Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228757--63378-3297267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 die den selbstgewählten Namen Deutsche Reichsloge erhielt. Bei der Beamtenwahl wurde Jablonski zum Präsidenten, Fenchel zum Vizepräsidenten, Alex Cohn zum Schriftführer, Flatau zum Kassierer und D. Wolff zum Mentor gewählt. Die Loge wurde von Ellinger als gesetzlich konstituiert proklamiert mit dem Wunsche, daß sie als erster Zweig der Bne Brith auf deutschem Boden wachsen und gedeihen möge, daß sie die hohen Ziele, die sie sich gestellt hat, verfolgen und erreichen möge zum Segen der Menschheit und insbesondere für unsere Religionsgemeinschaft. Dieser Wunsch des Delegierten ist in den bisher verstoßenen fünfundzwanzig Jahren im reichsten Maße in Erfüllung gegangen. Sechsundsechzig Logen gehören nunmehr dem Orden an, über alle Gebiete des deutschen Vaterlandes, von Metz bis Danzig, verteilt, und über siebentausend Söhne zählt der Bund zu seinen treuen, begeisterten Anhängern aus den besten und hervorragendsten Männern der deutschen Judenheit. Auch außerhalb der deutschen Grenzen gewann die Ordensidee festen Boden; in Oesterreich, der Schweiz, in Aegypten, ja selbst in Palästina wurden Logengründungen veranlaßt, deren Zahl hoffentlich noch lange nicht abgeschlossen ist. Schon nach wenigen Jahren der Begründung der ersten deutschen Loge stellte sich mehr und mehr die Notwendigkeit einer eigenen Großloge für Deutschland heraus; die Genehmigung wurde von Amerika erteilt, und so fand am 28. Juni 1885 die feierliche Installation der Eroßloge für Deutschland statt unter Leitung des amerikanischen Ordenspräsidenten Bien und unter Anwesenheit fast aller Expräsidenten der deutschen Logen. Als Glied des gesamten Ordens untersteht die deutsche Großloge wiederum der Konstitntionsgroßloge und dein Exekutivkomitee in New Dork, zu welchem letzteren die deutsche Großloge ein Mitglied vorzuschlagen berechtigt ist. Die ethische Bedeutung des Ordens Bne Brith liegt vor allem in der Treue zum Judentum, dann aber in der Förderung der Humanität und endlich in den wahrhaft großartigen Wohlfahrtsbestrebungen, die er begründet, gefördert und veranlaßt hat. Die Leistungen auf diesem Gebiete sind wirklich imponierend; sie erstrecken sich über alle Gebiete unseres Gemeinde- und öffentlichen Lebens und erheischen eine besondere Erörterung. Die Bedeutung des Ordens liegt klar und deutlich ausgesprochen in seiner Devise, welche also lautet: „Israeliten in dem Werke der Förderung der höchsten Interessen der Menschheit zu vereinigen, den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes zu entwickeln und zu heben und ihm die reinsten Prinzipien der Menschenliebe, der Ehre und des Patriotismus einzuprägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen, die Not der Armen und Dürftigen zu lindern, die Kranken zu besuchen und zu pflegen, den Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu kommen, Witwen und Waisen zu beschützen und diesen nach den nmfaffendsten Grundsätzen der Menschlichkeit beizustehen." Wie der Orden diese Devise ausgeführt, das mag man in dem sehr wertvollen Buche von Maretzki Nachlesen. Und dies alles geschah iin stillen, ohne Aufsehen, ohne Reklame, fast ohne viel Unterstützung von außen — in der Tat, eine imponierende Arbeit, ein Werk, das die höchste Anerkennung verdient und diese auch empfangen muß. Wenn man aber von den Großtaten des Ordens spricht, dann darf man seine Großpräsidenten, das heißt: die Männer, die an der Spitze dieses bedeutsamen Humanitätswerkes stehen, vor allem die Herren Sanitätsrat Dr. Maretzki, der bis 