Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 WWW UW» WWW Msximilisn Hrrrmsim. Von Tr. L. B neck-Oppeln. JJlh’ standen kürzlich an der Bahre eines Mannes, der für viele ein bekannter Mann war, den aber doch nur wenige gekannt haben, nur die wenigen, die ihm näher standen. Der Entschlafene hatte es den Menschen nicht leicht gemacht, ihn zu verstehen und zu würdigen. Er war, zumal in den Jahren, die unserer Erinnerung jetzt zunächst liegen, keine liebenswürdige Natur in dem landlänftgen Sinne dieses Begriffes. Das glatte Wort und die schöne Geberde lagen ihm fern; er trachtete wenig danach, den Menschen zu gefallen zu suchen, so wenig, daß er vielmehr eine gewisse Befriedigung darin fand, hart und rauh zu erscheinen, wo er es in Wirklichkeit nicht war. Zudem hatte ihn die Natur mit einem ju klaren und scharfen Blicke ausgestattet. Ihm drängte sich jede menschliche Schwäche, jedes äußerliche und künstliche Treiben alsbald und deutlich ins Auge, er sah sofort das, was sich gern verbergen und sich umhüllen wollte, lind je mehr er so lernen mußte, stets an den Menschen zu zweifeln, desto mehr mußte sich in ihm auch die Anlage verstärken, an sich festzuhalten, sich genug zu sein, auf seinem Charakter zu bestehen. Der Entschlafene hat sein ganzes Dasein hindurch an sich festgehalten, in klarer Bestimmtheit. Er gehörte nicht zu den Schwachen, die mit ihrem Lebenswege auch ihr Wesen ändern, deren Seele durch ihre Lebensstellung gestaltet ivird. Der Verewigte ist sich treu geblieben in allen Jahren und auf allen Stufen seines Daseins. Kein Zug seines Charakters hat je geschlummert. Deshalb ist er für die, die mit ihm zu raten und zu handeln hatten, nicht immer ein bequemer Mann gewesen, keiner jener Duldsamen, die auch zn verschweigen und zu verstecken wiffen. Ihm war eine Ansicht nicht ein zufälliges Wort der Gelegenheit, sondern ein Stück des Lebens, für das man kämpft und zn dem man feststeht; er hatte die Tapferkeit und die Kraft der eigenen Meinung, die nicht erst mit andern geteilt zu werden braucht, um ihrer selbst gewiß zn seiu. Der Entschlafene vermochte darurn zu beharren, so wie alle Menschen von starkem Rechtsempfinden. Und er war unnahbar in seinem Rechtsgefühl, in der Vornehmheit und Zuverlässigkeit seiner Gesinnung, wie ja überhaupt sein ganzes Wesen etwas Stolzes und Unnahbares hatte, etwas, wodurch alles Niedrige und Unrechte sich gleichsam von vornherein abgewiesen fühlte. Es war die Strenge seiner Natur, die darin zum Vorschein kam, die Strenge, die er andern gegenüber zeigen durfte, weil er sie vor allem und am meisten gegen sich kehrte. Wie peinlich genau hat er es mit sich genommen, wie viel hat er sich versagt, in wie vielem sich beschränkt? Für sich beanspruchte er ivenigvon den Menschen, so wenig, daß er — selbst in den Tagen der Krankheit und des Leidens — nicht einmal duldete, daß ihm viel gewährt und entgegengebracht wurde. Er wollte immer sich selbst genug sein. Aber dieser Mann, der gewiß vielen kalt und scharf erschien, dieser Mann des nüchternen, wägenden Verstandes, ein Kenner des Rechts, ein Meister des Handels und Wandels, dessen Lebenswerk die Leitung einer einflußreichen Unternehmung gewesen war, er war im Grunde seines Wesens ein Mensch des Gemütes, des tiefen, innigen Empfindens, um das nur der Stolz einen Schleier webte. Wie viel des Guten hat der Entschlafene, wo immer die Gelegenheit sich bot, rein aus innerem Fühlen heraus geübt und darum stets im Geheimen — er, der die Offenheit über alles hinausführte, er verbarg sich sorgsam den vielen, denen er Wohltaten erwies. Wieviel der Zärtlichkeit hat er für die Seinen im Herzen getragen' wieviel der Treue, der ungerufenen Treue hat er ihnen geschenkt, stille, wie es die Art seines Fühlens war. Auch die Treue gegen seine Religion war ihm nicht nur Sache des festen