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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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114 Eduard, 30 Jahre alt, ebendaselbst eingeborener Polizist. Der Vater, ein Engländer, besaß die Farm Lilienfontein in der Kapkolonie, die Mutter war eine Hottentottin." lieber die Art, wie die Religion auf diese Leute eingewirkt hat, findet sich auf Seite 7 eine interessante Bemerkung: „Es sollte sich indessen bald zeigen, daß er (Hendrik Witboi) eben alle schlechten Eigenschaften seiner Rasse, ihre Doppelzüngigkeit, ihren Dünkel, ihre religiöse Heuchelei, die sie das äußerlich angenommene Christentum geschickt zur Entschuldigung ihrer Untaten benutzen ließ, und vor allem ihre unbezwinglichc Raubsucht auch im Alter noch besaß." Wer aber ist Samuel Isaak? Es ist einer von den Hvttentotten-Großleuten, die nach ihrer Gefangennahme mit ihren Aussagen das Bild der Ereignisse vervollständigteil und belebten. Woher weiß nun Samuel Isaak etwas von der Juden angst? Man wäre fast geneigt zu glauben, daß dieser Mann mit dem jüdischen Namen solche Wissenschaft aus dem Religionsunterricht gewonnen hat. Jedenfalls hat er in seinem Leben kaum einen Juden gesehen und sicherlich keinen ängstlichen. Ich weiß nicht, wieviel Juden in Südweft mitgekämpst haben. Nur aus der Art der Namen in der Verlustliste kann man nicht schließen. Ich weiß nur zufällig, daß der hoffnungsvolle Sohn jüdischer Eltern hier aus der Nachbarschaft im Gefecht bei Owikokorero gefallen ist. (Heft l, S. 228.) Er war Leutnant der Reserve, bayerischer natürlich. Judenangst? Das Wort macht sich häßlich in diesem Zusammenhang. Vielleicht ist Samuel Isaak ein feinfühlender Mail«, er hat ja gelviß noch „heidnische" Verwandte, und er ist ja wohl auch selbst noch ein junger Christ — da hat er rücksichtsvoll und stolz nicht „Heidenangst" gesagt. Er ist vielleicht auch schon so kultiviert, daß er weiß, den Juden darf man iinmer zum Sündenbock machen. Oder hat am Ende Isaak das Work überhaupt nicht gesagt? Ist es nur der eingeschmuggelte feine Witz des Dolmetschers? Ich weiß es nicht. Am liebsten möchte ich annehmen dürfen, es wäre ein Druckfehler. Es ist ein Druckfehler im Generalstabswerk. Amorrsttätsprokelluren kür Milche Theologie. Ein Vortrag von Dr. I. Ziegler-Karlsbad. II. at das deutsche Judentum ein Recht, die Forderuilg von Professuren für jüdische Wissenschaft an den Staat als den Eigentümer und Herrn der Universitäten zu stellen? Da müssen wir wohl vorerst orientiert sein über die Aufgabe der deutschen Universitäten. Lassen wir die Autoritäten sprechen. In den Statuten der Berliner Universität wird die Aufgabe des Institutes mit folgenden Worten präzisiert: „Die allgemeine und besondere wissenschaftliche Bildung gehörig vorbereiteter Jünglinge durch Vorlesungen lind andere akademische Uebungen fortzusetzen." Dieses grundlegende Prinzip wird auch von Paulsen aufrechterhalten. „Die deutsche Universität," so läßt er sich in seinem instruktiven Werke über die deutschen Universitäteli aus, „ist zugleich Werkstätte der wissenschaftlichen Forschung und Anstalt für den höchsten wissenschaftlichen Unterricht, und zwar sowohl für den allgemein wissenschaftlichen, als den fachwisfenschastlichen und beruflichen Unterricht" (a. a. O. S. 4). „Die Universität ist eine Anstalt für freie Wahrheitsforschung, die keine Grenze der Kirche und des Staatsgebietes kennt" (a. a. O. S. 65). Auch der amerikanische Professor Perry hebt in erster Reihe diese Bedeutung der deutschen Universitäten hervor: „Es ist der Ruhm Deutschlands," sagt er, „deutlicher