint der erste Bericht des Mädchenhortes, der seinerzeit von der Gesellschaft „Eintracht" gegründet wurde. Die Zahl der aufgenommenen Kinder beträgt zurzeit 30. Die Leitung des Horts hat Frl. Freund. Die Kinder machen im Horte ihre Schularbeiten und erhalten täglich Vesper. Alle 14 Tage erhalten die Kinder ein Bad. Am Purimseste und zu Chanuka fanden Feiern statt, bei denen die Kinder Geschenke erhielten und Aufführungen stattfanden. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt 280. Am Schluß dankt das Komitee allen gütigen Spendern und fordert zu weiterem recht zahlreichen Beitritt auf. — Ter Frauenverein der Lessingloge hat soeben einen Arbeitsnachweis für Frauen und Mädchen ins Leben gerufen. Es wird bezweckt, jüdischen Frauen und Mädchen Beschäftigung aller Art zu verschaffen. Schon in der kurzen Zeit seines Bestehens erfreut sich derselbe großen Zuspruchs. Hoffentlich wird sich derselbe bald ganz in unserer Gemeinde eiubürgern. — Vor einiger Zeit wurde in Lissa bei Breslau ein jüdischer Grabstein aufgesnnden. Wie sich jetzt herausgestellt hat, stammt derselbe von dem ältesten jüdischen Friedhofe in Breslau aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem Friedhofe in der Lohestraße ist bereits ein alter Grabstein aus dem 13. Jahrhundert eingemauert. Jetzt wird auch dieser Stein aus Lissa hierher gebracht und soll aus dem neuen Friedhofe in Cosel eingemauert werden. — Zabrze, im März. Der Verband der Rabbiner Oberschlesiens hat am 10. v. M. hier eine Versammlung abgehalten, bei der folgende Kollegen erschienen waren: Cohn-Kattowitz, Münz- Gleiwitz, Kopfstein-Beuthen, Kaatz-Zabrze, Norden-Myslowitz, Rau- Pleß, Braunschweiger-Kattowitz, Ellguther-Neisse, Gnlliner-Beuthen. Der Vorsitzende Rabbiner Dr. Cohn eröffnet die Versammlung und gibt zunächst Kenntnis von einem Briefwechsel mit dem oberschlesischeu Gemeindebund bezüglich der alten Holzsynagoge in Gieschowa, welche, 0a die dortige jüdische Gemeinde sich aufgelöst habe, zum Abbruch bestimmt sei. Hierauf macht er Mitteilungen über die Verhandlungen des Verbandes der deutschen Juden zur Erwirkung einer Erleichterung der Sonntagsruhe für diejenigen jüdischen Kaufleute, welche die Sabbatheiligung innehalten. Zur Feststellung dieser Namen soll von den Kollegen eine Umfrage in ihren Gemeinden gehalten werden. Alsdann erstattet Kollege Münz den Kassenbericht. Es folgt nun das Referat des Kollegen Kaatz über Schaffung einer Instanz bei Differenzen zwischen Revisor und Lehrer in beu oberschlesischen rabbinerlosen Gemeinden. Die Versammlung erklärt sich prinzipiell mit der Schaffung einer solchen Instanz einverstanden und ersucht den Vorsitzenden, zur weiteren Erörterung dieser Frage mit dem oberschlesischen Gemeindebunde sich in Verbindung zu setzen. Der Allregung des Kollegen Kopfstein wird Folge gegeben und beschlossen, an die oberschlesischen Synagogengemeindevorstände Anschreiben zu richten, in denen ihnen die Förderung der neubegründeten Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands nahegelegt werden soll. — Kollege Münz hielt hieraus ein Referat über Merktafeln und Merkbücher zum jüdischen Religionsunterricht und legte eine Anzahl solcher Schriften vor. Zur Bearbeitung einer erschöpfenden Merktafel wird eine Kommission, bestehend aus den Kollegen Münz, Kaatz und Braunschweiger, gewählt. - Auf Veranlassung des Kollegen Norden folgt eine Besprechung über die Erteilung von Autorisationen all Schächter, woran sich, ohne daß ein bestimmter Beschluß gefaßt wird, ein anregender Meinungsaustausch knüpft. r. Ulm, 17. März. Eine erfreuliche und schöne Feier beging gestern und heute der hiesige israelitische Wohltätigkeitsverein Chebra Gemilut. chassodim zur Erinnerung all die 50. Wiederkehr seines Gründungstages. Die religiöse Seite des Festes kam zum Ausdruck in einem Festgottesdienst am Sabbat in der Synagoge, in welche der Verein zur Erinnerung an dieses Fest einen prachtvollen Thoraschmuck und eine Lampe fürs ewige Licht gestiftet hat, sowie dllrch die Seelenfeier ans den beiden israelitischen Friedhöfen. Am Abend war der größte Teil der Gemeindemitglieder zu einem Bankett vereinigt, bei welchem dem Verein für seine Verdienste aus dem Gebiet der Wohltätigkeit und der Liebesdienste gegen Tote Anerkennung und Glückwünsche dargebracht wurden seitens der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde (burcf) Rabbiner Straßburger), des Israelitischen Kirchenvorsteheramts (Dr. Hirsch), der Stadtgemeinde (Landtagsabgeordneter und Stadtrat Dr. Maier), der anderen hiesigen Vereine (Dr. Moos 1). Die Festrede hielt Rechtsanwalt Gump. Große Freude und Genugtuung empfanden alle darüber, daß dem derzeitigen Vorstande, Herrn Leopold Essinger, aus diesem Anlasse die silberne Karl-Olga-Medaille verliehen worden ist; auch der Verein selbst ehrte ihn durch Neberreichung eines schönen Pokals. Seinem Vereinszweck entsprechend, wurden aus bicjcm festlichen Anlasse ansehnliche Summen an jüdische unb christliche Arme verteilt. Mannheim, 18. März. Ter Jahresbericht unserer Gemeindeverwaltung sür 1906 liegt jetzt vor. Die Gesamteinnahmen betragen 19 104 Mark (Vorjahr 14 737 Mark), die Gesamtausgaben 71001 Mark (Vorjahr 66 537 Mark). Der durch die jüdische Gemeindesteuer zu deckende Aufwand beläuft sich auf 51 897 Mark, gegen 51 800 Mark im vorigen Jahre. In das Budget