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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Monatsgehatte freie Wohnung it nb Verpflegung im Pflegerin neu heim und erlangen unter gewissen Modalitäten im Falle eintretender Bernfsunsähigkeit, beziehungsweise nach Ablauf einer bestimmten Dienstzeit Anspruch nttf eine Pension. Die Errichtung des Instituts erfolgt durch einen vom Verein „Eintracht" (B'nai Vrith) zu gründenden Verein, in dessen Vorstand der Vorstand der Kultusgemeinde und die ärztliche Leitung des Spitales vertreten sein werden. Die Kultusgemeinde leistet für die ersten drei Jahre die sich aus Grund des aufgestellten approximativen Kostenvoranschlages als erforderlich darstellende Subvention, unter Heranziehung der Zinsen der für .die Zwecke eines Pflegerinneninstitutes bei der Kultusgemeinde erliegenden. Spenden von zirka 125 000 Kronen. Weiter übernimmt die Kultusgemeinde die Ausbildung der Schülerinnen und die sukzessive dauernde Bestellung von Pflegerinnen für den Wartedienst in: Spital. Die j Verpflichtungen der Kultusgemeinde beziehen sich auf den Zeitraum - voll drei Jahren nub wird die Frage der weiteren Subventionierung sowie überhaupt die Stellungnahme der Kultusgemeinde zu dieser Angelegenheit von der Entwicklung des Institutes abhängig sein. — Ueber das Begräbnis Salomon Bubers wird aus Lemberg berichtet: Nach der Feier im Sterbehause bewegte sich der Leichenzug, i an dessen Spitze die Knaben und Mädchen des israelitischen! Waisenhauses mit umflorter Fahne schritten, zum Friedhofe. Der hohe Schneefall hinderte nicht hunderte von Wagen und Massen von Fußgängern, den verehrten Patriarchen zur letzten Ruhestätte zu geleiten. In der Leichenhalle sprach zuerst Rabbiner Brande! Worte der Verehrung und Anerkennung im Sinne der orthodoxen! Richtung. Hieraus hielt Rabbiner Dr. Caro die eigentliche Trauerrede.! Die Rede des Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Schaff machte durch ihren warm gehaltenen und die Verdienste dev langjährigen j Kollegen im Amte würdigenden Ton einen tiefen Eindruck. Im! Namen des Hnmanitätsvereines nahmen Rabbiner Dr. Gnttmann; und im Namen aller Verehrer der jüdischen Literatur Dr. Samuel! Rappaport Abschied von dem Verklärten. — Die Ungarisch-! Israelitische Literarische Gesellschaft hielt am 19. v. M. eine! Ausschußsitzung, in welcher der Vorsitzende Dr. Wilhelm Bacher mitj teilte, daß Hosrat Dr.Philipp Weinmann diePräsidentenstelle niedergelegt! habe. Der Vorsitzende gedachte hierauf mit warmen Worten des i Ablebensdes trefflichen Historikers Dr. Ignatz Aesüdy, der den ersten : Band der im Verlag der Gesellschaft erschienenen ungarisch-jüdischen! Urkundenversammlung redigiert hat. Sekretär Dr. Josef Bünoczi! teilte sodann mit. daß sich nur den Kunewalder-Preis von 50 Dukaten! drei belletristische Werke beworben haben. Der Preis wurde jedoch ' keinem dieser Werke zuerkannt. Das aus zwei Bänden bestehende! Werk Dr. Armin Kecskemetis „Geschichte der jüdischen Literatur" wird; von der Gesellschaft herausgegeben werden. Josef Steiner berichtete; über den Erfolg der von ihm geleiteten Propaganda, mit welcher er! der Gesellschaft ungefähr 300 neue Mitglieder erworben hat. Josef ■ Hatvany-Dentsch und Hofrat Philipp Weinmann haben der Gesellschaft je 3000, Moriz Lindenbaum und Emanuel Weiß je 200 Kronen gespendet, j Das vom Bankdirektor Dionys Beck unterbreitete Budget wurde angenommen. Zum Schlüsse wurde an Stelle des Hofrats Weinmann Josef Hatvany-Dentsch mit Akklamation zum Präsidenten gewählt. Vrm Ash und ssern. Als Reichstagskandidaten find ferner aufgestellt: Rechtsanwalt Dr. Otto Löwenthal-Altona (Vorstandsmitglied der dortigen Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) für den Kreis Altona-Stormarn, Rechtsanwalt Tr. Frank-. Mannheim für Stadt-Mannheim. — Arn 1. d. M. eröffnete der Fürsorgeverein für hilflose jüdische Kinder in der Artilleriestraße 36b, Ecke der Elsasserstraße, sein Heim für hilflose Kinder. — De^ Verein für Arbeitsnachweis, begründet von beit Berliner Logen 11. O. V. V., Monbijouplatz 10. hat Durch seine Vermittlung im Monat Dezember 140 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 42 Personen vorübergehende Beschäftigung angewiesen. — Der Titel Professor wurde in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen dem Spezialarzt für innere Krankheiten Dr. Georg Rosen selb in Breslau