Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
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66 WM Orthodoxen sie verstehen, soll die rheinhessische Landjudenschostskosse aber so verwaltet werden, als ob die beiden Glaubensrichtungen in gleich starker Seelenzahl vertreten seien. Und wie ein ersprießliches Arbeiten in einer solchen Kasse denkbar sein soll, wenn ihre Leitung vier Personen allvertraut ist, die sich in zwei Lager von gleicher Zahl teilen, und die sich nach Ansicht der Petenten feindlicher gegenüberstehen als Protestanten und Katholiken, vermögell wir uns nicht klar zu machen. Bei der von den Petellten vorgeschlagenen Regelung tonnte trotzdem eine Zentralkasse und eine Zentralbehörde nicht entbehrt werden, lvenn der zur Deckung der für den Religivnsllnterricht notlveildigen Jahresalisgaben fehlende Betrag durch die im Artikel 111 des Entwurfes vorgesehene, voll allen Israeliten des Landes zu tragende Steuer aufgebracht lverden soll. Die Regelung, lvie sie die geteilten wünschen, wurde unabsehbare Schwierigkeiten hervorrusell: sie lvürde an der Spitze einer jeden Provinz dieselbe Behörde setzen, die der Entwurf für das ganze Land zur Vertretung der Gesamtheit der Jsraelitell vorsieht, ohne aber die Vorteile gewähren zu können, die nur eine Zentralbehörde bieten kann. Aber auch aus dem Grunde, daß die Petenten durch ihren Vorschlag die llnheilvotte Zweiteilung der Israeliten gesetzlich sestlegen wollen, muffen wir uns hiergegen auf das allerentschiedenste verwahren und eine RegetllNg verwersell, die einer solchen Scheidung der Israeliten Rechnung tragen lvollte. Die Petenten können nicht in Abrede stellen, daß der Rabbiner ulld sälntliche Mitglieder der Religionsgesellschast zu Mainz, die einen Gottesdienst mit altjüdischem Kultus und Ritlls eingerichtet hat, gleichzeitig auch Mitglieder der der neologen Richtung huldigenden Religionsgemeiude sind, und daß sie mit Ausnahme des Gottesdienstes fast alle linter der Verwaltung der Neologen j stehenden Kultusinstitutionen der Religionsgemeinde mitbenutzen.! Wäre es wahr, was die orthodoxen Petenten behaupten, „daß die j Neologen in ihren religiösen Prinzipien weiter von den Orthodoxen entfernt sind als die Protestanten in ihren Glaubensgrundsätzen von den Katholiken", dann wäre es doch auch eine Unmöglichkeit, daß die Mitglieder der Religionsgesellschast zu Mainz gleichzeitig Mitglieder der daselbst bestehenden Religionsgemeiude sind, so wenig ein Mensch gleichzeitig Katholik und Protestant sein kann. j Wir geben uns der Hoffnung hin, daß der in manchen seiner! Bestiuunungen verbesserungsbedürftige Entwurf nach Vornahme der; von uns für notwendig erachteten Aenderungen, worüber noch Antrag j erfolgen soll, Gesetz wird, damit die Wünsche des weitaus größten! Teiles der Israeliten Hessens sich erfüllen und ein Gesetz zustande 1 kommt, das den Israeliten Hessens die längst ersehnte Gefault- 1 Vertretung gewährt und das geeignet ist, den religiösen Frieden unterallen Konfessionen, insbesondere aber unter den verschiedenen Glaubensrichtungen der Israeliten, zu befestigen. Mainz, im Januar 1907. Tie Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden zu j Mainz, Dar msta dt, Gießen und Bingen. | Wohin? Wohin? Von Wiener. H^ohin rettest du dich, arme, geplagte Menschheit, mit deinem ewigen Jammer? Weltschmerz und Weltflucht predigen Christentum, Buddhismus und unser van demselben angekränkeltes pessimistisches Zeitalter, und nur das ans dem ewig sprudelnden Jungbrunnen des Messiasglaubens unzerstörbare Hoffnungsfreudigkeit schöpfende Judentum läßt noch die Möglichkeit einer Besserung im Diesseits zu. Lehnsucht nach dem Lande „Nirgendwo" ersüllt die Herzen aller Dichter und Weltverbesserer, und schmerzlich klagt der große Dichter: „Ach, aus dieses Tales Gründen, Die der kalte Nebel drückt, Könnt' ich doch den Ausgang