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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-22 · Heft 12 (22.3.1907) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Berlin, 22. März 1907. 1. Jahrgang. Nr. 12, | Diese Zeitung erscheint wöchentlich, i Abonnemen ts-P^eisdurch Buchhandel j oder Post (in Berlin u. Vororten durch unsere! verrriebsst llen) b zogen Vierteljahr!. 3 UI. | Nedakterrr: Gustav ^ttarxeles. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson. Vvrlilgs-LrpvMM: Berlin, Jerusalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse Verlag der „Allgem Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße H6/49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Die Söhne des Sundes. Berlin, 18. März, in Fest ohnegleichen in der Geschichte des jüdischen Gemeindelebens in Deutschland ist gestern hier gefeiert worden. Der Orden Bne Brith hat das 25 jährige Jubiläum nnes Bestehens auf deutschem Boden gefeiert. Tausende von Männern, die feststehen auf dem Boden des Judentums, fest u der Treue zu ihrem deutschen Vaterlande, fest aber auch u der innigen Anhänglichkeit an den Orden und seine großen Prinzipien, haben gestern von neuem Zeugnis abgelegt für ne unwandelbare Treue, die sie diesen Prinzipien bis an hr Lebensende bewahren wollen. Und Tausende haben mit hnen auf deutscher Erde in geweihter Stunde gestern das Weiche Zeugnis abgelegt. Das ist ein geschichtlicher Moment on hoher Bedeutung, von großer Tragweite, der uns über ie niedrige Atmosphäre des Alltags mit seinen Irrungen md Wirrungen weit hinaus hebt in jene idealen Regionen, t denen die weltbewegenden Gedanken des Judentums und es mit diesem so innig verbundenen Bne Brith-Ordens iren Quellpunkt haben. Schon oft haben wir Gelegenheit und Veranlassung ehabt, das Wesen und die Bedeutung dieses über alle Kulturinder Europas, Amerikas, ja zum Teil sogar auch Asiens erbreiteten Ordens an dieser Stelle mit der vollen Anrkennung zu besprechen, die einem derartigen Streben und Elchen Leistungen gebührt. Trotzdem wollen wir heute och einmal im Hinblick auf das große Fest, das die Söhne des Bundes" in Deutschland feiern durften, die ntstehungsgeschichte des Ordens ein wenig näher beachten. Der Hauptsitz des Ordens besteht bekanntlich in Amerika, ier wurde er in New Pork am 12. Oktober 1843 von zwölf idischen Männern, die sämtlich deutscher Herkunft waren, gründet. Unter der anfänglichen Leitung von Henry Jones .wann der Bund eine rasche und ungemein kräftige Ausehnung, so daß ihm bereits im Jahre 1881 dreihundert ogen in den Vereinigten Staaten angehörten, welche in eben Distrikte eingegliedert waren; gegenwärtig verfügt der und bereits über 400 Logen und umfaßt über 40 000 Mitglieder. Dieses Ordens, der seine Mitglieder aus leicht greiflichen Gründen nur aus der jüdischen Glaubensgemein- : Yaft wirbt, entsann man sich in Berlin zu Ende der siebziger ahre, als die „Schmach des Jahrhunderts" selbst an den empeln der Humanität nicht Halt machte und sogar im Odd . ellow-Orden sich antisemitische Bestrebungen geltend machten, '-err Julius Fenchel war es, der jetzige Exgroßpräsident, der aus Unmut über diese antisemitischen Strömungen den Freimaurerorden verließ und, überzeugt von der segensreichen Tätigkeit des Ordenswesens, mit Hilfe einiger Gleichgesinnter es unternahm, den ihm bekannten Orden der Bne Brith nach Deutschland zu verpflanzen. Die Herren M. Jablonski und D. Wolfs, der jetzige verdienstvolle Sekretär der Großloge, waren, wie Sanitätsrat Dr. Maretzki in der soeben erschienenen interessanten „Geschichte des Ordens Bne Brith in Deutschland 1882—1907", auf die wir noch zurückkommen, schreibt, fortan die treibenden Kräfte, die trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten die Ueberführung des Ordens Bne Brith zu einem glücklichen Ende gebracht haben. Am 18. Oktober 1880 ging der erste Brief an den damaligen Vorsitzenden Bien in NewPork mit der Anfrage, ob diese Behörde geneigt wäre, den Orden in Deutschland einzuführen; am 31. Dezember des gleichen Jahres traf die erste Antwort im Aufträge des Exekutivkomitees ein, „daß es sehr wünschenswert erscheint, die unserer Organisation zugrunde liegenden humanen Prinzipien vielseitig zu verbreiten und Israeliten zu gegenseitiger Stütze sowohl als auch zur Ausübung guter und edler Taten zu vereinen" — und doch dauerte es noch bis zum 20. März 1882, bis die Installation der ersten Loge in Deutschland stattfand. An dieser unendlich langen Verzögerung hatten allerdings nicht allein die amerikanischen Ordensbrüder schuld, sondern auch in Berlin fiel es recht schwer, die geeigneten Männer für diese neue Ordensidee zu gewinnen. Am 7. August 1884 traf die Nachricht ein. daß der Freibrief bewilligt sei, der in passender Form von einem Mitgliede des amerikanischen Exekutivkomitees überreicht werden sollte. Die an dem Ordensplan noch ■ festhaltenden Herren schlossen sich zunächst zu einer freien Vereinigung zusammen, veranstalteten allwöchentlich einen Sitzungsabend in dem damaligen Hotel Saxe in der Burgstraße und legten sich eine Kopfsteuer von 1 Mark auf zur Bestreitung der Gründungskosten. Die Zahl der Teilnehmer wuchs bald in erfreulicher Weise, innerlich und äußerlich hatten sich die Mitglieder bereits mehr und mehr für die Ziele und Zwecke des Ordens vorbereitet, da drohte, als der Vertreter des Bundes aus Amerika, Moritz Ellinger, bereits im Kreise der Mitglieder weilte, die ganze Ordensidee noch einmal zu scheitern. Der Deputierte vermißte, wie er selbst äußerte, „die Propheten", Männer wie Lasker, Bamberger, Straßmann oder Ludwig Loewe, und nur die energische Antwort Fenchels, daß bei noch längerem Zögern die jetzigen Mitglieder einen eigenen jüdischen Orden gründen würden, bestimmte Ellinger, binnen drei Tagen die Installierung anzuberaumen. So wurde am 20. März 1882, abends 9 Uhr ohne besondere Feierlichkeit die erste deutsche Loge installiert.

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