Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Sanitätsrat Dr. Lu dwig S a chs in S chö n l ar»ke ist anläßlich seines 70. Geburtstages von der dortige»» Stadtvertretung zum „Stadtältesten" ernannt worden. Geheimer Sanitätsrat Dr. Sachs ist ein Veteran aus den Kriegen 1866 und 1870/71 und Inhaber des Eisernen Kreuzes I. Klasse. Seit 40 Jahren ist er Mitglied der Schönlanker Stadtvertretung und seit sechs Jahren stellvertretender Bürgermeister. R. L. Breslau, 8. Januar. Am 3. d. M. beging der Frauenverein der Lessingloge im Kreise von mehr als 400 Schwestern die Feier seines 20jährigen Bestehens. Die Tannhäuser-Ouvertüre, von zwei Mitgliedern künstlerisch gespielt, eröffnete die Feier, worauf gleichfalls eine Schwester die Arie der Elisabeth, mit bezüglichem Text, als Begrüßung sang. Die Lessingloge hatte Deputierte entsandt, deren Sprecher, Rechtsanwalt Peiser, als nunmehriger Präsident dem Frauenverein 300 Mark überreichte; die von den Schwestern gesammelte Spende, welche die stattliche Höhe von 1800 Mark erreicht hatte, wurde von Frau Breslauer überwiesen. Die Vorsitzende, Frau Sanitätsrat Dr. Hannes, dankte in bewegten Worten. Im Namen des aus dem Frauenverein der Lessingtoge hervorgegangenen Mädchenheims sprach Rabbiner Dr. Rosenthal, »vorauf Frau Valerie Glaß die Erwiderungsrede hielt. Alsdann verlas die stellvertretende Vorsitzende Frau Clara Peiser die an die Schwestern zur Verteilung gekommene Festschrift, »velche einen kurzen Rückblick auf Entstehung und Enttvicklung des Vereins bot. In schwungvollen Versen wandte sich nun Frau Mathilde Urbach an die seit Vereinsbegründung ihres Amtes »vallenden vier Schwestern. Nachdem der offizielle Teil der Feier vorüber war, trat die zwanglose Geselligkeit in ihre Rechte. Es gelangte ein von Clara Behrend-Baumbach verfaßtes Singspiel zur Aufführung. „Prinzeßchen" empfing znr Feier seines 20jährigen Wiegenfestes die Musen, die all die Jahre hindurch an den geselligen Nachmittagen erschienen und somit Zeugen seiner Enttvicklung gewesen »varen. Zum Unterschiede von sonst traktierte „Prinzeßchen" hellte die Musen, die sich denn auch durchaus realistisch geberdeten, mit Kaffee und Kuchen, lind durch Wort und Sang ließen sie nun die verrauschten Jahre im Spiegel des Humors Vorübergleiten. Es »vurde vorzüglich gespielt. Tie rneisten Couplets verlangten die enthusiasniierten Damen da capo und am Schlüsse brach ein »vahrer Sturm der Begeisterung los. An» Abend »vurde dann den Schwestern noch Bo»vle und bunte Schüsseln gereicht, »vobei ein von Herrn Albert Peiser ge»vidmetes, »vohlgelungenes Lied im Chore stieg. Der Frauenverein kann voller Befriedigung auf den harmonisch schönen Verlauf seines Festes zurückblicken. 8ellw. Glogatt, 11. Januar. Am 29. v. M. fand die 50jährige Jubiläumsfeier des hiesigen Frauenvereins statt. Nachdem Rabbiner Dr. Lueas in einer gedankenreichen Festpredigt beim Gottesdienst eine Parallele zwischen der Ausübung der Wohltaten iu alter und der in neuer Zeit zog, setzte die eigentliche Feier nachmittags i»n „Deutschen Hause" ein. Eine große Schar von Teilnehmern füllte den Raum. Aus eine Ouvertüre folgte der Festgruß, den Stadtrat Landsberger, als Vorsitzender des Gemeindevorstandes, dein Vorstand des Frauenvereins entbot. Mit der ihm eigenen Meisterschaft in der Beherrschung des Wortes ließ er das Entstehen des Vereins, der vor 50 Jahren schon einen Ansatz zur Lösung der Frauenfrage zeigte und nicht die Verheiratung der Töchter in sein Programm ausnahm, sondern die Mädchenerziehung nach einer beruflichen Seite ins Auge faßte, sein Wirken in diesem Sinne an den Hörern vorüberziehen. In allen Zweigen seiner Tätigkeit hat er Großes geleistet und so gestaltete sich sein Jubeltag zu einem Jubelsest. Mit dem Wunsche »veiteren Gedeihens und mit Ueberreichung einer durch freiwillige Spenden aufgebrachten Ehrengabe von 5600 Mark schloß der Redner. Frau Hedrvig Landsberger, Vorsteherin des Frauenvereins, er»viderte in retorisch vollendeter Form, erwähnte unter anderer»», daß gerade das Wirken des Herrn Stadtrat Landsberger, der dem Verein als Kurator zur Seite steht, besonders als segensreich bezeichnet »verden muß. Zn sch»vierigeren Fragen »var es stets seine reiche Erfahrung, sein reiches Wissen und sein organisatorisches Talent, »velche zu ihrer Lösung stets das Rechte zu treffen wußten. Arntsgerichtsrat Frankel, Vorsteher der Chewra Kadischa, begrüßte den Schwesterverein und hob das einträchtige Zusammenwirken beider, auf dem gleichen Boden derOemilnZ cllesed hervorgegangenen Vereine hervor. Auch diese Worte verfehlte»» ihre Wirkung nicht. Mit