Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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- s. ©erlitt, 26. Januar. Der Rote Adlerorden sollte, wie eiye Kabinettsorder vom .26. Februar 1851 bestimmte, an Nichlchristen nicht in Kreuzesform verliehen werden. Diese Bestimmung ist nicht, wie kürzlich Zeitungen meldeten, zehn Jahre später ausgehoben, sondern nur eingeschränkt worden. Die Ursachen dieser Aenderung sind nicht ohne Interesse. Jene Kabinettsorder lautete: „Ich mache der Generalordenskommission hierdurch bekannt, daß ich für den Fall der Verleihung des Roten Adlerordens an Nichtchristen, für welche die stiftungsmäßige Kreuzesform der Dekoration nicht angemessen erscheint, folgende aus den beifolgenden Abbildungen sich ergebenden Abänderungen beschlossen habe: Bei der I. Klasse, bei welcher der Stern die sLiftungsmäßige Form behält, tritt an die Stelle des Kreuzes am Bande die Wiederholung des Sterns. Bei der II. Klasse wird statt des Kreuzes um den Hals der durch Erweiterungsurkunde vom 18. Januar 1830 gestiftete Stern, und wenn dieser als höhere Auszeichnung besonders verliehen ist, auch auf der Brust getragen. Bei der HI. Klasse lvird das Kreuz durch einen am goldenen Ringe zu befestigenden Stern von der Form des Sternes II. Klasse, jedoch nur von der Größe des Kreuzes III. Klasse, und bei der IV. Klasse dasselbe durch einen Stern in Medaillenform-ersetzt." Durch einen Erlaß vom 5. Juli 1861 wurde dann folgende Aenderung festgesetzt: „Ich ermächtige die Generalordenskommission, auf das beigebende Gesuch des Kommerzienrats N. zu N. die dem Bittsteller für Nichtchristen verliehene Dekoration des Noten Adlerordens IV. Klasse gegen eine solche in der allgemein vorgeschriebenen Form einzutauschen und in gleicher Weise zu verfahren, wenn andere Nichtchristen sich mit solchen Gesuchen melden. Für die Zukunft ist bei neuen Ordensverleihungen die Dekoration in der für Nichtchristen vorgeschriebenen Form nur dann auszugeben, wenn solches von nur ausdrücklich bestimmt wird." Letzteres geschah nach Erlaß dieser Kabinettsorder noch bei einzelnen Verleihungen des Ordens an — Mohammedaner. 8. Berlin, 28. Januar. Eine sehr interessante Statistik über die auf dem Friedhose in Weiße ns ee erfolgten Beerdigungen ist für die Zeit vorn 1. April 1905 bis 31. März 1906 von den beiden Friedhofsbeamten Inspektor Weidenreich und Liturg Moses zusammengestellt worden; der Bericht enthält gleichzeitig bemerkenswertes Material aus dem Verwaltungsgebiet des Friedhofs und gibt in seinen trockenen Zahlen, die vielfach auch die ganze Periode der nunmehr 26 Jahre bestehenden Ruhestätte umfassen, ein deutliches Bild über alte in diesem Ressort vorkommenden Fragen. Unter Fortlassung der rein verwaltungstechnisch wichtigen Zahlen geben wir nachstehend diejenigen, die allgemeinere Beachtung verdienen. Jnl Laufe des Berichtsjahres 1905/06 wurden unter Zurechnung der aus den letzten Tagen des Vorjahres zur Bestattung verbliebenen elf Leichen 1741 Leichen eingeliefert. Hiervon wurden nach außerhalb drei zur Bestattung und zwei zur Einäscherung wieder abgeholt. Für das kommende Berichtsjahr 1906/07 Verblieben von den in den letzten Tagen des Jahres 1905/06 eingelieferten Leichen 13, so daß demnach im Laufe des Berichtsjahres 1905/06 1723 Leichen bestattet wurden- Erwachsene wurden 1325 beerdigt, von diesen waren männlichen Geschlechts 728, weiblichen Geschlechts 597. Kinder bis zu 12 beziehungsweise 13 Jahren wurden beerdigt 398; unter diesen befanden sich : totgeborene 72 (männlich 37, weiblich 35), unter ein Jahr 207 (männlich 123, weiblich 84), zwischen ein und zwei Jahren 52 (männlich 28, weiblich 24), von zwei bis sechs Jahren 37 (männlich 21, weiblich 16), von sechs bis zwölf beziehungsweise 13. Jahren 30 (männlich 14, weiblich 16). Außerdem wurden sieben Frühgeburten und ein amputiertes Bein vergraben. Von den 1723 Leichen wurden gebettet: in Erbbegräbnissen 123 Erwachsene und fünf Kinder, im Felde für Eheleute 509 Erwachsene und ein Kind, neben bereits früher bestatteten Ehegatten (Zwischeugräber) 204 Erwachsene, im Felde für Alleinstehende 488 Erwachsene, in der Ehrenreihe ein Erwachsener, in dem Felde für Kinder 392. Von den Verstorbenen erreichten ein Alter über 80 Jahre 107 6,2 Prozent (männlich 48, weiblich 59), ein Alter über 90 Jahre 7 (männlich 3, weiblich 4) nnd ein Alter von 100 Jahr 11 Monaten ein Mann. Die höchste Anzahl der Beerdigungen erreichte der Monat Mai mit 171, die geringste Anzahl der Monat Oktober mit 119. Die höchste Anzahl in der Woche ergab die Zeit vom 2. bis 7. Juli mit 