Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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71. Jahrgang. Nr. 2. Berlin, II. Januar 1907. Der Gemeindetzote. Neilsgr zur „Allgemelnen Lrikung deK Judentums". Sorrkkpondrn?rn und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 6. Januar. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung verlief absolut interesselos. Mit einigen Bewilligungen sür bauliche Veränderungen und Mobiliaranschaffungen und der Abordnung des Herrn Professor Kalischer in das Kuratorium der Dr. Ephraim-Stiftung war der Inhalt der öffentlichen Sitzung erschöpft. Die Anberaumung der heutigen Versammlung wäre auch wohl kaum erfolgt, wenn nicht satzungsgemäß die Neuwahlen für die Konstituierung der Repräsentanz im Januar hätten erfolgen müssen. Bei der während der jetzigen Session von beiden Parteien prästierten Friedensliebe lag in der Tat kein Grund vor für eine anderweitige Zusammensetzung des Präsidiums. Und so verlief auch dieser Akt vollständig uninteressant. Zu den drei Vorsitzenden wurden wiederum die Herren Louis Sachs, Geheimrat Blumenthal und Kommerzienrat Friedlän der, zu den beiden Schriftführern die bisherigen, Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn und Willibald Loewenthal, vorgeschlagen und gewühlt. — Aus der geheimen Sitzung können wir noch mitteilen, das; die Anstellung ( des Religionslehrers Dr. Julius Guttmann aus Breslau, des Sohnes des Breslauer Rabbiners Dr. Guttmann. als Hilssprediger beschlossen wurde. s. Berlin, 7. Januar. Der Hilfsverein der Deutschen Inden ist fortgesetzt bemüht, den von ihm geleiteten, resp. subventionierten Schulen tüchtige Lehrkräfte zuzuführen, die in Deutschland ihre Ausbildung erhalten haben. Für das Lehrerseminar des Hilfsvereins in Jerusalem und die Realhandelsschule, die von ihm in Jerusalem im April nächsten Jahres begründet werden wird, ist der geprüfte Lehramtskandidat Herr Siegfried Rothenberg, zurzeit Nürnberg, verpflichtet worden, der insbesondere den Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften sowie in Handelskunde und Buchführung übernehmen wird. Herr Rothenberg hat die Realschule und das Realgymnasium in München besucht und in München und Berlin Mathematik undPhysikstudiert. ErwaramRealgymnasimnzuAugsburg bereits praktisch tätig. Bei dem Preisausschreiben der Technischen Hochschule in München sür das Jahr 1905,06 hat er den ersten Preis für die Arbeit aus der Geschichte der Mathematik erhalten. Bor Antritt seiner Stellung in Jerusalem, die am 1. April 1907 erfolgt, ivird Herr Rothenberg noch promovieren. Cs ist ferner die Entsendung eines zweiten Lehrers sür die deutsche Sprache an die Schule der israelitischen Gemeinde in Philippopel auf deren dringendes Gesuch erfolgt; an der Schule ist bereits seit 1904 ein vom Hilfsverein der Deutschen Juden gestellter Lehrer — gleichfalls in deutschen; Sprachunterricht — mit bestem Erfolg tätig. Herr Ernst Berger, der an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt die Religionsprüfung und am Kgl. Lehrerseminar zu Gütersloh die erste Lehrerprüfung abgelegt hat, ist für den Posten engagiert worden und trat bereits an; 1. Januar 1907 seinen Dienst an. Die Philippopeler Schule hat infolge besonderer Verhältnisse eine außergewöhnlich große Schülerzahl — 942 Knaben und Mädchen. Das Schulkomitee tut sein möglichstes. um den deutschen Sprachunterricht entsprechend der Wichtigkeit, die die deutsche Sprache für Handel und Verkehr gewonnen hat, auszugestalten. Als fremde Sprachen stehen deutsch und französisch zur Wahl. Trotz der großen Schwierigkeit, die den spanioliscken Kindern die Erlernung des Deutschen im Verhältnis zu dem Französischen besonders im Anfang bereitet, hat das Deutsche die größere Zahl von Optanten gefunden; ein Beweis, wie stark das Bedürfnis nach deutschem Sprachunterricht empfunden wird. Die Aschkenasim pflegen schon im allgemeinen den deutschen Unterricht zu bevorzugen. — Berlin, 6. Januar. Am 1. d. M. beging Herr Hauptkantor Aron Friedmann sein 25jähriges Amtsjubiläum in der Berliner jüdischen Gemeinde. Wie Friedmann sein