Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Sammlung in einer Stiftung erhalten und diese der jüdischen Gemeinde zu Berlin anvertraut. So werden die Früchte seines Fleißes der Wissenschaft des Judentums und damit der Liebe zum Judentum zugute kommen. In der Hauptstadt des Reiches werden sie im Anschluß an die dortige große Gemeindebibliothek den Grundstock eines jüdischen Museums bilden. Das Leichenbegängnis des seltenen Mannes fand gestern Vormittag statt. In der Friedhofskapelle zeichnete Rabbiner Dr. Winter in wirksamen Worten ein Lebensbild des Entschlafenen, seine hervorragende Bedeutung nach allen Seiten beleuchtend. Im Trauerbause sprach Bibliothekar Tr. Stern aus Berlin im Aufträge des dortigen Gemeindevorstandes. Für sich und seine Nachfolger gelobte er, das der Berliner Gemeinde anvertraute Gut zu bewahren und zu pflegen, damit es, dem Willen des Erblassers entsprechend, dem Zudentume zum Segen gereiche. Köln, 18. Februar. Auf eine Beschwerde betr. das Wahlrecht der Ausländer bei jüdischen Gemein dewahleü hat der Regierungspräsident folgenden Bescheid gegeben: „Ihre Beschwerde vom 15. Dezember 1906 gegen die am 10. und 11. Dezember 1906 vorgeuommenen Repräsentantenwahlen durch die zur dritten Wählerklasse gehörenden Mitglieder der hiesigen Shuagogengemeinde vermag ich als begründet nicht anzuerkennen. Es wird von dem Vorstande der Synagogengemeinde zwar nicht in Abrede gestellt, daß der zum Repräsentanten gewählte Herr Mar Goldreich Ausländer ist und daß zahlreiche Ausländer sich an der Wahl als Wähler beteiligt haben.; Dieses Verfahren steht jedoch mit den von Ihnen hervorgehobenen gej schlichen und statutarischen Bestimmungen nicht im Widerspruche. Vielmehr sind nach § 2 des Gemeindestatuts alle innerhalb des im § 1 angegebenen Bezirks wohnenden Juden insofern Mitglieder der Synagogengemeiude, als sie Mitglieder ihrer politischen Wohnsitzgemeinde sind. Die Zugehörigkeit zur Stadtgemeinde Köln — die im vorliegenden Falle allein in Betracht kommt — ist aber nach 8 8 der Städteordnnug für die Nheiuprovinz lediglich von der Begründung des Wohnsitzes in dem Stadtbezirke abhängig. Einen Wohnsitz in Köln können zweifellos auch Ausländer begründen. Ausländische ' Juden werden demnach durch Begründung des Wohnsitzes in dem Stadtbezirke Köln gleichfalls Mitglieder der Synagogengemeiude. Als solche sind sie aber nicht nur nach 8 4 des Statuts beitragspflichtig, sondern zugleich nach Maßgabe der §§ 21 und 22 des Statuts aktiv und Passiv wahlberechtigt. Gegenteilige Vorschriften für Ausländer sind weder im Gesetz über die Verhältnisse der Juden, noch in dem Statut der Synagogengemeiude Köln vorgesehen. Ihre Beschwerde wird deshalb hiermit als unbegründet zurückgewiesen. I. V.: gez. Fink." — Gießen, 10. Februar. Die israelitische Religionsgemeinde zu Bad Nauheim hatte die Inhaber dreier Frankfurter Firmen, die sämtlich zu Bad Nauheim während der Saison offene Ladengeschäfte betreibenf mit einem Einzugsgeld von je 100 Mark herangezogeu, und zwar auf Grund des § 1 ihrer Statuten, wonach „jeder auswärtige oder vorübergehend in Nauheim ansässige israelitische Geschäftsinhaber, der i.n Bad Nauheim während der Saison ein Geschäft betreibt oder durch angestelltes Personal betreiben läßt, einerlei, ob der Wohnsitz des Geschäftsinhabers in Bad Nauheim oder auswärts sich befindet", mit einem solchen Einzugsgeld herangezogeu werden kann. Die Firmeninhaber bezahlten zwar die Beträge, um der Zwangsvollstreckung aus dem Wege zu gehen, ließen aber gleichzeitig bei dem Kreisausschuß des Kreises Friedberg Klage auf Rückzahlung und Befreiung von derartigen Beiträgen einreicheu. Der Kreisausschuß wies die Klage mangels Zuständigkeit ab. Gegen diese Entscheidung rekurrierte der Vertreter der Kläger an den Provinzialausschuß. Dieser entschied nun, daß der Rekurs als unbegründet kostenfällig abzuweisen sei. Frankfurt a. M., 19. Februar. Die entfcf»e Kouserenzgemeinschaft der Alliance Israülite Universelle hat heute unter dem Vorsitz der Herren Geheimrat Goldberger-Berlin und Charles L. Haltgarten-Frankfnrt a. AI. im Saal der Frankfurt-Loge ihre vierte Tagung abgehalten, die aus allen Gauen des Reiches besucht war. