Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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20 über „Die Organisationsbestrebungen innerhalb der preußischen Iudenheit", die Herren Rabbiner Dr. Bondi-Mainz und Dr. Bleichrode-Berlin über die Religions- und Geschichts-Lehrbücher, Dr. Hirsch Hildesheimer über die Schäch'tfrage, über ihren gegenwärtigen Stand und über die Abwehrmaßnahmen, die notwendig seien. Der bisherige Vorstand: Rektor Dr. Hoffmann-Berlin, Vorsitzender, Dr. I. Bondi- Mainz, Dr. I. Cohn-Kattowitz, Dr. M. Horovitz-Frankfurt a. M., Dr. P. Kohn-Ansbach, Dr. I. Loeb-Emden, Tr. E. Mnnk-Berlin, wurde zunl Schluß wiedergewählt. Aus der arabischen Märchenwelt. Von Dr. Adolph Ko Hut. u meinem Aufsatz über das jüdische Element in den Erzählungen vvn 1001 Nacht muß ich noch einige notwendige Ergänzungen geben, ohne die das Ganze unvollständig und unverständlich wäre. Die Gewandtheit und Geschicklichkeit im Handel und Wandel, das korrekte und prompte Bezahlen, aber zugleich auch die Ehrlichkeit eitles israelitischen Kaufmanns wird in der Geschichte des „Nurreddin Ali und Bedreddin Hassan" gleichfalls in anschaulicher Weise uns vvrgeführt. In jener in vielfacher Hinsicht interessanten und bedeutsamen Fabel, die in Aegypten spielt, handelt es sich um einen gerechten, mitleidigen, wohltätigen und freigebigen Sultari und seinen Großwesir. Dieser hatte zwei Söhne, Namens Scheinseddin Mohammed und Nureddin Ali, von denen namentlich der letztere über die glänzendsten Vorzüge des Geistes und Körpers verfügte. Nach dem Tode ihres Vaters wurden beide vom Sultan zu seinen Großwesiren ernannt, und sie führten die Geschäfte des Landes. Beide Brüder liebten sich zärtlich, und da sie unvermählt waren, beschlossen sie, an einem und demselben Tage zwei Schwestern ans vornehmer Familie zu heiraten. Ihr heißester Wunsch war, daß, wenn sie an demselben Tage sich verlobten und verheirateten, ihre Frauen ihnen zu gleicher Zeit Kinder schenken möchten. Sie gelobten sich, ihre Kinder, falls es ein Knabe und ein Mädchen wären, miteinander zu verheiraten. Ueber die Zukunstsmitgift gerieten jedoch die beiden Brüder schon jetzt in Streit, und als der jüngere Nureddin Ali seinem Bruder den Vorwurf machte, daß er die Sache gar zu geschäftsmäßig betreibe und augenscheinlich das Talent habe, mit anderer Leute Geld Geschäfte machen zu wollen, wurde der ältere sehr jähzornig, nannte ihn einen Undankbaren und nur seinen Gehilfen beim Wesirat; auch schwur er hoch und heilig, daß, wenn ihm, Schemseddin Mohammed, ein Sohn beschert werden sollte, er es nie zugeben werde, daß der Jüngling sich mit seiner Cousine verheirate. Die Folge des Zerwürfnisses war, daß Nureddin Ali Aegypten auf einem Maulesel verließ und den Weg durch die Wüste nach Arabien einschlug. Er hielt sich in Balsora, einer einst berühmten ägyptischen Handelsstadt, verborgen; dort gefiel er dem Statthalter. der ihn bald so lieb gewann, daß er ihn zu seinem Schwiegersohn erwählte und später ihm sogar die Regierungsgeschäfte übertrug. Die Gattin Nnreddins schenkte ihm nach nenn Monaten einen Sohn, den der Vater Bedreddin Hassan nannte. Der Knabe wurde sehr sorgfältig erzogen und hatte mit zwölf Jahren schon so viel gelernt, das; seine Ausbildung nichts mehr zu wünschen übrig ließ. Bis dahin wurde er in aller Stille unterrichtet und nun sollte er die Welt sehen. Doch bevor Nureddin Ali seinen Sohn auf dessen Reise begleiten konnte, wurde er von einer tödlichen Krankheit ergriffen. Als er seine letzte Stunde herannahen sühlte, gab er seinem hochbegabten und bildschönen Sohne einige