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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der Tagesordnung: Anträge. Die außerordentlichen Mitglieder Bähr-Waldenburg und Dubowski-Berlin wurden auf deren Anträge als ordentliche Mitglieder der „Hilfskasse" bestätigt. Auf Antrag Kalischer und Sacher wird beschlossen, halbjährlich Monita wegen der zu zahlenden Mitgliedsbeiträge und Sterbegelder an die Vereinsmitglieder zu senden. Zum Schluß dankt Herr Friedmann dem Ehrenvorsitzenden Herrn Iustizrat Dr. Fedor Stern für dessen umsichtige und energische Leitung der Generalversammlung sowie dem Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin für die bereitwillige Ueberlassung des Sihungslvkals. In der darauf stattgefundenen Vorstandssitzung konstituierte sich der Vorstand wie folgt; einstimmig durch Zuruf wurden gewühlt: zum ersten Vorsitzenden Herr Rentier Gustav Michalski, Motzstraße 53, zu dessen Stellvertreter Herr Kantor L. Kalischer, Holzmarktstraße 60; zum ersten Schristsührer Herr Kantor Max Sacher, Jnselstraße , 9 a, zu dessen Stellvertreter Herr Kantor Felix Asch, Luckenwalderstraße 15. Da der bisherige Schatzmeister, Herr Rentier Emil Benjamin, aus Gesundheitsrücksichten die Weiterführung des Schatzmeisteramtes ablehnt, wurde die Wahl des Rendanten einstweilen ausgesetzt. Herr Benjamin erklärte sich jedoch bereit, bis zur demuächstigen Besetzung des Postens die Kasse intermistisch weiter zu verwalten. Die anwesenden Gewählten nehmen die Wahl an. Die Anmeldung des neuen Vorstandes zum Vereinsregister wird erfolgen, sobald der Vorstand vollständig ist. x Berlin, 7. Februar. Am 28. v. M. fand im Festsaale des Schillertheaters Charlottenburg der Gründungskommers des „Verein s Jüdischer Studenten Maccabaea" statt. Die Feier gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der freudigen, idealen Begeisterung, welche die jüdisch-akademische Jugend in ihrem Kampfe für das Judentum beseelt, und legte zugleich beredtes Zeugnis davon ab, wie tief die Sympathien für die Bestrebungen der „Vereine jüdischer Studenten" in weitesten Kreisen der Berliner Judenheit Wurzel gefaßt haben. Denn diese erste Veranstaltung der jüngsten Reugründung des „Bundes jüdischer Korporationen" hatte all die alten und auch manche neugewonnenen Freunde der Tendenzen des „6. J. C." bei dem Kommerse vereinigt. Mehr als 300 Personen füllten den in den Farben des Vereins mit Fahnen und Blumenschmuck geschmackvoll dekorierten Saal, und die für die Damen reservierten Galerie- und Tribünenplätze waren bis auf den letzten mit zahlreichen Zuschauerinnen besetzt. Tie Begrüßungsrede hielt Herr stud. jur. Rosenblüth, der den offiziellen Teil des Kommerses leitete. Herr cand. jur. Herzberg entwickelte in längeren, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen das Programm des jungen Vereins. Die Glückwünsche ihrer Vereinigungen überbrachten die Vertreter der „Großloge für Deutschland", der „Montefiore-Loge", der „Berthold Auerbach-Loge", der „BerlinerZionistischen Vereinigung", der „Alliance Israelite Universelle", des „Jüdischen Volksvereins", des „Vereins zur Förderung jüdischer Kunst", des „Montefiore-Vereins", der „Vereinigung jüdischer Akademiker", des Vereins „Dibbuk Chaverim" und des jüdischen Turnvereines „Bar Kochba". Herr Universitätsprofessor Tr. Rosin und Herr Willibald Löwenthal, Repräsentant der jüdischen Gemeinde, gaben in herzlichen Worten ihren Sympathien für die junge Korporation Ausdruck. Die Vertreter der Verbindung im K. Z. V. „Hasmonaea" und der freien Vereinigung „Dahlemia" tranken auf ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem „V.J 81. Maccabaea" und ihren Korporationen. Im Aufträge des Präsidiums des „Bundes Jüdischer Korporationen" sprach A.H. Dr. Rosenkranz, im Namen des „Alten Herren-Bundes" A. H. Dr. Emil Cohn, als Mitbegründer des Vereines A. H. Dr. Biram. Die Vertreter des Stammvereins Berlin und der Kartellvereine Königsberg und Charlottenburg gaben dem neuen Verein ihre bundesbrüderlichen Wünsche mit auf den Lebensweg. Nach Schluß des offiziellen Teiles hielt noch eine kurze, durch humoristische Darbietungen und Aufführungen gewürzte Fidelität die Teilnehmer des Kommerses in bester Stimmung beieinander. Kp. Ostrowo, 6. Februar. Rabbiner Dr. S. Freund Hierselbst, der erst kürzlich einen Ruf nach Pilsen in Böhmen abgelehnt hat, ist jetzt einstimmig zum Rabbiner der Synagogengemeinde in Hannover gewählt worden. Dr. Freund hat als Nachfolger des verewigten Rabbiners Dr. Pleßner während seiner achtjährigen Wirksamkeit Hierselbst