Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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71. Jahrgang. Nr. 12. Berlin, 22.März 1907. Dklisge zur „Allgemeinen Leitung deK IudrntnmK^. SorrklponLrn?m und Machrichtrn. Deutschland. 8. Berlin, 17. März. In der heutigen Repräjentantenversammlung gelangte nach einer längeren Debatte über die Geschäftsführung die Vorlage zur Kenntnis betreffend Besoldungsskala für die Religionslehrer an den königlichen Anstalten. Der Referent Professor Dr. Blaschke teilte hierzu nur mit, daß der Gemeindevorstand nunmehr den in der vorberatenden Kommission festgesetzten Beschlüssen der Repräsentanten beigetreten^ ist. Es soll die Skala mit 120 Mark anfangen, nach sechs Jahren auf 130 Mark, nach nenn Jahren auf 135 Mark, nach zwölf Jahren auf 140 Mark, nach fünfzehn Jahren auf 145 Mark und nach zwanzig Jahren auf 150 Mark pro Jahresstunde steigen. Debattelose Annahme fand die Zuwendung des Herrn Moritz Manheimer im Betrage von 10 000 Mark an die Armenkommission zur Verstärkung der Moritz und Bertha Manheimer- Stiftung. In den Ausschuß zur Vorberatung des Gemeindehaushaltsetats pro 1907/10, dessen Plenarberatung bereits am nächsten Sonntag beginnt, werden die Herren Dr. Cohn, Hirsch, Dr.Blumenthal, Loewenthal, Sachs, Levy und Hans Friedlünder gewählt. Darauf gelangte ein Antrag der Herren Dr. Minden, Loewenthal und Geheimrat Blumenthal zur Beratung, der in Anlehnung an eine Debatte der vorigen Sitzung die Bestätigung der Anstellung von Rabbinern und Religionslebrern der subventionierten Privatgemeinden durch den Gemeindevorstand fordert. Nach kurzer Diskussion schloß sich die Mehrheit der Versammlung dem inzwischen gestellten Antrag Dr. Cohn an, der eine umfassendere Beratung der ganzen Materie wünscht und den Gemeindevorstand ersucht, mit den Repräsentanten in gemischter Deputation nach Anhörung der Subventjonskommission die Grundsätze einer Prüfung zu unterziehen, nach denen die Subventionen an die Privatsynagogengemeinden zu gewähren sind. Eine Abänderung der Kasseninstruktion wird genehmigt; die Erhöhung der Subvention für. den jüdischen Religionsunterricht an der Brühlschen höheren Mädchenschule, die im vergangenen Jahre mit der Burtinschen Schule vereinigt worden ist, wird von 400 auf 600 Mark beschlossen. Die Versammlung erklärt sich ferner einverstanden mit der Bewilligung von 5000 Mark für die Vorarbeiten des Shuagvgenbaues in der Fasanenstraße und nach etwas reichlich ausgedehnter Debatte mit der Mehrausgabe von 150 Mark zur Anschaffung eines Bechstein- Flügels für die Aula der Knabenschule und mit einer Ausgabe zur Aenderung der Garderobenverhältnisse in der Alten Synagoge und in der Synagoge Rykestraße. Tie öffentliche Beratung schließt mit der debattelosen Genehmigung des Ankaufs einer Thorarolle im Betrage von 350 Mark. Auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung stand die Anlegung eines zweiten Friedhofes, der für den Westen und Südwesten bestimmt sein soll, zur Beratung. s. Berlin, 17. März. Das Kuratorium der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands hielt am 11. d. M. eiye Sitzung hier ab, die hauptsächlich der Erledigung der ersten Aufnahmegesuche galt. Fünfzehn solcher Gesuche lagen bereits vor und wurden bewilligt, zwei davon unter besonderen, noch zu erfüllenden Bedingungen. Höchst erfreulich war die Tatsache, daß für die meisten Gesuchsteller ihre Gemeinden, wie in der Sitzung vorgesehen, die Hälfte der Jahresbeiträge übernommen hatten. Durch dieses verständnisvolle und anerkennenswerte Eintreten der Gemeinden und zugleich durch die von der Kasse selbst satzungsgemäß aus dem Stnmmvermögen der Mitglieder gewährten Zuschüsse sind die den Aufgenommenen obliegenden Verpflichtungen geradezu minimale geworden; sie betragen nur drei Prozent des Amtsgehalts. Um diesen außerordentlich niedrigen Satz zu ermöglichen, hat das Kuratorium aus den Zinsen des Stammvermögens für die 15 ersten Mitglieder rund 3600 Mark an Zuschüssen zur Verfügung gestellt, die nach Maßgabe der tarifmäßigen Solleistung und gleichzeitig nach