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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-01-18 · Heft 3 (18.1.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang. Nr. J. Ber„„,<». Januar m7. Beilsge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". kvrrchnmdmHM ond Mgchrichttn. Deutschland. Berlin, 14. Januar. Die uns soeben zugegangene Nr. 67 der „Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" berichtet an erster Stelle über den Stand der Vorarbeiten zur Schaffung eines Org anisationsgesehes für die Synagogengemeinden Preußens. Der Rosinsche Entwurf hat, bei aller Anerkennung seiner geistvollen und technisch hervorragenden Gestaltung und der glücklichen Behandlung zahlreicher Einzelfragen, die Zustimmung der preußischen Gemeinden und ihrer Verbände nicht gefunden. Die aus den Sachverständigen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds und des Verbandes der Deutschen Juden zusammengesetzte, durch Vertreter aus Hannover, Cassel und Wiesbaden, also solcher preußischen Landesteile, die dem Gesetze vom 23. Juli 1847 nicht unterworfen sind, verstärkte „Gemischte Kommission" legt ihren Arbeiten den auf dem Boden der altpreußischen Gemeindeautonomie stehenden Entwurf eines ihrer Mitglieder zugrunde. Sobald die zweimal im Monat stattfindenden Beratungen abgeschlossen sein werden, wird das Ergebnis den größeren Gemeinden und den Ver- , bänden zur Prüfung vorgelegt. — Ein Artikel „Zur Abwehr" beschäftigt sich mit den Machenschaften orthodoxer Gegner, die', sich bemühen, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund bei seinen eigenen Mitgliedern als gefährlich für die Unabhängigkeit seiner Klienten Hinzustetten. — Das Gesamtarchiv der deutschen Juden hat mit der organisierten Sammelarbeit begonnen, es ist zu hoffen, daß schon in zwei Jahren neben die archivalische Bearbeitung der jetzt noch vielfach in jüdischem, staatlichem und städtischem Besitz befindlichen Archivalien eine wissenschaftliche Erschließung des Materials durch Editionen treten wird. Um den Uebeln abzuhelfen, die sich für den einzelnen aus dem Mangel an zureichenden archivalischen und bibliothekarischen Hilfsmitteln ergeben, hat sich das Gesamtarchiv zugleich als allgemeine Auskunftsstelle für das Gebiet der Geschichte der Juden in Deutschland konstituiert. Die Beantwortung erfolgt kostenfrei. Das Gesamtarchiv der deutschen Juden befindet sich W. Lützowstraße 15 part. und ist täglich, außer Sonnabends, von 8 bis 1 Uhr geöffnet. — Der Fonds für die in Beelitz zu begründende „Erziehungsanstalt für schwachsinnige Minderjährige" ist infolge einer Sammlung und der Bewilligung von 3000 Mark aus der Jacob Plaut-Stiftung auf 63 600 Mark angestiegen Es ist im Interesse der zahlreichen, die Eröffnung der Anstalt herbeisehnenden Eltern schwachsinniger Kinder dringend zu wünschen und zu hoffen, daß der Restbetrag der auf 100 000 Mark veranschlagten Bausumme baldigst zusammenkommt. Ein ausführlicher Artikel, der sich mit den auf die Erfahrungen eines Lustrums zurückblickenden Arbeiten auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung beschäftigt, entwirft Bilder des inneren Anstaltslebens und gibt teils erfreuliche, teils bedenklich stimmende Ausblicke auf das Schicksal der entlassenen Zöglinge. In den Artikeln „Kleine Mitteilungen" und „Personalien" werden Auskünfte über den „Verband der Vereine zur Förderung des Handwerks und der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands", über die „Schwarze Liste", das „Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung, Statistisches Jahrbuch für 1907" und über eine „Rormal-Friedhofsordnnng", sowie über Personalveränderung in der Verwaltung des Deutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes gegeben. S£2 Berlin, 9. Januar. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hat in der vergangenen Woche ihre Ausschußsitzung und Generalversammlung abgehalten. In der Ausschußsitzung wurden speziell Berichte über den Fortgang des 6orpu8 tannaitieum, der Germania Judaica und des Maimonideswerkes erstattet. Von letzterem soll nun schon in diesem Jahre der erste Band erscheinen; die Vorarbeiten für die beiden anderen Unternehmungen sind in bestem Fortgang. Auch von dem Grundriß sind drei Bände von Köhler, Caro und Philippson in Vorbereitung. Im ferneren Verlauf der Sitzung wurden für eine größere Zahl wissenschaftlicher Werke Subventionen bewilligt. — Die Generalversammlung fand am 5. d. M. in der vom Vorstand der jüdischen Gemeinde freundlichst zur Verfügung gestellten Aula der Knabenschule, Große Hamburgerstrabe, statt und war sehr gut besucht. