Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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können. Mit großer Freude fattit dagegen die Versicherung begrüßt werden, daß ein Pensionsgesetz für die Beamten bereits in Vorbereitung ist und eine Kommission zur Vorberatung dieses Gesetzes vom Vorstande eingesetzt worden ist. Der Gemeindevorstand hat die ihm obliegenden zahlreichen Arbeiten mir einer Hingebung und Opserfreudigkeit ausgeführt, für die ihm unsere größte Hochachtung gezollt werden muß. Wenn die Arbeiten in gleicher Weise anwachsen itnb sich vermehren wie bisher, so werden — worauf auch wir bereits in früheren Artikeln hingewiesen haben — bald die wenigen Herren, welche die Geschäfte im Vorstände leiten, durch bezahlte Beamte ergänzt werden müssen, da gesetzlich eine Vermehrung der Zahl der Vorsteher und Vorsteherstellvertreter unzulässig ist. Sehen wir uns nun den Etat genalter an. so gewinnen lvir daraus die Ueberzeugung» daß mit dem Wachstum der Gemeinde sämtliche Institutionen der Gemeinde größer gelvorden sind und in fortwährendem Aufschwünge sich befinden. Auf alleil Gebieten ist die Entwicklung gewaltig vorwärts geschritten und dementsprechend haben sich natürlich die Ausgaben der Gemeinde vergrößert. Sie find von 1 728 081,89 Mark im Jahre 1904 05 auf 2 267 717 Mark im Jahre 1907/08 gestiegen und sind vorgesehen für 1908/09 in Höhe von 2 311 461,25 Mark und für 1909 10 in Höhe von 2 845 268 Mark. Sie sind also in drei Jahren um 589 635 Mark größer gelvordeil. Wie groß diese Ziffer der Ausgaben unserer Gemeinde ist, ergibt sich am besten aus einem Vergleich mit dem Etat der zweitgrößteil jüdischen Gemeinde, Breslau. In dem dortigen Etat für 1906 sind die Gesamtausgaben verzeichnet mit 456 350,89 Mark, das sind 20 Prozent unseres Etats, und 83284,22 Mark betragen in Breslau die Gesamtausgaben weniger, als bei uns die eingetretene Erhöhung in den letzten drei Jahren ausrnacht. An Zuschuß, ben unsere Gemeindemitglieder aufzubringen haben, um die Einnahmen mit den Ausgaben zu balaneieren, sind vorgesehen für 1907/08 mit 1 854 102,95 Mark „ 1908/09 „ 1 890 897,20 „ 1909/10 „ 1 950 503,95 Unter den Einnahmen, welche sonst der Gemeinde zufließen, sind veranschlagt für 1907 08 die eingehenden Zinsen auf 48 728,05 Mark, die Ueberschüsse der Jahre 1903/05, welche 330 000 Mark betragen, auf 110 000 Mark, für vermietete Stünde der sechs Synagogen kommeil ein 158 000 Mark. Für Erbbegräbnisse sind 25 000 Mark eingesetzt; der hierfür eingehende Betrag ist jedenfalls wesentlich höher, der Ueberschuß soll aber dem für die Erwerbung eines neuen Friedhofs angesammelten Fond zufließen. Für Trauungen sind 4000 Mark, für eingehende Mieten 1776 Mark eingesetzt, und schließlich ist ein Ueberschuß der Friedhofsverwaltung im Betrage von 65 960 Mark angenommen worden. Das Beerdigungswesen hat 65 250 Mark mehr gekostet, als die Auslagen betrugen. Es verdient diese Tatsche besondere Erwähnung, lvie Herr Levy mit Recht hervorhebt, weil in der Gemeinde allgemein die Allsicht verbreitet ist. als ob die Tarife bei den Beerdigungen einen großen stutzen abwersen. Gerade das Gegenteil ist der Fall, der Ueberschuß setzt sich lediglich aus denVerrvaltungen der Gärtnereien auf den beiden Friedhöfen zusanlmen. Betreffs der Ausgaben hat sich der Etatsausschuß der Ansicht des Herrn Levy angeschlossen, daß die vorliegende Aufstellung wenig übersichtlich ist. Denn weder sind die zusamnlengehörenden Posten addiert, noch sind die einzelllen Titel ohne die Spezialetats überhaupt zu kontrollieren. Es fehlen die Einnahmen und Ausgaben der Spezialetats, es fehlt auch jede Zusammenfassung der zu einem Titel zuzurechnenden Posten. Der Etatsausschuß hat daher auch eine Resolution zum Beschluß erhoben, den Gemeindevorstand zll ersuchen, gleich nach Beendigung dieser Etatsberatung mit den Repräsentanten in gemischter Deputation festzustellen, in welcher Form der Etat in Zukunft vorgelegt werden soll. Durch die von Herrn Levy zusammengefaßten sechs großen und neun kleinen Gruppen kann erst der Ausgabenetat übersichtlich und klar dargestellt werden. Die bedeutendsten Ausgaben erfordern die der Gemeinde obliegenden Zahlungen für Zinsen und Amortisationen; sie betragen 510 903,10 Mark, das sind 184340,51 Mark mehr als vor drei Jahren. Allerdings sind darin enthalten die vier Prozent Zinsen und ein Prozent