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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 22. Februar 1907. aj.hrj.n8 Nr * (ß0111^^000^ Vellage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. Sorrrlponden?m und Sachrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 17. Februar. Vor Beginn der heutigen, Zahlreich lesuchten Reprüsentantenversammlung widmete Zunächst Herr Professor Geiger dem soeben verstorbenen Gönner der hiesigen Geneinde, Herrn Albert Wolf in Dresden, einen kurzen, warme npfundenen Nachruf. Er teilte mit, daß auf Anregung des Herrn - enas Levy und auf seinen (Redners) speziellen Antrag der Bibliothekar Dr. Moritz Stern beauftragt worden ist, den Gei reindevorstand und die Bibliothekskommission bei der heute stattsndenden Beerdigung des Herrn Wolf zu vertreten. „Ich habe," u fuhr der Redner fort, „es für passend gehalten, auch in dieser Versammlung ein kurzes Wort des Gedenkens für diesen Göllner zu i 'rechen. Gewiß hat unsere Gemeinde viele wertvolle Geschenke, nelleicht auch manche wertvollere erhalten, aber ich glaube, ein so i-genartiges ist uns noch nicht gegeben worden. Es ist noch niemals ' orgekommen, daß ein Mann sein ganzes Lebenswerk, an dem er ein olles Leben hindurch liebevoll gearbeitet hat, der Gemeinde zum beschenk gemacht hat. Hier soll es genügen, darauf hinzuweisen, aß uns eine Sammlung vorliegt, die in ihrer Art in Deutschland i nun vertreten ist, Handschriften, Bücher, Kunstschätze aller Art, alle etragen von demselben Geist, alle gesammelt mit derselben Innigkeit,;.i, ich darf sagen mit derselben Religiosität. Was diesen Sammler uszeichnete, war nicht nur ein literarisches, nicht nur ein künst- .'risches, sondern mit beiden vereint ein religiöses Streben." Der ledner schloß mit einem Danke an die Mitglieder der Versammlung, ie sich zu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen erhoben hatten, llsdann trat die Versammlung irr die Tagesordnung ein. Die Zuwendung des Herrn Salo Cassirer an die Alterversorgungsnstalt im Betrage von 12 000 Mark wurde debattelos angenommen, renso eine Zuwendung des Herrn Moritz Manheimer an das üdiscke Krankenhaus in Höhe von 5000 Mark zur Vergrößerung der lloritz und Bertha Manheimer goldene Hochzeit-Stiftung. Mit der ebernahme der Verwaltung einer zu errichtenden Joseph und imon Loewenthal- Stiftung erklärte sich die Versammlung einerstanden. Diese Stiftung in Höhe von 200 000 Mark hat den Zweck, wische, würdige Kaufleute über 60 Jahr zu unterstützen, die „ohne )r Verschulden durch die erdrückende Konkurrenz der Warenhäuser i Vermögensversall geraten sind". Nach der Stiftungsbestimmung 'llen aus Börsetag des Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums drei Repräsentanten in das Kuratoriunr der Stiftung entsandt werden, er Vorsitzende, Herr Louis Sachs, wies hierbei auf die Schwierigit hin, den Nachweis zu führen, daß ein Kaufmann nur durch die onkurrenz der Warenhäuser zugrunde gegangen ist. — Eine sehr mge und angeregte Diskussion schloß sich an die Vorlage zur enntnisnahme betreffend die Errichtung einer Synagoge im ordwesten Berlins. In der Sitzung vom 28. Oktober v. I. atte, wie erinnert werden mag, die Versammlung den Beschluß esaßt, mit dem Gemeindevorstand über die Errichtung einer Synaoge im Nordwesten in gemischter Deputation zu beraten. Der orstand ist diesem Beschlüsse beigetreten. Die gemischte Deputation at inzwischen getagt und hat folgende Resolution angenommen: Die gemischte Deputation für den Bau der Synagoge im Nord- 'esten erkennt zwar an, daß zurzeit, wo an die Erbauung der eiteti Synagoge in der Fasanenstraße herangegangen wird, ^'r Bau einer weiteren Synagoge nicht möglich ist. Sie er- ' unt aber ferner an, daß-die wiederholten Wünsche der Bevölkerung j .'s Nordwestens (Moabit, Wedding, Hansaviertel, Alt-Charlottenburg) ' 're volle Berechtigung haben, weil die Entfernungen zu den besitzenden Synagogen zu weit sind. Sie ersucht den Gemeindevor-! and, schon jetzt den Ankauf eines entsprechenden Grundstückes in ussicht zu nehmen, weil Bauplätze immer knapper und die Preise 'inner teurer werden, und hierfür eine Kommission zur Auswahl eines geeigneten Bauplatzes