Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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71. Jahrgang. Nr. 7. Berlin, 15. Februar 1907. Der Gemeindetzote. Drillige zur „Allgemeinen Leitung deS IudentumK". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. s. Berlin, lO. Februar. Die städtische Sch ul de PN tation beschäftigte sich in einer ihrer letzten Sitzungen mit der Reorganiation des jüdischen Religionsunterrichts an den Gemeindeschulen. Lie Deputation hatte bereits vor einiger Zeit eine solche Reform in ie Wege geleitet. Es sollte an die Stelle des bisherigen zweistufigen lnterrichts ein dreistufiger Unterricht treten, das heißt ein unterer, rlittlerer und höherer Kursus. Das Provinzialschulkolleginm erklärte ich hiermit einverstanden, jedoch mit der Maßgabe, daß keine weiteren Hilfskräfte herangezogen werden dürften. Als nun das nämliche V'hrpersonaL diesen erweiterten Unterricht erteilte, stellte sich jedoch ine gewisse Ueberlastung heraus. Die Lehrer remonstrierten hiergegen, ind die Schulverwaltung konnte nicht umhin, die Beschwerden als;erechtsertigt allzuerkennen. Aber sie konnte nach der Verordnung >es Provinzialschulkollegiums keine Abhilfe schaffen. In ihrer letzten Zitzung beschloß nun die Deputation, die Angelegenheit dem Magistrat zu unterbreiten, damit dieser, falls er es für erforderlich > t/nUeit sollte, beim Kultusminister die erforderlichen Schritte tue. j Zfz Berlin, 10. Februar. Im Verein für jüdische Gcchichte und Literatur hielt am 5. d. M. Archivrat Professor Dr. Warschauer aus Posen einen hochinteressanten und lehrreichen Vortrag über die mittelalterliche Auswanderung der deutschen Juden nach dem Osten. Die ersten historisch beglaubigten Nachrichten übermüden in Polen stammen aus dem 13. Jahrhundert. Infolge der trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit sahen Christen und Inden genleinsarn sich gezwungen, Deutschland zu verlassen und in Polen eine neue Heimat zu suchen. Sie fanden dort eine gastliche Stätte und lebten eine Zeitlang nebeneinander in Frieden und Einracht. Jndesfell sind die deutschen Christen nach uixb nach in der ' o ln i sehen Nation aufgegangen, während die Judeil nicht bloß ihrer Ligenart, sondern auch der ihnen liebgewordenen deutschen Sprache ns auf den heutigen Tag treu geblieben sind. Der geistreiche Vorrag fand allgemeines Interesse und ullgeteilten Beifall. — Aus den inslvärtigen Literaturvereinen: In Lissa i. P. sprachen: Rabb. Dr. Freund-Ostrowo über Religionsgebränche, Dr. Ludwig Lohn-Berlin über die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Luden im Frühmittelalter, in Cottbus Archivar Dr. Ziv ier-Pleß: .Ueberblick über die Geschichte der Juden in Rußland bis zum Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts", in Magdeburg Rabb. Dr. Wilde über den israelitischen Prophetismus. Wir wollen bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß Herr F. Spanjer- Herford in Braunschweig für eine Purimaufführung einen verbindenden Text zu den sechs Bildern von Moritz Oppenheim aus dem oltjüdischen Familienleben geschrieben hat. Der Beifall, den die Ltellung der Bilder sowie der verbindende Text in einigen größeren Vereinen gefunden haben, veranlaßt uns, ganz besonders daraus stnzuweisen. Wegen Erlangung des Textes wolle man sich mit dem geschätzten Autor direkt in Verbindung setzen. 8. Berlin, 8. Februar. Der Verein „Jüdische Lesehalle ind Bibliothek E. V." hielt in den Vereinsräumen, Oranienburgerstraße 28, die 13. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende perr Dr. Max Ginsberg begrüßte die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht. Tie Bibliothek umfaßt 5719 Bände; 70 jüdische Leitungen liegen im Lesesaal aus. Der Besuch des Instituts war ein überaus reger, 24 157 Personen benutzten die Lesehalle im Jahre 1906, Von den Bibliotheksbeständen waren 2619 Bücher — etwa >0 Prozent — entliehen. Der Schatzmeister Herr Benas Levh erstattete den Kassenbericht; die Einnahmen betrugen 4449,89 Mark, die Ausgaben 4467,74 Mark. Er wies nachdrücklichst darauf hin, >aß die laufenden Einnahmen des Vereins nicht