Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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ereti Synagoge er besuchte, von der überwiegend liberalen Landesinode 1901 einstimmig zum Vizepräsidenten und 1904 ebenso einstimmig im Präsidenten gewählt wurde. Friedberg hat auch den Feldzug 370/71 als Kriegsfreiwilliger (Dragoner) mitgemacht. Die Beerdigung mb am 11. b. 331. hier statt. Das Ministerium des Innern ehrte en tatkräftigen Vorkämpfer des Krankenkassenwesens durch Entndung des Ministerialdirektors Geheimen Oberregierungsrat Glöckner, ie Stadtverwaltung war durch den Bürgermeister Dr. Horstmaun a:d eine große Anzahl von Stadträten vertreten. Rabbiner 7r. Schiffer hielt die Trauerrede. Sodann sprach namens der Verinigung badischer Israeliten Konferenzrabbiner Dr. Appel. Hierauf ielten Vertreter der Amvaltskammer, des Vereins Karlsruher Anwälte, der Karl Friedrich-Loge, des Vereins der Kriegsfreiwilligen von 870 und vieler humanitärer Anstalten Nachrufe. Namens der offiiellen Vertretung der badischen Israeliten widmete Geheimer Oberegierungsrat Dr. Mayer dem Dahingeschiedenen einen seine Verdienste hrenden, tief ergreife:: den Nachruf. Die Teilnahme weiter Kreise er Bevölkerung an deui Hinscheiden des durch Charakter, Wissen!nd Frömmigkeit ausgezeichneter: Mannes zeigte sich in der außerrdentlich großen Beteiligung all feinem Leichenbegängnisse. Sein lndenken wird lins heilig sein! Gesterreich-Ungsrn. /X Wien, 25. Februar. Endlich fällgt auch hier eine jüdische Wahlbewegung an sich zll regen. Auf Veranlassung des Hof- und Werichtsadvokaten Dr. Joses Winternitz und des kaiserlichen Rates Red. Dr. S. Krüger ist ein Vertrauensmännerkomitee jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im zweiten Wiener Bezirke zusammenzetreten mit der Aufgabe, den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Tr. Josef Bloch für die bevorstehende Reichsratswahl in diesen: Wahlkreis zu kandidieren. Das Komitee hatte für den 18. d. Nt. in >as „Hotel Guth" eine Wühlerversammlung einberufen, welche zahlreich besucht war. Nach einer mit großen: Beifall anfgenommenen programmrede des Kandidaten wurde nachstehende Resolution zum Beschlüsse erhoben: „Zn der ernsten und sicheren Voraussicht, daß in dem neuen Abgeordnetenhause infolge des allgerneinen, gleichen und direkten Wahlrechts mehr als je vorher für die österreichische Judenheit die Wtwendigkeit sich Herausstellen wird, lvenigstells einen einzigen Abgeordneten im Parlament zu besitzen, welcher mit den Fachkenntnissen ind deul historischen Wissen auch ein hinreichendes Talent und den iiergischen Willen verbindet, Angriffe ans das Judentum, auf'unsere Religion, auf unser Schrifttum, auf unseren Na:nen und unsere Ehre z überzeugend zurückzuweisen, hat eine am 18. Februar tagende Verj mmmlung jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im zweiten! Wiener Bezirke, obgleich sie sonst verschiedenen politischen Partei- Lagern augehören, in dem Entschlüsse sich geeinigt, für die bevor- 'tehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreise den ehemaligen Reichs-! ratsabgeordneten Dr. Josef S. Bloch, Schriftsteller in Wien, welcher! seinerzeit, der einzige unter allen, den Mut hatte, den Kampf mit Rohling auszunehmen und hierdurch den Juden der gesamten Welt einen moralisch unschätzbaren Dienst erwies, zu kandidieren. Die Versammlung gibt der Zuversicht Ausdruck, daß alle diejenigen Wähler dieses Wahlkreises, welche bei ihren politischen Entschließungen auch die elementaren Interessen des jüdischen Volkes in Erwägung ziehen, sich einmütig! um die Fahne dieser Kandidatur scharen werden." Ferner wurde in ■ einer am 20. d. Al. abgehaltenett Vertrauensmännerversamlnlung der | lübischer: Demokraten Wiens der Obmann der zionistischen Organisation! Dr.J.Sch alit einstimmig als Karrdidat für den Wahlkreis Leopoldstadt 1? aufgestellt. Die Nominierung eines Kandidaten für das Ouaiviertel < wurde einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten. Auch verschiedene! andere Namen Werder: noch genannt. Doch ist es kaum möglich, daß; ein jüdischer Kandidat hier durchdringt, wenn nicht alle Wähler ' einig sind, was dringerrd irr: Interesse der Sache zu wünschen wäre.! — In Graz ist am 20. d. 33t. der Rabbiner Dr. Samuel j Ntüh saru in: 70. Lebensjahre gestorben. Er war 1837 zu Landsberg | t. Schl, geboren, studierte irr Breslau und hier, roar dam: Rabbiller! in