sehr nächtige Lehren, die für die arabische Lebens- und Weltklugheit sehr charakteristisch sind und die man in dem Buche selbst Nachlesen mag. Nur in der berühmten Geschichte, die sich betitelt „Aladin und die Wunderlampe", werden so manche Vorurteile, die die christliche rnittelalterliche Welt mit dem Begriff des jüdischen Kaufmannes verband, aufgewärmt, und der semitische Geschäftsmann wird als derjenige hingestellt, der die Leichtgläubigkeit eines Menschen, der den Wert kostbarer Gegenstände nicht zu schätzen weiß, mißbraucht und ihn dadurch schädigt. Es erscheint wohl überflüssig, die allgemein bekannte Erzählung von der Wunderlampe Aladins hier zu wiederholen. Auch hier sind es Geister, die ihren Spuk treiben. Der eine ist ein Sklave des Ringes, den Aladin am Finger trägt, und ein anderer ein Sklave der Lampe, die die Mutter in der Hand hält. Obschon beide von den Geistern nichts wissen wollen und sie für lauter Unholde erklären, wie sie schon Mohammed bezeichnet, so wird doch ihr Leben mit den Geistern eng verflochten. Die Zauberlampe ist es denn auch, die alles liefert, was die Mutter und Sohn zu ihrem Lebensunterhalt brauchen. Aladin beschließt, von der Zauberkraft der Lampe den möglichsten vorteilhaftesten Gebrauch zu machen, aber so, daß er dadurch nicht den Neid und die Mißgunst seiner Nachbarn errege. Durch einen Druck aus die Zauberlampe erschienen dann auch bedienende Geister, die ihm die herrlichsten Speisen ans silbernen Schüsseln versetzten. Praktisch, wie er war, beeilte er sich, diese wertvollen Geräte zu verkaufen. Natürlich geht er zu einem Juden, dem er eine Schüssel zum Kauf anbietet. Der Händler erkannte die Schüssel sogleich für Silber und fragte den Besitzer, was er dafür haben wolle. Aladin, der jedoch den Wert der Schüssel nicht zu schätzen wußte und auch mit solchen Sachen nie Handel getrieben, erwiderte unbefangen, daß er, der Israelit, am besten beurteilen könne, welchen Wert die Schüssel habe, und er müsse sich hierin ganz und gar auf seine Ehrlichkeit verlassen. Nun berichtet über dieses Geschäft der Märchenerzähler in sehr ausführlicher Weise, die wir aber füglich hier übergehen können, da sie weder originell noch so hübsch ist wie die anderen Geschichten der Sammlung. Doch muß ich sogleich bemerken,' daß selbst in der gehässigen und tendenziösen Darstellung des Charakters des betreffenden jüdische;; Geschäftsmannes er nur gleichsam zufällig als Jude bezeichnet wird, und daß in keiner Weise eine Verallgemeinerung stattfindet, so daß die jüdischen Kanflente als solche weder geschmäht noch verleumdet werden. Was nun die Bibel und die biblischen Gestalten - in „Tausend und eine Nacht" betrifft, so sei mir darüber hier noch eine Bemerkung gestattet. Die Autoren der arabischen Märchen und Novellen sprechen wiederholt mit größter Begeisterung und Verehrung von den Königen David und Salomo. Besonders dem letzteren wird eine unendliche Zauberkraft zugeschoben; er ist gleichsam der Heerführer aller guten Geister, die er durch sein Schwert, ans dem der Name Gottes verzeichnet ist, bändigt und komurandiert. In einer Erzählung wird bezüglich des Königs Davids auf den Koran — 81 Sure, Vers 04 — hingewiesen, wo gesagt wird, daß Gott unter Davids (Daüd) Händen diese erweichte, und daß dieser nur feste Harnische »lachte. Diese Harnische heißen deshalb in; arabischen Daüdi. Auch Moses und die Propheten erfreuen sich der gleichen Hochachtung. und nicht nur Sprüche des Korans, sondern auch Sätze aus den; Pentateuch, den Psalinen und den Propheten werden wiederholt zitiert. Der Erzvater Jakob wird gleich-