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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang. Nr. II Der Berlin, IS. März 1907. Detlsge zur „Allgemetnen Teitung deß Judentumß". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 10. März. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt am 7. d. M. vor einem zahlreichen Publikum Herr Professor Dr. Ludwig Geiger einen sehr interessanten Vortrag über „Die Juden in der deutschen Literatur." Ausgehend vom frühen Mittelalter, wußte der Vortragende alle Beziehungen zwischen Juden und deutscher Literatur bis auf die Gegenwart in den Nahmen seiner fesselnden Darstellung zu spannen, deren Endresultat die Ueberzeugung war, daß die Juden zu allen Zeiten regen Anteil an der Entwicklung der deutschen Nationalliteratur genommen und jederzeit als treue Deutsche sich gefühlt haben. Reicher Beifall folgte als Zustimmung den interessanten Auseinandersetzungen des geschützten Redners. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Königsberg i. Pr. sprach Herr M. Kowner über „Die moderne hebräische Literatur"; in Allenstein Herr Direktor Fra uberger-Düsseldorf über „Jüdische Kunst"; in Danzig Herr Adolf Bnkofzer über „Die Kunst als Mensch und als Jude zu leben"; in Tuchel sprach Dr. Pick-Strasburg über „Uriel Acosta", Dr. Nordheimer-Schwetz über „Optimismus und Pessimismus im Judentnni"; in Grandenz Rechtsanwalt Blumenthal-Culm über „Der Jude im Sprichwort"J in Schwetz Schriftsteller Dr. Ernst Samuel-Berlin über „Leo Tolstoj und dieLehren des Judentums", Dr. Elsaß-Landsberg a. W. über „Das jüdische Familienleben" mit Lichtbildern nach denOppenheimschen Gemälden; in Lissa Justizrat Nürnberg über „Berthold Auerbach", in Würzburg Archivar Dr. Zivie über „Das jüdische Gesamtarchiv", Dr. Kälter-Potsdam über „Die Poesie der Bibel" ) in Bernstadt Prediger Wolsgang über „Spinoza"; in Grünberg Lehrer Hermann, Rezitationsabend; in Cüstrin Dr. Bäh^r- Prenzlau über „Shylock in Sage und Dichtung", Fräulein Elise Haase über „Die Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur"; in Magdeburg Dr. M. Spanier über „Angriffe und Abwehr in alter und neuer Zeit"; in Hamburg Dr. N. Birnbaum-Wien über „Sprache und literarische Anwendung der Ostjuden"; in Dortmund Dr.Jacob über „Bibelübersetzungen"; Dr.Nosenthal-Stargard über „Psalmen in der Weltliteratur"; in Bonn Fräulein Martha Bär- Bielefeld über „Ostjüdische Wanderungen"; A. Kurzmaun-Bonn über „Shakespeares Kaufmann von Venedig", Rabbiner Dr. Kalischer- Bonn über „Die Kabbala", Schriftsteller Sokolow-Kvln über „Die Juden in England"; in Beuel ccuib. phil. Oscherowitz über „Gabriel Rießer"; in Mülheim a. Ruhr Professor Dr. Schmidt über „Rembrandt und die Juden"; in Frankfurt a. M. Professor Dr. Kracaner über „Die Frankfurter Jndengemeinde zur Zeit des 30jährigen Krieges"; in Mannheim Dr. Wilensky-Nokolajeff über „Die Geschichte der Juden in Rußland"; in Kaiserslautern Frau E. Alt sch ul über „Moses Mendelssohn", in Metz Dr. E. Levh- Berlin über „Feminismus und Judentum". s. Berlin, 11. März. In der Februar-Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" hielt Lehrer Kolodzinski einen Vortrag über „Die religiöse Erziehung und Unterweisung taubstummer Kinder. Da der Vortrag in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zum Abdruck gelangen wird, ist ein Referat darüber unnötig. In Anschluß au den Vortrag regte Lehrer Abraham unter Zustimmung des anwesenden Direktors der Israelitischen Taubstummenanstalt zu Weißensee, M. Reich, einen gemeinsamen Besuch dieser Anstalt an, um in getrennten Gruppen einer Erteilung des Religionsunterrichtes auf allen Stufen beizuwohnen. Der Antrag auf Erweiterung des Vorstandes wurde abgelehnt. 