Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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schaft für die Wissenschaft des Judentums beleuchtete Professor Pyilippson das Zusammenwirken zwischen dem Orden und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde auf drei Gebieten, auf dem religiösen, dem wissenschaftlichen unb sozialen, durch Förderung des Religionsunterrichts in den kleinen Gemeinden, durch die Schaffung des wissenschaftlichen Archivs und die gemeinsame Errichtung der jüdischen Anstalt für schwachsinnige Minderjährige. Als Delegierter der »Alliance Israelile Universelle“ sprach Rabbiner Dr. Weiße; im Namen des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" Justizrat Dr. Horowitz. Auch die Studentenvereine entsandten ihre Chargierten zum Feste, und zwar erstens der „Verein jüdischer Studenten Berlins", zweitens „Verein jüdischer Studenten Maccabea", drittens die „Dalemia" und viertens die „Hasrnonea". Im Namen dieser Studentenvereine brachte stud. jnr. Wagner die Glückwünsche in innigen Worten dar und gab der Hoffnung Ausdruck, daß nach 25 Jahren die Vereine und die Logen dasselbe Streben beseelen wird, für die Erhaltung des Judentums wirksam zu arbeiten. Nach einigen künstlerischen Solovorträgen dankte der Grobpräsident in seinen Schlußworten den Delegierten und Korporationen für deren Wünsche und gelobte, daß der Orden auch in Zukunft mit all den Körperschaften zusammen arbeiten werde in Wahrheit, Bruderliebe und Eintracht. Mit dem „Halleluja" von Lewandowski schloß die denkwürdige und erhebende Feier. Um 8 Uhr begann das Festbankett, an welchem gegen 1200 Brüder und Gäste mit ihren Frauen teilnahmen. Nach einem von Rechtsanwalt Schindler gesprochenen Prologe brachte der Präsident der Deutschen Reichsloge den Kaisertoast aus; dem folgten noch andere Tischreden und Gesangvorträge von hervorragenden Kräften der Oper. Ein Ball beschloß die Festlichkeiten des Jnbeltages. ist. Berlin, 15. März. Am 11. d. M. veranstaltete der Verein zur Pflege hebräischer Musik ein außerordentlich zahlreich besuchtes und wohlgelungenes Konzert, das dem musikalischen Leiter deS Vereins, Kapellmeister Albert Kellermann, viele Ehren eintrug. Die Kompositionen, zumeist Bearbeitungen des Vereinsdirigenten, wirkten durch ihren musikalischen Gehalt, die Ausführungen des außerordentlich gut geschulten Chores und der vorzüglichen Solisten Frau Sophie Heymann-Engel (Sopran), Frau Bianca Becker- Samolewska (Geige) und Herr Iwan Buria (Baryton) waren in jeder Hinsicht musterhaft. Wir freuen uns über den Erfolg des Vereins und über die warmherzige Anerkennung, die die ideale Sache in weiten Kreisen gefunden hat. Kp. Ans der Provinz Posen, im März. Rentier S. Lippmann ln Lab i sch in beging neulich das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Dem Jubelpaare wurde die Ehejubiläumsmedaille verliehen. Die Handwerkskammer hat Herrn L. einen Ehrenmeisterbrief überreichen lassen. — Lehrer Arndt in Crone a. Br. ist zum Rendanten des dortigen pädagogischen Vereins gewählt worden. — In Kobylin ist im Alter von 53 Jahren der langjährige Stadtverordnete, Kaufmann Julius Koppel, gestorben. — Der jüdische Schulvorstand in Ostrowo hat das Grundgehalt der dortigen Lehrer um je 150 Mark auf 1500 Mark und die Alterszulagesätze auf 200 Mark erhöht. — Infolge Abnahme der jüdischen Schülerzahl in Czarn ikau wird die zweiklassige Schule daselbst einklassig und Lehrer Gerson daselbst nach Filehne versetzt. — Kaufmann Louis Schweriner in Schneidemühl ist zum Mitglied der Handelskammer in Bromberg gewählt worden. — Die jüdische Schule in Schmiegel wird zum 1. April cr. wegen Abnahme der Schülerzahl aufgelöst. Die jüdischen Schulkinder werden der evangelischen Schule überwiesen. — Ziegeleibesitzer Mannheim in Janowih ist zum stellvertretenden Bürgermeister daselbst gewählt worden. — Professor Dr. Albert Pick, Oberlehrer am Gymnasium zu Meseritz, ist gestorben. — Kaufmann Michaelis Levy in Moschin ist zum Magistratsmitglied gewählt worden. 