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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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selbst wenn erklärt werde, daß das Bedürfnis im Nordwesten am größten sei. Der Vorsitzende Louis Sachs wendet sich gegen den Ausschußantrag. Er bezweifelt, daß den gottesdienstlichen Anforderungen im Nordwesten entsprochen sei, verwirft aber den Antrag besonders aus materiellen Gründen, da die Gemeindeverwaltung hierdurch erheblich belastet werden würde. Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn beantragt, sich mit der Resolution der gemischten Deputation einverstanden zu erklären. Mit vollem Nachdruck vertritt er die Forderungen dieser Resolution, die die Unmöglichkeit, mehrere Synagogen auf einmal zu errichten, anerkennt, den Notstand für den Nordwesten hervorhebt und nur bittet, jetzt den Bauplatz zu wählen. Die Notwendigkeit für den Nordwesten werde auf keinen Fall eine geringere werden wie für den Südosten, und die Ptehrheit der Versammlung werde doch zunächst für den Nordwesten stimmen. Sein Antrag sei positiver als der Weinbergsche und deshalb empfehlenswerter, während der Ausschußantrag an die Subventionskommission gehen müsse. Herr Loewenthal schlägt vor, alle Resolutionen abzulehnen und nur die Antwort des Vorstandes zur Kenntnis zu nehmen. Er hebt hervor, daß man auch mit den Finanzen der Gemeinde sehr rechnen und erwägen müsse, daß jede Synagoge durchschnittlich einen jährlichen Zuschuß von 60 000 Mark erfordere. Die Ablehnung des Cohnschen Antrages sei auch zweckmäßig, da jeder solcher Beschlüsse eine Steigerung der Grundstücksspekulation Hervorrufe. Zum Schlüsse der Diskussion bittet auch Gemeindesyndikus Justizrat Lilienthal, von allen Resolutionen Abstand zu nehmen. Gegen den Antrag Weinberg führt er aus, daß für den Standpunkt des Vorstandes doch nur wohlerwogene und objektive Gründe maßgebend sein können, und daß es deshalb nicht angemessen sei, gegen diesen einen Tadel auszusprechen. Nirgends liege etwa auch eine Tendenz vor, irgendeine Stadtgegend zu begünstigen. Wenn man an den Bau einer weiteren Synagoge herangehe, müsse erst noch einmal die Bedürfnisfrage von neuem geprüft werden, vielleicht wäre es auch zu erwägen, ob man nicht zunächst in einem ärmeren Stadtteil eine Synagoge errichten solle als im Nordwesten, wo doch begütertere Gemeindemitglieder wohnen. Die wirklichen Verhältnisse seien viel stärker als alle Resolutionen, die gefaßt werden können, und der Standpunkt des Vorstandes liege nur im Interesse der Gemeinde. Bei der Abstimmung wird der Antrag Cohn also der Antrag der gemischten Deputation — fast.einstimmig angenommen. Der Antrag Weinberg wurde darauf vom Antragsteller zurückgezogen, der Ausschußantrag fällt mit zwei gegen sechzehn Stimmen. — Zu den Kosten des Religionsunterrichtes an der Krastschen Knabenschule wird die Bewilligung der Hälfte der erforderlichen Kosten einstimmig genehmigt. — Mit der vom Vorstand vorgefchlagenen Besoldungsskala für die Religionslehrer an staatlichen Lehranstalten erklärt sich die Versammlung mit einigen kleinen Abänderungen einverstanden. Danach wird für die Lehrer eine Besoldung nach dem Dienstalter eingeführt, das Anfangsgehalt soll 110 Mark für die Jahresstunde betragen, nach drei Jahren auf 120 Mark, nach sechs Jahren auf 130 Mark, nach neun Jahren auf 135 Mark, nach zwölf Jahren aus 140 Mark, nach 15 Jahren auf 145 Mark und nach 20 Jahren auf 150 Mark für die Jahresstunde steigen.' Die Festsetzung des Dienstalters erfolgt durch den Gemeindevorstand. Alle jüdischen Religionslehrer an den staatlichen höheren Lehranstalten des Gemeindebezirks, die schon vor dem 1. Oktober 1906 dort beschäftigt waren, erhalten ihre jetzige Besoldung weiter, soweit ihnen nicht nach ihrem Dienstalter ein höheres Honorar zusteht. — Herr Loewenthal legte alsdann als Referent den Rechnungsabschluß der Gemeindehauptkasse pro 1905/06 vor. Als interessante Zahlen heben wir daraus hervor: die Etatseinnahmen mit 2115 774,44 Mark, die Ausgaben mit 1865155,92 Mk., den Eingang an Steuern mit 1662167,63 Mark. Die Zahl der Zensiten stieg im Berichtsjahre von 27180 auf 28428. Es ist wohl anzunehmen, daß die Zahl jetzt bereits aus 30000 gestiegen ist. — Mit der Wahl des Herrn Karl Loeser in die Friedhofskommission und der Herren Dr. Freundlich, Dr. Opet, Max Bloch, Heinrich Bernhard, Dr. Ludwig Brandt, Max Mecklenburg in die Veranlagungskommission schloß die öffentliche Sitzung, der eine kurze geheime Sitzung