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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-02-08 · Heft 6 (8.2.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 an hilfsbedürftige Mütter noch die Sorge für die Erhaltung des Heims übernommen. Im Namen des Vorstandes spreche er die dringende Bitte aus, dem Fürsorgeverein auch in Zukunft reichliche Spenden znwenden zu wollen. Nachdem der Vorsitzende die Einrichtung des Heims erklärt hatte, und zwar die schmucken Räume für die Säuglinge, welche Herr Malermeister Bodenstein als Spende für den Verein mit hübschen Kinderfresken hochherzig geschmückt hat, wie die behaglich eingerichteten Wohnräume für die älteren Kinder, schloß die erhebende Feier mit ergreifendem Gesang der Sängerin Fräulein Gottlieb, worauf die Besucher die Anstalt in Augenschein nahmen. Möge der Wunsch des Vorsitzenden in Erfüllung gehen, daß der jungen Stiftung ein langes Bestehen und eine' segensreiche Wirksamkeit beschieden sei. Das Heim wird Besuchern gern gezeigt. Beiträge nehmen bereitwilligst entgegen: der Schatzmeister Herr Gustab Gnmpert, in Firma Gumpert^ Rosenberg, Königstraße 27, und Fräulein Dorothea Wormann, Oranienburgerstraße 32 pt. =* Berlin, 4. Februar. Tie finanzielle Lage des Stöckerschen „Reich" und der „Staatsbürger-Zeitung" ist so gefährdet, daß Herr Stöcker einen dringenden Aufruf an „treue Protestanten" erläßt, in dem er es als nötig bezeichnet, „daß evangelische Männer und Frauen in der Höhe von 30 000 Mark für das Blatt eintreteu, damit es bestimmt weiter erscheinen kann". Herr Stöcker erzählt bei dieser Gelegenheit.' „Ein großgesinnter Patriot gab dazu 150 000 Mark. Als diese Summe nicht ausreichte, haben Freunde der Sache große Opfer gebracht, der eine 10 000 Mark, eilt anderer 15 000, ein dritter 36 000 Mart. Ich habe vor vier Monaten zu einem Fonds von 00 000 Mark aufgernfen, ohne den Zweck zu bezeichnen, der damit gemeint sei. Aber es handelt sich um die Erhaltung des „Reich"." Stöcker berichtet, daß sein damaliger Ausruf nicht den genügenden Erfolg hatte und versucht es darum jetzt noch einmal mit einem Appell. Wenn das „Reich" eingehe, so gehe damit die große Summe von 250 000 Mark verloren. — Der Aufruf ist an die „Protestanten" gerichtet, anstatt an die Antisemiten. Die Ahlwardt und Pückter haben mit der Zeit das ganze antisemitische Geschäft verdorben. Ohm, wo die antisemitischen Stöckerianer von dem Zimt genug haben, sollen die „Protestanten" bluten. Herr Stöcker versucht auf seine alten Tage witzig zu werden. Wenn das sein ehemaliger Hauptgünstling, Herr Grüneberg, noch erlebt hätte! t Thorn, 3. Februar. Die Verwaltung der Auswanderer- Kontrottstation der Hamburg-Amerikalinie in Ottlotschien an der russischen Grenze, die lange Jahre hindurch Herr Kaufmann I. S. Caro Hierselbst führte, ist zum 1. Februar d. I. dem Verwalter der Kontrollst ati on Posen, Herrn Elsner, übertragen worden. Herr Earo behält jedoch die Agentur der Gesellschaft für Thorn und Umgegend weiter. Als äußeres Zeichen ihrer Anerkennung für geleistete treue Dienste hat die Direktion der Hamburg-Amerika-Linie zu Hamburg Herrn Caro Hierselbst die goldene Medaille der Hamburg - Amerika - Linie verliehen. In dem Herrn Caro unter dem 2 2. Januar dieses Jahres zugegangeuen Schreiben der Gesellschaft heißt es mit Bezug hierauf: „Es ist dies die höchste Ehrung, welche unsere Gesellschaft bezeugen kann. Wir knüpfen daran von Herzen den Wunsch, daß Ihnen noch recht lange und glückliche Jahre beschieden sein mögen." Herr Caro war and) bis vor zwei Jahren 30 Jahre hindurch Rendant der hiesigen Shnagogengemeinde. p. Brandenburg a. H., 1. Februar. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich das Jubelfest des zehnjährigen Bestandes des hiesigen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, das am 10. v. M. stattsand. Der Saal der Ressource war überfüllt. Herr Rabbiner Dr. Ackermann, der unermüdliche Leiter des Vereins, hielt eine glänzende Festrede. Sodann wurde ein Festspiel aufgesührt. Es erschienen die allegorischen Gestalten: die Zeit, das Judentum, der Glaube, die Treue, die Liebe, der Opfermut, die Tapferkeit, die Geduld, das Gottvertrauen und die Hoffnung, alle dargestellt von jugendfrischen Mädchengestalten, die in poetischer Form einen Rückblick in die Vergangenheit und einen Ausblick in die Zukunft gaben; sie schlossen mit einer Apotheose des Vereins. Auch die dramatische Pieee, die Herr Dr. Ackermann mit feinem poetischen Sinn und mit großem musikalischem Verständnis verfaßt hatte, machte tiefen und nachhaltigen Eindruck. Hierauf fanden Mehrere humoristische Aufführungen