1. Brarnischweig, 12. März. Die hiesige jüdische Gemeinde hat vor kurzem die Feier ihres 200jährigen Bestandes gefeiert. Den Begründer derselben, den Hofagenten Alexander David, hat unser verehrter Landesrabbiner Dr. Rülf jüngst in einem sehr interessanten Vortrag im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" ausführlich geschildert. Die Hauptfeier fand am 3. d. in der Synagoge statt. Sie wurde durch das Ma town von Lewandowsky ein geleitel. Dann folgte das Hallel und der Beethovensche Chor „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Hierauf hielt Herr Landesrabbiner Dr. Rülf die Festpredigt, in der er eine Skizze der Geschichte unserer Gemeinde gab und die Namen derer hervorhob, die sich um sie verdient gemacht haben. Schließlich forderte er die Anwesenden zur Nacheiferung auf. Es ist bemerkenswert, daß es gerade in dem kleinen Lande Braunschweig so viele jüdische große Männer gegeben hat, deren Namen nie von der Erde verschwinden werden, unter diesen Alex. David, Herz Samson, Israel Jacobson und andere, welche sich um das Wohl der jüdischen Jugend besondere Verdienste erwarben. Nach der ausgezeichneten Festrede sang die Gemeinde einen Psalm, worauf Rabbiner Dr. Rülf den Segen über das deutsche Kaiserhaus sowie sämtliche deutsche Fürsten, den Regentschastsrat und die Stadtbehörden aussprach. Diesem Segen folgte der 15.0. Psalm von Lewandowsky, der auch vom Chor gesungen wurde; Kaddisch und Adon olam beschloß die erhebende Feier. i. Hamburg, 18. März. Der Jüdische Frauenbund hielt zum erstenmal seit seiner Begründung eine Versammlung in Hamburg im Logenheim unter Vorsitz des Fräulein Sidonie Werner ab. Frau Henriette May-Berlin sprach über die Ziele der neuen Institution. Der Bund will die traditionelle Wohltätigkeit in eine rationelle verwandeln. Er will die Bekämpfung des Mädchenhandels mit allen Mitteln fördern, für die alleinstehenden auswandernden Mädchen sorgen und werktätig in der Auswanderer- und Ausländersrage wirken. Alle diese und noch eine Reihe anderer Fragen, die ein ganz besonderes Interesse haben, legten den Gedanken nahe, daß ein Zusammenschluß der Einzelvereine, deren 104 bereits zum Bunde gehören, ihre Leistungsfähigkeit bedeutend steigern würde. Die zweite Rednerin, Fräulein Bertha Pappenheim-Frankfurt a. M., wies zunächst auf die Gefahren hin, die aus dem Zerfall des Familienlebens entstehen. Es erscheint notwendig, die Hauswirtschaft mit ihrer regelmäßigen Inanspruchnahme aller weiblichen Fähigkeiten als wichtiges Mittel der Schulung in den Vordergrund zu stellen. Noch einzelne andere Momente der Erziehung streifend, ging die Vortragende zur Hauptaufgabe des Bundes — zur „Fürsorgearbeit" über. Sie soll vor allem durch ein Asyl für gefährdete Mädchen und durch ein ebensolches für Mädchen, die sich schon vergangen haben, in die Erscheinung treten. Frauen, die aus der vollen Wirklichkeit Erfahrungen gesammelt und Herz für die Jugend haben, sollen diese Fürsorgearbeit in die Hand nehmen. Das Zustandekommen der Erziehungsanstalten, die für die zwei verschiedenen Elemente völlig getrennt sein müssen, hängt noch von der Arbeits- und Opferfreudigkeit weiterer Kreise ab. Zum Schluß richtete noch die Vorsitzende einen warmen Appell an die Anwesenden, in eine eifrige Propaganda für die aufgestellten Ziele einzutreten, um so auch in Hamburg die Aufgaben des Bundes zu fördern. 6. Düsseldorf, 19. März. Am 17. d. M. beging im Kreise seiner Familie in stiller Zurückgezogenheit, aber nicht unvergessen, der Nestor der rheinischen Rabbiner, Oberrabbiner Dr. Horowitz, seinen 70. Geburtstag. Der allseitig beliebte greise Gelehrte, welcher nach seiner Amtsniederlegung von Crefeld hierher übergesiedelt ist, wurde anläßlich des Festtages durch zahlreiche Blumenspenden, Telegramme und Glückwünsche erfreut. In seiner Wohnung empfing der Jubilar u. a. verschiedene Deputationen, Herren des Vorstandes und der Repräsentanz, aus Crefeld und Düsseldorf. Rabbiner Dr. Hochfeld sprach tief empfundene, zu Herzen gehende Worte im Namen des Deutschen Rabbinerverbandes, dann gratulierte Herr I. Levison namens der Gemeinde Düsseldorf, Dr. Grabowski-Barmen für den Rheinisch-westfälischen Rabbinerverband, Dr. Levi, der Nachfolger des Gefeierten, für die Gemeinde Crefeld, Dr. med. Levison für die Düsseldorfer Bne Brithloge. Rabbiner Dr. Horowitz dankte tiefgerührt für die liebevolle Aufmerksamkeit seiner Freunde und Verehrer, die ihm so unerwartet zuteil geworden. Möge dem Jubilar ein froher Lebensabend in Gesundheit und Frische nach seinem arbeitsreichen Leben beschieden sein! Illingen, im März. Wir haben schon über den politischen Boykott berichtet, der über die hiesige jüdische Gemeinde verhängt wurde. Jetzt schreibt die „Köln.Ztg." von hier: „In unserem 4000 Einwohner zählenden Ort besteht eine Anzahl nicht unbedeutender Geschäfte, die sich im Besitz von Israeliten befinden. Die stark be-