Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228755--63354-3297241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

iyvnnffurt a. 9)1.: In Süddcutschland habe der Verein aucf) einen sehr schweren Kamps gehabt. Die Mitglieder in Süddeutschland haben jedoch keinerlei Konzessionen gemacht; sie haben das ernste Bestreben, die Grundsätze des Vereins vollkommen zürn Ausdruck zu bringen. Abgeordneter Dr. Eickhoff bemerkt, daß nicht nur unter Freisinnigen, sondern auch unter den Sozialdemokraten Antisemitismus herrsche. Täglich fast müsse er sich im Reichstage gegen antisemitische Jnvektiven, die aus den Reihen der Sozialdemokraten kommen, wehren. Noch heute habe ein sozialdemokratischer Abgeordneter, der einen Berliner Wahlkreis vertrete, eine antisemitische Beschimpfung ausgestoßen. An der weiteren Debatte beteiligten sich Bankkassierer Iaffe, Tr. Heimann, Dr. Friedmann. Zum Schluß bemerkte Dr. Barth, das Fazit der Besprechung sei jedenfalls, daß der Verein seine Grundsätze ausrechterhalten müsse. Die Regierung wolle ja dem Vernehmen nach liberale Bahnen wandeln. Der Reichskanzler soll sein liberales Herz entdeckt haben; nun möge er den Beweis liefern, daß das wahr ist und die konfessionelle Gleichberechtigung mit vollem Nachdruck vertreten. Wenn dies geschehe, dann werde man sehen, daß bei der Negierung wirklich liberale Neigungen vorhanden sind. Damit schloß die Generalversammlung. s. Berlin, 4. März. Am 3. d. M. fand eine Sitzung des Zentralkomitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden hier statt. In dieser wurde der Geschäftsbericht, der den sämtlichen Mitgliedern bereits Vorgelegen hatte, genehmigt. An die Sitzung schloß sich die Generalversammlung der Mitglieder des Hilfsvereins der Deutschen Inden. Herr James Sinron gedachte zunächst der Verstorbenen, und zu Ehren jener verstorbenen Mitglieder, die sich dem Hilfsverein der Deutschen Juden in aufopferndster Weise gewidmet haben, erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen. Der Vorsitzende dankte darauf der großen Anzahl ehrenamtlicher Mitglieder, die im ganzen Deutschen Reich dem Hilfsverein ihre Dienste zur Verfügung stellen, und erstattete sodann den Geschäftsbericht. Ueber die Lage in Rußland sprach Herr Dr. Nathan, den Kassenbericht trug Herr Dr. Ellstätter vor. Der Geschäftsbericht wurde daraus seitens der Versammlung genehmigt und Entlastung für die Verwaltung erteilt. Herr Schwarz-Berlin bat die Anwesenden, sich zum Zeichen der Dankbarkeit für die Geschäftsführung von den Sitzen zu erheben. Das geschah. Die Generalversammlung wurde daraus geschlossen. Nunmehr leitete Privatdozent Dr. Mittwoch mit einigen einführenden Worten über die Falaschas einen Vortrag von Tr. I. Faitlowitsch aus Paris über dasselbe Thema ein. Dr. Faitlowitsch ist 18 Monate in Abessinien gewesen und war daher in der Lage, auf Grund persönlicher Anschauungen über die Falaschas, diesen versprengten Stanun des Judentums. Bericht zu erstatten. Er schloß seinen interessanten Vortrag mit der Bitte, daß die Juden der zivilisierten Welt sich der Falaschas annehmen mögen. Herr James Simon konnte feststellen, daß seitens des Hilfsvereins der Deutschen Juden bereits ein Betrag bewilligt worden ist, zu dem Zwecke, junge Falaschas in Jerusalem der Segnungen moderner Erziehung teilhaftig werden zu lassen. Der Schluß der Sitzung fand um 1 Uhr statt. In der nächsten Nummer werden wir einen kurzen Auszug des Geschäftsberichts geben, der von der Generalversammlung genehmigt worden ist. £ü2 Berlin, 5. Mürz. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund veranstaltet auch in diesem Jahre hier, und zwar sogleich nach Beendigung des Pessach-Festes, einen Fortbildungskursus für Kantoren, unter Leitung derselben beiden Herren, welche in den früheren Kursen den Unterricht erteilt haben: des Musikdirektors Hauptkantor Friedmann für das speziell liturgische Fach, und des Professors William Wolf für das allgemein musikalische: Theorie, Gesangsvortragslehre und alles damit Zusammenhängende. Sowohl die erzielten Erfolge als auch das immer von neuem hervortretende Bedürfnis nach Erweiterung und Vertiefung der Kenntnisse junger Kantoren und Kantoratskandidaten haben die Fortführung dieser Kurse als wünschenwert erwiesen. Das heutige Kantorat erfordert in gleichem Maße eine gründliche und umfassende Bekanntschaft mit den alten traditionellen Singweisen wie anderseits eine musiktheoretische Schulung zur Beherrschung und zum kunstgerechten