Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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vnd ehr nun fast in die zweh gantze Ihar gefenglich enthalten, welch gefengnus ehr etliche Zeitt in seinem Hause die Mnntze gehalten, da ehr des naehtes mit eisern Seiten verwahrett, und des tages umbher gehen, aber doch nicht aus dem Hause kommen mLigen: das ehr seiner gefengnus gentzlich solle entlediget und frei gelassen werde::::. So halt sichs doch begeben, das etwa drei tage oder weniger vor der angesetzten entledigunge, ehr mit seinem weibe Zn: Hause. da ehr gefenglich enthalten, sich verzurnet, und sein Weib ihm unterandern vorgeworfsen, das ehr ein Zauberer Und schwarzkunstner sei, und ein Buch bei sich habe, darein solche Teuffelsz Künste verzeichnet stehen, dasselbige wolle sie auch Ihrem gnedigsten Herrn den: Churfürsten underthenigst berichten, der vngezweiffelten Hoffnung, da ihr Churs, gnaden dasselbige gnedigst erfahren, das seines glückes nicht uiell meher sein lvürde. Da dieses etliche fürnehme 8. e. k. g. Nhats und hohe Personen erfahren, haben sie solches uermüge ihrer geschwornen Pflicht 8. c. f. g. nicht verschweigen wollen, sondern 8. e. f. g. underthenigst offenbahret. Darauff daun 8. e. f. g. alß balde gedachten Juden widerumb in bessere Verwahrnnge nehmen. Und in harter (Sefengnns bringen, das Buch, darein solche Teuffelß Künste geschrieben stehen sollen, ans seinem Hause abfordern, vnd dasselbige durch Juden und Christen der hebräischen Sprache erfarene lesen und sich daraus berichten lassen. Weilt nun 8. c, f. g. erfahren Und befunden, das In solchen Buche nichts guts, sondern allerhandt Unchristliche Bubenstücken und Teuffell Bannen Und Zauberet) gebrieffen, haben 8. c. f. g. den Juden derohalben erstlich in gute, und hernach mitt scherffe auff das Buch, wo ehr das bekommen, was darin stände, ob ehrs auch, und wozw gebrauchet hatte, mit mehreren Vmbstenden Befragen lassen. Ob ehr nun wotl sich anfenglich gar hartt gehalten, Und von Zauberet) oder Tenffelstbannen nichts wissen wollen, wie ihm aber gleichwoll das gemelte Buch fnrgehalten, ist ehr etwas erschrocken, und darauff vielfältige schein: und Buben stücken bekanth, wie folgett: 1. Erstlich, das ehr mitt einer Christinnen alste die Bendelinne zw etliche mahlen Unzucht, Hurerei vnd ehebruch begangen. 2. Zum andern das ehr mitt Zauberest zwischen Baltin Kemnitzell und seinen: Weibe, auch zwischen Baltzar Uhrmachern vnd seinem Weibe zw wegen gebracht, das sie sich einander fein dt worden. In Bueinigkeit, mißtrawen und feindtschafft mitt einander gelebet haben. 3. Zum dritten, das ehr mitt Zauberest zw wegen gebracht, das der Churfürst zw Brandenburgk hochloblicher gedechtnus, Ihm gnedig und yoltt sein, und seines Willens in allen seinen forderungen haben müssen. 4 Zun: vierten, das ehr den Teuffell In einem glase vnd Kreisse Bannen vnd zwingen können, seine:: willen zw thun, auch durch seine hülffe In 8. e. f. g. verschlossene vnd verriegelte gemecher zw tagk vnd nacht seines gefallens kommen, Sich mit den: Teuffel verbunden, vnd ihm mitt leib Und seele ergeben habe. 5. Zum Fünfften, das ehr Peter Bneinkowen vnd Brban Kemnitzen gifft beigebracht, das sie davon verkamen, verquinen vnd endtlich sterben müssen' Auch das ehr einen schwarhen Hanen mitt Zauberest zwgerichtet, In der Mnntze begraben, das dieser Mnntz Meister kein gedeien an muntzen haben solte. 