Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 installieren. Die Ausstellung umfaßt eine Reihe jüdischer Statuetten (Marianne, der ewige Jude, Judu der Makkabäer, König Salomo), ferner Büsten, Masten und eine größere Kollektion von Porträt- Plaketten in Bronze und Silber. Die Ausstellung bleibt vom Eröffnungstage ab (Sonnabend, 5. Januar, 12 Uhr mittags) bis zum .81. d. M. werktäglich von 10 bis 7 Uhr offen. Eintritt frei. s. Berlin, 7. Januar. Im Inseratenteil unserer heutigen Nummer finden unsere Leser ein Bittgesuch der „Peah, jüdischen Brockensammlung" (Neue Friedrichstraße 5/6) um Ueberlassung der bei der Inventur zurückgestellten Waren für ihre Armen. Auch Papier, Pappen. Kartons, Bindfaden u. dergl. wird gern angenommen und findet seine Verwendung. Wir empfehlen diese Bitte, die nur das für andere Wertlose begehrt, dringend der Berücksichtigung unserer Leser. s. Berlin, 6. Januar. Am 2. d. M. ist hier nach kurzem Krankenlager der allgemein bekannte lind geschätzte Rabbiner Dr. Philipp Kroner im 74. Lebensjahre gestorben. Dr. Philipp Kroner, geboren am 11. Oktober 1833 zu Deutsch-Krone, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte Theologie und Philosophie in Bonn, promovierte daselbst zum Dr. phil., war ebenda Adjunkt des Konsistorialrabbiners. 1864 kam er als Rabbiner und Neligionslehrer nach Aurich. Hier wurde er 1870 zum kommissarischen Landrabbiner für die Landdrosteien Aurich und Osnabrück ernannt. 1876 bis 1888 wirkte er als Rabbiner und Religionsschuldirigent in Brandenburg a. H., 1888 bis 1904 in gleicher Eigenschaft an zwei Berliner Gemeinden, „BueBrith" und „Synagogenverein des Westens". 1897 bis kurz vor seinem Heimgang erteilte er an den höheren Lehranstalten Charlottenburgs, insbesondere der Kaiser Friedrich-Schule, dem Mommsen- und Schiller-Gymnasium, den Unterricht in der jüdischen Religion. 1904 erhielt er den Roten Adlerorden 4. Klasse. Kroner war ein vorzüglicher Prediger, ein ausgezeichneter Pädagog und ein großer Gelehrter. Außer vielen Beiträgen zur orientalischen Wissenschaft, insbesondere in Rahmers Literaturblatt u. a. O., veröffentlichte er sehr wirksame Streitschriften gegen den Antisemitismus und eine ausgewühlte Sammlung seiner Aufsätze unter dem Titel „Orient und Occident". Zwei dieser Aufsätze: „Lessing gegen Delitzsch" und „Zwei Dantestellen" trugen ihm den Dank aus den Kabinetten des Deutschen-Kaisers und des Königs von Italien ein. — An allen Stätten seiner Wirksamkeit war er bei Behörden, Privaten, bei der großen Zahl seiner Zöglinge, bei Gelehrten des In- und Auslandes, aufs höchste geschätzt und geachtet. Seine schwebende Ernennung zum Professor hat er leider nicht mehr erlebt. Kroner lebte in glücklicher Ehe verbunden mit Therese, geb. Klausner, Tochter des großen Talmud-Gelehrten Wolf Bernhard Klausner s. A. und Enkelin des berühmten Oberrabbiners Wolff Klausner. Die treue Gattin und zwei Kinder, der Königliche Amtsrichter Wilhelm Kroner und Fran Dr. Fränze Wohlgemuth, und deren Familien betrauern^ mit allen, die ihn kannten, den Heimgang des trefflichen und edlen Mannes, dessen Andenken fortleben wird in dem Kreise, den er durch sein Wissen und seine rastlose Arbeit ausgesüllt hat! §2 Berlin, 7. Januar. Ami. d. M. ist hier im 78. Lebensjahre einer der besten Männer unserer Gemeinde, der Gerichtsassessor und Bankdirektor a. D. Maximilian Herrmann, gestorben. Aus einer alten jüdischen Familie in Glogau stammend, ein Neffe des Berliner Rabbiners I. I. Oettinger, widmete er sich früh dem Talmudstudium. Dann besuchte er das Gymnasium seiner Vaterstadt, die Universitäten zu Breslau und Berlin, um Jura zu studieren. Nachdem er unter den damaligen politischen Verhältnissen an eine juristische Karriere nicht denken konnte, ging Herrmann zum Bankfach über und wurde Direktor der Bodenkredit-Aktiengesellschaft. Für jüdische Angelegenheiten bewahrte er sich stets das wärmste Interesse. Er war Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde von 1880—1896. Als der sogenannte konservative Hauch zu wehen begann, war Herrmann, der mit wahrem Freimut uud großer Sachkenntnis die Dinge beurteilte, das erste Opfer desselben. Und doch hat die Gemeinde nicht viele solcher Männer unter ihren Vertretern gehabt. Er war Vorsitzender der Armen-, der Friedhofs-, der Subventionskommission, und an der Entwicklung der Gemeinde in diesen 16 Jahren hat er einen starken Anteil gehabt. Das warme Interesse für alle Angelegenheiten der Gemeinde nnd