Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 d bliothek, 2500 Mark für Bekleidung der Boten, 15O00 Mark für tzilfsarbeiten und hauptsächlich 177 540 Mart Gehälter für 58 Benie. Es ergibt dies eine Gesamtsumme von 226 640 Mart oder ., '145 Mark mehr als im Jahre 1904/05, zu welcher Zeit 49 Beamte v schäftigt waren, um die Arbeiten des Bureaus und der Kassenv rwaltung auszuführen. Die übrigen Gruppen ergeben folgende Zahlen: Es erfordern de Pensionen für 20 Personen 42 800 Mark, die Remunerationen s> r 13 Personen 10175 Mark, der Reservefond 16 000 Mark, der 2 ispositionssond 7500 Mark, die von der Gemeinde bewilligten Subventionen insgesamt 130 000 Mark (das sind 33 000 Mark mehr a s vor drei Jahren), die Beschaffung von Koscherfleisch 15 000 Mark, i origens die einzige Position, die ein Minus gegen das Jahr 1 >04/05 ausweist, die Quellbadverwaltung 3556 Mark, die Wahlkosten , r die in diesem Jahre stattfindende Wahl zum Repräsentantenf llegium 12 000 Mark, die Bibliothek der jüdischen Gemeinde, welche ji Xi in erfreulichem Aufschwünge befindet, 20 000 Mark, und die i aukommissivn 76 400 Mark, wozu noch die Ausgaben für Grundstücke mit 16 700 Mark kommen. Aus der: angeführten Zahlen muß unschwer die Ueberzeugung « Yvonnen werden, daß die Finanzen der Gemeinde wohlgeordnet > nd sich auf sicherer Grundlage aufbauen. Nicht am wenigsten ist iie§ dem verehrten greisen Vorsteher unserer Gemeinde, Herrn , ulius Iacoby zu darrten, der ein Finanzminister pur oxeelleuee , enannt zu werden verdient. Er wird, lute bestimmt zu hoffen steht, o dank seinem großen finanziellen Talent auch noch einznrichten > issen, daß trotz der gewaltig gesteigerten Ausgaben die Steuers hraube nicht in Aktion zu treten braucht, sondern daß die bisherige . teuerguote unverändert bestehen bleiben wird. In wirksamer Weise schloß Herr B. Levy sein mit allseitigem - ei fall aufgenommenes Referat mit folgenden Worten: „Auf drei < äulen ist, wie uns unsere Meisen lehren, das Judentum begründet - aus Gotteslehre, Gottesdienst und auf der Ausübung wohltätiger öerke. Auf diesen drei Säulen baut sich auch der Etat unserer l emeinde auf — alles andere ist Beilverk. Diese Säulen sind fest i ud kräftig, das Haus der Gemeinde ruhet sicher darauf. Unsere ufgabe ist es, diese Säulen zu erhalten und zu befestigen, damit k as Haus sich immer weiter ausdehne und unter diesem Dache sich > rüderlich vereinen alle unsere hiesigen Glaubensgenossen, welcher artei sie angehören, ob sie rechts oder links stehen. Haben wir doch > lle nur ein Endziel: Das Judentum zu fördern und unserer < »emeinde zu nützen!" Außerordentliche Tagung der Israelitischen Landeslynode. Karlsruhe, 18. März, ie Sitzung begann um ll1,^ Uhr vormittag im Sitzungssaal der Zweiten Badischen Kammer. Der Landesherrliche Kommissär und Vorsitzende des Oberrats, Geheimrat Ministerialdirektor - echerer, eröffnete die Synode mit folgender Ansprache: Hochgeehrte Herren! Im Namen und Austrag des Grobherzog-! chen Oberrats heiße ich Sie herzlich willkommen. Die außerordent- - che Tagung, zu welcher wir Sie berufen haben, wird Ihre Zeit und rbeit nur kurz in Anspruch nehmen. Außer der Vorlage einer erordnung über den Bezug und Preis des Verordnungsblattes des l berrats haben wir Ihrer Beratung und Zustimmung den Antrag iuf Genehmigung zur Errichtung eines dem Andenken an das goldene Ehejubiläum Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der 1 roßherzogin gewidmeten Hospizes für israelitische Kinder > rd minder bemittelte Erwachsene im Solbald Dürrheim bezw. einen - ntrag auf Beschlußfassung über die Ausnahme eines zu diesem Zwecke e forderlichen Anlehens unterbreitet. Wie Ihnen, hochgeehrte Herren, d kannt, haben Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin gnädigst geruht, Vt dem erwähnten Zweck die reiche Gabe von 8000 Mark zu spenden- 2 er Großherzogliche Oberrat hat der Hohen Spenderin für diese huldvolle Zuwendung bereits seinen ehrerbietigsten Dank ausgesprochen, .ihre Oberbehörde zweifelt nicht, daß Sie ihrem Antrag nach Prüfung einmütig zustimmen werden, zumal da aus ein früher an alle Gemeinden ergangenes Rundschreiben über die beabsichtigte Errichtung eines Hospizes nur zustimmende Erklärungen eingelaufen sind. Ich möchte