Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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In der letzten Nummer des „Odessky Listok" finden.wir einen überaus interessanten Brief aus Ottawa in Kanada. Wir entnehmen demselben folgende Stellen, die dortigen Juden betreffend: „Die Juden organisieren sich hier in vorzüglicher Weise; in.der letzten Zeit kommen große Partien von ihnen hier an und installieren sich hauptsächlich in den Städten Montreal, Toronto und Winnipeg. In Montreal befinden sich gegenwärtig ungefähr 35 000 Juden, und ihre Zahl vergrößert sich jährlich um 3000 bis 3500. Es gibt hier jüdische Aerzte, Advokaten, Mechaniker, Färber, Zimmerleute, Spengler. Schlosser, Schneider, Schuster u. dergl. mehr. Die Juden begannen sich hier vor 150 Jahren anzusiedeln; die erste Synagoge in hiesiger Stadt wurde im Jahre 1768 errichtet. Jetzt gibt es in Montreal 16 Synagogen. Die Juden genießen große Sympathien seitens der kanadischen Regierung. In der Armee des Generals Amerst war der erste Offizier der jüdische General Art. Der erste Direktor der berühmten „Bank of Montreal" ist der Jude Henrtz Uosif. Der Gehilfe des Finanzministers ist der Jude Lazar David. Während des englischen Krieges in Südafrika befand sich das kanadische Korps unter dem Befehl des jüdischen Grafen Garis; derselbe blieb auf seinem Posten bis zum letzten verzweifelten Augenblicke, als der Graf den Befehl erteilte, zurückzutreten, ins Feuer ging und aus dem Schlachtselde blieb. Sein Name als tapferer Held ist noch bis jetzt auf aller Lippen. Ein anderer Offizier war der jüdische Graf Goldsmit, er befand sich in den vorderstell Reihen der Division unter dein Kommando des Generals Kely-Keny." * Ueber die jüdischen Einwanderer in Amerika endlich einmal ein objektives und trotzdem anerkennendes Urteil zu hören, ist heute wahrhaft erfreulich. Burton I. Hendrick macht über die Juden von New Jork im „Hamburger Korrespondent" folgende Mitteilungen: „Die Inden beteiligen sich erfolgreich nahezu an jedem Geschäftszweig, aber auch auf jedem Felde der Wissenschaft. Die New Jorker komnlen mit ihnen in stete Berührung. Alle wichtigen Verkehrsstraßen sind mit jüdischen Hausierern aller Art bevölkert. Unter den Buchhaltern und Verkäufern der großen Warenhäuser findet man einen ebenso großen Prozentsatz von Inden wie unter der Armee der Stenographinnen und Maschineuschreiberinllen. Geht man die Geschäftsteile des Broadway und der Fifth Avenue hinauf, so begegnet man auf den Schildern der Geschäfte fast ausschließlich jüdischen Namen. In jenem Teile der Sirth Avenue, welcher die größten Warenhäuser New Jorks umfaßt, sind wieder die bedeutendsten derselben in den Händen der Juden. Kein anderes Volk ist ökonomisch und auch seiner Bildung nach so ivenig vorbereitet, anlerikauischer Bürger zu werden, wie diese Juden. „Von den vier oder fünf Millionen russischer Juden," sagt eine führende Petersburger Zeitung, „haben kaum zehn- bis sünfzehntauseud eine gesicherte Existenz." „Was habt Ihr eigentlich in Rußland betrieben?" ist eine Frage, die man heute auf der Ostseite sehr oft hören kann. Die Antwort ist fast immer ein Achselzucken. Fast durch ein Jahrhundert sind alle erdenklichen prohibitiven Gesetze gegen sie erlassen worden. Die Karriere der Gebildeten ist ihnen sogut wie verschlossen. Zu den höheren Unterrichtsanstalten haben sie nur sehr beschrankten Zutritt. Ebenso sind sie nicht in der Lage, Farmland zu besitzen oder nur zu pachten. Ueberdies ist alles, was zu ihrem Leben notwendig ist, besonders hoch besteuert, das koschere Fleisch, ihre Gebettücher, ja selbst die Kerzen, welche die fromme jüdische Hausfran jeden Freitag abend anzündet. Sie sind in wenige Städte zusammengedrängt, von der Regierung werden sie als Ausgestoßene behandelt. Sie sind keine Russen und können keine Russen werden. In dem Kastensystem der russischen Gesellschaft nehmen sie etwa dieselbe Stelle ein wie die Kirgisen und Kalmücken oder andere halbzivilisierte Stämme. Daher kommt es. daß sie bei ihrer Landung auf Ellis Island zum großen Teile unwissend sind, nicht einmal lesen und schreiben können, dabei unreinlich, ohne genügende Kenntnisse für einen bestimmten Berns ausgestattet