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ist zu entnehmen, daß die Gesellschaft sich in gedeihlicher Fortentwicklung befindet und auch im abgelaufenen Jahre an Mitgliederzahl gewonnen hat. Nach der Erledigung der Geschäfte hielt Herr Dozent Dr. M. Braun einen Vortrag über die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die in diesem Jahre ihr fünfzigjähriges Jubiläum zu feiern in der Lage ist. Mit gewohnter Gründlichkeit nahm der gelehrte Herausgeber dieser Zeitschrift die Gelegenheit wahr, dieses für die Geschichte des Judentums, dessen geistiges Rückgrat diese Schrift bilde, bedeutsame Ereignis durch ein detailliertes Resümee über Entstehung und Entwicklung des Gesamtwerkes zu feiern. Auf der Tagesordnung stand ferner ein Vortrag des Rabbiners Dr. Eschelbacher-Berlin über „Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie". In eingehender Betrachtung zeigte der Redner, wie die moderne i protestantische Theologie das Judentum betrachte und darstelle; nicht um einen Feind, wohl aber uni einen Gegner handelt es sich dabei, denn die moderne evangelische Theologie stehe im Banne des Gedankens, daß die Juden das Christentum selbst abgelehnt haben und noch ablehnen. An eklatanten Beispielen wies der Redner nach, wie ungerecht selbst die moderne evangelische Theologie, die doch auf einem freieren religiösen Standpunkte stehe, ja gerade diese das Judentum darzustellen versuche. Die Betrachtung, wie die Bibelexegese in den verschiedenen Epochen sich zu der Sache verhalte, führte schließlich zu der Ueberzeugung: die Hypothesen kommen und gehen, aber die Bibel bleibt. In kernigen Schlußworten resümierte der Vortragende die Bedeutung des Judentums für die Religion und für die Kultur der Menschheit überhaupt. Beide Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. — Nach der Generalversammlung fand die Konstituierung des Vorstandes statt. Die bisherigen Mitglieder des Ausschusses und des Vorstandes wurden wiedergewählt. Hierauf schloß der Vorsitzende die Sitzung mit einem Appell an die Versammlung, der Gesellschaft auch ferner ihre Teilnahme zu bewahren und sich auch die Werbung neuer Mitglieder angelegen sein zu lassen. Wir unterstützen diesen Appell gern und in nachdrücklichster Weise. Es ist eine Ehrensache aller gebildeten Juden in Deutschland und in Oesterreich, sich dieser Gesellschaft anzuschließen. Und für unsere Mäcene ist hier eine Aufgabe gegeben, deren Erfüllung ihrem Namen zur höchsten Ehre gereichen wird. ■A« Berlin, 11. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hatte gestern die Ehre, einen der ausgezeichnetsten jüdischen Gelehrten als seinen Gast begrüßen zu können. Prof. Dr. Wilhelm Bacher aus Budapest hielt einen Vortrag über einen jüdisch-persischen Dichter des 14. Jahrhunderts. Wo ein Mann wie Bacher spricht, darf man immer Neues und Bedeutendes erwarten. Was der gelehrte Forscher gestern seinen Hörern geboten, war noch viel mehr: Der Einblick in eine absolut fremde Kulturwelt und die Bekanntschaft mit einem hervorragenden jüdischen Epiker, Schahin Schirazi d. h. aus Schiras, im 14. Jahrhundert, der die Gestalten der Bibel in epischen Dichtungen feierte, die sichtlich unter dem Einflüsse der großen persischen Dichter Firdusi und Nizami standen und die uns daneben einen interessanten Einblick in das soziale und Kulturleben der persischen Juden im Mittelalter gewähren. Seit 600 Jahren wurde gestern zum erstenmal der Name dieses Dichters in weiteren Kreisen europäischer Kultur genannt. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur wird diesen Abend als einen besonders denkwürdigen in Erinnerung behalten. Nach dem Vortrage fand ein Souper zu Ehren des Gastes statt, bei dem in angeregten Tischreden der Dank für den hochinteressanten Vortrag in

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