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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Eigenschaft als Äorftand der hiesigen Synagogengemeinde das grötzte Interesse für unsere Kultusgemeinde an den Tag legt. Der Neubau der hiesigen Gemeindesynagoge ist nunmehr fest beschlossene Sache. Als Bauplatz für das neu zu errichtende Gotteshaus hat die Gemeinde in der reizend gelegenen Soolbadstraße einen Bauplatz von der Terraingesellschaft für den Preis von 23 000 Mark angetanst. Nach einer von Herrn Stadtbaurat Baumgarten Hierselbst entworfenen Zeichnung verspricht der Bau ein Monumentalbau ersten RangeS zu werden. Die Kosten für den Rohbau der Synagoge, die 150 000 Mark betragen, sind in der Nepräsentantenversammlung bewilligt worden. Nach dem Bauprojekte wird die neue Synagoge bedeutend größer werden als die alte, die über 70 Jahre zu gottesdienstlichen Zwecken benutzt wurde. In der neuen Synagoge werden 300 Männer- und 250 Frauensitze eingerichtet werden. Die Gesamtkosten für den Bau mit der inneren Einrichtung des Gotteshauses werden einen Kostenaufwand von zirka 200 000 Mark erfordern. Mit dem Ban wird bestimmt in diesem Frühjahr begonnen werden. Auf einen von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Kohn gestellten Antrag hat der Synagogenvorstand mit Zustimmung der Repräsentantenversammlung beschlossen, während des Neubaues der Synagoge die Bauarbeiten am Sabbat und an den jüdischen Festtagen gänzlich ruhen zu lassen. Die dadurch entstehenden Mehrkosten für den Bau, in Höhe von zirka 5000 Mark, wurden von den Gemeindekörperschaften bewilligt. n. Breslau, 3. Februar. Am 23. v. M. fand für den so plötzlich gestorbenen Hauptlehrer der Industrieschule für israelitische Mädchen C. Alexander in den Schulräumen eine Trauerfeier statt. Außer den Angehörigen waren der Vorstand der Schule, Lokalschulinspektor Dozent Dr. Brann und zahlreiche Deputationen von Vereinen, zu denen der Verstorbene Beziehungen gehabt hatte, erschienen. Lehrer Moops hielt die Gedenkrede; er schilderte den Lebensgang des Heimgegangenen und würdigte ihn als Pädagogen, Familienvater, Kollegen und Menschenfreund. Darauf trugen Schülerinnen eigens zu der Feier verfaßte Gedichte vor. Chorgesang endete die schlichte, aber erhebende Feier. — Unlängst hat sich hier ein „Verein für jüdische Kunst" gegründet, der sich die Aufgabe stellt, das Interesse für jüdische Kunst. Musik und Literatur zu wecken. Der Verein will ausschließlich die Schätze jüdischer Kunst heben und zu einem rein ästhetischen Genüsse bringen. Dieses Ziel wird durch öffentliche Vorträge sowie durch Unterstützung jüdischer Künstler angestrebt. Hoffentlich gelingt es dem Verein voll und ganz, das sich gestellte Programm zu erfüllen. 6. Hannover, 16. Februar. Das dem vor zwei Jahren verstorbenen Konsul Simon von seinen Freunden auf dem Friedhof an der Strangriede errichtete Grabdenkmal wurde in feierlicher Weise geweiht. Freunde des Verstorbenen, sowie die Zöglinge des von ihm im Jahre 1893 gegründeten israelitischen Erziehungshauses in Ahlem hatten sich zu einer würdigen Feier am Grabe versammelt. Gesang der Ahlemer Zöglinge leitete den Gedächtnisakt ein; dann hielt Justizrat Dr. Berend eine Ansprache, in der er noch einmal das edelmütige Wirken des Konsuls Simon schilderte. Jnbesondere sprach er seine Freude über die prächtige Gestaltung des Grabdenkmals aus, dankte den Meistern, die das schöne Werk geschaffen und übergab das Denkmal der Obhut der Friedhofsverwaltung. In deren Namen übernahm der Vorsitzende, Fabrikant Jacob Berliner, das Denkmal und versprach, es zu hüten und zu wahren. Mit- Gesang der Zöglinge wurde der feierliche Akt beschlossen. Ueber das Denkmal sei folgendes mitgeteilt: Eine wuchtige, in schlichten klassischen Architekturformen gehaltene Wand aus poliertem schwarzen schwedischen Granit umrahmt eine viereckige Nische, in die, von zwei jonischen weißen Granitsäulen flankiert, eine Bronzetafel eingelassen ist. Diese zeigt als Basrelief die Erziehungsanstalt Ahlem. Unterhalb der Nische bezeichnen drei kräftige Granitkopssteine mit Inschrift die einzelnen Gräber. Zwei Granitanläufer an der Vorderfront lassen den Eingang zur Grabstätte und den Blick auf das Monument und die Grabhügel frei. Die Inschrift über der Nische, ein Ausspruch des verstorbenen Konsuls Simon, weist aus dessen Wirken hin. Sie lautet: „Nicht durch Almosen, sondern durch Erziehung zur Arbeit kann unserem armen Volke geholfen werden." r. Frankfurta. M., 11. Februar. Auf dem israelitischen