Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 Fasson sich politisch anschließen könne und nicht gewissermaßen notgedrungen zur Opposition gehöre, nicht notgedrungen links sitze, während es ihm viel besser ans der rechten Seite gefiele, würden wir uns von Herzen freuen, wenn der liberalere Geist, den wir jetzt über den politischen Gewässern bei uns schweben sehen, sich dauernd festsetzte. Ob es dann noch Antisemiten geben würde? Da die Dummen sowohl wie die Bösen nie alle werden, die Antisemiten aber beides sind, müssen wir damit rechnen, daß wir auch in Zukunft mit Antisemiten zu rechnen haben werdenwenn sie vielleicht auch nur als verkappte Antisemiten auftreten, wie sie ja in diese» Wahlen meist auch nicht offen als Antisemiten sich zu bekennen gewagt haben und lieber unter falscher Flagge gesegelt sind, nach Möglichkeit antisemitische Tiraden vermeidend. Nur der edle Dreschgraf hat mit ganz offenem Visier gekämpft und hat denn auch in demselben Berlin, in welchem man sich zu seinen Versammlungen drängte, obwohl das Vergnügen 20 bis 30 Pfennig kostete, cs auf ganze acht, sage und schreibe acht Stimmen gebracht. Der Gras war so rücksichtsvoll gewesen, irr seine Wahlversammluugen Jüdinnen und Inden nicht einzulassen. Im ganzen haben die Antisemiten, trotzdem sie sich sänstiglich geberdeten, in den Haupt,vahleu keine Lorbeeren gepflückt, aber es scheint leider, daß es ihnen in den Stichwahlen besser gehen wird, da die Ordnungsparteien überall, wo sie mit Sozialdemokraten in die Stichwahl kommen, für sie eiiltreten. Für uns aber gibt es Antisemiten gegenüber in allen Wahlen, mag die Konstellation sein, welche sie wolle, nur eine Parole, kann es nur eine Parole geben: „Keinen Antisemiten!" Nicht nur, weil die Juden nicht die allergrößten Kälber sein wollen, die ihre Metzger selber wühlen, sondern auch, weil es bei allen Parteien, Zentrum und Sozialdemokraten nicht ausgeschlossen, auf ein Mitglied mehr oder weniger schließlich nicht ankommt, während jeder einzige Antisemit i>n Reichstag dem deutschen Vaterlande zur Schande gereicht und gewissermaßen Vertreter der äußersten Rückständigkeit, Dummheit und der brutalsten Barbaren ist. Aus diesem Grunde dürfen nicht Juden und sollten auch anständig gesinnte Christen keinem antisemitischen Kandidaten ihre Stimme bei irgend einer Wahl in Stadt und Land geben. Dir Woche. Berlin, 4. Februar, enu diese Blätter in die Hände der Leser gelangen, sind auch die Stichwahlen für den Reichstag vorüber. Es ist schon jetzt zu ersehen, daß sie eine wesentliche Stärkung der Parteien bringen werden, ans die wir uns verlassen können. Daß zu diesen die Nationalliberalen leider nicht mehr gehören, tritt immer klarer hervor. Nicht bloß bei Stichwahlen :nit Sozialdemokraten, sondern sogar bei einer solchen zwischen einem deutsch-fortschrittlichen und einem antisemitischen Kandidaten haben sie sich für letzteren entschieden. Und das ist die Partei, der einst Laster und Bamberger angehört haben. Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß die Antisemiten aller Schattierungen, obwohl sie an Stimmenzahl erheblich eingebüßt haben, in der früheren Stärke, nämlich 16 Mann hoch, in den Reichstag einziehen werden. Von einem „Aufschwung", den sie mit verblüffender Sicherheit vorhergesagt. kann natürlich nicht die Rede sein. Man braucht bloß auf die kläglichen Wahlergebnisse der Antisemiten und der mr ihnen verbündeten Konservastven in der Reichshauptstadt, im die Stöckersche Bewegung einst ihren Ausgang genommen hat hinzuweisen, sowie auf die Tatsache, daß in vielen anderei Gegenden unseres Vaterlandes die Versuche der Antisemiten Boden zu gewinnen, gescheitert sind, um zu erkennen, daß du Antisenüten keinen Grund zu solchem prahlerischen Gebähre» haben. In, Jahre 1893 sind 16 Antisenüten in den Reichsten eingezogen, und wenn jetzt eine