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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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■ - , 91 ■i ifes als gute Sänger und Musiker, daher sie öfter bei Festen Rur Unterhaltung der Gäste eingeladen werden. I Im Jahre 1858 veranstaltete der Kalanter (Polizeimeister) Imt Schiraz mir zu Ehren ein großes Fest in seinem Garten, Rv'zu er die besten Judenmusikanten gemietet hatte. Die « ekutionen, die die persischen Gäste entzückten, waren genau Ru ch Art des polnischen Gesanges, nicht einmal die Gurgel- R» d Nasallaute fehlten. In Schiraz befindet sich überhaupt Ri: ganze Gemeinde in ziemlich guter Verfassung, weil sie da- Rc bst die Protektion der mächtigen Familie des Hadschir «! -ewam genießt, dessen Ahnherr ein Jude war, und dessen »iiter Hadschih Ibrahim der gegenwärtigen Dynastie der I: -dschan zum Throne Persiens verhalf, später jedoch von Feth vl i Schah samt seiner ganzen zahlreichen Familie hingerichtet lu irde. I Das einzige nationale Monument, das die Juden in R rsien besitzen, ist das Grabmal Esthers in Hamddan, dem Riten Eibatana, wohin.sie seit undenklichen Zeiten pilgern; Ib rt befindet sich in der Mitte des Judenviertels ein großes Ibnbäude mit einer Kuppel, ans deren Spitze ein Storch sein ki ft gebaut hat. Der Eingang ist zum größten Teil ver- In inert, nur ganz unten blieb eine kleine Oeffnung, durch die Inn in gebückter Haltung eintreten kann; sie wird durch eine Il> wegliche Steinplatte statt der Tür abgesperrt, welche Vor- I htung 'von den häufigen Ueberfällen herrührt. Man gell! ngt in eine niedrige Vorhalle, dort sind die Namen vieler |i lger und das Jahr der Restauration der Kapelle einig schrieben; von der Vorhalle tritt man in einen kleinen, Vieris igen, nur spärlich durch schmale Fenster beleuchteten Saal, li welchem sich zwei hohe Eichenschreine, die Grabdenkmäler Iv n Esther und Mordechai, befinden. Rings um dieselben sind [ii hebräischer Sprache die Verse aus dem letzten Kapitel von ib ther nebst den Namen dreier Aerzte eingraviert, auf deren I* fiten das Grab restauriert wurde." Dr. Polak tritt für die Echtheit der Esthersage und jener Grabintte ein, und erwähne ich aus den Gründen, die er dafür [a -führt, nur die folgenden: „Die Könige von Persien residierten allerdings in Susan, b >se Stadt liegt in Arabistan. Im Winter ist zwar der Auff thalt dort sehr angenehm,, doch im Sommer unerträglich, si eil die Hitze eine sehr große ist; es war daher der persischen Stte angemessen, daß der König iit einer Berggegend sein k ger aufschlug. Zu diesem Zweck finden sich in der Nähe k> ne günstigen Plätze als Hamadan, am Fuße des Elwend,!» > zahlreiche Bäche sich in die Ebene ergießen und sie ben lchten. Die Juden zeigten mir vor der Stadt einen geebneten p igel, Mussella genannt, auf dem des Königs Ahasverus Z lte gestanden haben sollen. Es ist also sehr wohl möglich, b Ö Esther während des Sommeraufenthaltes starb und dort l zraben wurde. Nach orientalischen Verhältnissen ist es!- ner nichts Ungewöhnliches, daß ein König im Rausche oder ii gen einer Laune ein Weib hinrichten läßt, daß er dann ein 1* ädchen aus dem Volke, ohne nach deren Herkunft und ss arakter zu fragen, heiratet und daß diese ihn durch ihre i'i wper- und Geistesvorzüge derartig für sich einzunehmen >i iß, daß sie Einfluß auf die Staatsangelegenheiten ausübt. Ebenso ist die Sage von Haman, wo ein bis dahin all- » ichtiger Minister samt feiner Familie ins Verderben gestürzt ii; irde unter dem Vorgeben, daß er seine Augen bis zur C iltanin zu erheben gewagt, eine Rache, wie sie sich im L ient jeden Tag