Maßgabe des Amtsgehalts — je geringer das Gehalt, desto höher der Zuschuß— verteilt wurden. Die Zuschüsse bewegen sich in Höhen von rund 80 bis 430 Mark für die einzelnen Mitglieder. Aus dem Geschäftsbericht, der erstattet wurde, ist hervorzuheben, daß einige Gemeinden auch schon ihren Beitritt zur Kasse als außerordentliche Mitglieder mit ansehnlichen Jahresbeiträgen angezeigt haben. Es wurde beschlossen, nunmehr in die Propaganda zur Gewinnung persönlicher außerordentlicher Mitglieder einzutreten, um die schon in den ersten Anfängen sich so segensreich erweisende Institution so rasch als möglich weiter auszubauen. E. F. Berlin, 18. Marz. Das Jubiläumsfest des Ordens „Bne Brith" fand gestern nachmittag um 5 Uhr im großen Konzertsaate des Zoologischen Gartens statt. Dasselbe wurde durch das „niederländische Dankgebet" und die „Himmel rühmen" von einem vortrefflich geschulten Chor eingeleitet. Hierauf hielt der Großpräsident Justizrat Timendorfer die Festrede. In begeisterter Weise schilderte er die Zeit, in der der Orden Boden in Deutschland fand, der den Juden andere Bahnen wies, die sie zum edlen Selbstbewußtfein und Charakterstärke führten. Nicht absondern will der Orden seine Mitglieder von der übrigen Bevölkerung, im Gegenteil, er lehrt, daß wir Juden „gute und treue Söhne" des Vaterlandes sein, mit unseren Bürgern auf allen Gebieten menschlichen Wissens und Könnens zusammen arbeiten sollen, mit ihnen brüderlich und bürgerlich zusammen gehen, nicht aber in ihnen aufgehen. „Bleibt Juden", so schärft der Orden seinen Mitgliedern ein. Hierauf sprach Redner von den bisherigen Leistungen des Ordens, von den imposanten Summen, die der Orden in den 25 Jahren seines Bestehens aufgebracht hat für Hebung des jüdischen Religionsunterrichts, für Jugendvereine, Pflege der Wissenschaft, Arbeitsnachweis, für Förderung der Bodenkultur. Krankenpflege, Ferienkolonie, für Linderung der Not der Unglücklichen ohne Rücksicht auf Bekenntnis und Abstammung, endlich von dem großen Jubiläumsfonds, den die einzelnen Logen zur Erinnerung an den heutigen Festtag gesammelt haben. Der Redner hatte eigentlich nur bekannte Tatsachen und trockene Zahlen anzuführen, aber wie er diese verwertete und wie er sprach, mit welch zündender Beredsamkeit, das kann man nicht schildert:, das muß man miterlebt haben. Hierauf dankte Herr Bach, der Präsident der Deutschen Reichsloge, den Großlogen und den Schwesterlogen für die Glückwünsche, die sie ihr zum 25jährigen Stiftungsfeste dargebracht haben, und erzählte in schlichten aber herzlichen Worten die Entstehung und Entwicklung dieser ersten Loge in unserem Vaterlande. Sodann trug eine hervorragende Sängerin einige Lieder voll Innigkeit und Wärme vor, die die Festversammlung in gehobene Stimmung versetzten. Nach dem Gesänge folgten die Beglückwünschungen der Vertreter der auswärtigen Logen sowie die der Delegierten der verschiedenen Korporationen, die zum Orden in Beziehung stehen. Im Namen der Großloge von Rumänien sprach Dr. Stern aus Bukarest, für die Großloge in Oesterreich Dr. Edmund Kohn aus Wien, im Namen aller deutschen Logen Rechtsanwalt Peiser aus Breslau, der den Berliner Logen die Bilder der drei Großpräsidenten Fenchel, Moretzki und Timendorfer übergab. Für die Berliner Logen sprach Rechtsanwalt Story und betonte besonders die engen und herzlichen Beziehungen derselben, die zu gemeinsamer Arbeit und zu gemeinsam errungenen Erfolgen führten. Die von ihnen geschaffenen Institute: der Arbeitsnachweis, die Ferienkolonien und die Toynbeehalle sind ehrende und rührende Zeugnisse dieses innigen Zusammenschlusses. Im Namen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde sprach Sanitätsrät Dr. Stern. Im Namen des Hilfsvereins der deutschen Juden überreichte Herr James Simon der Großloge sowie der Deutschen Reichsloge, geschmackvoll ausgesührte Adressen mit herzlichen Worten, in denen er auf das gemeinsame Streben zum Wohle unserer bedrängten Glaubensgenossen hinwies. Als Vertreter des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes und zugleich im Aufträge der Gesell-