Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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I. Jahrgang- Nr. 5 Der Gemeindebote. Kerlin, i. februar 1907. Deilsge zur „Allgemeinen Lrltung drK Judentums" LiorrrlponLrn-rn und Sschrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 27. Januar. In der heutigen Repräsentantenrrsammlung, welcher eine sehr uni fangreiche Tagesordnung vorl g, gelangte zunächst die Vorlage betreffend den Bau der Synagoge H asanenstraße zur Kenntnis der Mitglieder. Der Referent Herr Zlcon Hirsch berichtete, daß die gemischte Deputation beschlossen habe, D n Entwurf des Gemeindebaumeisters Herrn Hoeniger anzunehmen u ib von einem Preisausschreiben Abstand zu nehmen. Bestimmend h erfür sei gewesen, daß Baumeister Hoeniger speziell auf dem (> 'biete der Synagogenbauten und ihrer inneren Ausstattung die g ößten Erfahrungen habe und daß durch ein Konkurrenzausschreiben z viel Zeit verloren gehen wurde. Gemeindevorstand und Ausj utz HI haben diesen Beschluß genehmigt. Kommissar Netter fügt b nzu, daß voraussichtlich die Baukommission der Gemeinde die Bauausführung übernehmen wird. Justizrat Dr. Veit Simon äußert denken gegen diese Form der Erledigung der Vorlage. Nach seiner ') einung ist vom ästhetischen Standpunkt mancherlei gegen die letzten i r qnagogenbauten einzuwenden; man sollte der weiteren Oeffentlichkeit , tllegenheit geben zu Ratschlägen für den Ban gerade dieser Synaa ge, welche voraussichtlich später den Mittelpunkt des von unseren ( ameindemitgliedern sehr stark bewohnten Westens der Stadt bilden a arde. Er verweist auf das glänzende Resultat, das z. B. irr Tüsselt rf durch ein Preisausschreiben beim Bau der Synagoge erzielt i orden sei. Die Verzögerung des Baubeginnes spiele bei u nem solchen Gebäude keine Rolle. Kommissar Netter bei.eitet, daß die Bauten der letzten Synagogen schlecht aus-; fallen seien und glaubt, daß in Anbetracht mannigfacher titionen aus den Kreisen der Gemeindemitglieder die Verzögerung > s Baues sehr wohl in Betracht komme. Die Ausstellung des Bau-; ojekts sei notwendig gewesen, weil polizeiliche Baubeschränkungen ' r diese Gegend vorliegen. Herr Hirsch bittet, dem moclus proeeclenäi > hig Folge zu leisten. Man dürfe der Hoffnung sein, daß ein! onumentales Bauwerk präsentiert werden würde, und durch ein reisausschreiben müßte auch die Errichtung fernerer Synagogen ieder um längere Zeit hinausgeschoben werden. Rechtsanwalt r. Jgn az Coh n bestreitet ebenfalls, daß die letzterrichtetenSynagogenl ruten nicht schön wirken. Nach seiner Ansicht habe man auch nicht i rauf zu achten, Prachtbauten aufzuführen, sondern mit den geringen, ' r Verfügung stehenden Mitteln möglichst viel Synagogen zu richten, die nur der Forderung entsprechen müssen, würdige idachtsstätten zu sein. Justizrat Dr. Simon widerspricht dieser nsicht. Es brauchten keine Prachtbauten zu sein, aber sie müßten i chitektonisch und ästhetisch allen Anforderungen entsprechen, da die nrde der Gemeinde zum Teil durch das Aeußere des Baues l vräsentiert werde. Das Bauwesen des Staates habe Schiffbruch! litten, weit man stets nur die von den staatlichen Baumeistern * tworfenen Projekte ausgeführt habe, und wenn man neuerdings ' rsucht habe, im Staate anders vorzugehen, so werde das wohl i lch bei der jüdischen Genieinde möglich sein. Kommissar Netter l ttet nochmals, im jetzigen Moment nichts an der Sachlage l ändern. Gefalle das Projekt nicht, so sei noch immer Zeit, ' nn ein Preisausschreiben zu erlassen. Herr Loewenthal wie l :ch Kommissar Justizrat Lach mann heben die Vortrefflichkeit und - hönheit des Hoenigerschen Entwurfes hervor; der letztere Redner l cont, daß gemäß den für den Bau gegebenen Dispositionen ein l lserer Entwurf nicht gemacht werden könnte und daß auch durch e Preisausschreiben keine Gewähr geboten sei, geeignetere Projekte . erlangen. Justizrat Dr. Simon weist nachdrücklich darauf hin, l >ß er nur gegen das Prinzip gesprochen habe, nicht etwa gegen den 'liegenden Entwurf, den er gar nicht kenne. Es fehle jedoch hier i 'er Vergleichungsmaßstab, ob nicht ein noch besserer