des Judentums hat sich Herrmann auch nach seinem Rücktritt bis zum Tode bewahrt. Er war eine eigenartige Erscheinung aus der Uebergangszeit des jüdischen Lebens, voll kaustischen Witzes, oft von ätzender Schärfe, aber innerlich von tiefer Liebe und wahrer Güte erfüllt, eine Erscheinung, die in ihrer Eigenart eine besondere Schilderung erheischt und auch erfahren wird. Das Leichenbegängnis fand am 4. d. M. auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Rabbiner Dr. Bäck-Oppeln, ein Neffe des Verstorbenen, hielt die Grabrede, in der er mit feinem Verständnis das Wesen und die Eigenart des Mannes schilderte, dem alle, die ihn je gekannt, sicher auch eilt treues Andenken bewahren werden. - Königsberg i. Pr., 8. Januar. Am 24. v. M. feierte der Verein Jüdischer Studenten zugleich mit seiner Semesterantrittskneipe die Einweihung seines neuen Hauses. Der über Erwarten glänzende Verlauf dieser Feier legte beredtes Zeugnis davon ab, daß es dem Verein Jüdischer Studenten in der kurzen Zeit seines Bestehens in zielbewußter Tätigkeit gelungen ist, sich zum Mittelpunkt der bewußt jüdischen Kreise Königsbergs zu machen. Die jüdischen Vereine, die zionistische Ortsgruppe, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur, deren Vorträge und Versammlungen in Zukunft im Vereinskasino stattfinden werden, waren durch ihre Vorstände vertreten. Die Zionistische Vereinigung pflanzte dem Verein Jüdischer Studenten zehn Oelbüume. Als Vertreter der Repräsentanz sprach Herr Stadtverordneter Max Arendt. Für beit Verein Jüdischer Studenten gewann der Einweihungskommers seine besondere Bedeutung dadurch, daß zum erstenmal Vertreter der Bundesvereine in unserer Mitte weilten und Zeugnis ablegten von dem festen Zusammenhalten im A. I. C. Im Namen des Bundes sprach Alter Herr Assessor Dr. Dobrzynski, den Stammverein Berlin vertrat Alter Herr Dr. Salinger, den neugegründeten Verein Jüdischer Studenten „Makkabäa" Bundesbruder Rosenblüth. In der Tendenzrede entwarf Alter Herr h. c. Rabbiner Dr. Perles in begeisternden Worten ein Bild von den Leistungen und Aufgaben des Vereins Jüdischer Studenten. — Chargierte sind in diesem Semester cand. jur. Klewansky xxx, stud. med. Jvar Weißbrem xxx, eand. im-. Blumenfeld (Fuchsmajor). Durch die tatkräftige Unterstützung der maßgebenden Kreise ist es gelungen, das jüdische Haus zu schaffen, das einen Mittelpunkt jüdischen Geisteslebens in Königsberg bilden soll. Kp. Ans der Provinz Posen, im Januar. In Posen ist kürzlich das langjährige Vorstandsmitglied der dortigen Synagogen' gemeinde, Kaufmann Eduard Levy/im Alter von 68 Jahren gestorben. — Das Sabor'sche Ehepaar in Wollstein beging kürzlich das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlasse ist ihm ein kaiserliches Gnadengeschenk von 50 Mark überwiesen worden. Auch der Vorstand der Synagogengemeinde und der israelitische Frauenverein überbrachten ehrende Aufmerksamkeiten. — Der Schulvorstand der jüdischen Schule zu Ostrowo hat beschlossen, in der dortigen Schule Volks- und Jugendspiele einzuführen und den Lehrer Koerpel zur Teilnahme an einem diesbezüglichen Ausbildungskursus zu entsenden. — Frau Rubin in Wreschen ist zur Vorsitzenden des israelitischen Frauenvereins daselbst neugewählt worden. — Das Moritz Baer'sche Ehepaar in Miloslaw beging neulich das Fest der goldenen Hochzeit. — In der Synagoge in Raftenburg wurde jüngst ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Dieb ist in der Person des Schmiedegesellen Kecker daselbst ermittelt worden. — Zu Geschworenen für die in Ostrowo stattfiudende Januar-Schwurgerichtsperiode sind die Herren Kaufmann Martin Pilz und Siegfried Jmbach aus Ostrowo, sowie Buchdruckereibesitzer E. Joachim aus Pleschen und Kaufmann Carl Katzenellenbogen aus Krotoschin ausgelost worden. 6c. Breslau, 3. Januar. Die, wie bereits berichtet wurde, am 23. v. M. hier abgehaltene Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hatte sich bei der Wichtigkeit der zur Beratung gestellten Punkte zahlreichen Besuches zu erfreuen. Unter den Ehrengästen des Vereins bemerkten wir auch den verehrten Herrn Seminarrabbiner Professor Dr. Lewh, auch Herrn Direktor Dr. Adler aus Frankfurt a. M. Ihnen, wie auch dem in: Laufe der Verhandlung später erschienenen Vertreter des Kantorenverbandes, Kantor Fabifch-Göttingen, widmete der Vorsitzende Professor Dr. Badt ehrende Worte der Begrüßung. Ter zur Beratung gestellte Antrag betreffs Aufnahme außerordentlicher Mitglieder, die wohl beut