Ihnen die einstimmige Annahme unseres Antrags angelegentlich empfehlen, handelt es sich doch um ein weiteres Werk sozialer Fürsorge, welches der Landessynode zum Segen gereichen möge. Mit dieser« Wunsche schließend, erkläre ich im Namen und Auftrag des Großherzoglichen Oberrats hiermit die Synode für eröffnet. Hierauf übernahm als Alterspräsident Fabrikant D. Kahn von Mannheim den Vorsitz. Auch er gedachte der Jubiläumstage des vergangenen Herbstes und schloß mit einem dreifachen, begeistert aufgenommenen Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog. Als Jugendsekretäre berief er die Abgeordneten Dr. Hannes und Dr. Pinkuß und ersuchte den Abgeordneten Kassewitz um Berichterstattung über die notwendig gewordene Ersatzwahl eines geistlichen Mitgliedes. Als solches war Bezirksrabbiuer Dr. Mayer von Bühl gewühlt. Die Wahl wurde für gültig erklärt. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl des Präsidenten ivnrde mit 25 von 26 abgegebenen Stimmen Stadtrat Louis Marx von Bruchsal gewählt. Vizepräsident wurde mit 24 Stimmen Bezirksrabbiner Dr. Rawicz von Offenburg. Die beiden zuvor berufenen Schriftführer wurden durch Akklamation bestätigt. Unter den Einläufen befindet sich eine Interpellation der Abgeordneten Dr. Bielefeld, Kahn und Zimmern, betreffend das Verhalten eines Rabbiners der Landessynagoge, unter dessen verantwortlicher Mitredaktion ein orthodoxes Blatt fortgesetzt den Großherzoglichen Oberrat sowie die Mehrzahl der badischen und außerbadischen Rabbiner mitsamt der theologischen Lehranstalt, aus der sie hervorgegangen, und den gefeierten Begründer der letzteren in beschimpfender Weise an greife. Geheimrat Becherer erklärte, daß der Oberrat zur sofortigen Beantwortung bereit sei. Nach Bildung der Kommissionen wurde behufs Vorberatung der Vorlagen des Oberrats die Sitzung bis gegen 12*,._> Uhr unterbrochen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erstattete Abgeordneter Carleb ach den Bericht der Budget- und Verfassungskommission über die beiden Vortagen des Großh. Oberrats mit dem Anträge auf unveränderte Annahme; diese erfolgte debattetos und einstimmig. Hierauf beraumte der Präsident die nächste Sitzung auf nachmittags 3 Uhr an. - Bei Beginn der Nachmittagssitzung ergriff statt des in Holland weilenden Abgeordneten Dr. Bielefeld Abgeordneter Dr. Rawicz das Wort zur Begründung der Interpellation. Er bedauerte tief das Verhalten seines Kollegen, des Bezirksrabbiners in Mosbach, und legte entschieden Verwahrung ein gegen die Angriffe von seiten solcher Personen, die überhaupt außerhalb der badischen Landessynagoge stehen. Hauptsächlich nimmt er seinen hochverehrten Lehrer- Zacharias Frankel, den ehemaligen Begründer und Direktor des Breslauer Rabbinerseminars, in Schutz, dem von seiten des orthodoxen Zentralorgans „Der Israelit", und zwar in dem von dem Rabbiner in Mosbach redigierten Teile dieses Blattes, die gröbsten Verunglimpfungen widerfahren seien. Er schildert demgegenüber begeistert die Bedeutung, die Charakterreinheit und Größe Zacharias Frankels und schließt mit dem Ausdruck des Vertrauens der gesamten gebildeten Judenschaft für den Großh. Oberrat. Namens des Oberrats ergreift zunächst Geh. Hofrat Professor Dr. Rosin das Wort zur Beantwortung der Interpellation. Ter Oberrat als Behörde habe speziell bisher mit dem Gegenstände der Anfrage sich noch nicht befaßt. Man werde jedoch nunmehr in Erwägungen darüber eintreten, und jedenfalls könne die Synode davon überzeugt sein, daß der Großh. Oberrat das Ansehen der Landessynagoge wahren und den Rabbinern, seien sie konservativer oder liberaler Richtung, auch weiterhiu die Führung ihres Amtes in Eintracht und Frieden gewährleisten werde. Dabei werde er jedoch alles vermeiden, was auch nur den Schein des Verdachts einer Beschränkung der freien Forschung oder Meinungsäußerung zu erregen geeignet sei, und dies um so mehr, je heftiger die Mitglieder des Oberrats von der orthodoxen Presse und in Versammlungen orthodoxer Parteigänger persönlich angegriffen würden. Seine weiteren Ausführungen knüpfte der Vertreter des Großh. Oberrats an Stellen des im Lande verbreiteten Separatabdrucks von Artikeln des „Israelit" über den gegen dessen früheren Redakteur aus Antrag des Großh.