Plan gemacht werden könnte, und dazu sei man nur durch eine Konkurrenz in der Lage. Er beantragt, die Vorlage an den Gemeindevorstand zurückzügeben mit der Bitte, eine beschränkte Konkurrenz zu erlassen. Der Antrag fiel bei der Abstimmung mit 2 gegen 17 Stimmen. — Zwei Zuwendungen wurden alsdann debattelos angenommen, nämlich die des Herrn J oseph Fr aenkel, des jüngst verstorbenen Repräsentanten, im Betrage von 12 000 Mark zwecks Errichtung einer Bettstistung für die Alterversorgungsanstalt, ferner das Legat der Frau Henriette Meyerstein im Betrage von 12 000 Mark an die Alterversorgnngsanstalt. — Die turnusmäßig zum Dezember ausgeschiedenen Mitglieder der Fürsorge- und Armenkommission wurden durch Akklamation sämtlich neugewählt. — An den Verein Tiergarten-Synagoge wird eine Subvention von 2000 Mark und eine einmalige Beihilfe von 1500 Mark gewährt. Es folgen nunmehr 10 Rechnungsabschlüsse verschiedener Verwaltungskommissionen pro 1905 06, die sämtlich meist debattelos dechargiert wurden. Wir heben aus dem Abschluß des Krankenhauses hervor, daß die Einnahmen inklusive des Gemeindeznschusses von 71530 Mark insgesamt 255579,51 Mark betrugen, die Ausgaben 257106,83 Mark. Für die neuzuerrichtende gynaekologische Abteilung > waren bis Ende Oktober rund 423000 Mark eingegangen. Es wurden 1732 Kranke verpflegt mit 56881 Verpflegnngstagen, darunter 585 gratis; für 133 fremde Kranke wurden die Kosten mit 6541 Mart aus der Fremdenkrankenkasse bestritten. Aus Verpflegungsgeldern sind zirka 120000 Mark (gegen 105000 Mark im Vorjahr) eingegangen. Geheimrat Blumenthal vermißt in dem Bericht eine Angabe über die Frequenz in der Poliklinik, die er deshalb für wichtig hält, weil nach Verlegung des Krankenhauses im Zentrum der Stadt eine Stelle sich als notwendig erweisen werde, wo arme Kranke unentgeltlich ambulant behandelt werden können. Sein Antrag, einen statistischen Nachweis über die Frequenz und über die Ausgaben der Poliklinik zu geben, wurde angenommen. — Die Tagesordnung wurde hier wegen der Einführung des neugewählten Aeltesten-Stellvertreters Herrn Salomon Seligsohn unterbrochen. Der Vorsitzende Louis Sachs begrüßt den Gewühlten in einer längeren Ansprache und verpflichtet ihn auf sein neues Amt. Er weist ihn daraus hin, daß die steigenden Aufgaben der Gemeindeverwaltung bei der gesetzmäßig nur geringen Zahl der Vorstandsmitglieder eine große Arbeitskraft erfordern werden, und bittet ihn, durch Handschlag zu versichern, daß er sein neues Amt treu wahren, seine Handlungen stets zum Besten der Gemeinde einrichten werde. Er hebt lobend hervor, daß sich der Gewählte selbst dem Dienste der Gemeinde gestellt habe und spricht die Zuversicht aus, in der Person des neuen Mitgliedes dem Vorstand eine Kraft zugefügt zu haben, ans welche die Verwaltung mit Stolz blicken könne. — Nach Wiedereintritt in die Tagesordnung kommt es zu einer lebhafteren Debatte beim Reichnungsabschluß der Synagoge Kaiserstraße. Herr Weinberg führt hier bewegliche Klage, daß die alte Synagoge stets als Stiefkind der Gemeinde betrachtet werde und berechtigte Beschwerden — wie z B. die unwürdige Unterbringung des Chors — keine Abstellung erfahren. In diesen Klagen wird Herr Weinberg lebhaft von Rechtsanwalt Tr. Cohn unterstützt. Die Kommissare Oliven und Netter bestreiten die stiefmütterliche Behandlung der Synagoge, da bisher kein berechtigter Wunsch von der Baukommission abgelehnt worden sei. Schließlich findet noch ein Antrag Blnmenthal-Loewenthal Annahme, den Vorstand zu ersuchen, eine spezielle Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben jeder einzelnen Synagoge zu liefern. — Bei dem Abschluß der Waisenkommission führt Rechtsanwalt Dr. Cohn aus, daß es besser gewesen wäre, hier keine Ersparnisse zu machen. Erregt an, daß die Waisenkommission sich auch derjenigen Kinder annehmen möge, denen die Eltern keine Erziehung zuteil werden lassen können. Er verweist auf das bereits bestehende und segensreich wirkende Fürsorgeheim sür Säuglinge und kleinere Kinder, ferner ans das von der Großloge des Ordens Bne Brith aus Anlaß des fünfundzwanzig-