einzusetzen." Der Gemeindevorstand kann, wie er in dem heute vorliegenden Antwortschreiben mitteilt, dieser Resolution zu seinem Bedauern nicht Folge geben. Er schreibt: „Wie in der Resolution selbst zugegeben wird, ist. solange die Synagoge in der Fasanenstraße nicht fertig gestellt ist, ein weiterer Synagogenbau nicht möglich. Danach kann an die Inangriffnahme eines solchen vor zwei bis drei Jahren — auf diesen Zeitraum ist der Ban in der Fasanenstraße zu veranschlagen — nicht gedacht werden. In welcher Stadtgegend aber dann das Bedürfnis für eine neue Synagoge am dringendsten sein wird, läßt sich zurzeit mit Sicherheit nicht übersehen. Bei dieser Sachlage können wir es nicht für angängig erachten, schon jetzt wegen des Ankaufs eines Synagogengrundstücks in einer bestinnnten Stadtgegend irgend welche Schritte zu unternehmen." Der Referent der Vorlage, Geheimrat Vlumenthal, empfahl namens des Ausschusses, diese Antwort zur Kenntnis zu nehmen. Auch der Ausschuß hat sich die Erwägung zu eigen gemacht, daß man nicht Baustellen auf Vorrat nehmen und noch nicht wissen könne, ob nicht in drei bis vier Jahren in anderer Gegend ein dringenderer Notstand zur Errichtung einer Synagoge vortiegen würde. Im vorberatenden Ausschuß ist auch die Mehrheit j der Ansicht gewesen, daß im Nordwesten für den täglichen und Sabbatgottesdienst ausreichend durch Privatshnagogen Platz geschaffen, daß für die hohen Festtage von der Gemeindeverwaltung wohl auch in genügender Weise gesorgt sei, nur wurde allgemeine Klage geführt, daß einzelne Rabbiner und Religionslehrer der Privatgemeindeu weder in moralischer, noch in intellektueller Beziehung den nötigen Anforderllngen entsprechen. Der Referent empfahl deshalb folgende Resolution des Ausschusses zur Annahme: „In Berücksichtigung der Schwierigkeiten, mehrere Synagogen zu gleicher Zeit zu bauen und in Erwägung, daß eine für gewöhnliche Tage ausreichende Anzahl von Privatsynagogen, welche durch Gemeiudemittel unterstützt werden, vorderhand allen Anforderungen an gottesdienstliche Veranstaltungen genügen, in Erwägung ferner, daß die Kultus beamten jener Privatsynagogen nicht immer für die Anforderungen ihres Amtes genügende Bildung besitzen, wird der Gemeindevorstand ersucht, zu beraten, ob nicht die Rabbiner und Religionslehrer der Filialgemeinden der Bestätigung des Vorstandes unterliegen sollen, wenn sie unterstützt werden sollen." Prof. Blaschke bestätigt die vom Referenten erwähnten unwürdigen Zustände, besonders des Religionsunterrichts; die Frage der Errichtung einer Synagoge int Nordwesten lvird aber, wie er hinzufügt, von der Tagesordnung der Repräsentanten nicht verschwinden. Diese Stadtgegend müsse das Recht der Priorität für sich in Anspruch nehmen, denn sie sei die erste gewesen, die um eine Synagoge petitioniert habe. Herr Weinberg bezeichnet den Ausschußbeschluß als völlig unverständlich und kann sich nicht erklären, woher dieser plötzliche Wechsel der Ansichten stamme, nachdem noch vor zwei Jahren die dringende Notwendigkeit einer Nordwestsynagoge einstimmig von den Repräsentanten anerkannt worden sei. Dieser Notstand werde sich auch nicht in einem Jahre, nach der Fertigstellung der Synagoge Fasanenstraße, ändern. Er empfiehlt folgenden Antrag zur Annahme: „In Erwägung, daß der Vorstand die Fertigstellung der Synagoge Fasanenstraße bestimmt für das nächste Jahr zugesagt hat und daß ein Bedürfnis für die Errichtung einer Synagoge im Nordlvesten durch die Beschlüsse der Versammlung sestgestellt ist, spricht die Versammlung ihr lebhaftes Bedauern über den Beschluß des Vorstandes aus." Kommissar Netter erklärt, daß die Repräsentanten an den Vorstand Ansprüche stellen, die nicht zu erfüllen sind. Mehrere Synagogen können nicht auf einmal errichtet werden. Der Vorstand gibt zu, daß ein Bedürfnis für den Nordwesten vorliegt, aber ein mindestens ebenso starkes, wenn nicht noch stärkeres, für andere Gegenden, z. B. den Sud osten. Die Bedürfnisfrage könne auf keinen Fall jetzt geprüft werden; der Gemeindevorstand sei derart mit Arbeiten überlastet, daß er jetzt nicht in der Lage wäre, einen Bauplatz zu suchen,

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