Znaim, Bisenz ltitb irr Graz, tov er jahrzehntelang eine rvahrhast! gedeihliche Wirksamkeit in Synagoge, Schule und öffentlichen: Leben entfaltet hat. Die Gemeinde Graz wird ihren: erster: Rabbiner sicher ein treues Andenken bewahren! — In Fiume ist in: 80. Lebensjahre Emanuel v. Portheirn, aus der alten Prager Patrizierfamilie stammend, früher Reichsratsabgeordneter der Prager Handelskammer, gestorben. — Der Druckfehlerteufel hat in meiner letzten Korrespondenz aus de:n österreichischen Unterrichtsminister Dr. March et einen Rabbiner gemacht. Entsetzlich! Von Sah und ssrrn. ~ Tie satznngsmäßige Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden hat in diesen: Herbst stattzufinden. Es ist beschlossen, als Ort der Zusammenkunft Frankfurt a. 3N. und als Tag Sonntag, den 0. Oktober 1907, zu wählen. — Am 21. d. M. ist hier in: 81. Lebensjahre der bekannte Komponist A. W. Blumenfel dt nach kurzer Krankheit gestorben. — Am 24. d. 3N. fand in: Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde eine Delegiertenversamnckung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdi scheu Glaubens statt. Ein ausführlicher Bericht über die Verhandlungen wird in nächster Nummer erscheinen. — Die Witlve des Rabbiners > Wohlgemutst, der viele Jahre hindurch ift Memel amtiert hatte,! bis er seinen Wohnsitz nach Hamburg verlegte, ist vor einigen Tagen daselbst verschieden. Sie hatte ein Alter von mehr denn 90 Jahren erreicht. — In Jülich ist Dr. n:ed. A. Hertz im 55. Lebensjahre gestorben. Derselbe erfreute sich daselbst hohen Allsehens als Arzt wie als 33iensch. 3Nit den: Ehrenbürger der Stadt Jülich, dem Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer in Köln, stand er auf sehr freundschaftlichen: Fuße; davon legte wiederum ein Schreiben Zellgnis ab, in den: der Kardinal den Hinterbliebenen in warmen Worten Trost spendete. Der Synagogenverband des Kreises Jülich, dem der Verstorbene lange Jahre als Vorsitzender angehörte, hat auch einen schmerzlichen Verlust erlitten. — Der Amtsrichter Angnst Frank ist nach kurzer amtsrichterlicher Tätigkeit zum zweiten Staatsanwalt am Landgericht Hof befördert worden. — Zum Vorsitzenden der dritten ordentlichen Schwurgerichtssession am Landgericht München I umrdeOberlandesgerichtsrat Silbermann bestimmt. — In Schirrhofen i. E. ist der Bürgermeister S. Kahn gestorben, der nur ein Jahr seines Amtes waltete; sein Vorgänger S. Heymann lvar 20 Jahre lang daselbst Bürgermeister. — Der verstorbene Daniel Osiris hat der Stadt Paris eine größere Summe hinterlassen mit der Bestimmung, der verstorbenen Baronin Hirsch eine Statue zu setzen. — In Paris ist am 20. d. 3N. General Jacques Lahovary, der rumänische Minister des Aeußern, gestorben. Er lvar einer der schlimmsten rumänischen Antisemiten. — Die Jargonzeitung „Der Weg" und die kleine hebräische Zeitung „Hajvm" sind i::solge inaterieller Schwierigkeiten in den letzten Tagen suspendiert worden Es erscheint jetzt in Warschau kein einziges hebräisches und kein größeres jüdisches Blatt. — In Odessa traten die Generalkonsuln dev fremden Mächte zusammen, nur einen Protest gegen das Verhalten der Behörden zu beschließen und 3)!aßregeln zum Schutze der Ausländer zu treffen. Die Konsuln haben fick: sofort telegraphisch an ihre Regierungen gewendet. Tagtäglich lviederholten sich die skandalösesten Szenen in den Straßen Odessas. Alls jüdische Kinder, die im Schnee spielten, wurde geschossen, Wohnungen von Juden wurden demoliert. Eineu: Juden namens Weitz, der sich gegen feine Angreifer zur Wehr setzte, wurden die Arme gebrochen, und man ließ ihn schwer verletzt ans offener Straße liegen. Die Festlichkeiten, die der „Verband der echt russischen Leute" veranstaltet hatte, waren von unerhörten Ausschreitungen speziell gegen die Juden begleitet. Im Laufe von vier Tagen wurden an 250 3Nenschen durch Messerstiche verwundet. Tie meisten Kaufleute haben den Börsenbesuch eingestellt. Es werden neue Judenhetzen befürchtet. Dem Gouverneur Baron Kaulbars ist ans Petersburg der Befehl zugegangen, dem Unfug des Gesindels energisch entgegenzutretei:. Infolgedessen erließ derselbe an die Bevölternng eine Proklamation, in welcher er erklärt, gegen die „Schwarzer: Bänder:" energisch Vorgehen zu wollen. Wer's glaubt! — Einflußreiche Judenverbände in England boten der Regierung von Südaustralien an, 50 000 russische Juden im Nordterritorium anznsiedeln. So berichten amerikanische Blätter!