Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 s. Berlin, 20. Januar. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat dem Verband für Statistik der Juden für das Jahr 1906 eine Subvention von 1000 Mark bewilligt, die Baronin Cohn* Oppenheimsche Stiftung für das Jahr 1907 einen Beitrag von 200 Mark, die Frankfurter jüdische Gemeinde für das Jahr 1906 eine Subvention von 200 Mark. Ter Hilfsverein deutscher Inden, welcher den statistischen Verband ebenfalls subventioniert, hat beschlossen, in das Kuratorium des Verbandes einen Vertreter zu entsenden und als solchen sein Vorstandsmitglied Herrn Oscar Berlin designiert. Am 17. d. M. fand im Architektenhause, Wilhelmstraße, eine öffentliche, vonl Vorstande des Verbandes veranstaltete Versammlung statt, in der Dr Bernhard Kahn, Sekretär des Hilfsvereins deutscher Juden und Mitglied des Vorstandes des Verbandes sür Statistik der Juden, einen Vortrag gehalten hat. Nähere, die Versammlung betreffende Angaben werden demnächst veröffentlicht. Für das Bureau für Statistik werden qualifizierte Kräfte gesucht, die in der Lage wären, zunächst gewisse Arbeiten (gegen Honorar) zu übernehmen. Die Leitung des Bureaus erteilt Mitarbeitern mit genügender theoretischer Vorbildung alle nötigen Informationen hinsichtlich der Methode und der Quellen, die bei der Bearbeitung der Statistik der Juden in Betracht kommen. Herren, die ihre akademischen Studien beenden, seien darauf aufmerksam gemacht, daß sie, wie das in den letzten Jahren mehrfach bereits erfolgt ist, die Themen ihrer Doktor-Dissertationen aus den: Bereiche der Statistik der Inden wählen können. Kleinere Arbeiten finden in der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" jederzeit gegen Honorar Aufnahme. Auch eröffnet sich jüdischen Statistikern, die mit ihrer Beherrschung des Gegenstandes Liebe für denselben verbinden, mit der Zeit Aussicht auf eine feste Stellung im Bureau für Statistik der Juden. Geeignete Kandidaten werden ersucht, sich beim Vorsitzenden des Verbandes für Statistik der Juden, Dr. Alfred Nosfig, Berlin-Halensee, Ringbahnstrabe 125, zunächst schriftlich zu melden. s. Berlin, 20. Januar. Von den Mitteilungen des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" ist soeben Nr. 24 erschienen. Dieselbe nthält einen Aufsatz: Für unsere deutschen Juden. Besonderer Beachtung wert ist am Schluß die folgende Bemerkung des Vorstands: „Man hat uns vorgeworfen, daß nur die Frage des Zionismus als Einleitung zur nächsten Wahlkampagne aufgerollt hatten. Das ist irrig. Geistige Bewegungen erledigt man nicht in Wahlversammlungen, bekämpft man nicht so nebenbei und gelegentlich. Wir wollten unsere Mitglieder und unsere Freunde darüber ansklären, daß und warum der Zionismus zu bekämpfen ist. Nachdem wir aber dieser unserer Pflicht nachgekommen sind, wenden wir uns jetzt unserer nächsten Aufgabe, den besonderen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde von Berlin, wieder zu. Muß es sein, so wird später der Kampf auf geistigem Gebiete wieder ausgenommen werden, für jetzt erachten wir ihn hiermit für beendigt." Außerdem enthält die Nummer einen Aufsatz über „Tie historische Fortbildung der Ritualien". Schließlich bittet der Vorstand alle liberalen Glaubensgenossen, den: Verein beizulreten. Nur durch Zusammenschluß aller freisinnigen Eemeindemitglieder ist es möglich, den liberalen Ideen im Judentume zum Siege zu verhelfen. Im Interesse der freiheitlichen Entwicklung unserer Gemeindeverwaltung muß jeder gebildete Jude in Berlin die Bestrebungen dieses Vereins unterstützen. s. Berlin, 20 Januar. An Stelle von Tr. L. Pick, der als Nachfolger v. Hansemanns zum Krankenhaus am Friedrichshain übergegangen ist, wurde Dr. Hans Kohn zum Prosektor am jüdischen Krankenhause in Berlin gewählt. Es ist bemerkenswert, daß man mit dieser Stellung, bte nur eine nebenamtliche sein kann, nicht einen ausschließlichen pathologischen Anatomen betraut hat, sondern einen entsprechend vorgebitdeten praktischen Arzt. Seine pathologischanatomische Ausbildung erhielt Kohn, der 1866 in Wassertrudingen in Bayern geboren wurde, als Assistent von Prof. Zenker am pathologischen Institut der Universität Erlangen während der Jahre 1891 bis 1893. Nachdem er vorübergehend während der Choleraepidemie in Hamburg Hilfsarzt am Eppendorfer Krankenhaus gewesen war, kam er 1893 an das Krankenhaus am Urban nach Berlin. Später ging er dann zur inneren Abteilung unter Prof. A. Fränkel über, wo er bis 1896 verblieb. o. Thorn, 