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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-22 · Heft 12 (22.3.1907) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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jt.ii nicht mit dem Mantel der Humanität vder des einzig echten Äoeralismus und anderer schöner Allgemeinheiten maskieren, so fürchten wir doch, die jüdische Partei wird nur ein Konventikel beionders "ehrlicher nnd tapferer Juden sein. Schwierigkeiten wird ne nur bett eigenen Stammesgenossen bereiten können. Denn wenn sic sür Börsensreiheit, Warenhausfreiheit, Ansverkanssreiheit, Wuchcrjr.iheit usw. eintriit. wird man in den betreffenden Geschäftskreisen rufen: „Gott schütze mich vor meinen Freunden!" Nnd wenn sie ijcgen solche Freiheiten das Interesse der Börsenkunden, des gekverblichen Mittelstandes, der Darlehnsnehmer usw., unter denen doch aurf) zahlreiche Inden sind, vertreten will, verscheucht sie die anderen. Picht einnial am Schächtverbot haben alle Juden das gleiche Interesse. Gegen jüdische Volksschulen haben die meisten Inden eine Ä itipathie. Wenn wir ein Programm sür die neue Partei vorscilagen dürften, würde es einfach lauten: „Wir Mitglieder der ätschen Judenpartei, die wir Inden bleiben und nicht Deutsche w rden wollen, verpflichten uns, als Angehörige eines freundlich »t »genommenen Gastvolkes uns gegen unser Wirtsvolk rücksichtsvoll;i benehmen, insbesondere seine christliche Kultur, seine Sitten, seine rieratur nnd Kunst, seine Sprache nnd seine Gewohnheiten ungetastet zu lassen, aus seine Presse, Gesetzgebung und Verwaltung lcneu bestimmenden Einfluß zu nehmen. Dagegen verlangen wir r n unserm Wirtsvolk, als unterhaltende, belehrende, fleißige und zum Fleiß anregende Gäste in Ehren gehalten zu werden, wie man u s ja zum Zeichen gastsreundlicher Gesinnung die staatsbürgerlichen :>! chte bonoris causa für ewige Zeiten verliehen hat." Obwohl es eigentlich unnötig ist, soll trotzdem mit aller 2 ostirnmtheit erklärt lverden, daß die Nachricht von der Bildung u ier jüdischen politischen Partei in Deutschland nichts als f;;t Hirngespinst sein kann, das vielleicht gar in einem n itisemitischen Kopfe zuerst entstände»! ist. $ In» Reichstag geht es bis jetzt recht ge»nütlich zn. Nur l er nnd da wird eine antiseinitische Note angeschlagen, »vie i ngst bei dein Rededuell zwischen den Abg. Bruhn nnd Stadti, gen. Auch in der Sitzung vorn 16. d. Mts. warf der konser- : tive Abg. Kreth den Sozialdemokraten vor, daß sie inbezug r :f Antisemitismus „durchaus nicht stubenrein" seien. Er er- > terte dies durch Auszüge aus den Wahlartikeln sozialistischer ätter. Das Ergötzlichste war aber in der Sitzung vorn i. d. Mts. ein Intermezzo zwischen den» Zentrumsabgeordneten i Witt und dem nationalliberalen Abg. Dr. Paasche. Der > stere berichtete, „daß der Zentrurnskandidat in Kreuznach ein i eußischer General evangelischer Konfession war, den» allert ngs die Liberalen zum Vorwurf machten, daß er eine jüdische . rau hätte." (Große Heiterkeit.) Darauf antwortete Herr > eheimrat Paasche: „Wir haben Herrn von Klöden den Vor- : urf der jüdischen Frau nicht geinacht, wir sind an dieser •' tze unschuldig." Also, welche Partei kann das wohl gewesen sein? Besonderen Spaß wird es den Antisemiten »nachen, daß i r Wunsch, in die Berufszählung auch die Religion rnitauf- 1 nehmen, iin Hause geteilt wurde. Zentrum nnd Ko»»servative l ben ihnen dabei geholfen. In» Abgeordnetenhause brachte der Abg. Cassel die < rrliner Lehrerfrage wieder vor. Und der Ministerialdirektor chwarzkopff gab dieselbe Antwort wie seit Jahren: Durch k s Volksschulunterhaltungsgesetz wird an der bestehenden chtslage nichts geändert. Die Praxis der Vertretungsv rhältnisse »vird aufgeklärt werden nnd darauf eine »ninisterielle t! ntscheidung erfolgen. * Wir haben schon berichtet, daß im ungarischen Ab-!i ordnetenhause am 7. d.M. die Petition des Kornitats Tolna um l' etvährnng einer Vertretung der israelitischen Religion als solcher in» Magnat enhaus verhandelt wurde. Der Ausschuß- »eferent beantragte, es möge ausgesprochen iverden, daß dieser Bitte mit Rücksicht auf die heutige Organisation des Magnatenha»»ses und der israelitischen Konfession' derzeit nicht entsprochei» »verden könne. Deingegenüber beantragte im Rainen der Uuabhängigkeitspartei Sainriel Bakonyi, die Petition möge m» die Regierung behufs Studiun» geleitet iverden. Er be- »nerkte dabei, daß die Frage der Organisation und Autonomie der Inden schleunigst geregelt »verden »nüsse. Franz Buzath (Volkspartei) erkan»»te an, daß die jüdische Religion infolge der Rechtsgleichheit das Recht habe, im Magnatenhause vertreten zu sein, doch könne dieses Recht erst in Anspruch genornrnen werden, »veni» die jüdische Konfession organisiert sein und wenn sie den Anforderungen des Gesetzes nachgekonnnen sein »verde, wonach die Rabbiner ungarische Staatsbürger nnd in den ungarischen Präparandien herangebildet sein müssen. Graf Theodor Batthyany »»nterstützte den Antrag Bakonyi, da die jüdische Konfession auf Grund der Rechtsgleichheit u»»d der heutigen Organisation des Magnatenhauses das Recht habe, dort vertreten zu sein, sobald sie einmal organisiert sein werde. Ladislaus Ratkah war zwar der Ansicht, daß keine einzige Konfession das Recht habe, als solche eine Vertretung im Magnatenhause zu beanspruchen, allein, wenn die übrigen Kol»fessionen vertreten seien, so habe im Si»»ne der Rechtsgleichheit auch die jüdische Konfession ein Recht dazri. Karl Henez (Volkspartei) bestritt, daß die jüdische Konfession ein Recht zu einer solchen Vertretung in» Magnatenhause hätte, solange sie keine einheitliche Autonomie besitze. Gabriel Ugron erklärte, die einheitliche Organisation sei kei»»e Vorbedingung, denn es gebe auch Griechischunierte nnd Nichtunierte, und doch sei diese Konfession im Magnatenhaus vertreten. Der Referent Herrnann schloß sich dem Antrag Bakonyi an, »vorauf dieser von der Majorität zürn Beschluß erhoben wird. Es ist bemerkenswert, daß alle Parteiei» in» ungarischen Abgeordnetenhmise — mit Ausnahme der Volkspartei nnd eines getauften Juden — dem Antrag zugestinnnt haben, dem Judentum als solchen eine Vertretung in» Herrenhause zuzngestehen, wie sie in fast allen Ländern Errropas bisher nur die katholische nnd evangelische Konfession besitzen. £ Der Präsident der Alliance Israelite Universelle hat von dem französischen Gesandten in Teheran nachstehenden Brief ans eine telegraphische Vorstellung bezüglich der jüngsten Bedrückungen der Juden in Persien erhalte»»: Französische Gesandtschaft in Persien. Teheran, 23. Februar 1907. Herr Präsident! Ich habe das Telegrainm empfangen, das Sie am 11. d. M. an mich »vegen der Bedrückungen gerichtet haben, denen die israelitische Gemeinde von Jspahan ausgesetzt gewesen ist. Ich bin sofort bei Sadi Azam vorstellig geworden, der deswegen alsbald ein Telegrarnm an den Gouverneur von Jspahan geschickt hat. Ich hoffe, daß die gegemvärtigen Schwierigkeiten sich nicht allzu lange ausdehnen werden. Nach den von dem Englischen Konsulat eingezogenen Erkundigungen soll in Jspahan die Agitation unter den Mollahs abermals zunehmen, die den Inden das Recht zum Verkauf von Wein und Branntivein nnd zum Handel im llmherziehen bestreiten »vollen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. L. Descos. An den Präsidenten der .Alliance Israelite Universelle, 35 rue de Trevise, Paris.

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