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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-29 · Heft 13 (29.3.1907) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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1&4 gang, Polemik und Apologetik, Halacha, Homiletik (dazu: Ethik, Religionsphilosophie und Kabbala), Bibel- und hebräische Sprachkunde, Poesie und Liturgie, Geschichte (dazu: Geographie, Antiquitäten und Miszellen), Mathematik und Naturwissenschaft. Aus dem Verfall führt „eine vierte Periode zu neuen Gestaltungen, an denen noch die Gegenwart arbeitet". Nur kurze Andeutungen sind am Schlüsse des ganzen Artikels der Gegenwart gewidmet. Noch heute, nach sechzig Jahren, entbehren die Sätze, in denen sie ausklingcn, leider nicht der Aktualität: „Der jüdischen Literatur fehlt jede Anerkennung, jedes Institut nach allen Seiten hin, und doch verlangt man bereits von vielen Seiten her reife Früchte, von deren Saat mau nichts wissen will. Die Selbstverleugnung der wenigen an Willen und Kraft Tüchtigen wäre unbegreiflich, wenn sich nicht dieselbe Erscheinung dem einsichtigen Betrachter im ganzen Schicksale des Judentums darböte. Möchte die nächste Zukunft solche trübe, aber darum nicht minder gegründete Ansichten und Aussichten Lügen strafen!" ll. Zehn Jahre nach dem Erscheinen des großen Enzyklopädie- Artikels vollendete Steinschneider das Werk, das vor allem seinen Namen berühmt machte und dem er seinen unvergleichlichen Rang als Meister der hebräischen Bücherkunde verdankte. Es ist der in lateinischer Sprache verfaßte Katalog der Bodleianischen Bibliothek in Oxford. Am Schlüsse der voin September 1800 datierten Einleitung gibt Steinschneider in seiner knappen Art eine Entstehungsgeschichte des Werkes. Er hatte Ende 1847 von der Verwaltung der Bibliothek den Auftrag erhalten, das alte, unzulängliche Verzeichnis der Oppenheimerschen Sammlung, die den Grundstock der hebräischen Bücherbestände der Bodleiana bildete, zu revidieren und zu ergänzen. Seine Arbeit war bereits bedeutend vorgeschritten, als er zur Einsicht gelangte,-daß sie nur durch Autopsie der in Rede stehenden Bücherschätze zu einem gedeihlichen Ziele geführt werden könne. So verbrachte er denn von 1850 an mehrere Sommer (zuletzt 1858) in Oxford, und seine Aufgabe erweiterte sich zu der Ausarbeitung eines selbständigen, weit über den ursprünglichen Plan hinauswachsenden Katalogs. Diese Aufgabe, die er unter großen inneren und äußeren Schwierigkeiten zu Ende führte, war, wie er selbst es ausdrückte, nicht die eines Geographen, der bekannte Gegenden zu beschreiben, sondern die eines Reisenden, der unbekannte Gegenden zu entdecken hat. Er widmete ihr ein volles Jahrzeh, lt, während dessen ihn allerdings auch andere wichtige Arbeiten in Anspruch nahmen, und im Herbst 1800 war das Werk, dessen Druck schon 1852 begonnen hatte, beendet. Eine Vorstellung von seinem Inhalte mögen einige zahlengemäße Angaben bieten. Die bereits erwähnte Einleitung orientiert auf 70 Kolumnen (es sind zweispaltige Quartseiten) über den Plan des Werkes und über die wichtigsten Begriffe und Tatsachen der hebräischen Bibliographie. Der erste Teil des Katalogs (Kolumne 1—056» beschreibt in 4102 Nummern die anonymen Druckwerke, unter denen Bibel, Talmud und Gebetbuch den größten Raum einnehmen. Die übrige Literatur ist nach der alphabetischen Reihenfolge der Autoren in 0201 Nummern vereinigt, deren jede einen Autor mit seinen verschiedenen Werken behandelt (Kolumnen 657—2780). Dieser Teil hat einen Anhang mit den aus dem Hauptteile weggebliebenen Büchern (Kolumnen 2781—2808). Der