Vortrag der liturgischen Gesänge; an beiden mangelt es den jungen Vertretern des Kantorensaches oft in erheblichem Grade. Was in den drei Monaten, die für den Kursus bestimmt sind — in diese", i Jahre vom Montag, den 8. April bis zum Beginn der Sonnnerferie i — bei hingebendem Fleiße der Teilnehmer erlernt werden kam, macht zwar nicht den ganzen Umfang des zu Erlernenden aus, b greift aber einen sehr bedeutenden Teil desselben in sich, und vrc allem: es legt die sichern Fundamente und gibt die rechte Anweisuu; zum weitern Selbststudium, das alsdann in verhältnismäßig kurz, Zeit zu vollbesriedigenden Resultaten führen kann. Wer an dem Kurst teilzunehmen wünscht (er ist unentgeltlich), möge sich, an den An schuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes (Berlin W. 3 , Steglitzerstratze 85) wenden, und zwar baldmöglich, damit d e nötigen Verabredungen und Vorbereitungen zeitig getroffen werfrn können. x Atterrsteiri, 1. März. Der Bau des jüdischen Alter heims und Siechenhauses für Ostpreußen, das hier in frr Liebstädterstraße errichtet wird, macht rege Fortschritte, ' > daß voraussichtlich im Juni 1907 die Einweihung des Hauses wir erfolgen können. Eine wesentliche Förderung hat das Unternehme > durch die großherzige Stiftung von 10 000 Mark seitens der Fra i Geheimrat Becker-Berlin erfahren. Außerdem sind alle Gemeinden Ostpreußens, selbst die kleinsten, überaus opferwillig gewesen, und e wird auch jetzt noch immer dafür sowohl in unserer Provinz als aru außerhalb für den guten Zweck gesammelt. Spenden nehmen fort gesetzt an: Dr. Olitzki, Dr. Kamnitzer und Kaufmann Woythalet sämtlich in Allenstein. m. Gnesen, 3. März. Rabbiner Dr. Jakobsohn feierte an 24. v. M. sein 25 jähriges Amtsjubiläum, an welchem dem Jubila viele Ehren erwiesen wurden. Der Jubilar hielt während der Ar. dacht eine Ansprache, in der er für die ihm erwiesenen Ehren dankte Nach dem Gottesdienst gratulierten dem Jubilar der Vorstand un die Repräsentanten der Synagogengemeinde, der Brüderverein un ' andere mehr. Stadlrat Gymkiewicz hielt eine Ansprache im Namen fr Gemeinde. Kommissionsrat Strantz im Namen des Talmud-Thoraverein , Herr Deutschmann im Namen des Brüdervereins, Herr Bernhat ) Cohn im Namen des Armenvereins und Herr Moritz Neufeld ii Namen des Humanitätsvereins. Der Jubilar bedachte aus Anla seines Jubiläums die Armen der Stadt Gnesen und auch die Ärme l seiner Vaterstadt Schrimm. M. Hamburg, 4. März. In der letzten Versammlung de- Repräsenta ntenkolle giums der Deutsch-Israelitische Gemeinde stellte Herr Alex Levy den Antrag, den Gemeindevorstan zu ersuchen, die Einigungsverhandlungen zwischen dem Synagoge! verband und der Verwaltung der neuen Dammtor-Synagog (Cenedrestraße) wieder aufzunehmen. Der Antragsteller weist auf d' in früheren Jahren stattgehabten Verhandlungen hin, fr. nicht abgebrochen, sondern nur vertagt worden seien. E' gelangte schließlich folgende Resolution zur Annahme: „Dc- Repräsentantenkollegium bittet den Gemeindevorstand, wenn sich frc Vorstände des Synagogenverbandes und der Neuen Dammto Synagoge um Wiederaufnahme der Einigungsverhandlungen an ih i wenden sollten, die Vermittlung zu übernehmen." Ein Antrag fr Gemeindevorstandes, den fest angestellten Lehrerinnen der Israelitische i Töchterschule für das Jahr 1907 eine Teuerungszulage von 200 MaU und allen Lehrern eine solche in Höhe eines Monatsgehaltes, und fr Oberlehrerin eine solche von 400 Mark, insgesamt eine Teuerung zulage von 4562 Mark zu bewilligen, wird einer dreigliedrige - Kommission überwiesen. — Bei den letzten Wahlen zur halbschichtige: Erneuerung der Hamburger Bürgerschaft haben die Antisemiten eil) schwere Niederlage erlitten. Trotz des neuen Wahlgesetzes, welche selbst den Minoritäten einzelne Mandate zuwendet, hat die sogenann e „Wirtschaftliche Vereinigung" nur ein Mandat errungen. Die beide! Hauptführer, Friedr. Raab und Wilhelm Schade, sind trotz eifrigste Agitation glänzend unterlegen. Die Zahl der Stimmen ist bedeutet ) zurückgegangen. Die Antisemiten rechneten durch das neue Wal - gesetz mindestens sechs Vertreter in die Bürgerschaft zu entsende:, nun dieser glänzende Durchfall! Das gewählte Mitglied der ^Wirtschaftlichen Vereinigung", Herr Justus Pathe (Buchhändler) gab an li die Versicherung ab. daß er dem Antisemitismus feindlich gegenübe - stehe. (?) Jedenfalls haben die Bürgerschaftswahlen gezeigt, daß in Hamburg der Antisemitismus ausgespielt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.