6. Zum Sechsten, das ehr hochgedachten 8. e k. g. hochloblicher vnd milder gedechtnus, eine grosse güldene Ketten von 750 Kronen, und vier kleine Ketten von 37 goldt gülden, sambt dreien stadtlichen Kleinodien mit edlen gesteinen zwgerichtet, dieblich entwendet vnd gestolen habe. 7. Zum Siebenden, Nachdem 8. e. k. g. nach solchen Ketten uleissige uachforschnnge gethan, Und auch den Juden in verdacht derohalben gezogen, und ehr sich derohalben eines andern bekehret, das ehr dessen zw verhütten und abzwkommen 8. c. f. g. zw (lapernick auff den abendt do 8. c. f. g. sich wollen schlaffen legen, einen gifft mit einen messet wein, Muskaten oell, laugerpfeffer oell, arsento albo vnd Mercurio sublimato durch die Bendelinne eingeben lassen, das 8. c. f. g. do sie erwacht, darüber in eine amacht gefallen, vnd srüw zwischen vier und sünffen davon sterben und des Todtes sein müssen. Nachdem ehr nun bei solchen gethanen Bekentnus In güte vielfältig vnd offt, Insonderheit In kegenwarcht echt glaubwirdig Leute In beiden Stedten Berlin Und Cöln, auch eines Notarien Joachim Steinbrechers verharret, darüber dan der Notarius ein offenes Instrument, mitt seiner und der gezeugen Pittschaft uersiegeldt aufgerichtet: Haben 8. v.. f. g. die vergicht zun: Scheppenstnll zw Brandenburgk verschicket, und auff solche Bubenstücke, durch echte vnterschiedtliche Brtell tvegen der straffe sich beleren lassen. Auff den Mittwoch nach Conu6:>ionis Pauli, lvelcher ist gewesen der Atonatstagk o. 73, Ist die gerichtsbancke für den: Berlinschen Nathause mit den Richter Asmns Schwdern Und vierzehen Scheppen aus beiden Stedten besatzt und geheget worden. Alß der Jude etwa vmb seigers Neun surgeführet, Und solche Schelnistücke, sein antwordt darauff zw thun, ihn: durch den Diebhencker furgehalten worden, hatt ehr dieselben nicht gestendig sein wollen, sondern alles verleugnet und berichtet, das ehrs aus marter vnd Pein bekennen muffen, derohalben ehr alß balde durch den Nachrichter Meister Ditrich von Custrin Wider in die gerichtsstube J:n Nathause gefuhrett, und auff Churs, gnaden Befehlich widerumb peinlich befraget worden. Do ehr nun In der Pein widerumb der begangenen und zuvor bekanten Mißhandlungen gestanden, vnd alß ehr wider für gerichte gefuhrett, dabei gerichtlich verharret, Ist das Vrtett, vermuge der Brandenburgischen Belerunge über ihn: gesellet, vnd der stecken zerbrochen. Bnd anfenglich daselbst auff einen wagen gesetzt und gebunden, mit Zw ein gluendeu Zangen riessen In Beiden arinen geriesseu, darnach nach Cöln über dem Molenhow, vnd folgig vber die lange Brugke auff den Newen :nargkt gefuhrett vnd ihm zw sünff vnterschiedtlichen mahlen vnd auff zehen Unterschiedtlicheu örtern, zehen riesse mit gluenden Zangen gegeben. Folgig auff einen auffgebauten stuell von holt; und brettern gemacht, gefuhret, daselbst erstlich die beine und hernach die armen mit dem rade zerstossen, Auff einen Tisch geleget, der leib ausgeschnitten vnd an vier stucken zwerhawen, die viertelt auff die Wege straffen an einer galgen auffgehencket, der Kopff mitt einer eissern stange auff S. Jürgens thor auffgestecket, und die Intestina nütt sewer verbrandt worden. Do solches einge:veide alles biß auf die Kole verbrandt, Ist von vielen Leuten gesehen, das eine grosse feldtrnaus, aus den fewrigen Kolen heransgesprungen, unter das Bolck so vu:bher gestanden gelauffen vnd widerumb zum sewer gekerett vnd darein geblieben sey. So ist auch vom Diebhenker ausgeruffen, das sich kein Jude von der Zeitt biß kunfftigen Sontagk I-^sko mihi In: lande bei Leibstraffe solle finden lassen. Sondern sich also balde davon machen vnd packen::. Die Schlinge des Vogelstellers. Von David Felsberg. 1l. ls Moische in Castle Garden gelandet, ging er mit anderen Glaubensgenossen nach Philadelphia. Dort erhielt er durch das Hilfskomitee der Israeliten, die aus dem Baron Hirsch-Fond Geld verteilten, bei einen, Schneider Arbeit als Lehrling, für Kost und Quartier, aber kein Geld. Nachdem er einige Zeit dort war und die Verhältnisse kennen gelernt hatte, beschloß er, sich ein leichteres Brot zu verschaffen. Er kaufte allerhand Kleinigkeiten ein und wurde ein Pedlar. Eines Tages, als er im nordwestlichen Teile der Stadt in Oxfordstreet an einer Tür klingelte, öffnete ihm eine liebenswürdige Dame, die ein freundliches Lächeln für ihn hatte, als er sie in seinem gebrochenen Englisch fragte, ob sie Nadeln, Zlvirn, Streichhölzer oder dergleichen brauche. Sie kaufte etwas lind fragte ihn, wie lange er in Amerika sei: „Sieben Monate." „Lebst Du bei Deinem Vater „Nein. Mein Vater ist in Rußland."