1897, und Justizrat Timendorfer, der seit dieser Zeit das Amt bekleidet, nicht unerwähnt lassen. Mit glühender Liebe zum Judentum, mit einem heiligen Eifer für die Sache des Ordens, mit einem Fleiß, den keine Mühe bleicht, mit nie versagend, Güte und Hilfsbereitschaft haben diese beiden Männer es ver standen, im Verein mit einer großen Schar wackerer Brüde den Orden zu der Höhe zu bringen, auf der er jetzt steht, uni auf der er sich noch lange erhalten wird zur Ehre des deutsche Judentums, in dessen Geschichte er einen wichtigen Abschnst bildet. Für das Judentum als solches liegt natürlich der Schwer Punkt der Bedeutung des Bne Brith-Ordens in der Tatsach daß derselbe die Mission und die große Aufgabe Israel seit seiner Begründung unaufhörlich propagiert und in weil Kreise getragen hat. Das ist sein geschichtliches Verdiendas nicht verkleinert werden darf. Möge es den „Söhnen de Bundes" beschieden sein, an der Aufgabe des Judentums na, wie vor tapfer und eifrig mitzuarbeiten und die Anerkennun dieser Mission in der Menschheit sich immer weiter Bah brechen zu sehen. Wenn der Bne Brith-Orden, wie er dies ja mit Erfol bereits getan hat, sich auch ferner zum Träger dieser Idee: machen, wenn aus ihin die Erkenntnis hervorgehen wirk daß Israel eine Mission habe, daß wir kaum angefangehaben, diese Mission anszuführen, geschweige denn, daß st bereits erfüllt sei, wenn von ihm aus in alle Familien, i: alle Vereine, in alle Gemeinden der Diaspora diese Gedanke: sich verbreiten: Das Judentum ist die Religion der Liebe das Judentum ist die Religion der Humanität und demgemäß das Judentum ist die Religion der Zukunft, denn diese Religioi die Religion aller Religionen, kann sich nur auf den Idee unserer Propheten von Humanität, Freiheit und Liebe au bauen — dann wird man nach abermals 25 Jahren vielleicli sagen dürfen: Die Zukunft des Ordens ist auch die Zukun i des Judentums. Bit Woche. Berlin, 19. Märuf eine ganz neue Idee sind jetzt unsere Gegner ver fallen. Sie verbreiten das Gerücht von eine> politischen jüdischen Partei, die in Deutschland ent stehen, soll oder gar schon entstanden sei. Die „Kreuzzeitnng macht sich natürlich zum Sprachrohr dieser mehr als seltsame > Idee, die ihr ja am meisten in den Kram passen würdß. Ihre Bemerkungen darüber sind ebenso charakteristisch wi? lehrreich. „Was aber will eine besondere jüdische Partei bei uns? Te „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" ist kein politische Organisation; er empfiehlt nur allen deutschen Juden, ri; jeder in seiner Partei, zur Bekämpfung des Antisemitismus in d: politische Bewegung einzutreten, hat also ungefähr das gleiche Zn wie der Abwehrverein. Nun hat es sich aber gezeigt, daß keil' bestehende Partei als solche für die Juden eintreten kann, ohne sn > selbst zu schädigen. Ein österreichischer jüdischer Politiker drückte bc jüngst sehr schroff so aus: „Alle Parteien, die Judenschutz betriebe i haben, sind daran zugrunde gegangen." Aus solchen Erfahrung^ i heraus erklärt es sich wohl, wenn sich jetzt Juden zu einer befo? deren Partei znsammentun. Nur will uns nicht einleuchten, wela ' praktischen Ziele eine solche Partei verfolgen kann, wenn ntei t wiederum nur die Abwehr des Antisemitismus. Sie wird wohl zi' nächst eine Zeitung herausgeben; aber es fehlt doch nicht a' Blättern, die sich nur an jüdische Leser wenden, und sie haben al; ' keine glänzende Existenz. Eigene Kandidaten bei Kommunalui ' Parlamentswahlen durchzubringen, kann die jüdische Partei nicu hoffen, wenn sie sich in Gegensatz zu allen andern Parteien stell. So sympathisch es uns also ist, wenn die Juden Farbe bekennen rm-