Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228756--63373-3297261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
das zionistische Wahlkomitee nicht weniger als nenn Kandidaten aufgestellt und zwar: Lemberg,3. Bezirk: Dr.M.Braude,—Brody: Dr. Adolf Stand. — Tarnopol: Dr. Isidor Schalit. — Drohobycz: Dr. G. Zipper. — Buczacz: Tr.G. Schmelkes.— Kolomea: Dr. J.THon. — Stryj: Dr.A. Salz. —Bobrka-Zydaczow: Dr.A. Malz. — Brzezany: Dr. S. Nappaport. — Es hat seiner Zeit viel Staub aufgewirbelt, daß eine Bezirkshauptmannschaft und die mährische Statthalterei anläßlich eines speziellen Falles die Ansicht ausgesprochen, daß zum Eintritt in eine Rel igio ns genos senschaft die Anmeldung bei dem Vorsteher oder dem Seelsorger genüge. Ein jüdischer Knltusvorsteher vertrat deuzgegenüber den Standpunkt, eine solche Anmeldung bedinge noch keineswegs die Aufnahme in die Kultusgenossenschaft, sondern bilde nur das Substrat für eine Entscheidung, die auch ablehnend ausfallen könne. Ob man jemanden aufnehmen wolle oder nicht, sei eine ganz interne Angelegenheit der betreffenden Kultusgemeinde'. Das Ministerium hat die Auffassung des Kultusvorstehers akzeptiert, indem es vor einigen Tagen den Auftrag zur Genehmigung der in diesem Sinne abgeänderten Statuten der betreffenden jüdischen Kultusgemeinde erteilte. — In Lemberg hat am 11. d. M. zum erstenmal die oberste Schulbehörde mit den Delegierten der galizischen Großgemeinden und den Lehrern über den Neligionsunterricht beraten und wichtige Beschlüsse in bezug aus die Lehrpläne und die Lehrbücher, sowie eine Anstalt für Religionslehrer und Rabbiner gefaßt. Diese Anstalt wird als Seminar eine Erweiterung des in Lemberg bereits bestehenden Proseminars für die Ausbildung von Religionslehrern an Volksschulen bilden. Um den Absolventen eine feste und passende Stelle an den galizischen Mittelschulen zu schaffen, wird an den Landesuniversitäten eine neue Prüfungsgruppe eingesührt, welche aus Orientalistik als Hauptfach und einer Landessprache oder Geschichte als Nebenfach besteht. Die künftigen israelitischen Religionslehrer werden also im Seminar die jüdischen Vorträge, gleichzeitig aber auf der Universität die zu ihrer Gruppe gehörenden Fächer hören. Ferner wurde eine Reihe von Leitsätzen für den jüdischen Religionsunterricht an den Mittelschulen als Ergebnis einer Enquete aufgestellt. — Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde am 7. d. M. die Petition des Tolnaer Komitats um Gewährung einer Vertretung der jüdischen Religion als solcher im Magnatenhause von allen Parteien als berechtigt anerkannt und der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Von Ash und fern. — Der Kommerzienrat Iulius Martin Fried lander feierte unter allgemeiner Teilnahnre weiter Kreise am 13. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Prof. Dr. Ferdinand Blumenthal, Chefarzt der inneren Abteilung des Israelitischen Krankenheims derAdaß- Iisroel, ist zum Kommandeur des spanischen Ordens Jsabellas der Katholischen ernannt lvorden. — Dem Chirurgen Dr. Eugen Holländer wurde der Titel Professor verliehen. — Der Hypothekenmakler Fritz Lebenstein hat den Roten Adlerordeu IV. Klasse, Geheimer Banrat Emil Rathenau und die Geheimen Kommerzienräte Wilhelm Herz und Isidor Loewe haben das Kommandeurkreuz des belgischen Leopoldordens erhalten. — Der Verein für Arbeitsnachweis hat durch seine Vermittlung im Monat Februar d. I. 211 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 57 Personen vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. — Der in weiten Kreisen bekannte Herr Adolf Eisenberg hier feierte am 10. d. M. seinen 70. Geburtstag in Gesundheit und Frische. — Am 10. d. M. ist im Alter von 39 Jahren hier der Oberlehrer an der 14. Realschule Arnold Pincus nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er unterrichtete an der fünften Religionsschule der jüdischen Gemeinde. — Der Landesgerichtsrat a. D. Dr. Moritz B er Win zu Breslau hat den Kronenorden III. Klaffe erhalten. — Im84.Lebensjahre ist am 10. d. M. in Leipzig der allgemein geachtete Kommerzienrat M o r i'tz Merfeld gestorben. — Gegen den abweisenden Bescheid des Regierungspräsidenten auf den gegen die Wahl eines Ausländers als Repräsentant, in Köln eingelegten Protest ist Beschwerde beim Oberpräsidenten in Koblenz eingelegt