Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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09 Mich entschlafen. Sie Hütte schon langst das Zeitliche geebnet, wenn sie nicht bis zum I. Januar d.J. von Helmerich, u'-it Gegenkandidaten Herzogs bei der Nachwahl im vorigen V hre, reich unterstützt worden wäre. Seitdem sind etwa |i )0 Biark Schulden für den Drucker entstanden, und der b sitzer des Blattes, ein bekannter Rechtsanwalt, soll jetzt bei ne Bezahlung Schwierigkeiten machen, „nachdem er ein Jahr aig der Drahtzieher hinter den Kulissen gewesen ist und aus h u Versteck heraus anständige Menschen mit Schmutz beii'irfett hat". Im übrigen haben auch die antisemitischen Reformer -> und, sich über die Tätigkeit des Deutschen Flottenvereins lut den Wahlen aufzuregen. Der Landesverein der Deutschen fornipartei im Königreich Sachsen richtet sogar eine offene ',H ifrage an die Reichskanzlei und an die sächsische Regierung, r > er eine befriedigende Antwort erhalten wird, mag billig l' zweifelt werden. * Eine wichtige Entscheidung hat der schweizerische > lndesrat in bezug auf die Behandlung der Auswanderer ii fällt, die für die Juden natürlich von besonderer Bedeutung i', da ja der Strom der jüdischen Auswanderer, welche die v mder, in denen ihnen die Menschenrechte vorenthalten u erden, verlassen und in die von freiheitlichem Geist erfüllter: Maaten jenseits des Weltrueeres ziehen, großenteils durch < isel geht. Wien sendet die Ernigranten dahin, von wo sie u ich kurzer Rast entweder über Paris nach Havre, oder nach ntwerpen, oder nach Rotterdam gesandt werden, um sich in i u dortigen Häfen einzuschiffen. In Basel werden sie von c u verschiedenen Auswanderungsagenturen übernommen, i clche für ihre Weiterbeförderung das Nötige anordnen. Diese r genten, deren Geschäft ja auch kein leichtes sein niag, werden t irch den beständigen Anblick des Elends abgestumpft, sie ' heu zum Teil in den auswandernden heimatlosen Menschen; ir eine Ware, deren Transitverkehr für sie zu einer Quelle > s Verdienstes wird. Im vorigen Jahre kam es sogar wiederholt vor, daß i inere und größere Trupps von Auswanderern längere Zeit, i nigemal sogar wochenlang, in Basel zurückgehalten wurden, : ährend welcher Zeit das Hilfskomitee und die jüdische Armen-! .ege sich ihrer annahmen. Dabei stellten sich verschiedene 1 belstände heraus, die eine Beschwerde erheischten. Der Ehef der Basler Polizei, Regierungsrat David, hatte, - nie daß das Koinitee es wußte, dessen Beschwerde zu der ' iuigen gemacht und sie au das politische Departement des nndesrates gelangen lassen. Dieses prüfte die Angelegenheit kindlich, hörte auch die Auswanderungsagenten und hat nun l m kurzem eine Entscheidung gefaßt, die in einem Rund- > ire.iben an sämtliche Auswanderungsagenten gipfelt, dessen nhalt jeden Freund der Armen und Unglücklichen befriedigen ird. In dem umfangreichen Aktenstück finden sich die ' lgenden Sätze: „Nom Polizei-Departement des Kaiitons Baselstadt ist uns zu ederholten Ntalen berichtet worden, daß ausländische Auswanderer > Basel längere Zeit auf ihre Weiterbeförderung hätten warten l ussen, während ihres Aufenthaltes in Basel nur schwer Unterkunft sunden und die öffentliche Mildtätigkeit in Anspruch genommen Uten. Wir sehen uns daher veranlaßt, die schweizerischen AusandernngHagentureu ans Artikel 1ö Ziffer 7 des Bundesgesehes vom Mürz 1888 aufmerksam zu machen, uwnach bei Aufenthalt oder rzögerung ans der Reise ohne nachweisbare Schuld des Ansanderers die Agenturen verpflichtet sind, für seine vollständige Verlegung und Beherbergung zu sorgen . . . Von einigen Agenten ist zur Erklärung des unfreiwilligen Aufenthaltes ausländischer Auswanderer in Basel vorgebracht worden, daß