Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1.41 sondern auch allen aufs wärmste empfehlen/ die "sich: über, das Wesen, die Schönheit, die Gesetze und das geheimnisvolle, so wunderbare Walten der Tonkunst Rechenschaft geben wollen, und die in ästhetischen Ausführungen nicht nur Zerstreuung und Unterhaltung, sondern auch Anregung für Herz und Gemüt suchen. ♦ Bit Juden in Wellmien. Von Albert Katz. II. -M»ast in jedem größeren Falaschadorf befindet sich eine Mesgid \J (Bethaus), die aus zwei Abteilungen, einem Mekdas (Heiligen) und einem Kedusa Kedusan (Allerheiligsten) besteht und als Versammlungsort, Andachts- und Opferstätte dient. In dein Allerheiligsten steht rechts von der Tür ein Tisch, auf dem ein in äthiopischer Sprache auf Pergament geschriebener „Orit" liegt. Liirks von der Tür sind die heiligen Kleider der Priester aufgehängt. Auf der südlichen Seite im Heiligen ist ein Platz für die Frauen bestimmt, die auch nur durch das südliche Tor ein- und ausgehen dürfen, während im Westen die Gelehrten und im Norden die Männer wie auch Jünglinge und Knaben stehen. Rechts vom östlichen Tor, außerhalb der „Mesgid", befindet sich der Opferaltar, der aus rohen Steinen gebaut, fünf Ellen breit und fünf Ellen hoch und mit einem starken Zaun versehen, durch den er mit dem Bethaus verbunden ist. Die Falascha vertreten nämlich die Ansicht, daß sie, da der Tempel zerstört ist, gleich dem alten Israel in der Wüste berechtigt und verpflichtet seien, an allen Orten, wo sie wohnen, dem Ewigen eine Stätte zu heiligen und Opfer darzubringen. Sie halten sich dabei streng an die biblischen Vorschriften und üben alle Zeremonien aus, die der Opferkult mit sich bringt. Professor Joseph Halevy in Paris, der im Jahre 1867 im Aufträge der Alliance Israelite die Falascha besucht hat, teilt in seinen „Gebete der Falascha" (Paris 1877) nachstehendes Gebet mit, das die Falascha bei der Darbringung der Opfer verrichten: „Das Opfer Abels war Dir wohlgefällig, o möge Dir auch das unserige wohlgefällig sein; das Opfer Eleasars war Dir wohlgefällig, möge Dir auch das unserige wohlgefällig sein. Wie Du das Gebet Davids erhörtest, so vernimm auch unser Flehen iittb habe Gefallen an uns, wie einst an dem Dienste Arons. Dir, o Gott, opfern wir, denn Dir gebührt Lob und Dank. Dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brand- und GanMifer, die Farren auf Deinem Altar. O, bringet Opfer der Gerechtigkeit und des Wohlgeruches dar; lasset uns den Altar umkreisen und dem Ewigen mit lauter Stimme danken. Gott und Vater! Birg uns in Deinem Schatten." Der Gottesdienst der Falascha besteht in auswendig gelernten Liedern und Psalmen, die allen geläufig sind und von allen mit großer Inbrunst gesungen werden. An allen Neumonds- und Festtagen, mit Ausnahme des Sabbats und Versöhnungstages, wird der Opferdienst von den Priestern versehen : und in der ganzen „Mesgid" mit Weihrauch geräuchert. Am Sabbat, den sie vom Sonnenuntergang am Freitag bis nach Sonnenuntergang am Samstag streng feiern und weder Licht noch Feuer in ihren Häusern anzünden, wird ein sogenanntes „Brotopser" dargebracht, das aus den am Freitag Vormittag bereiteten Speisen besteht, die von allen Häusern der Bemittelten in die „Mesgid" gebracht werden. Die Priester begeben sich Freitag abends nach Sonnenuntergang in die „Mesgid", schlafen daselbst und beginnen mit dem ersten Hahnenschrei