Fried-' Hofe fand heute die Beerdigung des früheren Realschuldirektors Dr. H. Baerwald statt. Rabbiner Dr. Seligmantt hielt die Grabrede, in der er den Lebenslauf des Dahingeschiedenen und seine Charaktereigenschaften in ergreifender Weise schilderte. Sodann sprach Direktor Dr. Adler. Er hob besonders hervor, wie sein Vorgänger in bedeutsamer Zeit seine Ausgabe erfüllt und das Philanthropin zu hoher Blüte gebracht habe. Tiefer sittlicher Ernst habe ihn im schweren Kampfe unterstützt. Glaube und Vaterland seien die Leitmotive seines Lebens jederzeit gewesen. Für die israelitische Gemeinde sprach hierauf Rechtsanwalt Dr. Blau, für den Schulrat des Philantropins Herr Daen; im Aufträge der höheren Schulen überbrachte Dr. Bode den letzten Scheidegruß dem allgemein geschätzten Kollegen. Ferner hielten kurze Ansprachen Rechtsanwalt Fuld für mehrere Stiftungen, Rektor Schroth ebenfalls, Rechtsanwalt Dr. E. Auerbach für die Freimaurerloge. Eine würdige Trauerfeier des Philanthropins fand heute Nachmittag in der Turnhalle der Anstalt statt. — Nürnberg, 14. Februar. Der von der hiesigen Maimonides- Loge begründete Knabenhort ist am 4. d. M. in dem vom Stadtmagistrat überlassenen Schullokal Fürtherstraße 77 mit einer kleinen Feier eröffnet worden. In seiner Ansprache dankte der zweite Vorstand Herr Realschuldirektor Dr. Feilchenseld allen denen, die das Zustandekommen der Einrichtung gefördert haben und wies darauf hin, ihr konfessioneller Charakter sei lediglich dadurch bedingt, daß sie in erster Reihe den Kindern der hier ansässigen osteuropäischen Juden dienen wolle, deren Aufnahme in die bereits bestehenden Jugendhorte aus verschiedenen Gründen nicht angängig erscheine. Herr Schulinspektor Darr, der sich dieser Angelegenheit aufs eifrigste angenommen hat, ergriff alsdann das Wort zu einer Ansprache, in der er den Nutzen und Segen der Jugendhorte mit einigen kräftigen Strichen zeichnete und die Existenzberechtigung auch dieser neuen Anstalt voll anerkannte. Nachdem noch Herr Dr. Bamberger einige Worte an die Kinder gerichtet hatte, wurden diese mit Milch und Weißbrot bewirtet, worauf es an die Fertigung der Schulausgaben ging. Die Anstalt, deren Leitung Herrn Lehrer Schloßmann anvertraut wurde, ist an fünf Nachmittagen in der Woche geöffnet. Vorläufig ist sie nur als ein Versuch gedacht. Sollte sie sich bewähren — und die Präsenz von 24 Knaben, die bei der Eröffnung zu verzeichnen war, scheint für ein vorhandenes Bedürfnis Zeugnis zu sein — so wird man an deren definitive Gestaltung und weiteren Ausbau auch durch Aufnahme von Mädchen schreiten. Gestrrrelch-Nngarn. x Wien, 18. Februar. Am 12. d. M. wurden trotz des Sonntags vom Minister für Kultus und Unterricht zwei Deputationen empfangen, die Dr. Marchet. das liberale Mitglied unseres Rabbinats, telegraphisch auf den heutigen Tag zur Audienz beschieden hatte. Es waren dies die Herren Rabbiner Prof. Dr. Kurrein aus Teplitz, Stern aus Sauz und Biach aus Brüx, die dem Kultusminister eine Petition des Rabbinerverbandes überreichten, in welcher sie um Regelung der Rabbinerbestallungen und -Entlassungen in Böhmen bitten. Die in der Petition dargestellten Verhältnisse sind in der Tat höchst traurige. In Böhmen, das durch das Gesetz vom 21. März 1890 eine ganz willkürliche Bestimmung des Rabbinerbegriffes hat, sind bei 70 000 Seelen außerhalb Prags ca.300 Gemeinden, die zum größten Teile Gehälter zahlen, die fast auf dem Niveau des Taglohnes stehen. Natürlich ist die Qualifikation der Beamten in diesen Gemeinden danach. Verkrachte Händler, ohne jede fachmännische Vorbildung, ausgediente Schamossim, Schochtim und höchstens Kantoren oder Lehrer werden von den Parnaßim zu Rabbinern promoviert und als solche der Regierung nominiert. Die wirklichen, teilweise eines vortrefflichen Rufes genießenden Rabbiner in den größeren Gemeinden leiden unter diesen Verhältnissen nicht nur dadurch, daß der Name und Ruf des Rabbiners herabgewürdigt wird, sondern auch dadurch, daß die Anstellungs-, Besoldungs- und Kündigungsverhältnisse die möglichst traurigen sind. Nur ganz vereinzelte Herren sind definitiv, fast keine (außer in Prag) unter Regelung der Pensions- und Reliktenverhältnisse geordnet. Entlassen kann der Rabbiner stets nach kurzer Kündigungsfrist werden und wird es auch, wie Beispiele selbst aus großen Gemeinden zeigen, wesentlich aus dem Grunde, daß man sich vor der Pensionierung eines alteingesessenen Kultusbeamten fürchtet. Demgegenüber erbittet

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