Amt anfgesaßt hat und wie sein segensreiches Wirken anerkannt wird, davon lieferte sein Jubeltag den besten Beweis. Für den Schreiber dieser Zeilen war es eine Herzensfreude, Zeuge all der Ehrungen zu sein, die dem Jubilar geworden. Der Chor der Alten Synagoge, unter Leitung des Herrn Musikdirektors Bloch, eröffnete mit einem Ständchen den Reigen, und es war ein glücklicher Gedanke, daß er das stimmungsvolle Socharti loch von Lewandowski als Morgengrus; gewählt. Es folgte eine Deputation der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner, in deren Namen Herr Max Haus die Wünsche darbrachte. Den Gipfelpunkt bildete die herzliche Ansprache des Herrn Justizrats Timendorfer, der im Namen des Vorstandes der Gemeinde die Glückwünsche überbrachte. Von besonderer, prinzipieller Bedeutung war die Aeußerung des Redners, daß man im Vorstande sich mit dem Gedanken beschäftigt, die Stellung der Kantoren zu heben. Die soziale Besserstellung hänge aber von der Person selber ab. Der Jubilar, so fährt Redner fort, von der Voraussetzung ausgehend, daß die kantorale Bildung allein nicht ausreicht, um allen Ansprüchen der Jetztzeit zu genügen, war bestrebt, sich wissenschaftlich weiter zu bilden und hat sich dadurch die Wertschätzung der Gemeinde, des Vorstandes und weiter Kreise erworben. Nachdem Herr Justizrat I Timendorfer seine wahrhaft herzliche Ansprache gehalten und ein Ehrengeschenk der Gemeinde überreicht hatte, dankte der Jubilar tiefbewegt: er sei sich stets des Ausspruches: „Wisse, vor wem du stehst!" bewußt gewesen, und gelobte seierlich, seine Kräfte auch ferner in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Herr Kollege Kalischer sprach im Namen des Deutschen Kautorenverbandes, und Kollege Epstein im Namen der Hilfskasse, deren Witwen und Waisen des Kantorenvereins. Beide Redner dankten dem Jubilar für sein segensreiches Wirken im Interesse des Standes und besonders für die reichliche Zuwendung zugunsten der Hilsskasse aus den Erträgnissen seines Werkes „Schir li Schlaumau“. Wenn nun der Jubilar die Strecke der zurückgelegten Laufbahn, seinen Werdegang von dem kleinen russischen Städtchen, wo er zum erstenmal als Singerl den Chor seines ersten Lehrmeisters unterstützte, bis zu seiner heutigen angesehenen Stellung in der Metropole Deutschlands überblickt, kann er mit glücklichem Bewußtsein sprechen: „Glicht vergeblich habe ich mich gemüht!" Eine harte Schule des Lebens hat Friedmann durchmachen müssen, viele Hindernisse, viele bittere Erfahrungen sind ihn; nicht erspart geblieben, nichts aber vermochte ihn abzuhalten, unentwegt vorwärts zu schreiten, in seine Studien sich immer mehr zu vertiefen und im Interesse der Gesamtheit zu schaffen. Sein„Schir li Sclilanmau Qiasonus“ fürs ganze Jahr und der „Synagogate Gesang", dem Andenken Sulzers uub Lewandowskis gewidmet, zeugen von seinen: eminenten Fleiß und sind von bleibendem Wert. Biele Kompositionen harren noch der Veröffentlichung. Möge der verehrte Jubilar noch recht lange in ungeschwächter Kraft seines heiligen Amtes walten. Sarasohn, Stettin. n. Berlin, 5. Januar. Am 28. v. M. feierten Herr Hauptkantor Joseph Epstein mit seiner Gattin Clara, geb. Bobrecker, das Fest der silbernen Hochzeit. Es war erhebend, zu sehen, welcher Beliebtheit und Wertschätzung sich das Jubelpaar erfreute. Zahlreiche Gönnerund Freunde versammelten sich im Hause des Jubelpaars, um es durch mannigfache Ehrungen und Geschenke zu erfreuen. Unter den vielen Aufmerksamkeiten sind besonders hervorzuheben ein prächtiges Blumenarrangement des Vorstandes der Synagoge Kaiserstraße und ein Glückwunschtelegramm des Vorsitzenden Herrn Justizrat Timendorfer, im Namen der vereinigten Synagogenvorstände. s. Berlin, 6. Januar. Die Skulpturen - Ausstel lung von Alfred Nossig, welche während des Dezembers in der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten zu sehen war, erweckte bei dem kunstverständigen Publikum so lebhaftes Interesse, daß die Amelangsche Kunsthandlung sich entschlossen hat, die ganze Ausstellung für den Monat Januar in ihrem Salon, Eharlottentmrg, Kantstraße 164, zu