den Gottesdienst, zu dem) die. Gemeindemitglieder,; jung und alt, sich pünktlich einfinden. Mt Sonnenaufgang ist der Gottesdienst beendigt. Dann segnet der Kahen (Priester) die zusammengetragenen Speisen, bricht aus der Mitte der Brote ein rundes Stück für sich heraus und wählt sich dazu eine beliebige Suppe aus, von der er zuerst etwas genießt, während das Uebrige nachher unter die Anwesenden gleich verteilt wird. Nachdem alle gesättigt sind, wird gewöhnlich ein Abschnitt aus dem Pentateuch verlesen und zun: Schluß vom Priester und der Gemeinde folgendes Gebet verrichtet: Priester: Vergib uns, alle Menschen sind Sünder, vergib uns! Gemeinde: O Herr! Priester: Vergib uns, so oft wir Dich beleidigen! Gemeinde: O Herr! Priester: Um Deines heiligen Wortes, um Deines heiligen Gesetzes willen, vergib uns! Gemeinde: O Herr! Priester: Sei uns gnädig, denn wir dienen Dir allein, Du bist der einige Gott und außer Dir ist kein Gott. Gedenke unser in Gnaden und erbarme Dich über Dein Volk! Gemeinde: O Herr! Priester: Segne Dein Volk, das Dir williglich dient und hier vor Dir steht. Sei uns gnädig und bewahre uns vor allem Bösen. Segne unsere Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, Verwandte, Freunde und Kinder. Tröste alle Kranken und Betrübten, versorge alle Hungrigen, kleide alle Nackten. Erbarme Dich aller, o Herr, behüte und bewahre unser Eigentum, und segne uns, wie Du unsere Väter gesegnet hast! Gemeinde: O Herr, erhöre uns! Priester: Vergib uns, o Herr! Gemeinde: Vergib uns! Priester: Wir haben gesündigt und übel vor Dir getan, vergib uns, o Herr! Gemeinde: Vergib uns, o Herr! Priester: Deine Kraft wird nicht schwach, Dein Reich vergeht nicht, und Deine Herrschaft währet von Kind zu Kindeskindern, ja von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Flad.) Die Falascha besitzen, ebenso wie wir, neben den Gebeten für Sabbat und Festtage auch solche für Wochentage und verschiedene Anlässe des Lebens. Die meisten sind jedes poetischen Reizes bar und auch in Inhalt und Form von den unsrigen verschieden, in allen aber ist der Grundton der alten Harfe Zions entlockt, deren Saiten auf dem ganzen Erdenrund in gleicher Harmonie in das ewige Bekenntnis ausklingen: Gott ist einzig und sein Name einzig. — Von den wenigen Gebeten, die inhaltlich eine gewisse Aehnlichkeit mit unseren Gebeten haben, führen wir folgende an: 1. „Gelobt sei der Ewige, der Gott Israels, der allein Wunder bewirkt, und gelobt sei der Name seiner Herrlichkeit, heilig und gepriesen für alle Ewigkeit. Amen. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Die Engelscharen, die vor ihm stehen, verherrlichen ihn und sprechen: Der Sterbliche wurde besiegt'), doch der Sieger ist der Allerbarmer, der ewig lebt, ihm sei Preis und Ruhm. Hallelujah! Adonai ist unser Gott, Adonai ist einzig. - Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig." 2. „Gelobt sei der Ewige, der uns gegeben Sabbate zur Ruhe und heilige unb reine Feiertage und Festzeiten zur Freude, auf daß wir seinem Namen singen und seinen Ruhm verherrlichen." (Nach Halevy.) 3. Das Tischgebet: „Gelobt sei Gott, Ehre sei ihm, denn er hat uns mit Speis' und Trank erfreut. Bewahre uns vor Hungersnot und vor Durst, erbarme Dich unser und vergib uns. Amen. Kleide die Nackten und speise die Hungrigen, *) Nach Halevy wendet sich dieser Satz, gegen die Grundlehren des Christentums.