8. Berlin, 8. März. Der Bericht des „HilssVereins fürjüdische Studierende" über das Jahr 1906 ist erschienen. Er konstatiert eine Tatsache, die in den Berichten derartiger Vereine selten, wenn nicht geradezu unerhört ist. Die Rückzahlungen im Berichtsjahr haben die bisher noch nie erreichte Summe von 11 853 Mark betragen. Auch Geschenke, immerwährende und neue Mitglieder hat der Verein in diesem Jahre erhalten. Trotzdem aber entsprechen weder Zahlen noch Beitragssummen der neuen Mitglieder dem Verlust, den der Verein durch das Absterben der alten erlitten. Zwar zählt der Verein 685 zahlende Mitglieder, allein die Jahresbeiträge sind von 9160 Mark des Vorjahres aus 8833 Mark herabgesunken. Die Propaganda, die vor einigen Jahren unternommen wurde, hatte leider keinen wesentlichen Erfolg. So ist der Plan, ein Festessen zu veranstalten, um dadurch neue Mitglieder zu gewinnen, auf mehrere Jahre, bis 51t einem Jubiläum, vertagt worden. Aber der Verein hat trotzdem in diesem Jahre ein Jubiläum gefeiert. Die Zahl der seit seinem Bestehen unterstützten Studierenden überschritt in dem Berichtsjahr 2500. Der Hauptverein erhielt 125 Gesuche und bewilligte davon 85, er unterstützte 124 Studierende, der Zweigverein für Gewerbe-, Bau- und Knnstakademiker empfing 31 Gesuche und konnte 20 bewilligen. Im ganzen wurden verteilt 29 360 Mark, gegen 34 650 Mark im Vorjahre. Das Verinögen des Vereins beträgt im ganzen 470 055 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Mendel, Vorsitzender, Justizrat Dr. Veit Simon, stellvertretender Vorsitzender, Prof. Dr. Liebermann, Schriftführer, Justizrat Dr. A. Seligsohn, Stellvertreter, Heinrich Maaß, Schatzmeister, James Simon, Kontrolleur, Dr. Paul Arons, Dr. I. Ginsberg, Negierungsrat Dr. Ernst Magnus, Privatdozent Dr. H. Neumann, Prof. Dr. Schäfer und Prof. Emil Strauß. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Mitgliederzahl dieses Vereins sich bedeutend vergrößert und daß derselbe bei Stiftungen und Testamenten viel mehr als bisher berücksichtigt werde. 8. Berlin, 13. März. Das Komitee für Chanukah- Bescherung dankt allen Spendern, welche ihm die Mittel gewährten, zu Chanukah armen Kommunalschülern die notwendigsten Kleidungsstücke *und Lehrmittel zu bescheren. Das Komitee empfing bar 19 399,64 Mark, außerdem wertvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände. Ferner von Herrn Kommerzienrat Jakob Landsberger 200 Mark, Frau Leopold Friedmann 300 Mark, Frau Louis Sieskind 300 Mark, Frau Julie Neumann 100 Mark, Herrn Salo Cassirer 100 Mark. Die Ausgaben betrugen 21594,97 Mark. 694 Familien mit 1384 Kindern erbaten die Unterstützung, außerdem wurden 13 Kinder abgewiesen. Für die übrigen 1384 Kinder wurde durchschnittlich 15,75 Mark verwendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt. Zur Ausführung der Arbeiten wurden ausschließlich kleine jüdische Handwerker verwendet, sv daß denselben dadurch vielfach ihr Fortkommen erleichtert wurde. 8. Berlin,!2. Mürz. Ein interessanter Entscheid des Kammergerichts geht jetzt durch die Tagesblätter. Als der jüdische Kaufmann M. vor einiger Zeit starb, hinterließ er eine evangelische Frau und zwei Kinder, welche mit dem Einverständnis des Ehemanns M. evangelisch getauft waren.' Als die älteste Tochter das schulpflichtige Alter erreicht hatte, bat die Mutter das Vormundschastsgericht nur die Erlaubnis, ihre Tochter in der christlichen Religion erziehen zu dürfen. Die Mutter betonte, daß ihr Ehemann gewünscht habe, die Kinder sollten in der christlichen Religion erzogen werden. Das Amtsgericht und Landgericht waren aber der Ansicht, daß die Kinder in der jüdischen Religion zu erziehen seien, welcher der Vater angehört hatte. Aus die Beschwerde des evangelischen Geistlichen entschied das Kammergericht, daß die beiden Kinder, welche mit Zustimmung beider Eltern getauft waren, bis zum 14. Lebensjahre in der christlichen Religion zu erziehen seien. In der Begründung wurde n. a. ausgesührt: Noch im Jahre 1854 habe das Obertribunal angenommen, daß eine Ehe zwischen Christen und Inden gesetzlich verboten sei, wie aus 8 36 II, I des Allgemeinen Landrechts gefolgert werden müsse. Die Vorschriften der Deklaration betreffend beit Kindern aus

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