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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-29 · Heft 13 (29.3.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang, Nr. I.?. Berlin, 19. Marz 1907. Der Gemeindebate. Beilase zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums" korrrlpondm?m und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 24. März. Die heutige fünfstündige Sitzung der Repräsentantenversammlung wurde fast ausschließlich durch die Beratung des Haushaltsetats der Gemeinde für die Jahre 1907/10 ausgefüllt. Als Referent war von dem ad hoc eingesetzten Etatsausschuß Herr Benas Levy abgeordnet worden, der in großzügiger, klarer Rede einen Gesamtüberblick über den Etat gab lsiehe den Artikel in dieser Nummer). Die Generaldebatte war nur kurz, während sich die Spezialdebatte reger gestaltete. Einen Bericht hierüber behalten wir uns für die nächste Nummer vor, da erst morgen in einer Abendsitzung die zweite Lesung stattfinden wird, die vielleicht noch Aenderungen der Beschlüsse erster Lesung bringen kann. — Die fernere Tagesordnung wurde fast debattelos in schnellstem Tempo erledigt. In die gemischte Deputation zur Beratung der anderweitigen Festsetzung der Gehälter der Lehrkräfte an der Knaben-, Mädchenschule, Präparanden- und Lehrerbildungsanstalt wurden die Herren Professor Blaschke, Dr. Minden, Prof. Kalischer und Dr. Ignaz Cohn, in die Deputation zur Vorberatung der Frage der Anstellung eines Verwaltungsdirektors für das Krankenhaus die Herren Justizrat Dr. Simon, Louis Sachs, Geheimrat Blumenthal und Prof. Baginsky abgeordnet. Für die Errichtung einerophtholmologischen Poliklinik im Krankenhause wurden '600 Mark bewilligt. Alsdann erklärte sich die Versammlung einverstanden mit der Mietung folgender Säle zu festgottesdienstlichen Veranstaltungen: Brauerei Königstadt, Hohenzollernsäle, Gesellschaft der Freunde, Mozartsaal, Prachtsäle des Westens, und zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst mit der Mietung des Virchowsaales im Handwerkerverein, der Dräselschen Festsäle und der Unionssäle (Greifswalderstraße). In dringlicher Vorlage wurde schließlich noch eine Ausgabe bis zur Höhe von 450 Mark bewilligt zur Einrichtung des Plätzevermietungsbureaus. Der öffentlichen Sitzüng folgte eine kurze geheime Sitzung. s. Berlin, 25. März. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums versendet ihren Jahresbericht, auf den wir nach der Generalversammlung zurückkommen, und das folgende Verzeichnis ihrer Vorlesungen im Sommersemester 1907. Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud babyl. Kidduschin, Kap. 4, vier Stunden, Montags und Donnerstags von 10 bis 12 Uhr. 2. Talmud babyl. Xedarirn, Kap. 3, vier Stunden, Mittwochs und Freitags 10 bis 12 Uhr. 3. Einleitung in den Talmud, eine Stunde. Donnerstags 12 bis 1 Uhr. 4. 4ore De’a (Tur und Schulchan ’Aruch, Fortsetz.), zwei Stunden, Mittwochs 8 bis 10 Uhr. 5. Eben ha’ezer XVII iForts.), eine ^Stunde, Montags 12 bis 1 Uhr. 6. Mischne Thora, Buch 8, zwei Stunden, Montags und Donnerstags 9 bis 10 Uhr. Dr. Elbogen wird lesen: 1. Alte Pentateuch-Kommentare (fürFortgeschrittene), zwei Stunden, Dienstags 12 bis 2 Uhr. 2. Talmud babyl. Moed Eaton, Kap. 3, Ende, vier Stunden, Sonntags 8 bis 10 Uhr und Dienstags 10 bis 12 Uhr. 3. Geschichte der Juden in Deutschland, 2. Teil, zwei Stunden, Mittwochs und Freitags 12 bis I Uhr. 4. Geschichte der Schriftauslegung, zwei Stunden, Sonntags 10 bis 12 Uhr. 5. Historische Uebuttgen, 1*/3 Stunden, Mittwochs 101/2 bis 12 Uhr. Professor Dr. Maybaum wird lesen: 1. Midrasch Tarichuma, eine Stunde, Dienstags 9 bis 10 Uhr. 2. Homiletische Hebungen, zwei Stunden, Freitags 8 bis 10 Uhr. Dr. Pah ud a wird lesen: 1. Das Buch Hiob, zwei Stunden, Dienstags und Freitags 10 bis II Uhr. 2. Die Bücher Samuelis und der Könige mit Quellenuntersuchungen, unter Heranziehung der Bücher der Chronik nebst archäologischen und historischen Exkursen, drei Stunden, Montags 10 bis 12 Uhr und Freitags 11 bis 12 Uhr. 3. Hebräische Grammatik mit stilistischen Hebungen, drei Stunden, Montags, Dienstags und Freitags 12 bis 1 Uhr. 4. Maimunis Einleitung in die 13 Glaubensartikel (arabisch), eine Stunde, Dienstags 11 bis 12 Uhr. . 