fast gleiche Zahl dort erscheine, sollte, so glauben wir, daß die Herrlichkeit nicht lange dauern wird, ivenn die Gegner des Antisemitismus ihre Schuldigkeit tun und durch rastlose Aufklärungsarbeit und feste Organisationen die Bewegung einzudämmen bemüht sind. Zn den Leitsätzen des Verbandes der Deutschen Inden zum preußischen Schul,interhaltuugsgesetz wird uiu: geschriebeu: Die kürzlich versendeten Leitsätze haben in einigen jüdischen Zeitungen unerwarteterweise eine Reihe von Angriffen erfahren welche es erforderlich machen, zur Erläuterung der dort gemachten Vorschläge einige Worte nachzntragen. Daß preußische Schulnnterhaltungsgesetz soll am 1. April 190v für die ganze Monarchie, mit Ausnahme der Provinzen Posen und Westprenßen, in Kraft treten. Nach der preußischen Schulstatistik von 1901 waren in ganz Preußen in öffentlichen Volksschulen 24 022 jüdische Kinder eiugesclmlt. Die Zahl der vollbeschäftigten jüdischen Lehrkräfte betrug 394. Jüdische öffentliche Volksschulen besuchtes! 6937 Kinder -28,9 Prozent. Nicht jüdische öffentliche Volksschulen dagegen besuchten 17 985 — 71,1 Prozesst. Von den sechs Millionen Schulkindern in Preußen überhaupt waren nicht ganz 69 009 jüdischc Kinder. Da diese nuiin Höhe von 24 090 in öffentlichen Volk^ schulen, in Höhe von 2900 iss privaten Volksschulen Unterrichtes wurden, so ergibt sich, daß weit über die Hälfte der jüdischeis Kinder eine über die Volksschule hinausgehende Ausbildung genossen hat Die anstliche Statistik berechnet die Zahl der über die Volksschule hinaus vorgebildeten Kinder bei den Inders mi| 56,29 Prozent, be> den Christen auf 7.29 Prozent. Von den in jüdischen Schulen unterrichteten jüdischen Kindern kornmen aus die Provinz Posen 1704, auf Westpreußen 119. Von ben Lehrkräften an jüdischen öffentlichen Volksschulen anstierten in Posen, in Westpreußen 5. Das Gesetz findet also Anwendung auf 224 jüdische Lehrkräfte uub 5114 jüdische Volksschüler, welche jüdische Volksschlllen befmlieit; 95 Lehrkräfte sind an paritätisches! Schulest gezählt. Rurs ergibt aber die Statistik ferner, daß die Zahl der jüdischem Schulkinder trotz steigender Bevölkerungszahl ständig in der Abnahme begriffen ist. Cs lvurdcn gezählt: 1886: 36 429. 1896: 27 915. 1891: 39 386. 1901: 24 922. Das Sinken dieser Zahl ist nur zum Teil durch den Zugang der Kinder zu höheren Schulen ausgeglichen. Das spätere Heiratsalter und die sinkende Kinderzahl der Juden überhaupt erklärt hauptsächlick diesen Vorgang. Cs wenden sich fortdauernd jüdische Gemeinden in kleisteren Orten fragend an die Zentralinstitnte in Berlin, um Aujkläruug darüber zu gewinnen, wie sie sich bei dent Rückgang ihrer jüdische: Schulen, der überall beobachtet wird, zu verhalten haben. Es ist eil anscheinend unaufhaltsamer Vorgang, daß wegen sinkender Fregueu irnmer rnehr jüdische Volksschulen ist den kleineren Orten ihren Untergange entgegengehen. Das Schulunterhaltungsgesetz, lueldieeine vollständige Umgestaltung der Volksschulen und voraussichtlicl für die nicht lebensfähigen Volksschulen das Ende bedeutet, stellt beium Rat angegangenen Vereinigungen, insbesondere dem Verband eine verantwortungsvolle Aufgabe. In den Leitsätzen ist es ausdrücklich verurieden, einet: Rat auf Auflösung jüdischer Volksschulen zu erteilen Die gehässigen Kritiken, welche sich an die Leitsätze anschließen .'erschtr mrzust mindest?es Ve Anflösr Veteilic .'erstän tnmer ndischt müßten üdisch- Ztellui lelesen, md wi .ember De nüssen : reise >ie Vei Uatschl Der Ve wß er -estimn 7 rankst We ührun inen P iußerui ür die licht n rlaß l r käme ollen. Elt ) v i ft l x linben 5abbat : arteiis rthodo uhe v nßerpt Ult, ih u vert: De eilten, b das Uctjt i i. Di, - ller jü ichtet egner inder nen £ ' ic dem! ewiß n chule ’ ir die i Hut ei ->if; sie - v sie i at ge i iilbern 1 'ghorz ‘ u der] iGes i 'v sie e igen -!