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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 besonders hervorznheben das Buch „More be-Ezba“ (Ein Fingerzeig), eine wertvolle Abhandlung über die jüdische Liturgie, die zwar mehreremal erschienen ist, aber keineswegs die verdiente Beachtung gefunden hat. Es mag noch erwähnt werden, daß wir Asnlä; auch die Kenntnis einiger kleiner talmudischen Traktate verdanken, die in dein talmudischen Kanon nicht ausgenommen worden waren.und deshalb später unbekannt blieben. Es ist hier nicht der Ort, Asuläls Verdienste um die hebräische Bücherkunde ausführlich zu würdigen. Vielleicht geschieht dies bei anderer Gelegenheit. Aber jedenfalls sollte der 100. Sterbetag des vielseitigen Gelehrten und Begründers der wissenschaftlichen hebräischen Bibliographie nicht vorübergehen, ohne daß sein Name der jüdische» Leserwelt in dankbarer Erinnerung gebracht werde. Am 21. März 1807 ist er in j Livorno mitten unter seinen gelehrten Arbeiten gestorben. Er hinterlies; handschriftlich eine ausführliche Selbstbiographie, \ die zweifellos, wenn sie aufgefunden und veröffentlicht würde, j von großen; Interesse wäre.! Dir Juden in MeMmen.! Von Albert Katz. > I. er zählt den Staub Jakobs und mißt die Lagerstätte i Israels? An dieses alte Wort des heidnischen Pro-! pheten muß man unwillkürlich denken, wenn man die Berichte über die in Abessinien versprengten Glieder des jüdischen Stammes liest. Denn es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr,; daß die im Reiche des Negus lebenden Falascha, deren Seelenj zähl auf zirka 200000 geschätzt wird, kein hamitischer, den! Abessiniern nähe verwandter Volksstamm, wie christliche! Forschungsreisende behaupten, sondern echte Juden sind, die,! >vie alle anderen Juden der Welt, zum einig-einzigen Gotte! beten und das Vermächtnis der Väter heilig halten. > Von wo und um welche Zeit die Falascha in Abessinien s eiugewandert sind, ist nicht zu ermitteln. Man. ist hier ledig-! lich auf die unter den Falascha und den abessinischen Christen! lebenden Traditionen angewiesen, die schon ihres legendenhaften Charakters wegen nur mit größter Vorsicht auf-! zunehmen sind. Unter den Falascha selbst herrschen über diesen Punkt zwei Ansichten. Ein Teil derselben schließt sich der Meinung der abessiuischen Christen an und schenkt vollen Glauben der Sage von der Verbindung der Königin von Saba mit dem König Salomo, aus der Menelik hervorgegangei; sei, der seine Ausbildung in Jerusalem genossen Hütte und später aus politischen Gründen von Salomo zum König von Aethiopien ernannt worden nnd in Begleitung einer großen Anzahl > Juden dorthin gewandert wäre, die sich dann mit eingeborenen Frauen verheiratet hätten. j Die zweite unter den Falascha vorherrschende Meinung! ist, daß ihre Urväter als Flüchtlinge von der assyrischen bis i zur babylonischen Gefangenschaft nach Aegypten entkomureu, von da nilaufwärts gegangen wären nnd sich schließlich im westlichen Teil von Abessinien, in der Provinz Ouara, angesiedelt Hütten. Bon dort aus hättei; sie sich in späteren Jahrhunderten auch in die Provinzen Dembea,Tschelga, Wogera, Semien usw. verbreitet. Für diese Ansicht sprechen zwei Momente: Erstens, die Falascha wohnen in der Mehrzahl noch bis heute in der Provinz Ouara, und auch die in dei; anderen Provinzei; sprechen das Quara-Jdiom, und zweitens, sie habe»; keine Kenntnis von der Existenz des Talinuds, weder vom babylonischen noch vom jerusalemischen, wissen