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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Jubiläum als Beigeordneter daselbst. — Neulich feierte das David Friedlärr de rsche Ehepaar in Stuhm das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaare ist aus diesem Anlasse vom Kaiser die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. Herr Friedländer ist langähriges Mitglied der Repräsentantenversammlung der Synagogenzemeinde daselbst. — Ende des Monats Januar starb in Pinne >er trotz seines hohen Alters noch rüstige Handelsmann Hermann 9 aer. Drei Stunden später folgte ihm seine Ehefrau im Tode. Zum Kantor der israelitischen Gemeinde in Schön tanke ist Kantor Rischkowski in Lessen gewählt worden. — Rechtsanwalt Todtenopf in Wirsitz ist zum Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. — Die Nachkommen der Familie Isidor Fraucadt in Czarnikau haben zum Andenken an diesen und dessen Ehefrau der dortigen jüdischen Gemeinde 3000 Mark gestiftet. — Nachdem der letzte Israelit aus der ehemaligen größeren jüdischen Gemeinde Sandberg gezogen ist, soll die Synagoge zum Abbruch >erkaust werden. — Kaufmann Jasse in Schrimm ist zum Magistratsnitgliede gewählt worden. — Die Firma Konitzer & Söhne in Narienwerder beging kürzlich das 25jährige Geschäftsjubiläum, lus diesem Anlasse überreichte ihr die Graudenzer Handelskammer ine kunstvoll ausgesührte Adresse. Kp. Ostrowo, im März. Am 1. d. M. beging der Königliche 7ekonomierat Herr D. Goldstein Hierselbst unter reger Beteiligung der hiesigen Bevölkerung in voller Geistessrische seinen 5. Geburtstag. Zahlreiche Ovationen wurden von allen Seiten ms diesem Anlasse dem alten Herrn zuteil, der leider in den letzten fahren den Verlust seiner Gattin und einer erwachsenen Tochter zu 'eklagen hatte. Es würde hier zu weit führen, wollten wir ille Ehrenämter aufzählen, die der Jubilar noch mit der größten Arbeitslust und peinlichstem Akkuratesse versieht. Mir erwähnen nur seine Tätigkeit als Mitglied des Kreisausschusses, des .Magistrats, des Synagogenvorstandes und seine emsige Wirksamkeit als Vorsitzender des Vorschußvereins, des Krankenpslegevereins, >es Israelitischen Mildtätigkeits-, Holz- und Frauenvereins. In Anerkennung seiner reichen Verdienste wurden dem Jubilar äußerreichen, kostbaren Aufmerksamkeiten mehrere kunstvoll ausgestattete Adressen, so seitens der Stadtvertretung, des Kreisansschusses, der Synagogengemeinde usw., überreicht. Zahlreiche Deputationen von Vereinen und Einzelgratulanten wechselten den ganzen Tag hindurch inander ab, und für jeden der Anwesenden hatte der alte Herr ein 'affendes liebesvolles Dankeswort. Möge Herrn Oekonomierat 5oldstein noch ein langer Lebensabend in ungeschwächter Kraft bechieden sein! r. Glogait, 8. März. Am 15. Februar wurde hier unter Beteiigung der ganzen Gemeinde der bei seinen Kindern in Hannover ut seinem 72. Geburtstage verstorbene Herr Lazarus Fraenkel ur ewigen Ruhe bestattet. Der Dahingeschiedene hat hier fast 31 whre in seltener Pflichttreue als erster Kantor und Religionslehrer gewirkt und in seinem Berufe ganz Hervorragendes geleistet. Sein 9ortrag der Gebete, unterstützt von einer gut geschulten, sehr sympathischen Baritonstimme, und seine mit allen Subtilitäten aus- -estattete Thoravorlesung waren geradezu klassisch. Durch die edlen Eigenschaften seines Herzens, die Vornehmheit seiner Gesinnung und ein großes Wissen sowohl auf religiösem als auch auf allgemeinem Gebiete, bat er sich die Hochschätzung aller erworben, die mit ihm in Berührung kamen. Nach dem Verlust seiner Gattin ließ er sich im Oktober 1902 pensionieren und lebte nun in Hannover dem Studium eligionswissenschaftlicher und philosophischer Werke. Das Tagebuch es Verblichenen enthält als letzte, einen Tag vor dem Hinscheiden gemachte Eintragung die sein ganzes Leben bezeichnenden Worte: .Ein Bestes, Weisestes, Gottgefälligstes gibt es in jedem Moment für ich zu tun; das erforsche und tue, so hast du den Frieden der ^eele!" Diese Sentenz bildete den Ausgangspunkt der Trauerrede es Herrn Rabbiners Dr. Lucas, der von dem Heimgegangenen ein 'er Wirklichkeit entsprechendes vortreffliches Lebensbild gab. n. Königsdorff-Jastrzernb, 10. März. Die in dem altbewährten öoolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Kinderleilstätte