folgte. x Berlin, 17. Februar. Der Rechenschaftsbericht des jüdischen Kindergenesungsheims „Solbad Elmen" ist soeben erschienen. Nach demselben sind in den letzten Jahren 500 Kinder Unter Leitun g des leider zu früh verstorbenen Herrn Adolph Mayer mit besten Erfolge in Elmen verpflegt worden. Die nicht unerheblichen Mitv hierzu gewährte der unter Leitung der Frau Cäcilie Friedlände stehende Kinder-Sparverein, während der Verein für jüdische Ferner - kolonien seine Räume in Elmen für die Monate, in denen sie vo \ ihm nicht in Anspruch genommen wurden, bereitwilligst zur Ve' fügung stellte. Es trat aber bald die Notwendigkeit ein, eine Einrichtun; zu schaffen, die es ermöglichte, kränkliche oder eben genesene Kind« c das ganze Jahr hindurch in einem Genesungsheim unterzubringe,. Ist es doch eine anerkannte Tatsache, daß arme kranke Kinder, d? nach ihrer Genesung in die ungünstigen, uuhygienischen Wohnunge i und Ernährungsverhältnisse ihrer armen Eltern zurückkehren, nicht ni r in ihrer Entwicklung Zurückbleiben, sondern oft in dauerndes Sieä - tum verfallen. Um sie davor zu bewahren, wurde das Genesung^ - heim im Solbad Elmen errichtet, in welchem die zarten Körpe neben guter Luft und kräftiger Ernährung alles finden, was st> stärken und widerstandsfähig machen soll. Zur Erreichung diese Zieles hat ein Mitglied unserer Gemeinde den Betrag vw 100000 Mark hergegeben. Die Anstalt, mit allen hygienischen Ein richtungen der Neuzeit entsprechend ausgestattet, soll im März ihre Bestimmung übergeben werden. Die Behörden sowie die Bade direktion Elmens haben das Unternehmen in liberalster Weis gefördert. Die auf dem Gebiete der Kinderpflege lange und erfolg reich tätige Frau Staatsminister Exzellenz von Bötticher hat di Güte gehabt, das Protektorat der Anstalt zu übernehmen. Den Vorstand bilden die Herren Moritz Manheimer, Justizrat Dr. Eugei Fuchs, Bernhard Behrens, Fabrikbesitzer Salo Cassire und Geheimer Sanitätsrat Dr. Julius Boas. §. Berlin, 17. Februar. Am 24. d. M. nachmittags 5 Uh treten zum erstenmal Delegierte des Zentralvereins deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens aus allen Teilen Deutsch lands in dem von der Berliner jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellten neuen Verwaltungsgebäude, Rosenstraße 2/4, zusammen, um in Gemeinschaft mit dem Zentralvorstande in persön lichenr Meinungsaustausch zu erwägen, in welcher Richtung sich di Kulturarbeit zur Bekämpfung des Antisemitismus weiterhin zu bcwegen haben wird, wie im einzelnen am zweckmäßigsten an der Er Weiterung dieses Zieles gearbeitet werden kann, den deutschen Jude! die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu erkämpfen und den gehässigen Vorurteil gegen das Judentum und seine Anhänger ent gegenzuwirken. 8. Berlin, 18. Februar. Die Bureauassistenten un Diätare der jüdischen Gemeinde sind wiederholt bei der Gemeindevorstand um Erhöhung ihrer unzulänglichen Gehälter ein gekommen. Es wäre wünschenswert, daß den nur zu berechtigter Wünschen der Petenten, die in ihrer Besoldung, sowohl im Grund wie im Endgehalt, ganz bedeutend schlechter gestellt sind als ihr Kollegen vom Magistrat zu Berlin und Vororten, endlich Rechnun getragen würde. Die Forderung der Beamten ist um so berechtigter , als bei der allgemeinen Teuerung und den fortgesetzt steigende! Preisen der dringendsten Lebensbedürfnisse seitens der Mehrzahl de kommunalen Behörden, Verwaltungsgesellschaften usw. durch besonder Zuschüsse resp. Gehaltserhöhungen die dringende Notlage anerkann worden ist. — Berlin, 17. Februar. Im Jüdischen Mädchenstisl Lothringerstraße 16, welches unbemittelten Mädchen in einei besonderen Heim unentgeltlichen Unterhalt und Ausbildung für de Dienstbotenberuf gewährt, werden zum 1. April einige Stellen ne besetzt. Anmeldungen sind an den Vorsitzenden Dr. Strelitz, Schöi Hauser Allee 162, zu richten. Hohensalza, 8. Februar. In der kürzlich abgehaltene : öffentlichen Stadtverordnetensitzung wurde an Stelle des bisherige \ Vorstehers Geheimen Kommerzienrat Goecke, der eine Wiederwal' aus Gesundheitsrücksichten ablehnte, Herr Fabrikbesitzer, Gericht - assessor a. D. Dr. Leopold Levy einstimmig zum Stadtverordneter Vorsteher gewählt. Dr. Levy, der zu den hervorragendsten Persör lichkeiten unserer Stadt gehört, ist ein Sohn des im Jahre 190 Hierselbst verstorbenen Kommerzienrats Julius Levy. Es sei noch gar i besonders an dieser Stelle hervorgehoben, daß Herr Dr. Levy in seine

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