finden, Ach. wie fühlt' ich mich beglückt!" Der kalte Nebel, der heute auf der gesamten Kulturwelt so schwer lastet, Geist und Seele verdüsternd, ist der materialistische Zug unserer Zeit, mit ihrer leidigen sozialen Frage und Pharaonischen Frohne, die auch das Miasma des Antisemitismus erzeugt hat. Wohin? Wohin mit unseren armen, gemarterten Brüdern aus diesem brodelnden Hexenkessel, aus dieser Pestluft bei russischen Hölle? Alle Kulturstaaten verbarrikadieren sich himmelhoch gegen das Zuströmen dieses Massenproletariats. Die Vereinigten Staaten, das freieste Land der Welt und die bisherige Frei statte aller Verfolgten, haben eine chinesische Mauer errichte und sind jetzt schwerer zugängig als Rußland. Der Einwanderer wird gewogen, gemessen, auf Augen, Herz und Nieren geprüft und bei der geringsten Deformation unerbittlich ausgeschlossen, gleichviel, ob Mann von Frau, Kinder von Eltern gewaltsam losgerissen und alle Bande der Natm und Menschlichkeit grausam durchschnitten werden. Wieviel namenloser Jammer da schon erwachsen, oas erzählt die Chronik nicht. Können wir das Land tadeln, das a la ldv de Ja civilisation spaziert, in weiser Fürsorge für seine Landeskinder das darwinische Evangelirnn der Auslese und Zucht wähl auszuführen sucht? Die einmal drüben sind, ob mi! heilen oder gebrechlichen Gliedern, sind beati pogsideotes, die für die arinen Ausgeschlossenen nur ein mitleidiges Bedauern oder den Ueberschuß ihrer reichen Kasse übrig haben. Wohin also? Der leichtherzige Zionismus wird rasch mil der Antwort fertig: Zion. Doch abgesehen von den unsäglichen Schwierigkeiten, die der Verwirklichung des alte» Traumes eutgegensteheu, muß es ja ein Phantom, ein Wolken-Kuckucksheim bleiben, da weder der Sultan noch die christlichen Mächte die Gründung eines Jndenstaates an de» Stätte des heiligen Grabes begünstigen lverden. Und daruin taut de brnil pour nne omelelte?! Wohin? Diese Frage sucht jetzt der sich vor bald anderthalb Jahren von dieser Partei getrennte Territorialverein „Jto" zu löse». Das Uganda-Projekt in Ostafrika hat sich als lingeeignet erwiesen. „Wliat nexf?" fragen wir mit den trockenen Lakonismus des Engländers. Ach, wie vielfach schon und in allen Weltzonen ist die Ausführung dieses Projektes versucht worden! In der vorchristlichen Zeit erstand im Pharaonenlande in der Landschaf! Heliopolis, der Wiege des Judentums, der berühmte Oniasstaat mit lia-Zedek, der Stadt der Gerechten, die bei Römerwut zum Opfer fiel und mit der Herrlichkeit Alexandrien-: meteorgleich verschwand. — Im sechzehnten Jahrhundert versuchte Joseph Naßi, der Herzog von Naxos und der Cykladen. mit Soleimans und Selims Hilfe einen Tiberiasstaat zu errichte» und ein Königreich CyPern aufzubauen, welchen Traum später der berühmte Staatsmann Disraeli-Beaeonssield nachzuträume» suchte. Im neunzehnten Jahrhundert erstanden hintereinandei mehrere Staatenversuche: die jüdische Juden-Sawanuah a« Moracaibo-See in Südamerika, Ararat oder City of Refuge au Long Island im Staate New Pork, bei Albany (Nordamerika i durch den Richter Mordechai Noah und endlich die argen tinische Schöpfung des Barons von Hirsch. Alles, alles wa Utopie, ein blendendes Spiel der Fee Fata Morgan«. De» armen jüdischen Wüstenpilgern zeigt sich vergebens das rettend Lalld. Und doch gibt es noch so viele unbewohnte Jnselir au dem weiten Ozean und so viel unbebautes Land. Babyloi und Syrien, jetzt nur wüste Fundstätten für archäologisch« Ausgrabungen, könnten durch vereinte Anstrengungen de? stultui schwer« Zustar verdei zeprüf Welt oreisgi Z ittung Nensck n die ( A patte. irisch, gearbe iager zebietk reisen i'0. Ge oollte wunde ibcrsci patt ii Aesun ich in r die! zebrac zeit u eben 'rächt« örper )ie a ourchz Freu» ehrtci «hm d Kister t an »eilig §eneh V> Mir,-je I« .'itbUM leiten Bebien tieften tzedich illem Äohlk ei ger I. ami i uenu omml