Charakters, nicht nur die Einsicht des Verstehenden - und er war reich an religiösem Wissen — sondern sein tiefes, echtes Empfinden. Mit allen Fäden des Gemütes war er an sie geknüpft, in der Teilnahme des Herzens lebte er das Leben der Glaubensgemeinde mit. Auch ans der Höhe seiner irdischen Erfolge atmete er die Lebenslust des Judentums, die ihn in keinem Elternhaus umgeben hatte. Und als in bett Monaten der Krankheit so manches alte Interesse in ihm erlosch, blieb die Heilige Schrift sein einziges Buch, das letzte, dem sein Auge sich noch zmvandte. „Das fromme Gemüt" hatten die Freunde seiner Jugend ihn einst genannt; auch hierin ist er sich treu geblieben sein Leben lang. Es war zuletzt immer stiller in seinem Leben geworden Der Bruder, mit dem er Jahrzehnte hindurch sein Dasein geteilt, ging dahin. Der Kreis der Freunde lichtete sich; der heitere Scherz, den er geliebt, verstummte allmählich. Es war der Vorbote der schweren Krankheit, die ihn ersaßt hatte, und gegen die alles Mühen, alle unermüdliche Hingebung des Dienstes, mit dem ein treues Ehepaar in seinem Hause ihn umgab, vergeblich blieb. Das, was die Menschen die Welt nennen, entschwand ihm immer mehr, er lebte nur noch i» seiner eigenen Welt, bis er nun in die Welt der Ewigkeit hin übergegangen ist. In seiner eigenen Welt, denn sie hat er besessen; sein eigenes, ein ganzes Leben hat er gelebt, denn ei war von eigener Art, ein ganzer Mensch, so wie die Heilige Schrift ihn zeichnet: „Er bewahrt das Recht und übt Gerechtig keit und Treue allezeit." In diesem Worte ist das Wesen des Entschlafenen begriffen, der Grund alles seines Tuns. Es waren oft eigenartig gestaltete Charaktere, die in den Generation vor 1848 in den jüdischen Gemeinden heran gewachsen waren. Die ersten Frühlingsstürme der geistigen Emanzipation, wie sie Mendelssohn heraufgeführt hatte, waren vorüber; das Revolutionäre hatte sich zum Selbstverständlichen gewandelt, es war keine Neuerung mehr, nach allgemeiner unk moderner Bildung zu streben. Die Zeit des ruhigeir Vorwärts strebens begann: überall trat die jüdische Jugend in die Tore den Gymnasien und Universitäten ein, um mit gleichein Wissen und auf gleichem Wege nach demselben Ziele wie die Anders gläubigen hinzuschreiten. Aber noch war auch die alte Zeit der konservative religiöse Sinn mächtig. Die Erziehung gründete sich auf die überlieferte fromme Uebung und auf das religiös« Wissen, der Gymnasiast und der Student waren mit der Bibe vertraut und mit dem jüdischen Schrifttum bekannt, religio» et musis amioi. Es war ein glückliches Geschlecht, in de» beides sich so vereinte, in dem das Haus noch eine Schul« war und die Schule dem Hause nicht entfremdete. Die Führe« der jüdischen Wissenschaft und die Begründer des neuen Ge meindelebens haben damals ihre Lehrjahre durchgemacht. Begreiflicherweise überwog in den verschiedenen Gemeinde« bald das alte, bald das moderne Element. Fast jede Stad hatte damals ihre besonderen Juden. Maxiniilian Herrmann dem die obigen Worte der Erinnerung — an seinem Grab gesprochen — galten, wuchs in einem Kreise heran, in welche« ein Michael Sachs, ein Salomon Munk, ein David Cassel ihn erste Jugend verlebt hatten, in Glogau, wo sein Vater, ei Kaufmann, zugleich das Ehrenamt des Rabbinatsassessors, de Dajan, bekleidete. Die Gemeinde hatte ihr eigenes moderne Gepräge; es herrschte in ihr ein schöngeistiger Sinn, man liebt die Poesie, die deutsche wie die hebräische, man trachtete nae >er.ri ernte napol ranz« euch .fran ieber vund seifte Ireur ne se zetra« änge ner ji 8 perrr Dettii zroße ->ama agen >eS c nich veilei •" st ogar >erpfc nes Lode «art und väter 7ettir rollt. •eti L ei se er s >>r di c\ eerrdi lllem tffeffc acht \ tzurr, jener ch a tzege «hpot nd c ründ olle > n enn tellu nstit 1 nrden « icher « » de 1 eber« : eziek ( eschi nger «m n b kaum s