eine»»» Prolog, wirkungsvoll von Frl. Johanna Joseph vorgetragen, »vurde der zloeite Teil der Feier eröffnet. Hier mußten die Oppenhei»»»erschen Bilder — lebend dargestellt — herhalten. Dazu kan» »»och der sinnvoll von Herrn Dr. Pinner gedichtete Text, vor» Fräulein Hanna Fränkel vorgetragen, sowie die die darstellenden Bilder begleitenden traditionellen Melodien — das alles »virkte unge»nein erhebend und bildete den Glar»zpnnkt der Feier. Ganz besonders u»n das Gelingen haben sich Frä»»lein Bertha Peisach und Herr Zahnarzt Grätz verdient gemacht. Die daran sich schließende Festtafel, durch Tafelreden heiteren und ernsten Inhalts gervürzt, verlies in gemütvoller Weise. Nicht unerwähnt dürste ein von Amtsgerichtsrat Fränkel in Versen verfaßter und vo»» ihm vorgetragener Toast bleiben. e. Hamburg, 8. Jan»»ar. Der Hilssverein der Deutsche»» Juden hatte gestern eine öffentliche Versammlung nach de»»r Sagebielschen Etablissement berufen, welche außerordentlich zahlreich be^ sucht »var. Den Vorsitz führte Rechtsanwalt Tr. Hermann Samson. Generalkonsul Eugen Landau-Berlin erstattete zunächst den Jahresbericht. der Zeugnis ablegte von der»» enormen Anwachsen des Hilfsvereins, dessen Mitgliederzahl von 3000 an» Schlüsse des ersten Jahres! jetzt, nach fünfjähriger Tätigkeit, auf. 14 000 gestiegen ist. Der Redner j gab eine eingehende Schilderung der überaus segensreichen Wirksamkeit des Vereins. Dr. Paul Nathan-Berlin hielt darauf einen Vortrag über das russische Hilfs»verk und »oarnte besonders davor, der russischen Regierung durchZeichnung ihrer Anleihen ferner die Mittel zur Fortführung ihres Systems der Bedrückung unserer Glaubensgenossen und »virtschaftlichen und geistigen Niederdrückung der gesäurten Bevölkerung zu ge»vähren. Nicht nur moralisch sei es verwerflich, tve»n» die zivilisierte Welt Rußland' fernerhin Gelder zur Verfügung stelle, auch geschäftlich unklug, denn bei de»»» herrschende»» System erschiene es als eine Unrnöglichkeit, die unzweifelhaft reichen Naturschätze Rußlands heben zu können, und ein Staatsbankerott sei unvermeidlich. Reicher Beifall folgte den glänzende»» und hochinteressanten Ausführungen des Redners. i. Bielefeld, 13. Januar. Wir haben einen sch»vere»», unersetzlichen Verlust erlitten: an» 8. d. I. ist hier Herr Moritz Katzen stein in» 65. Lebensjahre gestorben. Die Kunde von diesem Tranerfall »vird j sicher weithin Nachhall fi»»den, denn der Name Katzenstein »var bekannt! und geachtet in vielen Kreisen. An» tiefsten ist natürlich in Stadt »»nd Provinz die Empfindung des Verlustes. Denn »vas Katzenstei»» seit vielen Jahre»» in Stadt und Ge»nei»»de, »vas er für die Jude»» der Provinz Westfalen als Vorsitzender des Provinzialverbandes geleistet, das im einzelnen zu schildern, »nuß einer besser »»»»terrichtetei» Kraft Vorbehalten bleiben. Für uns »nuß es heute genügen sestznstellen, daß sein rascher Tod eine Lücke gerisse»», die noch sehr lange fühlbar und kau»»» auszufüllen »nöglich sei»» wird. Denn »vie in» öffentlichen, so war Katzenstein auch i»n privaten Leben eine geschlossene, harmonische Persönlichkeit, voll Güte und Hilfsbereitschaft, die nie»na»»d vergesse»» »vird, der ihr je nahe getreten. Die innige Sympathie und Verehrung für den Heimgegangenen zeigte sich auch in hellstem Lichte bei der Beerdigung an» 11. d. M. Tie Leiche »var in der Synagoge anfgebahrt. Der Sarg versch»var»d unter der Fülle von wunderbarer» Kranzspenden, »velche all die zahlreichen gerneinnützigen Korporatione»», denen der Entschlafe»»e angehört hatte, spendeten. Das Gotteshaus verrnochte die Zahl der Leidtragenden kaum zu fassen. Juden und Christen, die Bürger der Stadt und die Freunde des Entschlafenen vor» fern und nah, alle »varen gekonrrnen, urn den» Heimgegangenen die letzte Ehre zu errveijer». Fast alle Gerneinden des »vestfätischen Verbandes hatten Delegierte zur Trauerfeier entsandt. Die wahrhaft ergreifende Gedächtnisrede in» Gotteshause hielt Rabbiner Dr. Coblenz, aus dem Gottesacker sprachen zuerst in» Namen der Synagogengemeinde der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes Herr Julius Weiß, sodann im Namen des Verbandes der Synagogengemeinden dessen erster Vorsitzender Herr S. Flörsheim-Dortmund, und endlich namens der Marks-Haindorfschen Stiftung in Münster, um die sich der E»»tschlafene besondere Verdienste erlvorben hat, Seininardirektor Dr. Spanier. Alle Redner hoben die seltenen Vorzüge des ausgezeichneten Menschen hervor. Die gar»ze Feier »var ei»» ergreifendes Zeugnis der Liebe und Verehrung, deren der Heimgegangene sich überall erfreut hatte. Das Andenken des teuren Mannes wird in Ehren fortleben.