der ausländische Agent, mit dem der letztere den Vertrag abgeschlossen, der schweizerischen Agentur, die ihre Weiterbeförderung zu besorgen hatte, sie nicht avisiert oder für die Auslagen nicht genügend Deckung eingesandt habe. Diese Einwände sind nicht stichhaltig. Die fchweizerischen Agenturen, die die Beförderung der ihnen von ausländischen Firmen zugewiesenen Auswanderer übernehmen, sind sowohl den Behörden als den Auswanderern gegenüber für die Handlungen und Unterlassungen dieser Firmen verantwortlich. Wenn es einer schweizerischen Agentur nicht konveniert, diese Verantwortlichkeit zu übernehmen, so mag sie die Verbindung mit der Transportfirma aufheben. Es ist übrigens zu beachten, daß die schweizerischen Agenten auch feine Transitpassagiere befördern dürfen, die nach Bestreitung der Reisekosten ohne Hilfsmittel am Bestimmungsort anlangen würden (Art. 2 Ziff. N des Answanderungsgesetzes). Wir lassen also den Einwand nicht gelten, daß in der Schweiz arbeitende Agenturen keine Schuld daran tragen, wenn transitierende Auswanderer, die von einer ausländischen Agentur an sie gewiesen werden, dein Publikum deswegen zur Last fallen, iveil sie der inländischen Agentur nicht avisiert waren oder die ausländische Agentur keine Deckung eingesandt hat. Wir sprechen deshalb die bestimmte Erwartung aus, daß Sie dafür besorgt sein werden, daß die gerügten Uebelstände sich nicht wiederholen. Die fehlbaren Agenturen werden wir zur Rechenschaft ziehen und den Bundesrat beauftragen, uuuachsichtlich gegen sie vorzugehen." ■#> In Rußlaud hat die Opposition bei den Dumawahlen einen glänzenden Erfolg errungen. Das ist für die Juden sehr wichtig gleichviel, ob einige jüdische Abgeordnete mehr oder weniger diesmal gewählt worden sind. Jetzt bleibt nur Nachgiebigkeit oder'Konflikt für die Regierung. Ein gefährlicher! Konflikt! Denn die Wahlen beweisen, daß Millionen und j Millionen ihr Herz an die Dllma gehängt haben und daß! Flammen aus dem Boden von Rußland herausschlagen! würden, wenn eine neue Sprengung des Parlaments das Volk in Gegensatz zum Absolutismus bringen und ihm den Glauben; an jede Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung nehmen würde. Eine zweite Sprengung der Duma würde auch den russischen Staatskredit in die Luft sprengen. Der französische i Minister des Aenßern hat sich nicht einmal durch die Rücksicht; auf den verbündeten Staat bei der letzten Debatte über die | russische Anleihe in Frankreich von dem Zwischenruf abhalten i lassen, er hoffe, daß Rußland künftig eine konstitutionelle ’ Regierung haben werde. Ohne Duma kein Geld, kein Kredit, keine Tür, die zu den Märkten führt. Die europäischen Staaten haben die Aufnahme der russischen Anleihe schwer; gebüßt, wobei sich nur rücksichtslose Banken auf Kosten der Ersparnisse des eigenen Landes bereichert haben, und wofür sich verschiedene jüdische Direktoren noch mit Orden behängen i ließen, die leider in manchen Fällen nur ein Zeichen von Ver-! diensten auf Kosten des Volkes sind. Deshalb steigt der Wider-! stand gegen die Vermehrung russischer Schulden in Europa,! und ohne Duma ist jeder Kredit ausgeschlossen. Der Sieg der! Opposition in Rußland ist ein großes europäisches Ereignis.! Welche Bedeutung dasselbe für die russischen Juden hat, ermißt j jeder, der mit den Verhältnissen vertraut ist. Sie wißen jetzt j genau, wo ihre Gegner und wo ihre Freunde sitzen. Die | Oktoberpartei gehört, wie sich bei den Wahlen herausgestellt . hat, jedenfalls nicht zu den letztern. Die Niederlage, welche die Oktobristen erlitten haben, hat sie so nervös gemacht und gereizt, daß ihnen in der Wut ein kleines Geheimnis entschlüpft ist, das freilich für den Politiker, der den Bestand der - z; <:?' ' r!' > ' i