dritte Teil (Kolumne 2800 — 3104) gibt eine alphabetische Liste . von Druckern und anderen an der Herstellung der hebräischen Druckwerke beteiligten Personen und zwar der Juden (1704 Nummern) und Christen » 233 Nummern), sowie von 119 Druckorteu. Ein Index der hebräischen Buchtitel «5208 Nummern) nebst anderen Beigaben schließt das Werk; Zusätze und Berichtigungen (62 Kolumnen) sind der Einleitung angefügt. So imponierend die vorstehenden Zahlen als Zeugnis für die Bedeutung des Werkes auch lauten, einen viel größeren Eindruck gewährt die Bekanntschaft mit seinem Inhalt. Hier ist die Bibliographie, deren Anforderungen mit peinlicher Sorgfalt eingehalten sind, zu einem lebendigen Quell geworden, dein reiche Belehrung über Schriften und Schriftsteller entströmt. Neue Aufschlüsse und bis dahin unbekannte Daten reihen sich an die Kritik der Vorgänger und an die Abweisung alter Jrrtümer. Viele Artikel werden zu großen Exkursen und gründlichen Abhandlungen. So stellt der Artikel über den Gaon Saadia mit seinen 60 eng gedruckten Spalten eine kleine Monographie dar, ebenso der über Moses Maimouides mit seinen 82 Spalten. Der Katalog der Bodleiana von Steinschneider wurde zum wichtigsten, man kann sagen zum unentbehrlichen Hilfsmittel der jüdischen Literaturforschung, zum festen Fundament der wissenschaftlichen hebräischen Bibliographie. Den hebräischen Handschriften der Oxforder Bibliothek hat Steinschneider zwar viel Material für seinen Katalog entnommen, aber ihrer Beschreibung, die er ursprünglich ebenfalls ins Auge gefaßt hatte, wie er am Schluffe seines Enzyklopädie- Artikels angibt, entsagte er; diese Aufgabe wurde später durch Adolph Neubauer ansgeführt, der im Jahre 1868 zum Hüter, Ordner und Mehrer dieser Schätze wurde. 'Hingegen durfte Steinschneider eine Reihe der bedeutendsten hebräischen Handschriftsammlungen des Festlandes durch mustergültige und ungemein reichhaltige Beschreibung den Zwecken der wissenschaftlichen Forschung dienstbar machen. Er verfaßte den Katalog der hebräischen Handschriften der Universitätsbibliothek von Leyden (1858), der Stadtbibliothek in Hamburg (1878), der Hof- und Staatsbibliothek in München (1878, zweite Auflage 1895), der Königlichen Bibliothek in Berlin I. 1897, II. 1901). Im Jahre 1859 erschien sein „Bibliographisches Handbuch über die theoretische und praktische Literatur für hebräische Sprachkunde", das gleichsam als Ergänzung des Katalogs der Bodleiana ein einziges Literaturgebiet bibliographisch darstellen will. Ju, Jahre 1858 schuf er die „Hebräische Bibliographie, Blätter für neuere und ältere Literatur des Judentums", eine Zeitschrift, die Steinschneider zum größten Teile mit den Früchten seiner eigenen Forschung, besonders Mitteilungen aus Manuskripteil und mit Anzeigen der zeitgenössischen Literaturerzeugnisse füllte. Die strenge, oft sarkastische, aber stets die wahren Ziele der wissenschaftlichen Forschung im Auge habende Kritik, die hier gehandhabt wurde, machten diese Zeitschrift gleichsam zum literarischen Gewissen des Zeitalters, während sie gleichzeitig zum Inventar des neuen und alten jüdischen Schrifttums wurde. Sie erschien 1858 bis 1865 und 1869 bis 1881 in 21 Bänden. Lin flaturhinö. Bon Fritz Stürmer. *14 urze Zeit darauf starb der alte gute Vater. Man wußte eigentlich nicht, was ihni gefehlt hat. Der Arzt, ein alter Freund des Hauses, sagte: „Sehen Sie, junger Freund, es gibt Menschen, die des Glaubens ebenso bedürfen wie der Luft, um zu leben. Ihrem guten Vater fehlte in der letzten Zeit der Glaube, daran starb er."

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