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war der von Herrn Geheimrat Goldberger erstattete Recheuschasts- und Arbeitsbericht des Präsidiums für das Jahr 1906. Der Berichterstattung, die das Aufblühen der Alliance in allen Teilen Deutschlands, die Erweiterung ihres gesamten Arbeitsfeldes, die Ausgestaltung ihrer Tätigkeit im Geiste ihrer Stifter konstatierte, ging die Verlesung einiger Briefe voraus, die von den Nestoren der Alliance eingegangen waren. Präsident Leven in Paris, Sanitütsrat Dr. Neumann in Berlin, I. M. Bielefeld in Mannheim — dieser hat an der Wiege der Alliance gestanden — begrüßten die Deutsche Konferenzgemeinschaft in: Geiste der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit und der unzerstörbaren Eintracht. Die Begrüßungsschreiben wurden telegraphisch erwidert. Mit ehrender Teilnahme wurde der dahingegangenen Freunde gedacht, namentlich des jüngst Heimgegangenen Ehrenmitgliedes des Zentralkomitees, Direktor Dr. Baerwald. — Der Gesamtbericht des Präsidiums wurde durch die Einzelberichte der Vorsitzenden der Bezirks- und Landeskomitees ergänzt. Der Arbeitsplan für das Jahr 1907, den der Vorsitzende entwickelte, fand allgemeine Zustimmung. Ferner wurde als einhelliger Ausdruck der Wünsche und des Willens der Deutschen Konferenzgemeinschaft festgestellt, daß die Organisation der Deutschen Konferenzgemeinschaft im Deutschen Bureau, Berlin, endgültig zu zentralisieren ist, damit die einheitliche Tätigkeit überall desto kräftiger einsetzen könne. Die von der Deutschen Konferenzgemeinschaft nach Paris zu richtenden Anträge hatten die Attianceschulen und die Ausbildung der künftigen Allianceschullehrer zum Gegenstand. Das Zentralkomitee hatte bereits Ende vorigen Jahres beschlossen, in Zukunft eine Anzahl von dem Lehrerseminar in Paris ausgebildeten künftigen Lehrern der Allianceschuleu zur Erlernung der deutschen Sprache für einige Zeit nach Deutschland zu senden. Die neuen Wünsche gehen dahin, daß der deutsche Sprachunterricht weiterhin ausgedehnt und da, wo er noch nicht erteilt wird, aber ein Bedürfnis hierfür vorliegt, eingesührt werde. Das gilt besonders für die Allianceschulen in Marokko. Eine andere Forderung geht dahin, daß namentlich für ben deutschen Sprachunterricht geeignete Lehrkräfte nach dem Vorschlag des Präsidiums der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle an gestellt werden sollen. Endlich wurde vorgeschlagen, das Zentralkomitee der Alliance Israelite Universelle möchte darauf Bedacht nehmen, allmählich die Ausbildung einiger Allianceschullehrer in Deutschland 311 bewirken. Zu allseitiger Befriedigung wurde festgestellt, daß die Anhängerfchaft der Alliance in Deutschland während der letzten Jahre eine Zunahme erfahren hat wie noch nie zuvor, daß die Zahl ihrer Mitglieder größer ist, als sie je gewesen, weit größer als irgend eine jüdische Vereinigung besessen hat oder besitzt. Alan war einig darin, immer und überall den universellen Charakter der Alliance und ihre Einheitlichkeit zu betonen und mit anderen Hilfsorganisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, freundliches, auf Zusammenarbeiten gerichtetes Einvernehmen zu pflegen. e. Nürnberg, 19. Februar. Am 10. d. M. fand hier ein Tr auergottesdienst siir den vereinigten Rabbiner Dr. Bernhard Ziemlich in der Synagoge statt. Derselbe gestaltete sich zu einem Trauertage für unseren unvergeßlichen Seelsorger, dessen Andenken bei uns niemals erlöschen lvird. Kein Plätzchen des großen Gotteshauses blieb unbesetzt. Der Rabbinatsveriveser, Herr Dr. Chone, schilderte in einer ausgezeichneten Predigt die hohen Verdienste unseres geistigen Führers, womit er alle Zuhörer sichtbar zur Rührung brachte. Trauergesänge und das Kadisch schlossen die Feier. — In der gestrigen Sitzung des Armen Pflegschaftsrats widmete vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsitzende Rechtsrat Fteischmanil dem verstorbenen Mitgliede des Armenpflegschaftsrats Rabbiner Dr. Ziemlich einen Nachruf, in lvelchem er hervorhob, daß der Verstorbene bei allen, welche mit ihm iit Berührung kamen, ohne Unterschied des Standes und der Konfession, sich der größten Achtung und Beliebtheit erfreut habe. Die Alitglieder der Versammlung hatten fick bei Beginn der Ansprache von ben Sitzen erhoben und nahmen diese stehend entgegen. r. Karlsruhe, 18. Februar. Unser Land hat einen großen Verlust erlitten: Am 8. d. ist hier der allgemein geachtete Rechtsanwalt Dr. Max Friedberg an einer Herzlähmung ganz unerlvartet im 59. Lebensjahre verschieden. Alit ihm ist einer der besten Männer unserer Gemeinde dahingegangen, der sich in allen Kreisen großer Beliebtheit 31t erfreuen hatte. Tie Beliebtheit des Verblichenen zeigte sich auch besonders darin, daß er, obwohl für seine Person konservativ und außerordentliches Mitglied der hiesigen Religionsgesellschaft,