genügen, um das Institut weiter ausbauen zu können und um allen berechtigten Wünschen nachzukommen, deshalb müsse eine Vergrößerung der Zahl der jährlich beitragenden Mitglieder erstrebt werden. Bei den sodann folgenden Vorstandswahlen wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt, und zwar Herr Dr. Max Ginsberg zum Vorsitzenden, Herr Benas Levh zuul Schatzmeister; ferner die Herren Professor Dr. M. Schäfer, Dr. Th. Zloeisti, Earl Schwarz. Dr. Erich Alexander, Heinrich Frankel, Dr. H. Hildesheimer, Dr. Gustav Karpeles, Professor M. Philippson, Oberlehrer Tr. F. Rosenberg, Karl Schiff, Gustav Spielvkvwsti, Rabbiner Dr. I. Stier. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit einem herzlichen Appell an die Anwesenden, in diesen: Jahre für die Werbung neuer Mitglieder und Hebung der laufenden Einnahmen tatkräftig einzutreten. — Berlin, 9. Februar. Zn dem Rudolf Mo sse scheu Erziehungsheim zu Wilmersdorf bei Berlin, in dem Kinder aus gebildeten deutschen Familien unentgeltlich erzogen werden, sind zu Ostern wieder einige Plätze für sechsjährige jüdische Kinder frei- Schriftliche Bewerbungen werden von dem Direktor der Anstalt, Dr. Heinitz, entgegengenommen. 8. Berlin, 9. Februar. In der konstituierenden Generalversammlung des Vereins zur Förderung jüdischer Kunst wurden die von dem vorbereitenden Komitee ausgearbeiteten Satzungen mit geringen Aenderungen angenommen. Ferner wurde ein zwölfgliedriger Vorstand gewählt, der sich nach Schluß der Generalversammlung konstituierte. Den Vorsitz des Vereins hat He-r Rudolf Schildkraut übernommen; das Amt eines Schriftführers wurde Herrn Adolf Graupe, die Kassenverwaltung Frl. Berta Majerowitsch übertragen. Die Mitglieder des Vereins erhalten zu den Veranstaltungen Plätze ü.2 Mark unentgeltlich, teurere Plätze gegen entsprechende Zuzahlung, sowie höchstens drei Karten zu ermäßigten Preisen für ihre Angehörigen ausschließlich bei M. Lilienthal, Friedrichstr. 10l. Daselbst werden auch Mitgliederanmeldungen entgegengenommen. (Einschreibegebühr 2 Mark, jährlicher Mindestbeitrag 6 Mark). 8. Berlin, im Februar. Im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde fand die ordentliche Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Kultus be amte, deren Witwen und Waisen in Deutschland, E. V., statt. Anwesend waren.' Ehrenvorsitzender Herr Justizrat Dr. Fedor Stern, die Kantoren der jüdischen Gemeinde zu Berlin: Friedmann, Epstein, Kalischer, Sacher, Asch und Kirschner, ferner die Kantoren Dubowski, Ziegelroth, Earo und Kochanowski. Lehrer Noah Levh, Lemkh, Rentier Emil Benjaurin, sämtlich in Berlin; als Gäste: Simon Lemke-Kosten, Biälostozkh- Berlin und Kaufmann Julius Eohn. Der Vorsitzende, Herr Kantor A. Friedmaun, eröffnet die Sitzung, indem er . die erschienenen Mitglieder und Gäste begrüßt. Alsdann gedenkt er in warmen und ehrenden Worten des jäh Heimgegangenen zweiten Vorsitzenden, Oberkantor Schönberger-Potsdam seligen Andenkens. 1. Punkt der Tagesordnung: Kassenbericht des Schatzmeisters. Herr E. Benjamin erstattet den Kassenbericht und bemängelt hierbei die Unregelmäßigkeit in den Eingängen der Beiträge. Infolge dieses Uebelstandes lasse sich der Kassenbestand nie genau feststellen. Hierauf wird den: Schatzmeister Decharge erteilt und somit der zweite Punkt der Tagesordnung erledigt. 3. Punkt der Tagesordnung: Vorstandswahl. Einstimmig wurde beschlossen, durch Zuruf die Herren Rentiers Emit Benjamin, Gustav Michalski, Julius Cohn und Großkaufmann Emil Stadthagen als Vorstandsmitglieder zu wählen. Auf Vorschlag des Kollegen Kirschner werden die ordentlichen Mitglieder durch Zettelwahl in den Vorstand gewählt. Als Stimmzähler werden Sacher und Kochanowski bestimmt. Gewählt wurden: Epstein, Kalischer, Sacher, Asch und Caro, sämtlich in Berlin wohnhaft. Da der bisherige Vorsitzende Kantor A. Friedmann sich für behindert erklärte, ferner im Vorstande zu verbleiben, wird mit Bedauern von seiner Wiederwahl Abstand genommen. Durch Akklamation wurden die Herren Kaufmann Braun, sowie die Kantoren Ziegelrot und Goldberg, sämtlich in Berlin wohnhaft, zu Revisoren ernannt. 4. Punkt