soll beim Eintritt der schönen Jahreszeit, im Monat Mai, nieder eröffnet werden. Diese Anstalt, die bereits für viele Kinder eine Quelle des Segens geworden, zeichnet sich durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit aus, indem sie unbemittelten Kindern ganze oder halbe Freistetten gewährt und bemittelte Kinder gegen Zahlung der Selbstkosten aufnimmt. In der vergangenen Saison 1906 haben in der Anstalt 126 Pfleglinge Aufnahme gefunden. Bei allen Kindern war ein günstiger Kurerfolg zu verzeichnen. Die Gewichtszunahme betrug durchschnittlich drei bis sieben Pfund. Bei zwei Kindern ist eine Zunahme von neun bezw. zehn Pfund festgestellt worden. Die Anstalt wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende der Anstalt, Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. — Duisburg, 7. März. Am 2. d. M. feierte der „Verein der jüdischen Jugend" hier sein erstes Stiftungsfest unter großer Beteiligung von Gemeindemitgliedern. Nach einem einleitenden Prolog hielt Herr Rabbiner Dr. Neumark die Tendenzrede. Im weiteren Verlaufe des Abends wechselten Toaste mit Rezitationen, Gesangsvorträgen und Aufführungen. Ein Ball hielt die Festteilnehmer bis in die frühen Morgenstunden zusammen. Der Verein der jüdischen Jugend war im vorigen Jahr gegründet worden, uni für die jüdischen jungen Leute Duisburgs, denen der Zutritt zu fast allen kaufmännischen und vielen wissenschaftlichen Vereinen versagt ist, eine , Stätte zu schaffen, an der sie ihren Geist pflegen und sich zum Kampf gegen den Antisemitismus wappnen können. Zu diesem Zweck finden allwöchentlich Vorträge usw. statt, die zum größten Teil jüdische Themen, daneben aber auch allgemein wissenschaftliche und kaufmännische Fragen behandeln. Die Arbeit wird sehr erschwert durch den Jndifferentismus, der leider noch in vielen Kreisen Duisburgs in bezug auf jüdische Fragen herrscht; doch ist es dem Verein schon gelungen, eine ganze Reihe junger Leute für seine Ideen zu gewinnen und in ihnen das Selbstbewußtsein zu wecken. o. Frankfurt a. M., 4. März. Der 42. Rechenschaftsbericht der „Achawa" (Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und -Waisen in Deutschland) für das Jahr 1906 ist erschienen. 401 aktive und 1225 Ehrenmitglieder zählt der Verein. Er hat im verflossenen Jahre an 112 emeritierte Lehrer, Lehrerwitwen und -Waisen 24,255 Mark ausbezahlt; er hat an außerordentlichen Unterstützungen außerdem 1877 Mark bewilligt. Die Quote, die noch vor wenigen Jahren zwischen 140 und 150 Mark schwankte, ist auf 180 Mark erhöht worden, und die Verwaltung hofft mit Bestimmtheit, sie in kurzer Zeit auf mindestens 200 Mark zu erhöhen. Das Vermögen der Achawa ist auf rund 300 000 Mark augewachsen. Das allein sind trockene Zahlen; aber sie gewinnen Leben durch die Tatsache, daß unendlich viele Tränen durch die Wohltaten der Achawa getrocknet worden sind, viel Not und Elend gemildert worden ist. Und es muß gesagt werden, daß mindestens die Hälfte alles dessen, was die Achawa leistet, der Frankfurter Gemeinde entstammt. So rühmens- und anerkennenswert solches ist, so muß andererseits mit Bedauern die Tatsache konstatiert werden, daß die anderen Großgemeinden, wie Berlin, Hamburg, Breslau, Posen, Köln, Nürnberg usw., für die Zwecke der Achawa so gut wie gar nichts leisten; nur München macht unter den Großgemeinden eine rühmliche Ausnahme. Und doch wäre es eine Ehrenpflicht auch dieser Gemeinden, die mehr oder minder dadurch so groß geworden, daß die Landgemeinden sich entvölkert haben und infolgedessen ihre Lehrer nicht genügend versorgen können, die Achawa in ihren Leistungen mehr als bisher zu unterstützen. Mit vollem Recht sagt die Verwaltung in ihrem Berichte, „daß von allen Unterstützungskassen in Deutschland die Achawa die einzige ist, die nicht bloß den Lehrern einer einzelnen Provinz, sondern allen jüdischen Lehrern im deutschen Reiche (nebst Luxemburg) — ohne jede Rücksicht auf deren religiöse Parteirichtung — ihre Wohltaten zumeist". * Gesterretch-Nngarn. + Wien, 11. März. Jetzt erfährt man auch etwas Positives über die Wahlbewegung in den Provinzen, vor allem in Galizien, wo sie schon seit Wochen viel lebhafter ist als hierzulande. Dort hat

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