Alnortisation ans die von beit Repräsentanten genehmigte 0 -- neu aufznnehmende Anleihe von 5b» Millionen in Höhe von 195000 -N-k. Für das erste Jahr sind nur die Zinsen mit vier Prozent für en Kapital von 3*,'., Millionen im Betrage von 140 000 Mark eingestel!. da der Gemeindevorstand vorerst diesen Betrag flüssig zu machen u o den Rest von zwei Millionen erst im Jahre 1908 zu erheben beo sichtigt. Mit der Amortisation soll erst nach zehn Jahren begonnn werden, in der richtigen Annahme, daß aus diese Weise die Anle- /e leichter und vorteilhafter zu begeben sein wird. Um aber ein n Tilgungsfond zu sammeln, soll in denselben gleich vom ersten Jal re an nlindestens ein Prozent des Anleihebetrages fließen. Es sind de iuach für die folgenden drei Jahre je 55000 Mark für Amortisati u in den Etat eingesetzt worden. Voll den Zinsen kann der Betrag s \x eingehende Zinsen mit 31628,05 Mark abgerechnet werden, so daß? io effektive Ausgabe für Zinsen und Amortisationen 479275,05 AO k betragen wird. Die zweite Gruppe, die nächst den Zinsen die größte Ausgo e erheischt, ist die Position Wohltätigkeitsanstalten. An Zuschüss i erfordern die Armenkommisjion 94590 Mark, das Krankenhai s 87470 Mark, die beiden Waisenhäuser 75557,30 Mark, die Waise kommission 50000 Mark, die Kommission zur Unterstützung dun - reisender Inden 41250 Mark, die Altersversorgungsanstalü i 21000 Mark, die Fürsorgekommission 8800 Mark, das Hospitl 24400 Mark usw. Die Wohltätigkeitsanstalten bedürfen insgesar t eines Zuschusses von 420907,30 Mark, d. h. 73329,80 Mark mehr a■: für das Jahr 1904/05. Die dritte Gruppe umfaßt die Synagogen und die gottesdiew lichen Veranstaltungen. Die Honorare für die Rabbiner und Vo beter sind dabei hinzugerechnet, während die Einkünfte aus b» v Ständevermietung in Abrechnung gebracht sind. Die Gesamtau - gaben stellen sich demnach auf 333972 Mark, das sind 115809 Ma l mehr als vor drei Jahren. Tie Mehrausgaben verteilen sich a i 35909 Mark bei den sechs Synagogen, 20000 Mark bei den se - gottesdienstlichen Veranstaltungen und Jugendgottesdiensten m'ö 60400 Mark bei den Honoraren für Rabbiner und Kantoren, wob i zu bemerken ist, daß statt 6 Rabbiner jetzt 8 Rabbiner und! Prediger, statt 9 Vorbeter 12 Vorbeter gerechnet und für Neuanstellungm 30000 Mark in den Etat eingesetzt sind. Herr Levy hat auf Gruud der Zusammenstellung herausrechnen wollen, wieviel Kosten jede d.r Synagogen verursacht. Er hat die Gehälter der Rabbiner und Kcu toreit durch sechs — i. e. die Anzahl der Synagogen — dividiert uip pro rata bei jeder Synagoge eingesetzt. Natürlich kann diese Bereg nung auf genaue Zuverlässigkeit keinen Anspruch erheben, zumal n der Neuen und Alten Synagoge noch Eigentumsplätze vorhanden sin Immerhin ist das approximative Resultat doch interessant genug, den t es hat sich hierbei herausgeftellt, daß die Unterhaltung der Synago; ' Rykestraße 60 644 Mark erfordert, nächst dieser kommt die Neue Syn goge mit 57594 Mark, die Alte Synagoge mit 49739 Mark, bo Kaiserstraße-Synagoge mit 45860 Mark, die Lindenstraße-Synagm c mit 34 27O Mark, die Lützowstraße-Synagoge mit nur 21065 Mar. Aus der Generaldebatte des Etats heben wir gleich hier heraus, da': der Vorsitzende des Gemeindevorstandes diese Berechnung als ungena \ bezeichnet, und auch Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn gibt d - Erklärung für die Rykestraße ab, daß die Verwaltung dieß Synagoge am teuersten sein muß. weil z. B. im Vergleich zurSynagoo Lützowstraße die Einnahmen aus der Ständevermietung wesentln geringer sind. Nächst den Synagogen kommt die Gruppe für Schulen. D - Gesamtausgabe beträgt 266 263,50 Mark, das sind 39 880.80 Mark mel als in dem Etatsjahr 1904/05. Es kosten die Knabenschu - 74 298.80 Mark die Mädchenschule 63 181,20 Mark, die Präparande anstatt 16 150,60 Mark, die 12 Religionsschulen 94 496 Mark, b t Religionsunterricht an staatlichen und privaten Lehranstalt i 5000 Mark, das Talmud Thora-Institut 10 887 Mark, die Ausbildm \ von Lehrerinnen 2250 Mark. Erwähnt muß hierbei werden, daß d : neunte und zehnte Religionsschule hinzugekommen ist, während d e Religionsschulen in Schöneberg und Wilmersdorf in Fortfall g - kommen sind. Die sechste große Gruppe bildet die Verwaltung des Bureau Die Kosten setzen sich solgendermaßen zusammen: 25 000 Mark si r Bnreauzwecke, 6000 Mark für Inserate, 600 Mark für die Bureau