Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Vereine, aber nicht dem allgemeinen Lehrerverbairde angehören sollten, fiel, nachdem die Herren Rabbiner Dr. Guttmann, Direktor Dr. Adler. Dozent Dr. Brann in eindringlichen Worten dagegen gesprochen und gemahnt hatten, die Einheit des Verbandes nicht zu stören, gegen wenige Stimmen. Auch Professor Tr. Lewy hatte zur Einigkeit treffende Gründe ins Feld zu führen gewusst. Die zu diesem Punkte von seiten des Verbandsausschusses versuchte Einwirkung auf den Gang der Geschäftsführung wurde einhellig zurückgewiesen und dem Vorsitzenden, Professor Dr. Badt, ein Vertrauensvotum erteilt. Darauf hielt Kollege Schweitzer-Glogau sein Referat über „Kantorenverband und Kantorensektion", in welchem er sich gegen einen Sonderverband aussprach, den er in fachwissenschaftlicher Hinsicht als unnötig und materiell als nachteilig hinstellte. Die Versammlung zollte seinen Ausführungen Beifall und nahm seine diesbezügliche These mit großer Majorität an. In dem darauf folgenden Referat des Seminardozenten Dr. Brann: „Wie können die Lehrer die Arbeiten des Gesamtarchivs der deutschen Juden unterstützen?" machte der Herr Referent in seiner gewohnten, trefflichen Art die Kollegen mit den Zielen und den: Zwecke des Archivs vertraut und führte des weiteren aus, wie von seiten der Lehrerschaft die Arbeiten des Unternehmens gefördert werden könnten. Kollege Bähr-Waldenburg hielt darauf einen instruktiven, inhaltsreichen, oft von Zustimmung unterbrochenen Vortrag über die Wünsche der Lehrer und Kultusbeamten betreffs der geplanten einheitlichen Organisation der jüdischen Gemeinden. Referent stellte in seinen Thesen die Notwendigkeit einer solchen Organisation hin, sprach Dank und Anerkennung dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und dem Verbände der Deutschen Juden für ihre diesbezüglichen Bemühungen ans, hoffte auf ein gutes Gelingen des Werkes und erwartet reichen Segen, wenn die Gesamtorganisation ihre Fürsorge darauf lenkt: 1. das; überall ausreichende Gelegenheit zur religiösen Lebenshaltung und zu religiöser Unterweisung der Jugend geboten wird; 2. daß der Religionsunterricht nach einem Normallehrplan mit obligatorischem Charakter von geschulten Kräften erteilt und von einem unabhängigen, sachverständigen Provinzial- oder Bezirksschulinspektor, der zu diesem Zwecke angestellt, von Zeit zu Zeit inspiziert wird; 3. daß den Lehrern bezw. Kultusbeamten der kleinen Gemeinden innerhalb ihrer Gemeindeverwaltung in Fragen der Schule linb des Kultus eine beratende Stimme eingeräumt wird; 4. daß die Anstellungs-, Besoldungs- und Pensionsverhältnisse der Lehrer und Kultusbeamten der kleinen Gemeinden in derselben Weise und unter denselben Bedingungen wie die der preußischen Volksschullehrer geordnet werden; 5. der Verein hält bei aller Hochschätzung gegen den ehrwürdigen Stand der Rabbiner die Bildung von Bezirksrabbinaten in Erwägung, daß sie die religiösen Verhältnisse der kleinen Gemeinden nicht zu fördern, daß sie den geistigen Aufschwung und die materielle Lage des Lehrers resp. Kultusbeamtenzu beeinträchtigen geeignet sind, für unzweckmäßig und bittet die Herren Rabbiner, imJnteresse eines friedlichen Einvernehmens dieser beiden aufeinander angewiesenen Stände, von einer weiteren Agitation nach dieser Seite absehen zu wollen. Nach einer sehr langen Debatte nahm die Versammlung mit geringfügigen Modifikationen die ersten vier Thesen an, setzte aber die Abstinlmung über die letzte These, die Frage der Bezirksrabbinate, aus, um auch die Herren Rabbiner gelegentlich der nächsten Versammlung durch ein Korreferat zu Worte kommen zu lassen. Aus der ganzen Stimmung der Versammlung ließ sich jedoch entnehmen, daß die Lehrerschaft als solche in ihrer Gesamtheit gegen die Einführung von Bezirksrabbinaten ist. Von seiten vielerLehrer wurdeKollege Bahrersucht, seinen Vortrag durch den Druck zu veröffentlichen. Broch - Schweinitz hielt darauf noch ein kurzes Referat über die neuerschienenen Gebetbücher. Mit Tankesworten an den Vorsitzenden wie an den Schriftführer für ihre treue Arbeit im Dienste des Vereins schloß die inhaltsreiche Sitzung um 7 Uhr. X Görlitz, 3. Januar. Zur Feier des 50jährigen Amtsjubiläums unseres Rabbiners Dr. Freund hatte die jüdische Gemeinde für heute einen Festgottesdienst angesetzt, dem auch unter anderen der Oberbürgermeister Snah, der Stadtverordnetenvorsteher Kommerzienrat Withelmh, die Direktoren der höheren Schulen sowie Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung beiwohnten. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau. Abends fand zu Ehren des Jubilars ein Festbankett statt. Kommerzienrat Katz brachte den Kaisertoast aus. Lebende Bilder beschlossen das Bankett und den schönen Festtag. 2. Rostock, 7. Januar. Am ersten Chanukatage feierte unser Frauen verein sein 30 jähriges Bestehen unter Beteiligung der ganzen Gemeinde, wobei auch die Vorsteherinnen des hiesigen sozialen Hilssvereins erschienen waren. Durch die edlen Bemühungen dreier Frauen vor 30 Jahren ins Leben gerufen, denen im Saufe der Jahre viele andere Frauen als eifrige Vorsteherinnen gefolgt sind, hat er seinen Bestimmungen getreu die Armut unter den Frauen gemildert, die Waisen gestützt und zahllose Tränen mit weicher Hand getrocknet. Die Feier begann mit einer Predigt im Gotteshause, die, anknüpfend an die denkwürdigen Tage, die jetzt begangen werden, die hohe Bedeutung des Weibes für die edlen Lebensgüter behandelte. Vom Gotteshause ging es nach einem Konzertsaat. Tort zündete ein Knabe der Religionsschule das Chanukalichtlein an, während die anderen Kinder bezügliche Gedichte vortrugeu. Tie Frauen beschenkten und bewirteten dann alle Kinder, die armen wie die reichen. Festspiele und Tanz erfreuten die Gäste bis spät in die Nacht. LH. GarLirlgerr (Baden), 1. Januar. Wir haben heute einen Braven begraben! In seinen Jünglings- und besten Mannesjahren war der verstorbene Heinrich Harburger der Besten einer weit und breit, und darum geachtet und geehrt bei arm und reich, bei Christ wie Jude. Im Jahre 1868 trat er als Soldat beim damaligen sechsten badischen Infanterieregiment — das jetzige Kaiser Friedrich- Regiment Nr. 114 in Konstanz — ein, und als der große Krieg allsbrach, zog der Gefreite Harburger der zweiten Kompagnie' mit ins Feindesland, um in zehn Gefechten und Schlachten tapfer mitzukämpfen. Er ist wiederholt rühmend erwähnt in der Geschichte des Regiments, die Wänker von Dankenschweil seinerzeit verfaßt hat, so z. B. Seite 83 für besonders rühmliches Verhalten im Gefecht bei Horburg, und auf Seite 167, wo die Kämpfe um Belfort geschildert werden, heißt es wieder: „Folgende Unteroffiziere, und Mannschaften, die schon bisher stets die ersten waren, die sich nach den größten Strapazen, in den gefährlichsten Lagen stets freiwillig zu Patrouillen und sonstigen Unternehmungen meldeten, verdienen auch hier wieder einen Ehrenplatz einzunehmen: Unteroffiziere Eggenhofer, Stosch, Gefreite Harburger usw." Heim gekehrt aus dem Felde, war er als Landwirt tätig, wie er auch mit seinem älteren Bruder jahrelang eine Eisenhandlung betrieb. Er gründete mit Kriegsgefährten anno 1873 den Kriegerverein Gailingen, den er zehn Jahre präsidierte; ebenso stand er über ein Dezennium dem Gesangverein „Eintracht" vor. In der Kehilla leistete er dem israelitischelr Krankenunterstützungsverein' viele Jahre auch als Präsident unschätzbare Dienste. So war es denn auch kein Wunder, daß heute trotz des hohen Schnees, durch den man auf den Friedhof am Abhang des Kandeggerberges waten mußte, die ganze Gemeinde und viele Freunde und Bekannte aus nah und fern, dies- Ulld jenseits des Rheines, aus dem Markgrüflerland, vom Main und dem Niederrhein sogut wie aus dem St. Gallerlande und Züricherland, es sich nicht nehmen ließen, dem „Heinrich" die letzte Ehre zu erweisen. Unser ehrwürdiger Bezirksrabbiner Tr. Spitz schilderte in trefflichen Worten, ohne Schönfärberei, das Wirken des Bürgers; Herr Zollverwalter Schmidt, der derzeitige Präsident des Kriegervereins, sprach zum Schluß einige Worte des ehrenden Gedächtnisses auf den treuen Kameraden, dessen Andenken unvergessen bleiben wird. Gesterretch-Nngsrn. A Wien, 7. Januar. Nun erhalten wir auch ein Institut für jüdische Krankenpflegerinnen nach dem Muster des in Berlin so vorzüglich arbeitenden. Die Ausbildung der Schülerinnen erfolgt im Spital der israelitischen Kultusgemeinde und dauert ein Jahr. Diese Schülerinnen haben sich zu verpflichten, nach Ablauf dieses Lehrjahres weitere drei Jahre im Verbände des Instituts zu verbleiben, hiervon zwei Jahre der Krankenpflege im Spitale der Kultusgemeinde und ein Jahr der Privatkrankenpflege zu widmen. Während dieses einen Jahres haben die Schülerinnen durch Dienstleistungen in Kinderspitälern usw. ihre Ausbildung zu ergänzen. Die Pflegerinnen erhalten nebst einem mit den Dienstjahren steigenden d