verliehen. — In Breslau wurde der Geheime Justizrat Tr. Freund znm zwanzigstenmal als Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung wiedergewählt. — Der Kreisbauiuspektor Hermann Weis stein in Brieg ist znm Kgl. Baurat mit dem Charakter als Rat JV. Klasse ernannt worden. Herr W. ist ein Sohn des allgemein geschätzten Herrn Will). Weisstein hier. — Dem Direktor des Statistischen Amts der Stadt Magdeburg Dr Phil. Otto Landsberg ist der Titel Professor verliehen worden. — Direktor Max Bachur vom Stadt- und Thalia-Theater in Hamburg, der auf eine 25jährige Bühnentätigkeit zurückblickt, wurde vom Herzog von Sachsen-Kobnrg znm Hosrat ernannt. — Der für Stadt und Gemeinde tätige Magistratsrat Bernh. Hellmann in Wurz bürg wurde zum Kommerzienrat ernannt. Hellmann ivar auch Mitglied des Weinparlaments. — Dem Lehrer und Kantor I. Löbenstern in Burgkundstadt wurde anläßlich der Neujahrsauszeichnungen von dem Prinzregenten der Ehrentitel „Hauptlehrer" verliehen. Diese Auszeichnung ist auch für die israelitische Gemeinde um so erfreulicher, als er bei seinem 25jährigen Dienstjubiläum schon von dem dortigen Htadtmagistrat zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden ist. — In Straßb urg i. E. ist der Kommerzienrat Salomon Jacob i, der Senior der Firma Wolf Netter Jacobi, im 61. Lebensjahre gestorben. — Die Witwe des Ingenieurs David Schwarz in Agram erhielt von dem Erfinder des lenkbaren Luftschiffs Grafen Zeppelin in Ueberlingen am Bodensee den Betrag von 10 000 Mark für die Mitwirkung an der Erfindung des lenkbaren Luftballons „System Zeppelin". — (Salomon Reinach in Paris wurde zum Präsidenten der ^eaclemia des Inscriptions et Beiles Letlres gewählt. — Die Zahl der jüdischen Wähler in Wilna für die Reichsduma beträgt 11 400. — Das Statut des Zionistenvereins in Minsk wurde von der Lokalbehörde bestätigt, aber der Gouverneur protestierte dagegen, und diese Angelegenheit wurde dem Ministerium des Innern zur Revision übergeben. — Die Wilnaer Zionisten stellen den bekannten Petersburger Advokaten S liosberg als Kandidaten für die Duma auf. — Nach den Berichten des Palästinakomitees in Odessa sind im Juli d. I. 370 Personen nach Palästina emigriert, im August 707, im September 69, im Oktober 371. Der größte Teil der Emigranten sind Handwerker. In der letzten Zeit wanderten auch bemittelte Personen nach Palästina aus. Im Sommer des laufenden Jahres sind drei bedeutende Kapitalisten zu dem Zwecke ausgewanderte, große Unternehmungen zu gründen, die zusamnien ein Vermögen von 1 Million Rubel besitzen. Die Zahl der nach Jaffa Emigrierenden hat sich in der letzten Zeit vermindert, während die Zahl derer, die sich nach Jerusalem begeben, sich vergrößert. — Der gelehrte Oberrabbiner Hirsch Molk in Pinsk ist am 21. v. M. unter tragischen Umständen im 55. Lebensjahre gestorben. Er nahm an einer Beratung von Kollegen über die traurige Lage der Juden in Rußland teil und brach lvährend einer Rede zusammen. Wenige Minuten später hauchte er seinen Geist ans. Ehre seinem Andenken! — Ans Kiew schreibt man, daß der dortige Generalgouverneur eine. Revision der dort wohnhaften Juden zum Zwecke verordnete, ob dieselben das Recht haben, in der heiligen Stadt zu bleiben. Diese Revision geschieht ausschließlich im Laufe des Tages. Die Ueberfütte während der Nacht, die früher praktiziert wurden, sind aufgehoben. — Eine Gruppe des Zentrums des Neichsrates stellte dem Ministerkonseil das Ansinnen, dem Kaiser den Beschluß desselben in der Frage der Gleichstellung aller Nationalitäten vorzulegen. Unter diesemBeschlussebesinden sich folgendeUnterschriften: Graf Heyden. Kratowsky u. a. Der gewesene Landwirtschafts- Minister Jerniolow wollte diesen Beschluß nicht unterschreiben. —In N e w Jork wurde der Plan der Gründung einer jüdischen Kolonie auf einem großen Landstriche in Nassau County gefaßt. Pläne zur Etablierung von 400 Heimstätten sind bereits vorbereitet worden, und man erwartet, daß diese Heimstätten Anfang nächsten Jahres zum Beziehen fertig sein werden. Diese 400 Heimstätten sind von Juden aus der ganzen Stadt und von Long Island gekauft worden. Es ist die Absicht der Philantropen, die an der Spitze dieser Bewegung stehen, abgesonderte Heimstätten für 1685 Familien zu gründen. Die Förderer dieser Kolonie ivollen diese Stadt zu einer Uust-Nuniei'pkditkt machen.

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