18. Janpar. Am 13. d. M. fand in diesem Jahre die erste Repräsentantensitzung statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ergriff Herr Professor Dr. Horowitz das Wort, indem er bekannt gab. daß der Vorsitzende Herr Adolph Jacob der Repräsentantenversammlung seit 1. Januar 1877, also 30 Jahre angehöre und der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr D. Wolff. seit 1. Januar 1880, nachdem er vorher drei Jahre der Repräsentantenversammlung angehört habe, Mitglied des Vorstandes und seit Jahren Vorsitzender desselben ist. Professor Dr. Horowitz feierte in einer längeren herzlichen Ansprache die vielseitigen Verdienste der beiden Herren Vorsitzenden, welche in der umsichtigen, unermüdlichen Leitung der Gemeindeangelegenheiten bestehen und betonte insbesondere deren peinliche Gewissenhaftigkeit und Förderung der Verhältnisse nicht nur im Interesse der Gemeinde, sondern auch zum Wohle des ganzen Judentums, namentlich bei Organisationen von Wohlfahrtseinrichtuugen, sowohl in der Provinz Westpreußen, als auch über die Provinz hinaus. Er sprach beiden Vorsitzenden für alle diese mit schweren Aufgaben verbundenen Tätigkeiten namens des Vorstandes den wärmsten Dank aus mit dem Wunsche, daß es beiden Herren vergönnt sein möge, noch lange Jahre mit steter Lebensfrische zum Wohle der Gemeinde und des ganzen Judentums zu wirken. Dr. med. Wolpe als stellvertretender Vorsitzender der Repräsentantenversammlung schloß sich im wesentlichen den Worten des Vorredners an, dankte den Vorsitzenden ebenfalls sür die unermüdliche Tatkraft und betonte insbesondere das gute Einvernehmen zwischen Vorstand und Repräsentantenversammlung, zu welchem die Vorsitzenden ganz besonders beitragen. Der Schluß der Rede endigte ebenfalls mit dem Wunsche, beide Herren noch lange! Jahre bei steter körperlicher und geistiger Frische an den Spitzen der! Gemeindeverwaltung zu sehen. Der mitanwesende Herr Rabbiner! Dr. Ro send erg sprach ebenfalls den beiden Vorsitzenden die An- ■ erkenmmg und den Dank aus sür die musterhafte Leitung des > Gemeindewesens. Hierauf dankte zunächst Herr Adolph Jacob, dann! Herr D. Wolff für die ihnen überraschend gekommenen Dankj sagungen und Glückwünsche und bemerkten, daß sie Dank nicht zu! beanspruchen hätten, da sie während der ganzen Jahre ihrer Tätigkeit! als Vorsitzende der Gemeindevertretung nur ihrer Pflichten genügt ' haben, und sie werderr auch, soweit sie hierzu in der Lage sein werden.! fernerhin dieses im Interesse und zum Wohle der Gemeinde und des! ganzen Judentums tun. Kolberg, 20. Januar. Der soeben ausgegebene Jahresbericht des Jüdischen Kurhospitals bietet abermals ein Bild gedeihlicher Entwicklung und reicher Segensarbeit. Die Anstalt hat im abgelaufenen Jahre, dem zweiunddreißigsten ihres.Bestehens, 438 Pfleglinge (118 männliche. 260 weibliche, 215 Erwachsene, 223 Kinder) beherbergt, und zwar 292 in Freistellen, 146 gegen Leistung eines kleineren oder größeren Teiles der Selbstkosten. Von den Pfleglingen waren 427 aus Preußen (283 aus Berlin), 14 aus dem Königreich Sachsen, je 1 aus Bayern und Hamburg. In der Soolbadeanstalt des Instituts wurden 8622 Bäder gratis verabfolgt. Die Heilerfolge waren überaus günstige, indem 266 als „geheilt", 166 als „gebessert" und nur 6 „ohne Erfolg" entlassen wurden. Die Gesamteinnahmen betrugen 46 382,93 Mark (davon an Kapitalzuwendungen 12 200, an Jahresbeiträgen 16 587, Zinsen. 5770 Mark usw ), die Ausgaben 37 689 Mark (davon für den Anstaltsbetrieb 31 689 Mark, für Neubauten 3 932 Mark). Bedauerlicherweise zeigen die Jahresbeiträge einen nicht unerheblichen Rückgang. Um so lebhafter ist es deshalb zu wünschen, daß das gabenwillige Interesse weiterer Kreise sich für die Musternnstalt betätigen möge, die länger als ein Menschenalter eine wahrhajt segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Den Vorstand bilden die Herren Dr. med. Heinrichsdorff, Vorsitzender, Rabbiner Dr. Goldschmidt, Schriftführer, und M. Loepert, Schatzmeister. Vorsitzender des Kuratoriums ist Herr James Simon- Berlin, Schatzmeister Herr Manuel Schwarz-Berlin, Kronenstraße 50. ff. Posen, 16. Januar. Der Kantor und Religionslehrer Georg Schäfer, welcher über drei Jahre hindurch hier im Amte gewesen, hat eine Berufung nach Schoppinitz (Schlesien) erhalten. Herr Schäfer ist bereits am 1. d. M. uach dort übergesiedelt; dessen Nachfolger als Kantor ist Herr Reinhard von hier geworden. — Herr Lehrer Hopp aus Schrimm soll in gleicher Eigenschaft vom