stets zur Erhaltung und Förderung des Friedens in der I Gemeinde beigetragen und die Gemeindeinstitutionen erweitert bezw. I nach Möglichkeit gefördert. Besondere Verdienste hat sich Dr. Freund dadurch erworben, daß er seine Kraft in hohem Maße in den Dienst der russisch-jüdischen Auswanderer, wozu er hier in ausgedehntestem Umfange Gelegenheit hatte, gestellt hat. Die Uebersiedlung des Scheidenden nach Hannover soll schon zum 1. April erfolgen. Sein Weggang wird hier allgemein bedauert. i. Frankfurt a. 10. Februar. Gestern ist hier in 79. Lebensjahre der frühere Direktor des Philantropins, Dr. Her mann Bärwald, nach kurzem Krankenlager gestorben. Alle, dü den vortrefflichen Mann kannten, werden ihm ein ehrendes Andenker bewahren; sein Lebensgang wird in diesem Blatte sicher von be rufener Seite geschildert werden. Für heute deshalb nur wenige Notizen: Hermann Bärwald, gebürtig aus Nakel, erhielt seine Schulung als Historiker bei Leopold Ranke. Er gehörte zu den ersten, die sich in Preußen dem öffentlichen Schuldienst widmen wollten; aber in der Reaktionszeit der fünfziger Jahre wurde er nicht einmal zur unentgeltlichen Ableistung des Probejahres zugelassen. Erbefaßte sich dann mit der Erforschung mittelalterlicher Geschichte und verfaßte namentlich einige wertvolle Abhandlungen zur Geschichte Rudolfs von Habsburg. Für eine dieser Arbeiten wurde er von der Wiener- Akademie der Wissenschaften mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft geehrt. 1858 trat Bärwald in den Dienst der jüdischen Gemeinde zu Berlin als Neligionslehrer. 1868 wurde er zur Leitung des Philantropins hierher berufen und wirkte in dieser Stellung bis zum Jahre 1900. Bärwald übte einen weitgehenden, segensreichen Einfluß auf die ihm anvertraute Jugend aus. Sein humaner Sinn betätigte sich auch in der Gründung und Leitung zahlreicher Wohltätigkeitsinstitutionen; besonders galt seine eifrige Fürsorge der Erziehung verwaister Kinder. Nach seiner Pensionierung lebte er nur diesen Institutionen. Als Mensch genoß Bärwald wegen seines milden und schlichten Wesens, der Geradheit feines Charakters und des Ernstes seiner Lebensauffassung in weitesten Kreisen hohe Achtung. Als Jude huldigte er dem Fortschritt auf historischer Grundlage. Sein Wirken ist in dieser Beziehung wahrhaft vorbildlich geworden. So ist mit Bärwald ein Mann dahingegangen, dessen Bedeutung in der modernen jüdischen Geistesbewegung hoch anzuschlagen ist. Sein Andenken wird deshalb stets in hohen Ehren fortleben! a. Nürnberg, 8. Februar. Einen schweren, ja unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde und mit ihr das deutsche Judentum erlitten: Am 5. d. M. ist hier unser allgemein verehrter und beliebter Rabbiner Dr. Bernhard Ziemlich im 57. Jahre seines arbeitsreichen Lebens gestorben, tief betrauert von der ganzen Kultusgemeinde. Ziemlich war ein Rabbiner im idealsten Sinne, schlicht, bescheiden und selbstlos. Die Milde seiner Gesinnung wurde nur! übertroffen von der unerschöpflichen Güte seines Herzens. Unermüdlich in der Erfüllung seines Berufes, war er — unbeschadet seiner eigenen Ueberzeugungstreue — stets tolerant gegen andere. Von seinen hohen Charaktereigenschaften sei speziell sein Herzensdrang zur Ausübung von Wohltätigkeit hervorgehoben, die er ganz im stillen zu vollziehen sich bemühte und wobei er keineswegs vor konfessionellen Schranken Halt gemacht hat. Ziemlich wurde in Ungarisch Brod iu Mähren geboren; er besuchte das Gymnasium seiner Heimat, welches von katholischen Priestern geleitet wurde. Nach beendigter Gymnasialzeit bezog er das Rabbinerseminar in Breslau und gleichzeitig die Universität daselbst, um danach die Universität in Berlin zu besuchen. Reiches Wissen auf theologischem Gebiete und in anderen Zweigen der Wissenschaften waren die Früchte emsiger Studien. In Breslau war er der besondere Liebling Zacharias Frankels. Kaum war die Studienzeit vollendet, so erhielt Dr. Ziemlich eilten Ruf als Hilfsrabbiner an die Kultusgemeinde München, woselbst er vier Jahre lang fungierte, um alsdann einen Ruf an die Kultusgemeinde Nürnberg zu erhalten, welchem er Ende Juni 1881 Folge geleistet hat. Sein 25 jähriges Amtsjubiläum, anläßlich dessen ihm die reichsten Ehrungen erwiesen wurden, fiel auf den 1. Juli vorigen Jahres. Er hat sich diesen Ehrungen zu entziehen versucht, indem er in Bad Brückenau Heilung von einer Krankheit suchte. Die dort erzielte Besserung vermochte aber das Leiden nicht zu beseitigen. Im Spätherbst hat es sich

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