wiederholen könnte und in der Tat während >» iner Anwesenheit in ähnlicher Weise sich zugetragen hat. Nassred-Din heiratete — wie schon erwähnt — ein -i adchen von niederem Stand, Dscheiran Ehanum; bald war ihr Einfluß auf den König so mächtig, daß alle Frauen verdrängt und ihr Sohn als legitimer Erbe erklärt wurde. Großvezier war Mirza Akka Khan. Als kurz darauf der Kronprinz erkrankte, berief die Mutter zu seiner Behandlung den Judenarzt Haknäzär; sie schöpfte Verdacht, ihr Knabe sei durch Vermittlung des Großveziers vergiftet worden und in diesem Verdacht bestärkte sie der Arzt. Der Knabe starb; nun wollte sich der Großvezier an dem Arzte rächen und dessen Familie ins Verderben stürzen, doch die einflußreiche Atntter schützte denselben und brachte es vielmehr dahin, daß der Minister selbst gestürzt wnrde; nur durch Flucht konnte er sein Leben retten. Der König fragte die Sultanin, was sie noch begehre; sie antwortete: „Die Kinder, Brüder und Onkel des Ministers sind inir im Wege." Und alle wurden zwar nicht wie der Sohn Hainaus an den Galgen geschlagen, aber gefoltert, ihres Vermögens beraubt und ins Exil geschickt. , „Und Mordechai war groß und angesehen unter seinem Volke." (Buch Esther, Kap. 10, Vers 3.) Bemerkenswert ist übrigens noch, daß einige Jahre hindurch auch der Leibarzt des verstorbenen Schahs Muzzaffered-Din ein Berliner jüdischer Arzt namens Dr. Albu war, der gleichfalls an der medizinischen Hochschule zu Teheran Vorlesungen hielt. Er starb vor wenigen Jahren als Spezialist für Augenkunde in Berlin; auch er hat mehrere Schriften über Persien, Land und Leute, herausgegeben. Sr. Hermann Laerwald. Von Direktor Dr. S. Adler-Frankfurt a. M. An einer seiner formvollendeten und gemütvollen Ab- Handlungen schildert uns Moritz Lazarus nach eigener Anschauung das Leben und Treiben innerhalb der jüdischen Gemeinden des deutschen Ostens in der ersten Hälste des vorigen Jahrhunderts. Die Hausväter, ehrenwerte, tüchtige Geschäftsleute, vertreten inmitten der ungebildeten Bevölkerung die Intelligenz des Städtchens; ein unablässiges Streben nach Fortbildung zeigt sich allerorten; alle erfüllt das Bewußtsein, daß der Eintritt in die moderne Kultur den Juden Verpflichtungen auferlegt hat, die durch die bisherige, ausschließlich dem religiösen Schrifttum zugewandte Erziehung nicht erreicht werden können. Mit begeistertem Eifer widmen sich diese Männer, namentlich die Leiter der Gemeinden, auch den politischen Angelegenheiten; in dankbarem Gefühl für die ihnen gewährte Gleichberechtigung sind sie die Träger wahrhaft königstreuer Gesinnung,, ausrichtige und treue Bürger des preußischen Staates. Lebhaft betätigen sich an den Bildungsbestrebungen der Männer die wackeren Hausfrauen; das behagliche jüdische Heim durchweht der Geist der klassischen Periode der deutschen Poesie. Auch bei der veränderten oder vielmehr erweiterten Bildung bewahrt sich die Jugend die alten Vorzüge des jüdischen Hauses. Die ehrfurchtsvolle Liebe zu den Eltern äußert sich 'in treuer Auhänglichkeit und herzlich dankbarer Gesinnung, auch wenn die Kinder schon längst vom Elternheim geschieden sind und in weiter Ferne das eigene Glück suchen. In solchen Verhältnissen ist auch Hermann BaerwaldS Kindheit und Jugend verlaufen. Sein Vater, der Kaufmann Lewin Baerwald in dem kleinen posenschen Städtchen Rakel, war der Typus des eben geschilderten deutschen Juden, im geschäftlichen und gemeinnützigen Wirken ein Vorbild seiner Gemeinde, hochgeschätzt bei allen Einwohnern der Stadt, bei Behörden des Kreises und der Provinz. Baerwalds Mutter

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