und mit einem wohlbegründeten Hasse gegen jede Regierungsautorität erfüllt. Ihr einziges Kapital bilden ihr Intellekt, der ihnen -auch durch e > Jahrhunderte lange Verfolgung nicht geraubt werden konnte, ltn ihre Emsigkeit^ die jeder Belastung standhält. Trotz aller die- Hindernisse haben sich die russischen Juden nach jeder Richtung Ik befriedigend entwickelt. Ihre wirtschaftlichen Fortschritte werden v keiner anderen Emigrantengruppe erreicht. Sowohl was den Erwe von Reichtümern, aber auch was die eigene Erlösung von Unwissenh und Unkenntnis betrifft, erscheinen die Erfolge der Italiener, Jrländ Deutschen ja sogar der deutschen Juden gering an jenen der russiscl e und polnischen Juden gemessen. Es wird immer wieder von : < Armut des Ghettos von New Jork gesprochen. Selten aber hört w , seinen Reichtum erwähnen. Und doch gibt es keinen Distrikt i New Jork, der so viel reiche Männer hervorbringt. (?) Die voruehms e Geschäfts- und Wohnviertel der Stadt sind , mit russischen Int - gefüllt, welche vor zehn, fünfzehn, zwanzig oder fünfundzwan Jahren aus diesem Ghetto hervorgegangen sind." Lrrlcht über die Mitglikderokrlsmmlunkl drr „Vrrkinigung Ärr liberalen Ksbblnrr Drutlchlrmds". Berlin, 1. Januar 19* (Versammlungslokal: das Konferenzzimmer der jüdischen Gemeint Knabenschule.) Anwesend: Baron-Hoppstädten, Bergmann-Frankfurt a. d. - Blumenthal-Berlin, Elsaß-Landsberg a. W., Fabian-Breslau, Freude thal-Danzig, Galliner-Charlottenburg, Goldschmidt-Kolberg, Heilbror Spandau, Hochfeld-Düsseldorf, Jakob-Dortmund, Kaelter-Potsda Kusnitzky-Bayreuth, Lazarus-Frankfurt a. M., Lewit-Alzey, Mayban Berlin, Norden-Myslowitz, Peritz-Liegnitz, Porges-Leipzig, Posn Kottbus, Rosenzweig-Berlin, Rüls-Braunschweig, Samuel-Essen, Silb stein-Elbing, Silberstein-Stargard i. Ponim., Sonderliug-Götting Tawrogi-Kreuznach, Vogelstein-Stettin, Vogelstein-Königsberg, Walt Bromberg, Worms-Stettin. Als Gäste: Finkel-Pasewalk, Kellermann-Berlin, Rosenzweig j Berlin, Nathan-Berlin; und am Schluß der Sitzung: Grabows Barmen. Entschuldigt: Baeck-Oppeln, Bloch-Posen, Elbogen-Berlin, Feßl Halle, Freund-Görlitz, Guttmann-Breslau, Plaut-Frankfurt a. tz Silberstein-Wiesbaden, Steckelmacher-Mannheim, Stößel-Stuttga Wiesen-Stadt Lengsfeld, Winter-Dresden. Der Vorsitzende Vogelstein-Stettin begrüßt die Versammlung n ernennt unter allgemeiner Zustimmung die Kollegen Baron n Rosenzweig jr. zu Schriftführern. Er teilt mit, daß der Vorstand l Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Berlin eine Anzahl der soeben fertig gestellten neuen, Nummer t „Mitteilungen" übersandt hat und der Tagung der liberalen Nabbii schriftlich seine Wünsche für einen guten Erfolg bekundet, zügle auch der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die Beratung dazu beitrag werde,' das Interesse für das liberale Judentum zu beleben u zu fördern. 1. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist der vom Vorsitzend erstattete Geschäftsbericht des Vorstandes, in dem etwa folgendes ai geführt wurde: Nach unseren Satzungen soll tunlichst in jedem Jahre e Mitgliederversammlung stattfinden, und es wäre sehr zu wünsch daß dies geschähe. Denn es würde der Sache des liberalen Jud tums sehr förderlich sein, und es gibt so vieles zu besprechen, - nur in gemeinsamer Beratung erledigt werden kann. Allein Opfer an Zeit und Geld-sind namentlich für die von dem S sammlttngsorte entfernter wohnenden Kollegen so groß, daß auf c zahlreiche Beteiligung nur dann gerechnet werden kann, wenn un Versammlung im Anschlüsse an die Generalversammlung Allgemeinen Rabbinerverbandes stattfindet, der ja in der Lage manchem Teilnehmer Reisekosten zü erstatten. Vielleicht finden in den Gemeinden wahrhaft liberale, für die gedeihliche Entwickln des Judentums sich lebhaft interessierende Männer, die uns di: Igrchev «er nun lii ett fiel erli lu ruf |u geb D die ftz'chen r.une i nbe br visi ss^gelß : Le Iciv ices ßi er i Lu.jDef | pfli D IßU'bei’ piftjui i bbn |k''ibe H* eöei ijii Pr Iw lig, (51 jeit buc-f lii cm chfei I)1' te, An zr It ist , [n; 5t j |Di ''er 1 |r tvei 'iec rfei m rac ral di» 3 yer nch hr D igl uni I eit gelj uri emi l Ö R I tflli ei)i S I fei bei l-'i lieg llst I ner Ind f I lig II r '