worden-upi eine endgültige prinzipielle Entscheidung in der Frage der Wahlberechtigung und der Wahlfähigkeit von Ausländern herbeizuführen. — Wie es heißt, werden alljährlich vor Ostern Mazzes, die ein jüdischer Hosbäckermeister in Darmstadt fabriziert, für den Kaiser vou Rußland bestellt, um auf seine Tafel zu gelangen. Auch in diesem Jahre ist eine solche Bestellung, und zwar von dem Großherzog von Hessen, direkt „für Se. Majestät den Kaiser von Rußland", wie es auf deni Bestellschein heißt, erfolgt. Ferner hat der Großherzog für die Großfürstin Sergius von Rußland und für den Prinzen Heinrich von Preußen einen Auftrag auf Lieferung von Mazzes dem nämlichen Bäckermeister, deni schon seit Jahrzehnten die Lieferungen für den hessischen Hof obliegen, erteilt. — Der Professor der Mathematik an der Technischen Hochschule inDarmstadt, Geheimer Hofrat Dr. Siegmnnd Gundelfinger, ist auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen Verdienste vom Großherzog von Hessen in den Ruhestand versetzt worden. — Professor Dr. Georg Jellinek in Heidelberg, mit dessen Wahl zum Rektor der Universität sich mehrere jüdische Zeitungen in der vorigen Woche beschäftigten, ist seit 1892 nicht mehr Jude. — Dem a. o. Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dr. phil. Alfred Loewh ist ein Lehrauftrag für Versicherungsmathematik erteilt worden. Dr. Loewy (geb. 1873 zu Rawitsch) habilitierte sich 1900 in Freiburg i. Br. für Mathematik. — Nach der letzten Volkszählung leben in Württemberg 12053 Juden, 0,52 Prozent der Gesamtbevölkerung, davon in Stuttgart 3895, in Heilbronn 872, in Ulm 613 und in Laupheim 413. — In Straßburg hat sich in der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultät der Assistent am physikalischen Institut Dr. Leonh. Mandelstam als Privatdozent für das Fach der Physik habilitiert. Dr. Mandelstam ist am 22. April 1879 zu Mohilew in Rußland geboren. — In Ungarn sind 1904 im ganzen 471 Männer und Frauen aus dem Judentum ausgetreten und 74 zum Judentum übergetreten. — Der Bataillonskommandeur Lewy in Paris ist zum Generalstabschef der 13. Infanteriedivision befördert worden. — Wie aus Rom berichtet wird, sollte der Exminister Professor Luzza tti nach Petersburg geschickt werden, um die Unterhandlungen betreffend des neuen Handelsvertrags zu führen. Von Petersburg kam jedoch die Mitteilung, daß Luzzati als Jude dort p6rsona ingrata sei. — Am 10. d. M. ist in Nervi der bekannte Arzt Dr. Josef Weißenberg aus Berlin im 59. Lebensjahre gestorben. Er war im Winter Badearzt in Nervi, im Sommer in Kolberg, wo er irn israelitischen Kurhospital eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. — Das englische Fremdengesetz hat zu seiner Durchführung einen Administrationsapparat erfordert, dessen Kosten sich für das erste Jahr auf ca. 250000 Mark belaufen. Da in diesem Jahre insgesamt 489 Einwanderer als unerwünscht (undesirable) zurnckgewiesen wurden, so ergibt sich, daß auf jeden Zurückgewiesenen im Durchschnitt 470 Mark Kosten kommen. — Der Verband zur Erreichung der Emanzipation für die Juden in Rußland wird leider auseinander gehen, infolge der Spaltung zwischen der Volkspartei (Zionisten) mit dem Historiker Dubuow und der Volksgruppe mit dem Rechtsanwalt Winawer an der Spitze. Es wird eine Generalversammlung einberufen, um das Schicksal des Verbandes zu beschließen. — Das neue russische Gesetz über den sonntägigen Ladenschluß, das die orthodoxen Juden zwingt, zwei Tage in der Woche ihre Läden geschlossen zu halten, hat unter den jüdischen Kaufleuten in Warschau eine starke Erregung hervorgerufen. Es wird beabsichtigt, eine Beschwerdeschrift in dieser Sache an die Duma zu richten, zu welchem Behufe sich bereits eine Kommission gebildet hat, die Unterschriften dafür sammelt. — Jakob H. Schiff hat dem jüdischen Asyl und Altersheim in New Aork ein Geschenk von 50 000 Dollar gemacht, die zur Errichtung eines besonderen Altersheims verwendet werden sollen. Das Institut war ursprünglich nur zur vorübergehenden Aufnahme von Einwanderern bestimmt worden, in den letzten Jahren mußte jedoch auch die Versorgung von alten Leuten damit verbunden werden und zwar in solchem Maßstab, das sich Schiff, einer der Begründer, nunmehr veranlaßt sah, durch du gegenwärtige Stiftung die Trennung der beiden Wohltätigkeitszweigc zu ermöglichen.