47; die meisten Beerdigungen an einem Tage fanden am 21. Mai statt (zehn Erwachsene, ein Kind). Nur an einem Tage des Berichtsjahres (1-4. Februar) sand keine Beerdigung statt. Im Monat März überstieg die Zahl der weiblichen Verstorbenen die der männlichen, ein Fall, der sich seit Bestehell des Friedhofs, also seit etwa 26 Jahren, zum erstenmal ereignet hat. Die Durchschnittszahl der Beerdigungen betrug bei 305 Beerdignngstagen somit täglich fünf bis sechs. Unter den beerdigten Leichen befand sich ein unbekanntes Kind weiblichen Geschlechts, dessen Identität nicht festzustellen war. Aschenbeisetzungen befinden sich unter den angegebenen Beerdigungen zwei, so daß nunmehr in der Zeit vom November 1885 (dem Tage der ersten Beisetzung) bis zum Schluß des Berichtsjahres achtundvierzig Aschen beigesetzt wurden. Andersgläubige Ehefrauen von hiesigen Gemeindemitgliedern wurden vier beigesetzt, 19 Kondukte (feierliche Uebersührungen vorn Hause) fanden statt und 53 Zuführungell von außerhalb Verstorbenen mittels Bahn zur BestattllNg. 6 Fälle von Doppelbeerdigungen sind vorgekommen. In einem Falle wurde Vater und Sohn, in einem Falle Mutter und Tochter nnd in den vier anderen Fällen wurden Zwillingsgeschwister zu gleicher Stunde beerdigt. Im Laufe des Jahres wurden die Felder 8, Abteilung II für Ehegatten, und R, Abteilung II für Alleinstehende, zu Ende geführt und mit dem Belegen der Felder T und U, Abteilung II, begonnen. Die Entfernung dahin (von der Predigthalle aus) beträgt xh Kilometer! Wir erinnern bei dieser Gelegenheit, daß erst in der vorletzten Sitzung der Repräsentantenversammlung die Eingellleindung der Veltener Juden abgelehnt worden ist. Die Friedhojskommission hatte sich hier mit Rücksicht auf die große Entfernung Veltens von Berlin — sie beträgt 27,1 Kilometer — gegen die Eingemeindung ausgesprochen. Schon jetzt hat die Verwaltung infolge der kürzlich erfolgten Zuteilung mehrerer Ortschaften bei Abholung von Leichen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Friedhosskolonnen müssen oft einen ganzen Tag und länger unterwegs sein, und es empfiehlt sich gewiß nicht, diese Schwierigkeiten durch die Aufnahme neuer, so weit entfernt liegender Ortschaften noch zu vermehren. Von der Eröffnung des Friedhofes am 9. September 1880 vis zum Schluß des Berichtsjahres 1905 06 sind in Weißensee 29827 Leichen beerdigt worden. Bei 645 Beerdigungen waren Prediger zugegen 931 fanden mit liturgischer Andacht statt; 147 Kinder (unter 30 Tage alt) wurden ohne Zeremonie beigesetzt. Mit Erlaubnis des Gemeindevorstandes haben 17 Herren aus nicht theologischen Kreisen an der Bahre gesprochen. Chorgesänge wurden ausgeführt von beit Gemeindeshnagogenchören 286, ans privaten Rücksichten, nach eingehakter Erlaubnis, von denselben Chören 5, von anderen Chören 4. Chorgesang mit Harmoniumbegleitung fand in 3 Fällen statt, in einem Falle nur Harmoniumspiel. Bei 2 Beerdigungen von Mitgliedern eines Militürvereins waren Musikkapellen zugegen, bei 3 Beerdigungen wurden durch Mitglieder eines Militärvereins Ehrensalven abgegeben. Im Lause des Jahres wurden 90 Erbbegräbnisse erworben, darunter 68 für 2 Personen. 1 jür 7 Personen. 12 Exhumierungen fanden statt, nämlich auf gerichtliche Anordnung 1 zur Ueberführung nach Erbbegräbnissen 9, zur Umbettung neben den Ehemann 1, zur Ueberführung nach auswärts 1. Obduktionen fanden 4 statt. Der Statistik entnehmen loir schließlich noch, daß am 9. September 1905, am gleichen Tage, an dem vor 25 Jahren der Friedhof seiner Bestimmung übergeben ivorden ist, 3 Beamte ihr 25jähriges Dienstjubiläum begangen haben, welches auf Veranlassung der Friedhofskommission in dein würdig geschmückten Versammlungsraum gefeiert wurde. Einer dieser Jubilars hat den Ehrentag leider nur wenige Monate überlebt; seine langjährigen treuen Dienste ehrte die Friedhosskommission durch Entsendung eines Mitgliedes zur Bestattungsfeier. — Soweit die Statistik, welche, wie anerkannt werden muß, mit größter Sorgfalt alle Vorgänge im Bereiche der Friedhofsverwaltung rubriziert hat. Dieselben Verfasser beabsichtigen, demnächst eine Darstellung des Beerdigungs- und Friedhofswesens unserer Gemeinde und der darauf bezüglichen Bestimmungen herauszugeben, unter sorgfältiger Berücksichtigung aller Verfügungen, die in der Zeit von der Gründung des Friedhofs bis heute von den Gemeindekörperschasten erlassen worden sind, sowie mit einer aus dieser Arbeit sich ergebenden Aufstellung einer Friedhofsordnung. Als Anhang soll auch dieser Arbeit statistisches Material aus dem Verwaltungsgebiet des Friedhofs angefügt werden.