5. Lektüre arabischer Texte für Fortgeschrittene (privatissime), zwei Stunden, Mittwochs abend 8 bis 10 Uhr. Dr. Freund wird lesen: Die Grundzüge des preußischen Schulrechts unter besondererBerückstchtigung der jüdischen konfessionellen Verhältnisse, zwei Stunden, Montags und Donnerstags 5 bis 6 Uhr. Die Eröffnung des Sommersemesters findet am 23. April um 11 Uhr vormittags statt. -A« Berlin. 24. März. Der Verb an d der Shnagogenvereine von Berlin und den Vororten hielt am 5. d. M. im Restaurant Rosenthal am Spittelmarkt seine sechste Generalversammlung ab. Die Formalien wurden in der üblichen Weise erledigt und bei der Vorstandswahl neurespektive wiedergewählt die Herren: Ad. Lewinski, erster Vorsitzender; Königlicher Rechnungsrat Mendelssohn, zweiter Vorsitzender; Ludwig Behr, Rendant; Dr. med. G. Mendelsohn, erster Schriftführer; B. Cohn, zweiter Schriftführer; Dr. med. Hermann Rosenthal, Beisitzer; S. Almus, Beisitzer. Apotheker Hirschberg hatte infolge Wegzugs von Berlin auf seine Wiederwahl verzichtet. Der Vorsitzende erwähnte besonders die an den Vorstand der Gemeinde und die einzelnen Mitglieder, der Verwaltung gesandte Denkschrift, in welcher der Standpunkt der Vereine eingehend klargelegt sei, und stattete Herrn Behr wegen Abfassung der Denkschrift besonderen Dank ab. Die Verhandlungen gewannen dadurch besonderes Interesse, daß die letzten Repräsentantenwahlen einer eingehenden Besprechung unterzogen wurden. Es wurde konstatiert, daß lange vor den Wahlen ohne Anhörung der verschiedenen Parteien respektive Vereine Herren aus den Verwaltungen dieser Vereine Abmachungen getroffen haben, die nachher die Mißbilligung der Vereine fanden, daß diese ganzen Verhandlungen eine ernste lebhafte Agitation auf eigener Seite hinderten, weil es dem Verbände für sich unmöglich gemacht wurde, selbständig in die Agitation einzutreten. Auch jetzt würden wieder ähnliche Verhandlungen eingeleitet und so sehr auch die laut Turnus ausscheidenden Repräsentanten ein Interesse daran haben, ihre Wiederwahl durch ein solches Abkommen gesichert zu sehen, in demselben Grade Hütte der Verband es sich zu überlegen, ob ein derartiges Vorgehen sich mit seinen Interessen und Prinzipien vertragen würde. Der interessante Gegenstand wurde auf eine demnächst stattfindende Vollversammlung vertagt. Die gut besuchte Versammlung zeugte in ihrer lebhaften Diskussion von dem regen Interesse, welches allenthalben in den Kreisen des Verbandes für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde vorhanden ist. 4k Berlin, 27. März. Der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums hat in Dräsels Festsälen seine erste Generalversammlung unter reger Beteiligung seitens der Mitglieder abgehalten. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Baneth, begrüßte die Erschienenen und konstatierte einen Mitgliederbestand von 200. Das abgelaufene erste Geschäftsjahr galt vor allem dem inneren Ausbau. Es wurden zahlreiche Vorstandssitzungen abgehalten, in denen die Frage des Religionsunterrichtes, des Jugendgottesdienstes, der Versorgung mit Koscherfleisch, der Organisation des Rabbinats in Erörterung standen. Mangels der erforderlichen Mittel mußte sich der Verein in seiner nach außen hin gerichteten Tätigkeit gewisse Schranken ziehen. Ein Anfang wurde auch nach der Richtung gemacht. In einer öffentlichen Versammlung referierte der Vorsitzende über die Zwecke und Ziele des Vereins, in einer zweiten übernahm Rabbiner Dr. Lewy die Aufgabe, über wahren und falschen Liberalismus zu referieren. Wenn die Bestrebungen des Vereins bei den maßgebenden Faktoren auf Berücksichtigung rechnen sollen, so muß derselbe auch durch die Zahl seiner Mitglieder imponieren. Es wird daher erforderlich sein, in dem kommenden Geschäftsjahr die Werbearbeit in weiterem Umfange aufzunehmen, vor allem aber auch die äußeren Bezirke für die Angelegenheiten des Vereins zu interessieren. Den Kassenbericht erstattet hierauf der Rendant Herr Joseph Chaim, wonach der Verein bei einer Einnahme von 886,30 Mark und einer Reihe namhafter Spenden an Ausgaben 843,78 Mark zu bestreiten hatte. In der hierauf eröffneten Debatte bemängelte Herr Bukofzer die lang-

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