statt, unter andern! auch der Einakter „Der gute Ton im Hause Hillel", von Artur Schweriner. Allgemein herrscht in der Gemeinde ein Gefühl der Befriedigung über den gelungenen Verlauf des Festes und der Anerkennung für Herrn Rabbiner Dr. Ackermann als Leiter des Vereins. Möge unserem Verein auch ferner eine gedeihliche Zukunft beschieden sein. Leipzig, im Januar. In den von der „Leipzig-Loge" sreundlichst zur Verfügung gestellten Räumen hielt am 26. Dezember 1906 der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes seine Jahressitzung ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Kollege Heule-Hamburg, begrüßte die Mitglieder des Kollegiums sonne die beiden Gäste, Kollege Nußbaum-Wiesbaden und Frank Leipzig, aufs herzlichste. Sodann gedachte er in ehrenden Worten des so früh dahingegangenen verdienstvollen Vorsitzenden, Kollegen Schönberger-Potsdam, während sich die Anwesenden dieser Ehrung durch Erheben von den Plätzen anschlossen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung „Geschäftsbericht" gaben der Vorsitzende und der erste Schriftführer Kenntnis von dem nmfaugreichen Schriftwechsel des Verbandes mit seinen Mitgliedern, woraus am besten das große Interesse, das allseitig dem Verbände entgegengebracht wird, zu ersehen ist. Darauf folgte die Verlesung des letzten Protokolls, sowie der Bericht über die im letzten Halbjahr durch Rundschreiben (IG an der Zahl) erledigten Verbandsallgelegenheiten. Der Kassenbericht des Schatzmeisters zeigte einen befriedigenden Stand der Kassenverhältnisse, sowie ein ständiges Wachsen der Zahl der Verbandsmitglieder. Im Anschluß an diesen Bericht wird beschlossen, allen Verbandsmitgliedern ein gedrucktes Mitgliederverzeichnis mit dem statistischen Vermerk, ob „Lehrerkantor" oder „Nurkantor", zugehen zn lassen. Im Interesse einer geordneten Finanzwirtschaft erfolgte dann die Aufstellung eines Etats, der einstimmig genehmigt wurde. Als Ersatzmann für das verstorbene Vorstandsmitglied Schönberger-Potsdam wurde Kollege I. B. Levh-Frankfurt a. M. einstimmig gewählt. Durch Zuruf erfolgte dann die Wahl des Kollegen Henle zum Vorsitzenden, Kirschner-München zu seinem Stellvertreter und Bellak-Franksurt a. O. zum zlveiten Schriftführer, so daß sich der Gesamtvorstand nunmehr folgendermaßen zusammensetzt: Heule-Hamburg, Vorsitzender, Kirschner-München, stellvertretender Vorsitzender, Fabisch-Göttingen, erster Schriftführer, Bellak-Franksurt a. d. O., zweiter Schriftführer, Zivi-Elberfeld, Schatzmeister, Hofstein - Dresden. Jacobsohll-Leipzig, Levy-Frankfurt a. M. und Rosenthal-Berlin (letztere vier als Beisitzer). — Bei dem folgenden Gegenstand der Beratung: „Kantorensektivn und Kantorenverband", macht der Vorsitzende der Versammlung Mitteilung voll den am vorhergehenden Tage gepflogenen Verhandlungen in der Kantorensektion über dasselbe Thema. Mit allseitiger Besriedigling nimmt die Versammlung von dem Ergebnis der dortigen Beratung Kenntnis, da dadurch eine Grundlage zu gemeinschaftlichem, gedeihlichem Wirten geschaffen worden ist. Hieraus folgten die Berichte der verschiedenen Kommissionen: 1. Kommission für Schaffung eines Fachorgans, durch Kollegen Jacobsohn- Leipzig. Die Vorarbeiten sind nach allen Seiten hin so lveik gediehen, daß die Lösung dieser Frage in nicht zu weiter Ferne liegt- 2. Kommission für Kantoren-Vor- und Fortbildung. Die Arbeit des Kollegen Henle wird, zu einer Denkschrift erweitert, voraussichtlich in Gemeinschaft mit dem Lehrerverband denl Deutsch-Israelitischen Gemeindebund überreicht lverden. 3. Kommission für Anstellungsverhältnisse. Der durch Krankheit am Erscheinen verhinderte Referent Bellak-Franksurt a. O. hat sein schriftliches Referat zur Verlesung übersandt. Die Versammlung heißt die darin vorgejchlagenen Mittel und Wege zur Verbesserung der bestehenden Verhältnisse in bezug auf Anstellung, Pension und Reliktenversorgung gut und beschließt die nötigen Schritte zu ihrer Verwirklichullg. Zum Schluß wurden noch die nächst zu erledigenden Arbeiten beraten nub dann schloß der Vorsitzende die Sitzung nach achtstündiger Dauer unter Worten des Dankes an alle Vorstandsmitglieder für das treue Ausharren bei den Beratungen, unter eine»! besonderen Danke an die „Leipzig-Loge", die in liebenswürdigster Weise nicht nur ihre Räume zur Verfügung gestellt, sondern auch für die nötige Erfrischung durch Speise und Trank gesorgt hatte, sowie einem herzlichen Dank an die beiden Leipziger Kollegen Jacobsohn und Frank, die sich als echte und rechte Kollegen bemüht hatten, den Vorstandsmitgliedern den Aufenthalt in

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