nichts von Chanuka und Purim und nichts von Gebetriemen und den meisten anderen rabbinischer; Vorschriften. Soviel aber ist gewiß, daß zur Zeit als das Christentum durch Frumentius im Jahre 326 der üblichen Zeitrechnung in Abessinien eingeführt wurde, schon Juden dort waren, die den Orit (das Gesetz Mose) hatten und hielten. „Damals regierten," wie der bekannte Missionar Flad in seiner 1869 in Basel erschienenen Schrift „Kurze Schilderung der abessinischen Juden" aus einen; alten äthiopischen Manuskript mitteilt, „die äthiopischen Könige in Axum. Die Bewohner des Landes bestanden damals zur Hälfte aus Jude;;, die den „Orit" hielten, und zur Hälfte aus Anbetern des Sando, des Drachens. Der Name Falascha (Verbannte) ist den Juden beigelegt worden, als sie wegen ihrer Weigerung, das Christentum anzunehmen, von einen; christlichen Kaiser nach Ouara verbannt wurden." Die abessinische Geschichte schweigt von den; Ergehen der Juden, nachdem das Christentum zur Herrschaft gelangt war. Die Traditionen aber sagen, „daß die Falascha dainals die Provinz Ouara, Teile der Provinzen Alafa und Tankel bewohnt, ihre eigenen regierenden Fürsten gehabt hütteil') und um das Jahr 1000 nach Christi Geburt so mächtig gelvesei; wären, daß sie damals das westliche Abessinien an sich gerissen, die Christen verjagt und versucht Hütten, das Christentum gänzlich auszurotten. Ja, sie hättei; sogar auch die königliche Fanülie verjagt, die sich nach Schon flüchtete und sich dort 200 Jahre erhielt, bis endlich im 13. Jahrhundert Jecuna Amlak wieder den Thron seiner Väter eroberte. Nun hätten die Christei; den Falascha mit gleicher Münze heimgezahlt, viele Tausende ermordet und die übrigen i;ach Ouara und Tschelga zurück vertrieben und dem christlichen Kaiser von Abessinien tributpflichtig gemacht. Doch schon nach kurzer Zeit wurden die Handwerker unter ihnen von den christlichen Königen wieder herbeigeholt und für ihre Dienste gut belohnt. So ka»; es, daß bald vvi; neuem in Semien und in der Nähe von Gondar Falascha - Dörfer entstanden." Indessen ist es nicht ausgeschlossen, daß Juden auch über Arabien und das Rote Meer nach Abessinien einwanderten nild sich in Arun; iüederließen. Diese Annahme verdichtet sich zu einer Gewißheit bei Gerhard Rohlfs, der in seinem Reisebericht „Meine Mission nach Afrika" (Leipzig 1883) bemerkt: „Nimmt man an, daß alle Abessinier ursprünglich aus Arabien stammen, daß sie dort schon in frühester Zeit den mosaischen Glaubei; annahinell, hierauf nach Afrika, nach ihrem jetzigen Stammlande Abessinien zogen und daselbst wohnen blieben, daß also sämtliche Abessinier einst jüdischen oder, besser gesagt, mosaischen Glaubens ivaren, daß die Mehrzahl derselben in; vierten Jahrhundert zur christlichen Lehre übertrat, dann haben wir die einfache Lösung über Herkunft und Abstanunung jenes interessanten jüdischen Bruchteils." Fast übereinstimmend berichten alle Reisenden, daß die abessinischen Christen in; Hause wie beim Gottesdienst viele jüdische Gebräuche beobachten und daß auch ihr Charakter jüdisches Gepräge trägt, allerdings nur dessen Schattenseiten. „Noch in; Jahre 1863," erzählt Flad, „ließ Kaiser Theodoros von Abessinien auf öffentlichen; Richtplatz bei Gondar vor einer große;; Versammlung von ') Dieser Bericht bestätigt die Angaben des Daniten Etdad bei; Machli, der um 890 von einen; selbständigen jüdischen Staate in Aethiopien berichtete.

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