als alle anderen Völker eingesehen zu habe», daß die höchste wissenschaftliche Bildung nicht zu gut ist für diejenigen, die in den öffentlichen Dienst treten" (a. a. O. S. 392). Die überragende Stellung der deutschen Universitäten liegt sonach gerade darin, daß sie die studierende Jugend nicht nur zu einem Berlife erzieht, sondern ihr allgemeine Bildung und dadurch ein höheres geistiges Niveau, eine Welt- und Lebeilsarrschauung geben will. Nie wären die deutschen Universitäten das geistige Kleinod ihres Volkes ohne dieses Ideal geworden, und je fester sie an diesem Prinzipe festhalten, um so enger bleibt der Kontakt der Nation mit ihren höchsten Bildungsanstalten. Nun frage ich: Gehört Kenntriis des Judentums nicht zur allgemeinen Bildung in Deutschland? Sollte sie nicht dazu gehören? Gibt es überhaupt etwas, worüber gebildete Christen und Juden schlechter, falscher informiert wären, als Juden und Judentum? Wie schlimm es bezüglich der wesentlichen Grundzüge unserer Religioir bestellt ist, habe ich schon erörtert: ergeht es uns besser mit unserer wirtschaftlichen Geschichte, mit der Vorstellung unserer Tätigkeit auf allen anderen Gebiete» des nationalen Lebens? Den: Christen summiert sich die Geschichte der Juden bis zum Jahre 1848 in dem Worte Wucher, dem Juden in dem Worte Martyrium; mehr weiß gewöhnlich nicht der eine, nicht der andere. Und doch gäbe cs da ein Forschungsfeld, das auf Generationen hinaus reiche, lohnende, dankbare Arbeit erschließen würde. Wenn daher die deutsche Universität wirklich den Zweck hat, dein deutschen Volke nicht allein Berufsmänner, Mediziner, Juristen, Lehrer heranzubilden, sondern auch seiner geistigen Elite allgemeine Bildung zu geben, ist das Fehlen der jüdischen Theologie ein offenkundiger Mangel. Wenn Paulsen das Bestehen der katholischen Fakultäten an den preußischen Universitäten mit den Worten verteidigt: „Um die Erkenntnis der Wirklichkeit willen, in der wir leben, können wir auch nicht wünschen, daß ein so wichtiges Stück unseres Volkslebens, als es nun einmal der Katholizismus ist und nach menschlichem Ermessen auch bleiben wird, auf der Universität, im Zentrum unseres geistig-wissenschaftlichen Lebens, überhaupt nicht vertreten sei" (a. a. O. S. 186), — gilt nicht dasselbe auch für das Judentum? Wir wollen uns gewiß nicht mit der Bedeutung der Millionen Katholiken messen, aber so ilull sind wir den» doch nicht, daß es dem Staate ganz Hekuba sein dürfte, ob wahre oder unwahre Urteile über uns gerade in die höchsten und angesehensten Kreise der christlichen Bevölkerung eindringen. Sowohl die Juden als auch die Christen haben das gute Recht zu verlangen, daß Religion und Geschichte einer Gesamtheit, die eine so wichtige Rolle im Leben der Nation .spielt, an den Universitäten ihren Platz habe. Die an den Universitäten studierende jüdische Jugend zeigt einen sehr ansehnliche!'. Prozentsatz der gesamten Studentenschaft; hat diese Jugend nicht das Recht zu fordern, sich an den Universitäten ebenso über ihre Religion Aufklärung verschaffen zu können, wie ee die protestantische und katholische zu tun in der Lage ist: Wenn schon der Mangel einer kirchlichen Organisation eine jüdisch-theologische Fakultät unmöglich macht, muß ein Lehr stuhl für jüdische Theologie in die philosophische Fakultät eingereiht werden, deren besondere Aufgabe ja der allgemein wissenschaftliche Unterricht ist. Der moralische Wert dieser geistigen Schöpfungen, ihr Wert für die Erstarkung unserer Gleichberechtigung im Belvrißtsein der christlichell Mitbürger, für die Entwicklung

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